Archiv für die Kategorie »Mein Eintracht-Tagebuch«
Eintracht-Tagebuch – Eintrag vom 10. Februar 2010
Liebes Eintracht-Tagebuch,
gestern hat Jens, der Sohn meiner Nachbarn, mal wieder wegen seiner Hausaufgaben bei mir geklingelt. Er solle etwas über »Geschwindigkeit« schreiben, aber ihm fiele nichts ein. Da ich ihn nicht enttäuschen wollte, verschwieg ich ihm nicht nur, dass sowohl Physik als auch Mathe in der Schule immer zu meinen natürlichen Feinden gehört hatten, sondern setzte ihn für ein paar Minuten vor den Fernseher, um dann schnell im Internet nachzuschauen, ob ich was Passendes finden könnte.
Veröffentlicht von
Henni Nachtsheim am
10. Februar 2010 .
Abgelegt unter:
Mein Eintracht-Tagebuch |
Kein Kommentar vorhanden »
Eintracht-Tagebuch – Eintrag vom 27. Januar 2010
Liebes Eintracht-Tagebuch,
auch heute muss ich Dir mal wieder was anvertrauen. Ich habe ein fast schon irrational inniges Verhältnis zu Zahlen. Kein Quatsch! Ich kann mir zum Beispiel Telefonnummern leichter merken als Namen! Und ich weiß oft noch Monate nach einem Hotelbesuch, welche Nummer mein Zimmer hatte – während ich nicht mehr zusammenbekomme, warum ich überhaupt da war. Und je länger ich mich mit dieser Materie beschäftige, umso mehr lerne ich über die großen Unterschiedlichkeiten bei Zahlen.
Veröffentlicht von
Henni Nachtsheim am
31. Januar 2010 .
Abgelegt unter:
Mein Eintracht-Tagebuch |
Kein Kommentar vorhanden »
Eintracht-Tagebuch - Eintrag vom 14. Januar 2010
Liebes Eintracht-Tagebuch,
auch wenn ich gerade etwas in Eile bin, muss ich Dir doch schnell was erzählen! Gestern habe ich meinen Freund »Brocken« besucht, um ihm endlich ein gutes neues Jahr zu wünschen! Du weißt schon, der, der sich diesen Namen über viele Jahre mit viel Hingabe und den entsprechenden Kalorienbomben redlich »erarbeitet« hat. Da ich ihn das letzte Mal vor Weihnachten gesehen hatte und die Feiertage ja nicht unbedingt von essenstechnischer Enthaltsamkeit geprägt sind, vermutete ich, ihn mit persönlichem Höchstgewicht anzutreffen!
Doch weit gefehlt! Schon als er mir die Tür öffnete, und ich statt seiner gewohnten Schinkenspickerbäckchen diese leicht eingefallenen Wangen sah, und ich kurz drauf bemerkte, dass das XXXL-Eintrachttrikot, das er trug, tatsächlich noch ein bisschen Platz bot, statt wie eine zweite Haut an ihm zu kleben, wusste ich… mein Freund hatte abgenommen!
»Gude Brocken, Du machst ja Diät! Find ich super!« begrüßte ich ihn gutgelaunt. »Von wesche ›Diät‹…« brummelte er miesepetrig, »ich bin im Hungerstreik!« Irritiert nahm ich auf seiner rotschwarzen Couch Platz. »Hungerstreik? Wieso das denn?« »Weil ich des alles net mehr aushalte! Dieser Konflikt macht mich auf Dauer fix und fertisch! Deswegen muss jetzt aaner ma en Zeiche setzen, sonst hört des nie uff! »Ich überlegte, was er wohl meinte. »Meinst Du Juden und Palästinenser, und dass es da immer wieder von vorn losgeht?« »Nee!« »Spanien und die ETA!« »Auch net!« »Amis und Taliban?« »Schlimmer!« »Was iss’n noch schlimmer?« Brocken schaute mich ernst an. »Skibbe und Bruchhagen!« »Was?« »Ja! die kriegen des einfach net in Griff. Immer will der aane genau des, was de annern net will! Des zermürbt mich langsam…«
»Aber Du kannst doch die inhaltliche Auseinandersetzung der Beiden nicht schlimmer einstufen als einen religiösen Krieg!« Gereizt musterte mich mein Kumpel. »Ach nee? Find ich aber schon. Des is jetzt schon es dritte Ma, dass en Spieler net kommt, auf den ich mich gefreut hab. Erst de Lincoln, dann de Gekas, der stattdessen zum todsicheren Absteiger geht, und jetzt dieser Djebbour. Des is, wie wenn am Weihnachtsabend immer wieder jemand mim Glöcksche bimmelt, man ins Wohnzimmer rennt, um dann jedes Mal festzustellen, dass schon wieder keine Geschenke unnerm Baum liegen! Ich kann de Skibbe verstehen, dass er mit Rücktritt droht. Ich pack das auch alles net mehr! Noch ein so’n Ding und ich werde Kickersfan…!« »Klar! Und Osama bin Laden wird amerikanischer Präsident! Mensch Brocken, jetzt mach mal halblang. Du musst auch Bruchhagen und die anderen im Vorstand verstehen. Da ging es um viel Geld, was die Eintracht nicht unbedingt hat. Dazu kommt, dass Lincoln und Gekas ja keine jungen Hüpfer mehr sind, und man nicht weiß, wie lange sie uns wirklich hätten weiterhelfen können. Und das Verhalten von AEK Athen bei Djebbour war einfach billligste Kiste. Da geht’s auf’m Flohmarkt in Hanau ja noch seriöser zu!« »Interessiert mich alles net! Ich sage… mer brauche noch’n Stürmer!« »Und ich sage… ja, aber nicht um jeden Preis!« Wütend fügte ich hinzu »Wenn Du übrigens hier zu Hause vor Dich hinhungerst, bekommt das draußen keiner mit. Wenn Du Aufmerksamkeit erzeugen willst, solltest Du Dich am Besten am Stadion irgendwo nackt anketten, und Dir ein Schild umhängen: ›Ich hungere für einen neuen Stürmer!‹« Trotzig schweigend starrten wir einige Minuten in entgegengesetzte Richtungen. Plötzlich huschte ein Grinsen über Brockens Gesicht. »Ich sag Dir… wenn ich des mach, ham die schneller en neuen Mann verpflichtet als mer gucke könne!« »Stimmt« antwortete ich kurz feixend.
»Aber jetzt mal im Ernst! Beide, Bruchhagen und Skibbe, sind Leute mit Ahnung und Sachverstand! Das werden die doch irgendwie auf die Reihe kriegen.« »Kann ich net wirklich beurteilen. Aber ich weiß, dass wir uns beeilen müssen! So, und jetzt zieh Deinen Mantel an!« Fragend schaute ich ihn an »Wieso? Wo willst Du denn hin?« Entschlossen schaute mir Brocken in die Augen. »Ei zum Baumarkt! Ne ordentliche Kette kaufen…!«
So war das gestern, liebes Tagebuch! Jetzt muss ich mich beeilen, denn Brocken wartet unten im Auto. …wir müssen los! Zum Stadion…! In diesem Sinne! Hendrik Nachtsheim
Veröffentlicht von
Henni Nachtsheim am
14. Januar 2010 .
Abgelegt unter:
Mein Eintracht-Tagebuch |
Kein Kommentar vorhanden »
Eintracht-Tagebuch - Eintrag vom 16. Dezember 2009
Liebes Eintracht-Tagebuch,
dass es in Deutschland überall immer mehr Fußballschulen für Kids gibt, weißt Du natürlich. Unser Frankfurter Rekordspieler Charly Körbel, der »treue Charly« zum Beispiel, hat so eine hier bei uns in der Gegend. Und genau wie er unterrichten auch in anderen Regionen vor allem Ex-Profis fußballbegeisterte Kinder und versuchen, die besonders talentierten zu fördern. Was ja prima ist!
Aber wusstest Du, dass es auch noch ganz andere »Fußballschulen« gibt, die mit denen eben genannten eher so gar nichts zu tun haben? Siehst Du, ich auch nicht. Bis mich ein Freund angerufen und mir davon erzählt hat.
Der lebt mit seiner Familie in Berlin, und sein Sohn hat eine dieser Schulen durch Zufall beim Zeitungsaustragen in einem schäbigen Hinterhof eines noch schäbigeren Mietshauses entdeckt, übrigens gar nicht weit entfernt vom mittlerweile berüchtigten Cafe King. »School of Destruction« steht auf dem Klingelschild, was so viel heißt wie »Schule der Zerstörung«.
Wobei »Destruction« auch für »Destruktivität« oder Ähnliches steht. Um dort aufgenommen zu werden, braucht man keinerlei Qualifikation, es reicht schon »die richtige Einstellung«. In diversen Unterrichtsräumen kann man jede Menge verschiedener Fächer belegen, das Angebot ist wirklich groß.
So gibt es zum Beispiel ein »Musikzimmer«, in dem man besonders höhnische Fangesänge einzustudieren lernt! Direkt daneben ist der »Rhetorikraum«, in dem unzählige rassistische, polemische bis unsäglich blöde Parolen an der Tafel stehen, und in dem man auf einem Fernseher diverse Aufzeichnungen der fiesesten Fan-Aktionen aus aller Welt bestaunen kann. Zum Beispiel die, in der gehirnfreie Fans von Liverpool vor einigen Jahren die Anhänger von Manchester provozierten, in dem sie mit ausgebreiteten Armen an das Flugzeugunglück von 1958 erinnerten, bei dem damals die halbe ManU-Mannschaft ums Leben kam.
Im sogenannten »Trick-and-win«-Raum bekommt man alle Infos, die man zu einem handfesten Wettbetrug braucht, von »Bestechung üben« über »Hotelköche zur Spielervergiftung zwingen« bis hin zur gepflegten »Mittäterdenunzierung«.
Des Weiteren gibt es ein mit Beton ausgegossenes »Blutgrätschen-Zimmer«, in dem man besonders üble Fouls trainieren kann! Und eine »Eltern-Beratungsstelle«, in der zum Beispiel Väter harmloser, unschuldiger Fußballknirpse lernen, wie man aufgrund unterirdischer Schiribeleidigungen selbst ein F-Jugendspiel zum Abbruch treibt. Auch schön ist neben dem »Hooligan-Stübchen« die Busattrappe, an der man wahlweise Sitzblockaden in Kombination mit Todesdrohungen in Richtung Spieler oder auch das Stürmen des Mannschaftsbusses direkt trainieren kann.
Ja, und es gibt sogar ein »Dietmar-Hopp-Zimmer«, in dem man den besonders Blöden ihr Resthirn wäscht, indem man ihnen immer und immer wieder erzählt, dass der Besagte ein schlimmer Mensch sei, bis keiner mehr von ihnen auch nur ansatzweise realisieren kann, dass ausgerechnet Dietmar Hopp ein sozial hoch engagierter Mann und Hoffenheim kein Feind-, sondern, wenn überhaupt, Spiegelbild des bezahlten Fußballs ist!
Ja liebes Tagebuch, jetzt weißt Du, warum es neben den schönen Seiten des Fußballs auch die fiesen gibt. Und warum es in den letzten Monaten so (zu) viele unangenehme Nebenschauplätze gab. Dummerweise kann man diese Art von Schulen nicht komplett schließen, was aber nicht heißt, dass man sich nicht verstärkt gegen ihre Existenz wehren soll.
Zum Beispiel, indem wir unseren Kids nimmermüde klarmachen, dass solche Dinge so gar nichts mit den Grundgedanken des Fußballs zu tun haben – und wie schön und bedeutsam es ist, zum Beispiel einer von Charly Körbels Fußballschülern zu sein! Das mag naiv klingen, aber mitunter ist Naivität immer noch ein besserer Ratgeber als Blödheit oder Boshaftigkeit!
Das, liebes Tagebuch, wollte ich so kurz vor der Winterpause und dem Jahreswechsel einfach noch mal loswerden. Was aber nicht heißen soll, dass ich frustriert wäre! Das nicht! Denn da ist ja noch mein Eintracht-Fananteil in mir, und dem geht es gut dieser Tage! Zumal unsere Mannschaft das prima gemacht hat die letzten Spiele, das sah mitunter schon ausgesprochen vielversprechend aus. Und deswegen habe ich auch meinen Wunsch, nämlich einen Dreier gegen Wolfsburg, wieder von meiner Liste für den Weihnachtsmann gestrichen. Denn bei allem Respekt vor dem Mann im roten Gewand – das könnte die Eintracht am Samstag auch von ganz alleine schaffen! In diesem Sinne! Hendrik Nachtsheim
Veröffentlicht von
Henni Nachtsheim am
16. Dezember 2009 .
Abgelegt unter:
Mein Eintracht-Tagebuch |
Kein Kommentar vorhanden »
Eintracht-Tagebuch - Eintrag vom 2. Dezember 2009
Liebes Eintracht-Tagebuch,
als ich noch zur Schule ging, hatten wir einmal aufgrund großen Lehrermangels einen Dozenten von der Uni Frankfurt als Aushilfslehrkraft, der uns für ein halbes Schuljahr in Physik unterrichtete. Der gute Mann war schon über siebzig und durchaus das, was man gerne einen »alten Kauz« nennt. Da er schwerhörig war und sich zudem gerne mal vergaloppierte, indem er mit einem Thema anfing, dieses urplötzlich verließ, um mit etwas komplett anderem weiterzumachen, das er wiederum mit was ganz Neuem beendete, gerieten die Stunden bei ihm immer zu einer Art ›Happening‹. Was aber nicht heißen soll, dass er nichts draufhatte!
Einmal fragte ich ihn nach dem Unterricht, in dem es nach Quantenphysik und Thermodynamik schließlich um die zukünftige Entwicklung des Universums gegangen war, wie wahrscheinlich das denn alles sei. Worauf er antwortete: »Wissen Sie, junger Mann, das mit der Wahrscheinlichkeit ist so eine Sache. Weil vieles, was wahrscheinlich ist, bei genauer Betrachtung dann doch wahrscheinlich eher unwahrscheinlich ist!« Dieser Satz hat mein Leben nachhaltig verändert! Denn an diesem Tag hat er eine neue Leidenschaft in mir geweckt! Und zwar die für Prognosen! Ja, ich liebe Prognosen! Natürlich nicht solche, die auf Berechenbarkeiten basieren wie z. B. die vor politischen Wahlen. Die sind ja langweilig. Nein, ich meine die, die vor allem aus Annahme und Gefühl heraus entstehen!
So wie z. B. bei meinem Opa mütterlicherseits! Jeden Tag stand er in seinem Garten und schaute in den Himmel. Wenn er dann kopfschüttelnd meinte: »Morje wird es schütte wie aus Kübeln und saukalt!«, stieg das Thermometer am nächsten Tag dank durchgehend strahlender Sonne auf 30 Grad! Wenn es hieß: »Am Sonntag mache mer alle zusamme an de Baggersee!« saßen wir genau dann zusammen am Fenster und verfolgten das heftigste Gewitter des Jahres. Wenn er ankündigte, aufgrund seines persönlichen Biohochs endlich das marode Dach zu reparieren, fesselte ihn sein noch maroderer Rücken ans Bett. Und als er sich sicher war, dass sein VW-Käfer noch »locker 90 000 Kilometer« schaffen würde, blieb dieser prompt bei der kurzen Fahrt zum Edeka nicht nur liegen, sondern wurde kurz darauf verschrottet.
Aber, liebes Tagebuch, nicht nur mein Opa konnte sich irren. Im Jahr 1926 hat z. B. ein Mann namens Lee De Forest im Hinblick auf das Fernsehen gesagt: »Theoretisch und technisch mag das Fernsehen denkbar sein, aber kommerziell und finanziell sehe ich es als Unmöglichkeit an. Es ist müßige Zeitverschwendung, davon zu träumen.« De Forest war übrigens Erfinder, hielt über 180 Patente und gilt als Vater des amerikanischen Radios.
Im Fußball gibt es auch Tag für Tag Prognosen. In meinem Freundeskreis z. B. war die Niederlage der Eintracht in Berlin bereits vor dem Spiel beschlossene Sache. »Des is doch eh klar, die sind doch schon immer des personifizierte Aufbaumittel für Totgeglaubte. Die kriegen fünf Stück, fertisch!« Auch ich war eher suboptimistisch, gebe ich zu. Aber auch wenn der Gegner eher schwach war, haben uns die Eintracht-Spieler dennoch gezeigt, dass man schnell viel vorhersagen, man sich aber auch schnell viel irren kann! Und genau dies nährt meine Hoffnung in diesen Tagen. Stell Dir doch mal vor, Tagebuch, dass diese Mannschaft uns hier plötzlich alle Lügen straft. Dass sie ihre spielerische Limitiertheit durch extremen Einsatz kompensiert und endlich das Feuer zeigt, dass wir ihr nicht so recht zutrauen. Dass Skibbes Lust am Angriffsfußball keine Seifenblase bleibt, sondern immer mehr erkennbar wird! Dass Korkmaz sich und uns wieder daran erinnert, dass er bei der letzten EM als Nationalspieler die Massen begeistert hat. Und dass die wirklich starken Mainzer, allen Unkenrufen zum Trotz, besiegt werden!
Mal ehrlich, das wäre doch einfach nur großartig, wenn sich all die derzeitigen Prognosen in Sachen Eintracht in Luft auflösen würden. Ich weiß, was Du jetzt denkst, Tagebuch. Dass das unrealistisch ist, und ich vollkommen übertreibe. Mag sein. Aber ich erinnere mich an ein Wochenende, da hat mein Opa mir zugeflüstert, dass er spüre, dass es mit seiner Manneskraft für immer und ewig vorbei sei. Und am nächsten Morgen lief unsere Oma kopfschüttelnd und selig grinsend durch die Gegend! Weil es eben nichts gibt, was es nicht gibt. Auch im Fußball. Und deswegen, liebes Tagebuch… lass das doch einfach mal so stehen! In diesem Sinne! Hendrik Nachtsheim
Veröffentlicht von
Henni Nachtsheim am
2. Dezember 2009 .
Abgelegt unter:
Mein Eintracht-Tagebuch |
Kein Kommentar vorhanden »
Rubriken
- gw-Beiträge Anstoß (466)
- gw-Beiträge Kultur (73)
- Henni Nachtsheim SGExtra 08/09 (31)
- Henni Nachtsheim SGExtra 07/08 (17)
- Mein Eintracht-Tagebuch (21)
- Sport-Leben (4)
