Archiv für die Kategorie »Mein Eintracht-Tagebuch«

Eintracht-Tagebuch - Eintrag vom 3. März 2010

Liebes Eintracht-Tagebuch,
hab ich Dir eigentlich schon mal erzählt, was meine Lieblingsfarbe ist? Blau! Das war schon als kleines Kind so und hat sich bis heute nicht geändert. Ich hatte blaue Pullis, blaue Socken, eine blaue Mütze, ja sogar einen blauen Schlitten. Als Jugendlicher dann trug ich irgendwann nur noch blaue Hemden oder T-Shirts sowie Bluejeans. Meine Lieblingscomicfiguren waren die Schlümpfe, und aufgrund meiner Sportbegeistertheit hatte ich immer reichlich vorzeigbare blaue Flecken.
Später kamen dann aufgrund meiner nicht weniger großen Begeisterung für Mädchen (vor allem für die, bei denen ich keine Chance hatte) jede Menge blauer Augen dazu, was wiederum dazu führte, dass ich aufgrund meiner ziemlichen Blauäugigkeit und den daraus resultierenden Enttäuschungen gern ab und zu mal ziemlich blau war!
Meinen ersten eigenen VW-Bus strich ich im Hof mit knallhellblauem Heizungslack an, und wenn ich heute mit dem Computer irgendwelche Texte schreibe, wähle ich als Schriftfarbe fast immer Blau.
Eigentlich komisch, denn genau betrachtet ist Blau keine besonders warme sondern eher kalte Farbe. Aber das scheint nicht nur mich nicht wirklich zu stören, auch viele andere Menschen setzen auf Blau. In Taiwan zum Beispiel steht sie für Demokratie (Pan-blaue Koalition), das Blaue Band ist eine Ehrung für das schnellste Schiff auf der Transatlantik-Route, und die Friedenstruppen der Vereinten Nationen tragen Blauhelme und heißen auch so.
Die Blaue Mauritius ist eine der begehrtesten Briefmarken der Welt, so wie Blaualgen Bakterien mit der Fähigkeit zur oxygenen Photosynthese sind … und wer kann das schon von sich behaupten?! Nicht fehlen darf hier natürlich der ausgesprochen beliebte blaue Montag, gern auch kombiniert mit einem spontanen Ausflug ins Blaue.
Du siehst, liebes Tagebuch, es wimmelt nur so von positiven Betrachtungsmöglichkeiten. Aber selbst für mich gibt es so etwas wie eine blaue Grenze! Wo mich diese eigentlich so ansehnliche Farbe anfängt zu nerven. Schalke 04 ist so eine Grenze. Kein Verein in Deutschland steht mehr für Blau als die Gelsenkirchener. Was ihnen prinzipiell durchaus zu gönnen wäre. Das Unangenehme bei Schalke ist nur, dass sie Blau beziehungsweise Königsblau nicht einfach als ihre herkömmliche Vereinsfarbe betrachten – nein, der Schalker an und für sich behauptet, dass er die Farbe erfunden hat und sie ihm deshalb gehört! In dem Zusammenhang sei übrigens erwähnt, dass der Kinoblockbuster »Avatar« weltweit die meisten Zuschauer in Gelsenkirchen hatte, da man dort davon ausgeht, dass diese blauen Fabelwesen futuristische Schalke-Fans sind. Was nicht verwundert bei einem Verein, der als Einziger auf eine jahrtausendealte Tradition zurückblicken kann, der mit weitem Abstand die besten Fans der Welt hat und von der eigenen Wahrnehmung her seit Bestehen der Bundesliga durchgehend Meister hätte sein müssen.
Versteh mich nicht falsch, Tagebuch, die aktuelle Mannschaft spielt absolut anerkennenswert, und mit Felix Magath haben sie definitiv einen der allerbesten Fußballlehrer überhaupt geholt. Auch wenn sein Billigen der Spuckattacken auf Albert Streit vor ein paar Monaten eine erste Delle in meinem Bild von ihm hinterlassen hat, und sein beleidigtes Interview bei Sky nach dem Derbysieg gegen Dortmund mit »albernem Jammern auf allerhöchstem Niveau« noch harmlos beschrieben ist. Trotzdem – an der Mannschaft und ihrem Trainer liegt es nicht!
Es ist dieser traditionelle und unreflektierte Hochmut, der es Menschen, die keine Schalke-Fans sind, so schwer macht, diesen Verein richtig zu mögen! Wenn ich mir für Samstag einen Sieg gegen eben jenes Schalke wünsche, dann allerdings weniger aus Antipathie für den Gegner, sondern vor allem aus Sympathie für das eigene Team. Die Mannschaft hat uns in den letzten Wochen mehr gegeben, als wir das erwarten konnten. Trotz Dauerverletzten, trotz dem ständigen Rumgeskibbe in Richtung Bruchhagen usw.
Ernsthaft von der Europa League zu reden, halte ich zwar für dezent vermessen, aber möglichst viele Spiele auf Augenhöhe gegen die vermeintlich Unerreichbaren sind nicht zu unterschätzende Wegweiser für die Zukunft! Schon deswegen, liebes Tagebuch, wünsche ich uns allen ein großartiges Heimspiel! Und den Schalkern ein Wunder! In ihrer Vereinsfarbe! In diesem Sinne! Hendrik Nachtsheim

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 2. März 2010 .
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Eintracht-Tagebuch – Eintrag vom 10. Februar 2010

Liebes Eintracht-Tagebuch,

gestern hat Jens, der Sohn meiner Nachbarn, mal wieder wegen seiner Hausaufgaben bei mir geklingelt. Er solle etwas über »Geschwindigkeit« schreiben, aber ihm fiele nichts ein. Da ich ihn nicht enttäuschen wollte, verschwieg ich ihm nicht nur, dass sowohl Physik als auch Mathe in der Schule immer zu meinen natürlichen Feinden gehört hatten, sondern setzte ihn für ein paar Minuten vor den Fernseher, um dann schnell im Internet nachzuschauen, ob ich was Passendes finden könnte.

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 10. Februar 2010 .
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Eintracht-Tagebuch – Eintrag vom 27. Januar 2010

Liebes Eintracht-Tagebuch,

auch heute muss ich Dir mal wieder was anvertrauen. Ich habe ein fast schon irrational inniges Verhältnis zu Zahlen. Kein Quatsch! Ich kann mir zum Beispiel Telefonnummern leichter merken als Namen! Und ich weiß oft noch Monate nach einem Hotelbesuch, welche Nummer mein Zimmer hatte – während ich nicht mehr zusammenbekomme, warum ich überhaupt da war. Und je länger ich mich mit dieser Materie beschäftige, umso mehr lerne ich über die großen Unterschiedlichkeiten bei Zahlen.

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 31. Januar 2010 .
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Eintracht-Tagebuch - Eintrag vom 14. Januar 2010

Liebes Eintracht-Tagebuch,
auch wenn ich gerade etwas in Eile bin, muss ich Dir doch schnell was erzählen! Gestern habe ich meinen Freund »Brocken« besucht, um ihm endlich ein gutes neues Jahr zu wünschen! Du weißt schon, der, der sich diesen Namen über viele Jahre mit viel Hingabe und den entsprechenden Kalorienbomben redlich »erarbeitet« hat. Da ich ihn das letzte Mal vor Weihnachten gesehen hatte und die Feiertage ja nicht unbedingt von essenstechnischer Enthaltsamkeit geprägt sind, vermutete ich, ihn mit persönlichem Höchstgewicht anzutreffen!
Doch weit gefehlt! Schon als er mir die Tür öffnete, und ich statt seiner gewohnten Schinkenspickerbäckchen diese leicht eingefallenen Wangen sah, und ich kurz drauf bemerkte, dass das XXXL-Eintrachttrikot, das er trug, tatsächlich noch ein bisschen Platz bot, statt wie eine zweite Haut an ihm zu kleben, wusste ich… mein Freund hatte abgenommen!
»Gude Brocken, Du machst ja Diät! Find ich super!« begrüßte ich ihn gutgelaunt. »Von wesche ›Diät‹…« brummelte er miesepetrig, »ich bin im Hungerstreik!« Irritiert nahm ich auf seiner rotschwarzen Couch Platz. »Hungerstreik? Wieso das denn?« »Weil ich des alles net mehr aushalte! Dieser Konflikt macht mich auf Dauer fix und fertisch! Deswegen muss jetzt aaner ma en Zeiche setzen, sonst hört des nie uff! »Ich überlegte, was er wohl meinte. »Meinst Du Juden und Palästinenser, und dass es da immer wieder von vorn losgeht?« »Nee!« »Spanien und die ETA!« »Auch net!« »Amis und Taliban?« »Schlimmer!« »Was iss’n noch schlimmer?« Brocken schaute mich ernst an. »Skibbe und Bruchhagen!« »Was?« »Ja! die kriegen des einfach net in Griff. Immer will der aane genau des, was de annern net will! Des zermürbt mich langsam…«
»Aber Du kannst doch die inhaltliche Auseinandersetzung der Beiden nicht schlimmer einstufen als einen religiösen Krieg!« Gereizt musterte mich mein Kumpel. »Ach nee? Find ich aber schon. Des is jetzt schon es dritte Ma, dass en Spieler net kommt, auf den ich mich gefreut hab. Erst de Lincoln, dann de Gekas, der stattdessen zum todsicheren Absteiger geht, und jetzt dieser Djebbour. Des is, wie wenn am Weihnachtsabend immer wieder jemand mim Glöcksche bimmelt, man ins Wohnzimmer rennt, um dann jedes Mal festzustellen, dass schon wieder keine Geschenke unnerm Baum liegen! Ich kann de Skibbe verstehen, dass er mit Rücktritt droht. Ich pack das auch alles net mehr! Noch ein so’n Ding und ich werde Kickersfan…!« »Klar! Und Osama bin Laden wird amerikanischer Präsident! Mensch Brocken, jetzt mach mal halblang. Du musst auch Bruchhagen und die anderen im Vorstand verstehen. Da ging es um viel Geld, was die Eintracht nicht unbedingt hat. Dazu kommt, dass Lincoln und Gekas ja keine jungen Hüpfer mehr sind, und man nicht weiß, wie lange sie uns wirklich hätten weiterhelfen können. Und das Verhalten von AEK Athen bei Djebbour war einfach billligste Kiste. Da geht’s auf’m Flohmarkt in Hanau ja noch seriöser zu!« »Interessiert mich alles net! Ich sage… mer brauche noch’n Stürmer!« »Und ich sage… ja, aber nicht um jeden Preis!« Wütend fügte ich hinzu »Wenn Du übrigens hier zu Hause vor Dich hinhungerst, bekommt das draußen keiner mit. Wenn Du Aufmerksamkeit erzeugen willst, solltest Du Dich am Besten am Stadion irgendwo nackt anketten, und Dir ein Schild umhängen: ›Ich hungere für einen neuen Stürmer!‹« Trotzig schweigend starrten wir einige Minuten in entgegengesetzte Richtungen. Plötzlich huschte ein Grinsen über Brockens Gesicht. »Ich sag Dir… wenn ich des mach, ham die schneller en neuen Mann verpflichtet als mer gucke könne!« »Stimmt« antwortete ich kurz feixend.
»Aber jetzt mal im Ernst! Beide, Bruchhagen und Skibbe, sind Leute mit Ahnung und Sachverstand! Das werden die doch irgendwie auf die Reihe kriegen.« »Kann ich net wirklich beurteilen. Aber ich weiß, dass wir uns beeilen müssen! So, und jetzt zieh Deinen Mantel an!« Fragend schaute ich ihn an »Wieso? Wo willst Du denn hin?« Entschlossen schaute mir Brocken in die Augen. »Ei zum Baumarkt! Ne ordentliche Kette kaufen…!«
So war das gestern, liebes Tagebuch! Jetzt muss ich mich beeilen, denn Brocken wartet unten im Auto. …wir müssen los! Zum Stadion…! In diesem Sinne! Hendrik Nachtsheim

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 14. Januar 2010 .
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Eintracht-Tagebuch - Eintrag vom 16. Dezember 2009

Liebes Eintracht-Tagebuch,
dass es in Deutschland überall immer mehr Fußballschulen für Kids gibt, weißt Du natürlich. Unser Frankfurter Rekordspieler Charly Körbel, der »treue Charly« zum Beispiel, hat so eine hier bei uns in der Gegend. Und genau wie er unterrichten auch in anderen Regionen vor allem Ex-Profis fußballbegeisterte Kinder und versuchen, die besonders talentierten zu fördern. Was ja prima ist!
Aber wusstest Du, dass es auch noch ganz andere »Fußballschulen« gibt, die mit denen eben genannten eher so gar nichts zu tun haben? Siehst Du, ich auch nicht. Bis mich ein Freund angerufen und mir davon erzählt hat.
Der lebt mit seiner Familie in Berlin, und sein Sohn hat eine dieser Schulen durch Zufall beim Zeitungsaustragen in einem schäbigen Hinterhof eines noch schäbigeren Mietshauses entdeckt, übrigens gar nicht weit entfernt vom mittlerweile berüchtigten Cafe King. »School of Destruction« steht auf dem Klingelschild, was so viel heißt wie »Schule der Zerstörung«.
Wobei »Destruction« auch für »Destruktivität« oder Ähnliches steht. Um dort aufgenommen zu werden, braucht man keinerlei Qualifikation, es reicht schon »die richtige Einstellung«. In diversen Unterrichtsräumen kann man jede Menge verschiedener Fächer belegen, das Angebot ist wirklich groß.
So gibt es zum Beispiel ein »Musikzimmer«, in dem man besonders höhnische Fangesänge einzustudieren lernt! Direkt daneben ist der »Rhetorikraum«, in dem unzählige rassistische, polemische bis unsäglich blöde Parolen an der Tafel stehen, und in dem man auf einem Fernseher diverse Aufzeichnungen der fiesesten Fan-Aktionen aus aller Welt bestaunen kann. Zum Beispiel die, in der gehirnfreie Fans von Liverpool vor einigen Jahren die Anhänger von Manchester provozierten, in dem sie mit ausgebreiteten Armen an das Flugzeugunglück von 1958 erinnerten, bei dem damals die halbe ManU-Mannschaft ums Leben kam.
Im sogenannten »Trick-and-win«-Raum bekommt man alle Infos, die man zu einem handfesten Wettbetrug braucht, von »Bestechung üben« über »Hotelköche zur Spielervergiftung zwingen« bis hin zur gepflegten »Mittäterdenunzierung«.
Des Weiteren gibt es ein mit Beton ausgegossenes »Blutgrätschen-Zimmer«, in dem man besonders üble Fouls trainieren kann! Und eine »Eltern-Beratungsstelle«, in der zum Beispiel Väter harmloser, unschuldiger Fußballknirpse lernen, wie man aufgrund unterirdischer Schiribeleidigungen selbst ein F-Jugendspiel zum Abbruch treibt. Auch schön ist neben dem »Hooligan-Stübchen« die Busattrappe, an der man wahlweise Sitzblockaden in Kombination mit Todesdrohungen in Richtung Spieler oder auch das Stürmen des Mannschaftsbusses direkt trainieren kann.
Ja, und es gibt sogar ein »Dietmar-Hopp-Zimmer«, in dem man den besonders Blöden ihr Resthirn wäscht, indem man ihnen immer und immer wieder erzählt, dass der Besagte ein schlimmer Mensch sei, bis keiner mehr von ihnen auch nur ansatzweise realisieren kann, dass ausgerechnet Dietmar Hopp ein sozial hoch engagierter Mann und Hoffenheim kein Feind-, sondern, wenn überhaupt, Spiegelbild des bezahlten Fußballs ist!
Ja liebes Tagebuch, jetzt weißt Du, warum es neben den schönen Seiten des Fußballs auch die fiesen gibt. Und warum es in den letzten Monaten so (zu) viele unangenehme Nebenschauplätze gab. Dummerweise kann man diese Art von Schulen nicht komplett schließen, was aber nicht heißt, dass man sich nicht verstärkt gegen ihre Existenz wehren soll.
Zum Beispiel, indem wir unseren Kids nimmermüde klarmachen, dass solche Dinge so gar nichts mit den Grundgedanken des Fußballs zu tun haben – und wie schön und bedeutsam es ist, zum Beispiel einer von Charly Körbels Fußballschülern zu sein! Das mag naiv klingen, aber mitunter ist Naivität immer noch ein besserer Ratgeber als Blödheit oder Boshaftigkeit!
Das, liebes Tagebuch, wollte ich so kurz vor der Winterpause und dem Jahreswechsel einfach noch mal loswerden. Was aber nicht heißen soll, dass ich frustriert wäre! Das nicht! Denn da ist ja noch mein Eintracht-Fananteil in mir, und dem geht es gut dieser Tage! Zumal unsere Mannschaft das prima gemacht hat die letzten Spiele, das sah mitunter schon ausgesprochen vielversprechend aus. Und deswegen habe ich auch meinen Wunsch, nämlich einen Dreier gegen Wolfsburg, wieder von meiner Liste für den Weihnachtsmann gestrichen. Denn bei allem Respekt vor dem Mann im roten Gewand – das könnte die Eintracht am Samstag auch von ganz alleine schaffen! In diesem Sinne! Hendrik Nachtsheim

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 16. Dezember 2009 .
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