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Zehn Fragen, zehn Antworten
Zum Abschluss der Bundesliga-Saison kommt unser Kolumnist Henni Nachtsheim noch einmal zu Wort. Allerdings nicht in Form des SGE-Tagebuchs, sondern in Frage-und-Antwort-Manier. Zehn Fragen zur Saison. Auf geht’s.
1. Die Mannschaft des Jahres: FC Bayern München als souveräner Meister und Triple-Anwärter oder Eintracht Frankfurt als Aufsteiger auf einem Europapokal-Platz?
»Bei uns in der Straße wurden in diesem Frühjahr zwei Vorgärten neu angelegt. Einmal bei einer bekanntermaßen sehr betuchten Familie, und dann bei Leuten aus deutlich bescheideneren, wenn auch nicht ärmlichen Verhältnissen. Erstere haben schwer aufgefahren: seltene, teure Pflanzen aus Übersee, unfassbar großer Springbrunnen usw. Für so was hatten die anderen zwar keine Kohle, haben es aber auch mit schönen Pflanzen aus dem Gartencenter und viel Gespür super gut hinbekommen. Was mich unterm Strich dann doch mehr beeindruckt hat.«
2. Da liegt die nächste Frage nahe nach dem Trainer des Jahres: Jupp Heynckes oder Armin Veh?
»Um beim Beispiel zu bleiben: Ein Gärtner, der viel Geld ausgeben darf, hat natürlich in der Regel die besseren Voraussetzungen. Trotzdem muss er aber erst mal beweisen, dass er damit auch gut umgehen kann. Von daher hat Jupp Heynckes das super gemacht. Aber mit deutlich weniger Mitteln so fantastisch zu arbeiten und ein solches Ergebnis zu erzielen, ist von Armin Veh mindestens eine genauso große Leistung. Ich möchte mich aber nicht zwischen beiden entscheiden, sondern einfach nur darüber freuen, dass unser Trainer ähnlich hoch gehandelt wird wie der des Meisters!«
3. Haben die Frankfurter Fans Heynckes’ Wirken 1995 am Main schon verziehen, oder sind die Rauswürfe von Yeboah und Okocha und der anschließende Niedergang noch gegenwärtig?
»Ich finde, sein Abschied aus der Bundesliga ist ein guter Zeitpunkt, damit abzuschließen. Jupp Heynkes hat damals bestimmt viel falsch gemacht in Frankfurt, aber er hat dazugelernt, ist reifer geworden, ich finde auch sympathischer. Und ehrlich gesagt bin ich auch froh, wenn man mir Fehler aus der Vergangenheit nicht ein Leben lang nachträgt.«
4. Zu einem erfreulicheren Thema: Robert Lewandowski, Stefan Kießling oder Alexander Meier, wer ist der bessere Torjäger oder bessere Spieler?
»Wenn ich als Bub gefragt worden bin, wer für mich die schönste Frau der Welt sei, dann wusste ich zwar, dass Claudia Cardinale oder Audrey Hepburn toll aussahen, aber entschieden habe ich mich immer für die, die mir am nächsten stand … meine Mutter! Deswegen: Alex Meier. Wobei ich hoffe, dass er mir den Vergleich mit meiner Mam verzeiht. Zumal er ihr eigentlich auch nicht besonders ähnlich sieht!«
5. Was könnte Bundestrainer Joachim Löw gegen Meier und besonders gegen Kießling haben, solche Spieler konsequent zu ignorieren?
»Bei Alex Meier konnte ich es aufgrund gewisser Leistungsschwankungen in den letzten Jahren noch so in etwa verstehen, so wie er jetzt vermutlich etwas zu alt für einen Start in der Nationalelf sein dürfte. Was aber Jogi Löw im Fall von Stefan Kießling reitet, bleibt vermutlich für immer sein Geheimnis.«
6. Zu Rekordmeldungen: Javier Martinez für 40 Millionen zu den Bayern, nun Götze für 37 Millionen. Welche Rekordmeldung würden Sie gern über die Eintracht lesen?
»MEGADEAL mit Adidas! Nachdem man im Geheimlabor von Eintracht Frankfurt einen neuen Ball aus gummiertem Handkäs entwickelt hat, der nach erfolgreichen Tests als Revolution unter den Bällen bezeichnet wird, unterzeichnete Heribert Bruchhagen letzten Montag einen Exklusivdeal mit dem Sportartikel-Hersteller aus Bayern, der den Hessen sofort eine Milliarde Euro in die Kassen spült. Worauf man noch am selben Tag den kompletten Kader von Bayern München aufkaufte, um so endlich den Personalmangel an den Bratwurstständen im Stadionbereich zu beheben.«
7. Methusalem Oka Nikolov ist frisch und fit wie eh und je. Was würden Sie in seinen neuen Vertrag reinschreiben?
»Ich würde ihm einen Vertrag auf Lebenszeit geben. Im Gegenzug würde ich ihn um die Genehmigung bitten, fürs Merchandise eine neue Anti-Aging-Kosmetikserie herausbringen zu dürfen: ›Oka Unlimited‹.«
8. Was müssten Veh, Manager Bruno Hübner und Vorstandsboss Heribert Bruchhagen unternehmen, dass Sie mindestens alle Heimspiele der Eintracht besuchen?
»Es reicht mir schon, wenn sie weiter in genau dieser Besetzung zusammenarbeiten. Das ist wie bei den Drei Musketieren, den Marx-Brothers, den Heiligen Drei Königen oder den Panzerknackern … manchmal gibt es Konstellationen, die passen einfach genial zusammen!«
9. In dieser Saison gab es nicht selten Schlagzeilen über pöbelnde Fans zu lesen. Was möchten Sie diesen am liebsten mal direkt ins Gesicht sagen?
»Ehrlich gesagt eher nichts. Das wäre zu viel Beachtung für Leute, die mich eher nerven, weil sie ihren Vereinen ausschließlich schaden.«
10. In diesem Jahr haben wir 50 Jahre Bundesliga gefeiert. Wohin wird sich der Fußball in den nächsten Jahren entwickeln und wie könnte die Zukunft der Frankfurter Eintracht aussehen?
»Ob das Spiel noch schneller wird, ob parallele Symmetrieachsen die Raute im Mittelfeld ablösen oder irgendwann Schiedsrichter-Roboter das Spiel leiten, weiß ich nicht. Ich glaube aber, dass der deutsche Vereinsfußball eine hervorragende Zukunft hat, da in den meisten Vereinen klug gearbeitet und gewirtschaftet wird, und die Bundesliga deswegen sportlich und auch finanziell zu den besten der Welt gehört. Und wenn sich unsere Eintracht genau in dieser Liga auf Dauer im ersten Drittel festsetzen könnte, wäre das für uns hier einfach nur großartig!
10. a. Ein kleiner Zuschlag und damit zur Frage aller Fragen in diesen Tagen: Wie endet das Champions-League-Finale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München?
»Keine Ahnung. Ich habe aber gestern Nacht von einem Europa-League-Finale zwischen dem SC Freiburg und Eintracht Frankfurt geträumt.«
10. a.a. Und, wie ging das aus?
»Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil ich genau während des Elfmeterschießens pinkeln musste.«
10. b. Was trifft eher ein: Deutschland wieder Fußball-Weltmeister oder Eintracht Frankfurt Deutscher Meister?
»Ich denke mal Ersteres. Allerdings mit Frankfurter Spielern!«
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gw am
21. Mai 2013 .
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Eine kurze Geschichte der Zeit
Liebes Eintracht-Tagebuch, vor ein paar Tagen ist mir beim Aufräumen ein Buch in die Finger gekommen, das ich mir zwar schon vor längerer Zeit gekauft, es aber bislang nie gelesen hatte: »Eine kurze Geschichte der Zeit« von Stephen W. Hawking, dem berühmten englischen Physiker!
Mit weltweit über zehn Millionen verkauften Exemplaren ein Weltbestseller! Darin geht es um Fragen zur Kosmologie, dem Urknall, den Eigenschaften schwarzer Löcher usw. Vor allem aber geht es um die Rolle der Zeit. Warum sie manchmal so rast, warum sie manchmal so dahin schleicht usw. Und weil ich diesbezüglich selber so viele offene Fragen mit mir rumtrage, habe ich ihm einfach mal einen Brief geschrieben! Den ich Dir natürlich nicht vorenthalten möchte!
»Sehr geehrter Mister Hawking, bitte wundern Sie sich nicht, dass ich Ihnen schreibe. Mein Name ist Hendrik Nachtsheim, und Sie werden mich ziemlich sicher nicht kennen. Auch weil wir mit Badesalz nie in England aufgetreten sind. Was echt schade ist, zumal sich Englisch und hessischer Dialekt bestens miteinander vertragen und eine ausgesprochen interessante Mischung ergeben.
Unsere Spezialität ist es zum Beispiel, an jedes Wort noch ein »SCHE« dranzubasteln, was alles etwas niedlicher macht und auch härtere englische Begriffe hübscher klingen lassen würde. »Gangstersche« zum Beispiel, »Killersche« oder »Motherfuckersche« … aber das nur am Rande.
Warum ich Ihnen schreibe, hat andere Gründe. Als ich ihr großartiges Buch durchblätterte, wurde mir urplötzlich bewusst, dass vor allem der Fußballfan in mir bezüglich Zeit und Raum schon länger nicht mehr mitkommt. Dass ich gar nicht mehr verstehe, warum sich gerade in dieser Sportart Dinge so extrem schnell ändern oder feste Gegebenheiten mir nichts dir nichts verschwinden.
Wohin ist zum Beispiel der Libero verschwunden, der lange Zeit als die eleganteste Form des Fußballspielers galt? Wieso sprechen heute selbst geistige Tiefflieger von der Raute, die sie zu ihrer Hauptschulzeit nicht mal ansatzweise zeichnen konnten? Warum erahnen Spieler nicht mehr, sondern antizipieren, was der Gegner vorhat? Wieso ist der freie Raum einer Schnittstelle gewichen, und warum ist heutzutage nicht nur eine Mannschaft, sondern gleich der ganze Verein gut aufgestellt? Wo ist die gute alte Kick-and-Rush-Spielweise hin, und warum predigen moderne Spitzentrainer ›One touch‹ als das Mass aller Dinge, obwohl man damit noch vor gar nicht allzu langer Zeit den unerlaubten Griff eines Spielers an das Gemächt des Gegners bezeichnete? Ganz abgesehen davon, dass heute niemand mehr mit ›Pressing‹ einen kurz darauf entbundenen Säugling verbindet! Wo ist die spanische, italienische, englische Übermacht im internationalen Vereinsfußball plötzlich hin und warum stehen auf einmal zwei deutsche Teams im Champions-League-Finale statt Real Madrid und Manchester United?
Wieso ist einer der erfolgreichsten Macher des deutschen Fußballs von einem auf den anderen Tag vor allem Steuerbetrüger? Und wie hat die Zeit es geschafft, die für ›Ewigkeiten in Stein gemeiselte Tabelle der Fußball-Bundesliga‹ (O-Ton Heribert Bruchhagen) plötzlich vom Beton zu befreien, indem Mannschaften wie der SC Freiburg oder unsere wunderbare Eintracht plötzlich oben mitmischen, während sich Werder Bremen bis kurz vor Saisonschluss mit dem Abstiegskampf herumplagen musste?
Überhaupt die Eintracht! Wieso haben wir plötzlich keine Erinnerungen mehr an den Abstieg vorletzte Saison? Warum wird unser ›Offenbacher Schnäppchen‹ Sebastian Rode jetzt mit internationalen Spitzenmannschaften in Verbindung gebracht? Warum ist der oftmals phlegmatische Alex Meier auf einmal ein quirliger Torjäger, und wie kommt es, dass sich ein deutscher Spitzentrainer namens Armin Veh gegen Schalke, aber für Frankfurt entscheidet? Und dass man, wenn man sich fernab der Heimat als Eintracht-Fan outet, nicht mehr mitleidig belächelt wird?
Und, lieber Mister Hawking, wie geht es an, dass trotz all dieser rasanten Veränderungen der Schnauzbart von Peter Neururer immer noch genauso bekloppt aussieht wie vor 20 Jahren? Sie sehen, Fragen über Fragen, die mein Fußballhirn überfordern. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir kurz vor Saisonende beim Klären all dieser Ungereimtheiten helfen würden! Hochachtungsvoll, Ihr Hendrik Nachtsheim!«
Und, Tagebuch, ob Du es glaubst oder nicht, gestern kam ein Antwortschreiben von ihm! »Sehr geehrter Mister Nachtsheim, Danke für ihr Schreiben! Aber leider kann ich Ihnen diese Fragen nicht beantworten, da der Fußball definitiv weitaus komplizierter und undurchsichtiger ist als zum Beispiel das Weltall! Weshalb ich auch nicht Trainer sondern Physiker geworden bin. Mit lieben Grüßen! Stephen Hawkingsche!« In diesem Sinne … Hendrik Nachtsheim
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gw am
14. Mai 2013 .
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Highlights sind subjektiv
Liebes Eintracht Tagebuch, heute hat mich jemand gefragt, was ich denn am Besten oder Interessantesten in diesen letzten so extremen Fußball-Tagen fand?
Den nervenaufreibenden Sieg gegen Schalke, die Hammerspiele in der Champions League, die Steuergeschichte um Uli Hoeneß, den Wechsel von Mario Götze zu Bayern und der zeitlich unfassbar fiese Zeitpunkt, das bekannt zu geben, der Punktgewinn der Eintracht in Mainz und der damit verbundene Platz fünf? Oder doch eher die Gerüchte um Lewandowski und seinen möglichen Transfer nach München? Klar hat mich alles irgendwie beeindruckt, sowohl positiv als auch negativ.
Aber es gibt eine Sache, die mich noch mehr geschärft hat. Eine Kleinigkeit in der Relation zu all dem Aufgezählten, aber eine, die mich persönlich unglaublich gefreut hat! Wahrscheinlich lachst Du dich jetzt kaputt, denn von was ich spreche bzw. schreibe ist die Rückkehr von Constant Djakpa! Ich habe ihn immer vermisst, so gut und dementsprechend auch zu Recht Bastian Oczipka diese Saison auch gespielt hat. Aber ich mag diese Art von Djakpa, dieses Unkonventionelle, diese sichtbare Freude am Fußball, seine Fröhlichkeit, sein Auftreten, ja selbst diese Mischung aus Genialem und Fatalem hatte für mich immer einen eigenen Reiz.
Und jetzt, gegen Ende der Saison, steht er auf einmal wieder in der Anfangsformation, hängt sich ansatzlos voll rein und macht gleich zwei sehr gute Spiele! Was ich nach seiner Leidenszeit auf der Ersatzbank bzw. Tribüne beeindruckend finde. Weil es auch für echten Mannschaftsgeist steht, für Professionalität und eine mentale Stärke, die ihm viele gar nicht zugetraut haben.
Natürlich muss man auch die anderen »Rückkehrer« loben, unseren ewigen Oka genauso wie Marco Russ. Und dass Marc Stendera unsere Hoffnungen auf eine gute Zukunft nährt, steht auch außer Frage! Aber ich bleibe dabei. So sehr ich das große Fußballtheater der letzten anderthalb Wochen auch genossen habe – für mich war der Moment, wo ich den sympathischen Kerl habe auf den Platz laufen sehen, das Beste! In diesem Sinne. Hendrik Nachtsheim
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gw am
7. Mai 2013 .
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Verweigerung
Liebes Eintracht Tagebuch, was die Eintracht in Augsburg gemacht hat, das kann ich auch. Nämlich nichts tun. Ja, Du verstehst richtig – ich werde heute statt in Dich reinzuschreiben einfach nichts tun!
Weißt Du, dass sie mal einen spielerisch schlechten Tag haben, sei den Spielern zugestanden. Aber dann müssen sie wenigstens stattdessen fighten wie die Berserker. Was übrigens früher Menschen waren, die sich in eine Art Rausch gekämpft haben, ohne dabei noch irgendeine Form von Angst oder Schmerz zu empfinden. Zwischen dieser Spezies und den Jungs von Eintracht Frankfurt lagen am Sonntagnachmittag allerdings diverse Sonnensysteme. Normalerweise spielt eine Mannschaft so, wenn sie den Trainer loswerden will. Was nun in unserem Fall ja definitiv auszuschließen ist.
Nein, sie hat dieses Spiel, warum auch immer, verweigert. Und weil ich deswegen stinksauer bin, mache ich das jetzt auch! Ich guck jetzt einfach, statt zu schreiben, aus dem Fenster! Bis zur Dämmerung!
So, jetzt dämmert’s!
Hendrik Nachtsheim
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gw am
17. April 2013 .
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“Rotschwarzer Rauch”
Liebes Eintracht-Tagebuch, manchmal stimmt es vorne und hinten nicht und trotzdem ist unterm Strich alles in Ordnung! Wie ich das meine? Ich gebe dir ein Beispiel: einer meiner absoluten Lieblingsschauspieler ist Jeff Bridges. Ein charismatischer, eigenwilliger Typ, der eine Menge guter Filme gedreht hat und in Hollywood zu Recht hoch angesehen ist.
Jahrelang habe ich immer wieder gedacht, dass er jetzt doch endlich mal für diesen oder jenen Film den Oscar bekommen müsste … was aber lange nicht passierte. Bis man ihm dann 2010 für die Darstellung eines runtergekommenen Country-Stars im Film »Crazy Heart« endlich einen verlieh. Eine allein schon vom Drehbuch her eher mittelmäßige Rolle, und definitiv nicht seine stärkste.
Aber auch wenn das viele andere Leute auch so empfanden, und die Filmexperten gerade in diesem Jahr die begehrte goldene Statue eher einem der anderen Nominierten wie zum Beispiel Morgan Freeman oder George Clooney verliehen hätten, regte sich letztendlich niemand wirklich auf. Weil er vorher für viele gute Leistungen zwar immer viel Publikumszuspruch, nie aber die höchste aller Auszeichnungen bekommen hatte, obwohl er das mehrmals verdient gehabt hätte.
Ausgleichende Gerechtigkeit eben. Natürlich weiß ich auch, dass man ein 3:2 in Fürth beim Tabellenletzten nicht unbedingt mit einer Oscar-Verleihung vergleichen sollte, und auch, dass Platz fünf nichts ist, was man sich in die eigene Glasvitrine stellen kann. Aber auch hier hat sich nach einem erzitterten Sieg in einem zerfahrenen Spiel niemand wirklich über deren Ausgang beschwert. Weil die Eintracht nach durchaus besseren Spielen in den letzten Wochen oft leer ausgegangen war.
Ausgleichende Gerechtigkeit eben. Und mit diesem durchaus angemessenen und ausgesprochen bescheidenen Hollywood-Vergleich sei dieses komische Spiel gegen vollkommen übermotivierte Ecstasy-Franken auf holprigem Acker auch schon abgehakt. Lass mich also noch mal einen kurzen Blick auf das wichtigste Ereignis der letzten Tage werfen. Ich glaube, wenn man alle Steine aufgesammelt hätte, die den Eintracht-Fans letzte Woche vom Herzen gefallen sind, als sie von Armin Vehs Verlängerung erfahren haben, könnte man damit locker die Chinesische Mauer nachbauen. Plus Anbau! SMS-Nachrichten auf meinem Handy wie »Es ist rotschwarzer Rauch!« oder »Er bleibt!« zeigten, wie groß die Erleichterung und Freude allein schon in meinem privaten Umfeld war.
Das diesbezüglich schönste Erlebnis hatte ich am Tag drauf, als ich bei meinem Bäcker Brötchen kaufen wollte und der sich dafür entschuldigte, dass diese diesmal alle ziemlich salzig schmecken würden. »Weil ich die ganze Nacht beim Backe vor lauter Rührung weschen dem Veh durchgeflennt hab. Und dabei sind natürlich meine Tränen immer widder in de Teisch nei. Aber dadefür geb ich sie Ihne auch zum halbe Preis.« »Hm«, überlegte ich, »und wenn Sie heute alles, was Sie letzte Nacht gebacken haben, einfach als Laugengebäck verkaufen?« »Des is die Idee! Und von Ihne krieg ich jetzt noch 2 Euro 50! Laugengebäck is ja teurer!«
Natürlich habe ich bezahlt. Allerdings nur unter der Bedingung, dass er, wenn die Eintracht am Ende der Saison einen der europäischen Plätze erreicht, seinen Laden mindestens eine Woche lang dichtmacht! In diesem Sinne Hendrik Nachtsheim
Veröffentlicht von
gw am
2. April 2013 .
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