Archiv für die Kategorie »Mein Eintracht-Tagebuch«

Eintracht-Tagebuch - Eintrag vom 28. April 2010

Liebes Eintracht-Tagebuch,
es ist mittlerweile eine gepflegte Tradition, dass mein Kumpel Brocken und ich gegen Saisonende gemeinsam Bilanz ziehen. Also besuchte ich ihn auch diesmal bei ihm zu Hause, um in aller Ruhe und Entspanntheit rückblickend festzuhalten, was festzuhalten war.
Ich war aber noch nicht ganz in der Tür, als ich bemerkte, dass mein gewichtiger Freund diesmal was Neues vorhatte! Auf meine Frage »Hast Du einen Kaffee für mich?« legte er schelmisch seinen Kopf zur Seite »M.U.Z.?« »Was?«, fragte ich zugegebenermaßen leicht irritiert. »MILCH UND ZUCKER?« Ah, ich begriff, Brocken wollte das gute alte Abkürzungsspiel spielen!
»O.A.« entgegnete ich, was er selbstredend sofort verstand. »Alles klar, Henni, Kaffe OHNE ALLES! Kommt sofort!« »Gut«, forderte ich ihn kampfbereit auf. Dann leg mal los! Was fällt Dir denn alles so ein zur Saison unserer Eintracht?« Er überlegte kurz. »Ich würde sagen es war vor allem eine S.D.S.S.« Meinem fragenden Blick folgte auch schon die Antwort. »Eine SAISON DER SPIELERISCHEN STEIGERUNG.« »Ja«, antwortete ich, »aber auch eine mit E.F.R…!« Für einen kurzen Augenblick legte er die Stirn in Falten, dann hatte er es. »Du meinst aber auch eine mit EINIGEN FETTEN RÜCKSCHLÄGEN.«
Brocken war tatsächlich der ungekrönte Meister im Abkürzungsentschlüsseln! »Sehr gut, Sherlock, jetzt wieder Du!« »Okay Henni, dann sag ich mal C.K.E.D.!« »Steht das C. für CAIO?« Brocken blinzelte, was so viel wie Ja bedeutete. »Dann heißt das CAIO KANN ES DOCH!« Mein Freund nickte anerkennend. Jetzt warf ich ein »B.S.P.P.M.U.A.« in die Runde, wohl wissend, dass das schwer zu entziffern war. Also lieferte ich die Auflösung gleich mit. »BRUCHHAGEN-SKIBBE PING PONG MIT UNENTSCHIEDENEM AUSGANG!«
»Na warte, des kann ich auch! D.G.S.F.D.L.U.D.R.S.S.!« Ich unternahm nicht mal den Ansatz eines Versuches, das zu lösen. »Ist doch ganz einfach Henni! DIE GESANGSSTÄRKSTEN FANS DER LIGA UND DARAUS RESULTIERENDE SUPER STIMMUNG!« Jetzt waren wir drin in der Materie.
»Pass auf! W.M.F.F.D.U.S.J.E.U.A.« Brocken grinste mich erwartungsfroh an. »Das F.F. steht für FRIEDHELM FUNKEL, stimmt’s?« »Jo!« »Dann heißt das am Anfang WIEDERSEHEN MIT FRIEDHELM FUNKEL, aber den Rest krieg ich net.« »DAS UNTERM STRICH JEDOCH EHER UNBEFRIEDIGEND AUSFIEL!«, löste ich auf.
Brocken schüttelte seine große breite Birne, dass die zartroten Bäckchen nur so hin- und herflogen. »Du hast V.E.A.D.E.« »Ja, ich weiß«, nickte ich, »ich hab VOLL EINEN AN DER ERBS! Los, mach Du weiter.«
Er lehnte sich zurück, schloss die Augen. »Pass auf, ich hab was. W.KT.V.Z.« Ich hatte nicht den Hauch einer Ahnung, deswegen klärte er mich schnell auf. »Des heißt WICHTIGE KOPFBALLTORE VOM ZWERSCH!« »Verstehe, Du meinst die Treffer von Benjamin Köhler, die er trotz seiner eher limitierten Größe mit dem Kopp gemacht hat! Stimmt, die sind eine Erwähnung wert. Da hab ich aber auch was. S.FR.V.M.F.« Brocken gähnte. »Henni, langweil mich net! Des heißt SENSATIONELLER FALLRÜCKZIHER VON MAIK FRANZ! Da sag ich doch lieber M.F.T.I.D.L.M.U.A.A.D.F. Wenn Du das löst, lade ich dich ein Jahr lang jeden Abend zum Essen ein!« »Das kann ich eh nicht annehmen, allein schon aus Sorge, dass Du dann endgültig platzt. Also sag schon!« Er holte tief Luft: »MARTIN FENINS TREFFER IN DER LETZTEN MINUTE UND ANSCHLIESSENDER AUTOKORSO DURCH FRANKFURT!«
»Okay mein Freund, ich glaube, so langsam reicht es«, meinte ich, »jetzt noch mal Du und dann noch mal ich.« Er überlegte kurz, dann leuchteten seine Augen wie die eines Kindes an Heiligabend. »P.S.I.O.Y!« »Hm, wenn Du so einen schwärmerischen Gesichtsausdruck bekommst, dann kann ich mir denken, was P.S.I.O. heißt, nämlich POKALSIEG IN OFFENBACH, stimmt’s?« »Ja, genau!« »Aber für was steht das Y?« Er feixte. »Für YIPPIE!«
»Brocken, Du alberner Blödmann. Egal, ich noch mal. Achtung. W.B.B.M.B.L.B.D.A.G!« Brocken überlegte nicht lange. »Warte, das weiß ich! W.B. ist WERDER BREMEN, B.M. BAYERN MÜNCHEN, B.L. BAYER LEVERKUSEN und B.D. BORUSSIA DORTMUND.« Er stutzte. »Aber für was steht AG?« »ALLE GEPUTZT!«, antwortete ich grinsend. »Stimmt«, murmelte er plötzlich nachdenklich, »die haben wir tatsächlich alle mindestens einmal besiegt. Werder sogar zweimal!« Urplötzlich erhob sich mein Kumpel, kam auf mich zu, nahm meine Hand, schüttelte sie wie einen Cocktailshaker und guckte mir dabei tief in die Augen. »Mal ehrlich, eigentlich war das alles mehr, als wir erwartet haben – oder? Und wenn se tatsächlich auf Platz neun landen…« »…wäre das der B.SA.S.S.J.!« »Was?« »Der BESTE SAISONABSCHLUSS SEIT 17 JAHREN!« Brocken schluckte. »Wow! Dann wäre ich M.A.Z.!« »Bitte?« »MEHR ALS ZUFRIEDEN! Und des hab ich schon länger nicht mehr am Ende einer Saison gesagt!« »Weißt Du was Brocken, dann lassen wir das einfach mal so stehen.« I.D.S.! Hendrik Nachtsheim

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 28. April 2010 .
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Eintracht-Tagebuch - Eintrag vom 14. März 2010

Liebes Eintracht-Tagebuch,
bitte sei nicht beleidigt oder gar böse, wenn ich Dich heute hier an dieser Stelle nicht direkt anspreche, wie ich es ja sonst immer tue. Ich möchte nämlich jemanden einen Brief schreiben, und dafür brauche ich deine Seiten. In Ordnung? Gut, dann mal los.
Lieber Friedhelm Funkel,
herzlich willkommen an ihrer alten Wirkungsstätte! Schön, dass wir Sie mal wieder in unserem Frankfurter Stadion begrüßen dürfen, ich freue mich jedenfalls sehr darüber! Dass Ihre Mannschaft auf einem, ich sag mal, eher suboptimalen Tabellenplatz steht, und Sie dementsprechend vermutlich nicht so super locker drauf sein werden, kann hier jeder verstehen, und dennoch sollte uns das die Wiedersehensfreude nicht komplett vermiesen. Denn so doof auch die letzten Tage ihres Frankfurter Schaffens gewesen sein mögen, sie stehen in keiner Relation zu der Zeit davor!
Ich erzähl Ihnen jetzt mal was, etwas, was ich noch nie jemandem erzählt habe! Früher, als Bub, bin ich in den Osterferien immer nach Gießen zu meiner Tante und meinem Onkel gefahren, die dort eine Essig- und Senffabrik hatten. Über viele Jahre hatte ich dort wunderschöne Ferien! Bis ich irgendwann mal in einem unbeobachteten Moment eine Pflaume aus einem offenen Fass gefischt und gierig verschlungen habe … ohne zu wissen, dass sich diese in reinem Alkohol befand und der Herstellung von Pflaumenschnaps dienen sollte. Aber woher hätte ich das auch wissen können?
Ich war dreizehn und in Sachen Alkohol noch lange nicht so erfahren wie beispielsweise mit 14. Da mein Onkel, genau wie ich großer Eintracht-Fan, und ich eben an diesem besagten Tag dicht bis zum Anschlag war, beschloss ich spontan, aus ungefähr 40 Litern Senf und unter Zuhilfenahme diverser Essiggurken, die ich kurzerhand zu Pinseln umfunktionalisierte, auf dem größten und kostbarsten Perserteppich des Wohnzimmers das Waldstadion in seiner ganzen Schönheit nachzumalen! Als mich später mein Onkel tief schlafend inmitten meines Meisterwerkes fand, schickte er mich umgehend nach Hause und ich durfte die beiden erst mal für einige Zeit nicht mehr in den Ferien besuchen. Und das, obwohl uns beide die Liebe zur Eintracht ja eigentlich verbunden hatte!
Gut, okay, taugt vielleicht nur bedingt als Metapher, aber ich bin trotzdem sicher, dass Sie so ein bisschen ahnen, warum ich Ihnen das erzähle! Was ich Ihnen aber vor allem unbedingt schreiben wollte, ist, dass es hier, bei aller Freude über die insgesamt gute aktuelle Saison und die zweifellos wirklich gute Arbeit ihres Nachfolgers, trotzdem eine Menge Leute gibt, die nicht vergessen haben, dass wir Ihnen eine Menge zu verdanken haben! Ihre Amtszeit, in Kombination mit der Regiearbeit eines Heribert Bruchhagen und seiner Vorstandskollegen, wird später mal als die prägende Phase des Umbruchs in den rotschwarzen Geschichtsbüchern stehen, da bin ich mir ziemlich sicher! Denn genau in dieser Zeit hat sich unsere Eintracht von einem schlecht geführten Schnellimbiss zu einem soliden Mittelklasse-Restaurant gewandelt. Statt von wahrnehmungsgestörten halbseidenen Gebrauchtwagenhändlern wird der Verein seitdem von seriösen Sachverständigen geführt, was dem Ansehen unseres geliebten Klubs deutschlandweit mehr als gutgetan hat. Und dazu haben eben auch Sie mehr als nur ein wenig mit beigetragen.
Mag sein, dass wir nicht immer begeistert waren, wenn Sie eher ergebnisorientiert als bedingungslos offensiv haben spielen lassen, sicherlich gab es Zeiten, in denen wir uns von Ihnen mehr Vertrauen in junge Spieler gewünscht hätten, und manchmal hat uns Ihre mitunter sture Art an den Rand des Fan-Wahnsinns getrieben … dennoch haben Sie deutlich mehr richtig als falsch gemacht!
Und eins haben Sie praktiziert wie fast keiner im Ligabetrieb – Loyalität gegenüber den Spielern! Was immer auch von außen in Richtung Mannschaft abgeballert wurde, Sie haben sich dazwischengeworfen und es mit ihrer kugelsicheren Weste aus Ruhe und dieser westfälischen Unbeeindrucktheit abgefangen. Rückblickend hat mich das am Meisten beeindruckt! Dass das Ende ihrer hiesigen Dienstzeit mit einigen Unannehmlichkeiten bzw. Unfreundlichkeiten verbunden war, und Sie gegen Ende mehr polarisiert haben als derzeit der Papst – Schwamm drüber. Denn das mit Ihnen und der Eintracht war unterm Strich eine gute Zeit! Was übrigens ins Hessische übersetzt heißt: »War net schlecht, Friedhelmsche!« In diesem Sinne! Hendrik Nachtsheim

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 14. April 2010 .
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Eintracht-Tagebuch - Eintrag vom 31. März 2010

Liebes Eintracht-Tagebuch,

heute möchte ich Dir mal wieder eine kleine Geschichte von meiner Großmutter mütterlicherseits erzählen. Ich weiß, das Du schon ein paar kennst, aber sie war einfach auch klasse! Das, was man eine im Leben stehende, kompetente Person nennt, eine kleine Frau mit großem Humor. Und nie um eine Lösung verlegen. Einmal hatte sie z. B. eine ihrer besten Freundinnen, Margot, zum Kaffee eingeladen. Und während sie da saßen, fleißig Kuchen in sich hineinschaufelten und literweise ihr schwarzes “Muntermachestöffsche« tranken, schaute sich die Freundin plötzlich um und meinte: »Mia, Du musst hier echt ma was mache! Sieht alles e bissi fertisch aus! Dass Du des net selber merkst…!« Unsicher musterte meine Oma ihr kleines altes Wohnzimmer, um dann zuzugeben, dass sie schon lange nichts mehr in dieser Richtung unternommen hatte. Eine fachgerechte Renovierung kam aber schon aus Kostengründen nicht infrage, und für größere handwerkliche Aktivitäten war sie definitiv nicht mehr fit genug…

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 31. März 2010 .
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Eintracht-Tagebuch – Eintrag vom 17. März 2010

Liebes Eintracht-Tagebuch,

ich gebe es zu: Ich liebe Führer! Nein, keine Angst, das ist nicht politisch gemeint! Ich meine diese Bücher! Ob Opern-, Museums-, Restaurant-, Konzert-, Ausstellungs-, Kanu- oder Baumarktführer, ich liebe diese Form der Literatur! Weil sie mir in schwachen Momenten das Entscheiden abnimmt. Wie oft war ich schon in fremden Städten und bin vor Hilflosigkeit fast erstarrt – bis mir der kleine Ratgeber in meiner Jackentasche gesagt hat, was zu tun ist. Dass ich z. B. in einem winzigen Dorf in der Nähe von Zagreb unbedingt das Restaurant »Zum tiefroten Hammel« besuchen und dort die Spezialität des Hauses, nämlich Hirschhodengulasch mit in Schweinesülze eingelegten Dörrpflaumen, bestellen, dazu einen Mirabellenwein namens Hrvatic trinken, als Nachtisch kroatischen Palatschinken, übergossen mit fetter Sahne und Wein, schlemmen und zur Verdauung einen neunzigprozentigen Walnusslikör abkippen soll! Und als mir nach all diesen Köstlichkeiten doch recht zeitnah ziemlich schlecht wurde, leitete mich das kluge Buch schnell zur Save, dem größten Fluss der Gegend, an dessen blickgeschütztem Ufer ich dann alles wieder loswerden konnte! Ja, ohne geistige Wegweiser würde ich hilflos durch unsere Welt tapsen.

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 17. März 2010 .
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Eintracht-Tagebuch - Eintrag vom 3. März 2010

Liebes Eintracht-Tagebuch,
hab ich Dir eigentlich schon mal erzählt, was meine Lieblingsfarbe ist? Blau! Das war schon als kleines Kind so und hat sich bis heute nicht geändert. Ich hatte blaue Pullis, blaue Socken, eine blaue Mütze, ja sogar einen blauen Schlitten. Als Jugendlicher dann trug ich irgendwann nur noch blaue Hemden oder T-Shirts sowie Bluejeans. Meine Lieblingscomicfiguren waren die Schlümpfe, und aufgrund meiner Sportbegeistertheit hatte ich immer reichlich vorzeigbare blaue Flecken.
Später kamen dann aufgrund meiner nicht weniger großen Begeisterung für Mädchen (vor allem für die, bei denen ich keine Chance hatte) jede Menge blauer Augen dazu, was wiederum dazu führte, dass ich aufgrund meiner ziemlichen Blauäugigkeit und den daraus resultierenden Enttäuschungen gern ab und zu mal ziemlich blau war!
Meinen ersten eigenen VW-Bus strich ich im Hof mit knallhellblauem Heizungslack an, und wenn ich heute mit dem Computer irgendwelche Texte schreibe, wähle ich als Schriftfarbe fast immer Blau.
Eigentlich komisch, denn genau betrachtet ist Blau keine besonders warme sondern eher kalte Farbe. Aber das scheint nicht nur mich nicht wirklich zu stören, auch viele andere Menschen setzen auf Blau. In Taiwan zum Beispiel steht sie für Demokratie (Pan-blaue Koalition), das Blaue Band ist eine Ehrung für das schnellste Schiff auf der Transatlantik-Route, und die Friedenstruppen der Vereinten Nationen tragen Blauhelme und heißen auch so.
Die Blaue Mauritius ist eine der begehrtesten Briefmarken der Welt, so wie Blaualgen Bakterien mit der Fähigkeit zur oxygenen Photosynthese sind … und wer kann das schon von sich behaupten?! Nicht fehlen darf hier natürlich der ausgesprochen beliebte blaue Montag, gern auch kombiniert mit einem spontanen Ausflug ins Blaue.
Du siehst, liebes Tagebuch, es wimmelt nur so von positiven Betrachtungsmöglichkeiten. Aber selbst für mich gibt es so etwas wie eine blaue Grenze! Wo mich diese eigentlich so ansehnliche Farbe anfängt zu nerven. Schalke 04 ist so eine Grenze. Kein Verein in Deutschland steht mehr für Blau als die Gelsenkirchener. Was ihnen prinzipiell durchaus zu gönnen wäre. Das Unangenehme bei Schalke ist nur, dass sie Blau beziehungsweise Königsblau nicht einfach als ihre herkömmliche Vereinsfarbe betrachten – nein, der Schalker an und für sich behauptet, dass er die Farbe erfunden hat und sie ihm deshalb gehört! In dem Zusammenhang sei übrigens erwähnt, dass der Kinoblockbuster »Avatar« weltweit die meisten Zuschauer in Gelsenkirchen hatte, da man dort davon ausgeht, dass diese blauen Fabelwesen futuristische Schalke-Fans sind. Was nicht verwundert bei einem Verein, der als Einziger auf eine jahrtausendealte Tradition zurückblicken kann, der mit weitem Abstand die besten Fans der Welt hat und von der eigenen Wahrnehmung her seit Bestehen der Bundesliga durchgehend Meister hätte sein müssen.
Versteh mich nicht falsch, Tagebuch, die aktuelle Mannschaft spielt absolut anerkennenswert, und mit Felix Magath haben sie definitiv einen der allerbesten Fußballlehrer überhaupt geholt. Auch wenn sein Billigen der Spuckattacken auf Albert Streit vor ein paar Monaten eine erste Delle in meinem Bild von ihm hinterlassen hat, und sein beleidigtes Interview bei Sky nach dem Derbysieg gegen Dortmund mit »albernem Jammern auf allerhöchstem Niveau« noch harmlos beschrieben ist. Trotzdem – an der Mannschaft und ihrem Trainer liegt es nicht!
Es ist dieser traditionelle und unreflektierte Hochmut, der es Menschen, die keine Schalke-Fans sind, so schwer macht, diesen Verein richtig zu mögen! Wenn ich mir für Samstag einen Sieg gegen eben jenes Schalke wünsche, dann allerdings weniger aus Antipathie für den Gegner, sondern vor allem aus Sympathie für das eigene Team. Die Mannschaft hat uns in den letzten Wochen mehr gegeben, als wir das erwarten konnten. Trotz Dauerverletzten, trotz dem ständigen Rumgeskibbe in Richtung Bruchhagen usw.
Ernsthaft von der Europa League zu reden, halte ich zwar für dezent vermessen, aber möglichst viele Spiele auf Augenhöhe gegen die vermeintlich Unerreichbaren sind nicht zu unterschätzende Wegweiser für die Zukunft! Schon deswegen, liebes Tagebuch, wünsche ich uns allen ein großartiges Heimspiel! Und den Schalkern ein Wunder! In ihrer Vereinsfarbe! In diesem Sinne! Hendrik Nachtsheim

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 2. März 2010 .
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