Archiv für die Kategorie »Mailbox«

Paul-Ulrich Lenz: ZDF-Sportstudio

Ein tiefer Eindruck nach dem Interview von Frau Müller-Hohenstein: Es gibt Menschen, die vereinen die so unterschiedlichen Eigenschaften von Pattex und Teflon. Sie kleben fest und alles perlt von ihnen ab. (Paul-Ulrich Lenz/Schotten)

Veröffentlicht von gw am 10. Mai 2021 .
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Klaus Philippi: Nachholspiele und Rekord-Rotation

Derzeit ist die aktuelle Sport-Berichterstattung voll von Beiträgen über
das ach-so-schwere weil terminlich enge Restprogramm von Hertha BSC und
die Rekord-Rotation auf neun Positionen in dieser Woche. Der ältere
Fußballfreund erinnert sich da aber an „Da war doch mal was mit Bayer
Uerdingen“. Die Archive im Internet – in diesem Fall weltfussball.de –
müssen da für die genauen Daten ein wenig weiterhelfen aber dann steht
es dort.

Wir erinnern uns an die Saison 1985/86. Damals gab es nur in wenigen
Stadien Rasenheizung und so fielen Spiel nicht wegen Corona-Quarantäne
sondern einfach wegen Unbespielbarkeit des Platzes aus. Das schlechte
Wetter zog sich recht weit ins Frühjahr und am Ende der Saison wartete
schon die WM in Mexiko. Und so ergab sich Ende April 1986 für Bayer
Uerdingen folgender Spielplan:

Mittwoch, 16.4.: Europapokal-Halbfinale gegen Atletico Madrid

Freitag, 18.4.: 32. Bundesliga-Spieltag gegen 1.FC Nürnberg

Sonntag, 20.4.: Bundesliga-Nachholspiel bei Hannover 96

Dienstag, 22.4.: 33. Bundesliga-Spieltag bei Borussia Mönchengladbach

Donnerstag, 24.4.: Bundesliga-Nachholspiel gegen Eintracht Frankfurt

Samstag, 26.4.: 34. Bundesliga-Spieltag gegen Fortuna Düsseldorf

Macht insgesamt sechs Spiele in 11 Tagen, nur die Bundesliga-Spiele
betrachtet fünf Spiele in neun Tagen! Aus diesen fünf Spielen holten die
Uerdinger übrigens vier Siege und ein Unentschieden(!), so dass sie am
Saisonende auf Platz 3, ihre beste Bundesliga-Platzierung überhaupt(!),
standen.

Zum Thema Rotation lieferte Trainer Kalli Feldkamp etwas mehr als Pal
Dardai.

Startaufstellung am 20.4.: Vollack – Herget – Dämgen – Buttgereit –
Brinkmann – Raschid – F.Funkel – Bommer – Loontiens – Feilzer – Edvaldsson

Startaufstellung am 22.4.: Kubik – van de Loo – Wöhrlin- Thomessen –
Rodossek – Klinger – Janssen – Brinkmann – Kirchhoff – Gundmundsson – Basten

Startaufstellung am 24.4.: Vollack – Herget – Dämgen – Buttgereit –
Wöhrlin – Raschid – F.Funkel – Bommer – Gudmundsson – Feilzer – Edvaldsson

Vom 20. zum 22.4. also 10 Spieler rotiert, am 24.4. nur zwei Spieler vom
22.4. übernommen und ansonsten wieder die Elf vom 20. spielen lassen.
Persönlich hatte ich eigentlich in Erinnerung, dass da mal die KOMPLETTE
Mannschaft gewechselt wurde, wie halt mit der Zeit die Erinnerung trügt … (Klaus Philippi)

Veröffentlicht von gw am 10. Mai 2021 .
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Dr. Sylvia Börgens: Betreutes Lesen

Beim Lesen Ihres Blogs fühlte ich mich an meine zwei Semester Germanistik-Studium erinnert. O ja, ich liebte Literatur, liebte das Schreiben und musste mich dann durch blutarme und papierne Seminarthemen ackern. Zur Erfrischung besuchte ich dann Psychologie-Vorlesungen und erkannte, dass das mein Beruf werden sollte. Was ich auch bis heute nicht bereut habe.
Die Wörter Beruf und Bereuen habe ich mit Bedacht gewählt, um den Unsinn zu kennzeichnen, den der ansonsten sicher verdienstvolle Publizist Dolf Sternberger da verzapft hat. Dass die Vorsilbe „Be-“ eine Unterwerfung kennzeichnet, was mit entsprechenden Beispielen untermauert wird (beschimpfen, betrügen, bespucken …) ist nur Quatsch. Sie drückt eine Subjekt-Objekt-Beziehung, Transitivität aus, für die es Dutzende Beispiele außer den genannten negativ getönten gibt:
bewundern, bestaunen, berufen, beruhigen, bemuttern, bestellen, bedenken, bestreuen, belegen, beauftragen, begeistern, begleiten, befruchten,  betreffen, bekleiden, bekunden, bemitleiden, behüten … machen Sie weiter! (Selbst schrieben Sie übrigens von Ihrem Bedauern, nicht vom Buchhändler Ihres Vertrauens beraten worden zu sein und unbedacht das Werk bei Amazon bestellt zu haben.)
Außerdem haben die Nazis das Wort „Betreuen“ nicht erfunden, sondern nur in ihrer perfiden Art umgedeutet, es steht schon im Wörterbuch der Brüder Grimm:
„betreuung, f.
im vierten buch ist beschrieben, wie der weinbau recht anzustellen, zu pflanzen, zu warten, neu anzulegen, mit gehöriger betreuung und gebührenden arbeiten zu versehen. Hohberg 2, 3. das soll doch heiszen pflege, wartung? von betrauen, betreuen, mit etwas beauftragen.“
 
Für mich ist das ein Beleg, wie eine Behauptung durch ein paar ausgewählte Beispiele eine gewisse Plausibilität erhält, wenn niemand sich die Mühe macht weiterzudenken und ein paar Gegenbeispiele zu finden.
 
Hoffentlich machen Ihnen Norbert Gstreins Werke in unbetreuten Fassungen dann mehr Freude. (Dr. Sylvia Börgens/Geisenheim)

Veröffentlicht von gw am 22. April 2021 .
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Arno Baumgärtel: Ein (fast) sokratischer Dialog

Man könnte behaupten, in dieser Kolumne ginge es nur um Gott und die Welt.

Weit gefehlt, hier geht es um Sportliches. Ein Rennen, eins, das nicht
im Stadion ausgetragen wird, sondern in den Medien. Sage niemand,
eFußball sei kein Sport!

Das Rennen ums Kanzleramt, um die Kanzleramtskandidatur. Paradox genug,
ein Rennen, bevor überhaupt der Startschuss (die Bundeswahl) gefallen ist.

Wieso überhaupt KANZLERamt, jetzt, wo eine Frau ins Rennen eingestiegen
ist? Müsste es nicht gut gegendert KANZLERINNENamt heißen?

Es ist doch nur Annalena Baerbock. Oder ist Ursula von der Leyen auch
dafür qualifiziert? Ein KANZLERINNENamt gibt es nicht.

Auch wenn’s eine Frau bekleidet?

Nope. Es ist eine Funktion, ein Titel, grammatisch, zufällig oder nicht,
männlich. Wie ein Doktortitel. Einen DOKTORINtitel gibt es nicht. Erst
wenn wir von der Person, Bundeskanzlerin Baerbock, sprechen, machen wir
– nur um im Bild zu bleiben – den Bock zum Gärtner. Nicht die Geiß zur
Gärtnerin.

Die Geiss!

Nicht die, natürlich. Obwohl…

Übrigens, wenn die Amerikaner in den Wahlkampf gehen, sprechen sie vom
„Running for office“. Typische Hektik eben. Dagegen sprechen Briten in
aller Gemütsruhe über ihr „standing for election“, wenn sie ins, nun ja,
Rennen gehen.

Wäre also Armin Laschet ein Ami, hätte er auf die Frage „Are you going
to run?“ cool erwidern können: „Like blazes, first chance I get.“ Und
wäre fein raus gewesen.

Ja, Deutsch gibt so was nicht her. (Arno Baumgärtel/Gießen)

Veröffentlicht von gw am 20. April 2021 .
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Paul-Ulrich Lenz: Ein Einfall beim Gehen um den Stausee

Manchmal steigen bei Anschauen der Nachrichten ungebetene Erinnerungen aus dem Untergrund, oder müsste ich sagen: Ungrund meines Gedächtnisses auf. So auch gestern – zurückgehend auf einen Jahre zurückliegenden Besuch bei einem Freund und Weggefährten in der schönen Stadt Minden. Er hat mir damals die Entstehungslegende zum Stadtnamen erzählt:

 

Im 8. Jahrhundert kämpften die heidnischen Sachsen gegen die Eroberung und die Christianisierung des Frankenkönigs Karl der Große. Auf dem Wiehengebirge bekehrte sich Sachsenherzog Widukind anlässlich eines Quellwunders zum Christentum. In seiner Burg am Weserufer kam es zum Friedensschluss. „Diese Burg soll nun min und din sein“, bot Widukind an. Darauf Karl der Große: „So trage sie auch den Namen min-din.“ Das ist die Sage über die Namensgebung für die erstmals im Jahre 798 urkundlich erwähnte Stadt Minden.

Was für eine schöne Geschichte. Zwei lupenreine Demokraten – Karl der Große und Widukind – einigen sich. Ohne Blutvergießen. Ohne tödlichen Willen zur Macht. Ohne Dauerdiskussion. Ohne Beraterstäbe. Einfach so. Und das Volk der Franken und der Sachsen steht staunend und mit offenem Mund dabei und freut sich wie Bolle. Wie gut, dass uns diese Entscheidung abgenommen ist. Wir müssen nicht mehr selbst nachdenken. So eine weise Entscheidung ist wahrhaft alternativlos. Die versammelten Hofberichterstatter bejubeln diese einvernehmliche Lösung. Gefunden und gelungen im trauten Gespräch. Zwischen Frühstücksei und Brötchen. Sie müssen nichts schreiben über Hinterzimmer, Mauscheleien, Hinterlist, Gemeinheit, Schlammschlacht, Stänkereien und gezielte Indiskretion, Machogehabe. Nichts über Alpha-Tiere und alte weiße Männer. Nichts über fehlende Transparenz. Nichts über Machtverteilung nach Gutsherrenart. Es genügt doch – das Ergebnis ist offiziell verkündet. Wie schön. Vergessen das „Verdener Blutgericht“, 15 Jahre zuvor. Alles wird gut. Friede, Freude Eierkuchen.

 

Nur eine Legende. Ich huldige schreibenderweise dem Motto des Hosenbandordens. „Honi soit qui mal y pense“ – ein Schelm, der Böses dabei denkt. (Paul-Ulrich Lenz/Schotten)

Veröffentlicht von gw am 20. April 2021 .
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