Archiv für die Kategorie »Henni Nachtsheim SGExtra 08/09«

SGExtra: “Arbeitssieg - ja oder nein?”

»Arbeitssieg!« Egal, wen ich am Samstagabend im Rahmen eines Konzertes mit meiner Band auch traf, ob Mitmusiker, Techniker, Jungs vom Veranstalterteam, Besucher - alle kommentierten so auf ein und dieselbe Art und Weise das wichtige 2:1 gegen Cottbus. Natürlich weiß ich, was damit gemeint ist, nämlich, dass eine Mannschaft, ohne besonders zu glänzen, eine vermeintlich schwächere besiegt hat. Dass sie Fußball »gearbeitet« hat statt zu zelebrieren. Aber reicht das tatsächlich aus, um das Spiel vom Samstag zu charakterisieren? Ich persönlich empfand es vor allem als einen Sieg des Willens! Was ja auch genau dem entspricht, was die Mannschaft in den letzten Wochen mehrmals ausgezeichnet hat.

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 8. April 2009 .
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SGExtra: “Was man von den Engländern so alles lernen kann”

Da sage noch einer, die Deutschen seien ein von Natur aus unzufriedenes Volk, das immer nur am meckern sei..! Ausgerechnet in England, der selbsternannten Heimat von Coolness und Humor, gab es allein letztes Jahr 22 000 (!) Beschwerden von englischen Touristen bei dortigen Reiseveranstaltern bzw. Reisebüros.

Einer mokierte sich z.B. darüber, dass der Strand am Urlaubsort zu sandig war, andere wiederum kritisierten die Farbe des Strandsandes, der laut Broschüre eigentlich einen Tick gelber hätte sein müssen. Ungehalten reagierte auch eine Familie im Nachhinein auf ihren Badeurlaub am Meer: »Niemand hatte uns gewarnt, dass im Wasser Fische sein würden. Die Kinder waren ganz verschreckt.«

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 25. März 2009 .
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SGExtra: “Das letzte Aufgebot”

Wie paralysiert starrte ich auf den Zettel in meiner Hand. Ich verstand überhaupt nichts mehr. Völlig verunsichert sprach ich einen wildfremden Mann an, der in der Reihe vor mir saß. »Entschuldigen Sie, aber ich lese gerade die Aufstellung für heute, und ich kapiere es nicht! Das soll die Mannschaft sein, die hier in einer halben Stunde gegen Hoffenheim spielt…?«

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 11. März 2009 .
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SGExtra: “Der kleine Unterschied”

»Blau ist noch lange nicht blau!« Es ist zwar schon ein paar Jahre her, aber ich erinnere mich noch ziemlich gut, wie ich in dieser Kunstausstellung etwas ratlos vor zwei jeweils einfach nur komplett dunkelblauen Bildern stand, und ein älterer Herr genau das zu mir sagte. Und um es mir dann noch etwas detaillierter zu erklären: »Diese Bilder gehören zu einer Kunstform namens Monochromismus!« »Aha«, murmelte ich nickend, obwohl ich eigentlich nix begriff! »Ich weiß, was Sie denken! Auf den ersten Blick mögen Ihnen die Bilder einfach beide nur blau erscheinen… aber je länger und intensiver Sie in sie eintauchen, umso mehr feine Unterschiede werden Sie erkennen, und so auch den künstlerischen Wert dieser Werke begreifen!«

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 4. März 2009 .
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SGExtra: “Hauptsache bunt!”

Knallgelb! Dabei wollte ich meinen Kumpel »Brocken« eigentlich nur mal kurz besuchen, um zu fragen, ob er seine wochenlange Erkältung auskuriert hatte. Und jetzt stand er da in der Tür, ein Glas Caipirinha in der Hand und seinen Alabasterkörper in ein mindestens drei Nummern zu kleines grellgelbes Fußballtrikot gezwängt, unter dem er erstaunlich elegant seine Hüfte kreisen ließ. Übermütig grinste er mich an: »Weißte, was des is..?«
»Natürlich weiß ich, was das ist! Das ist das brasilianische Nationalmannschaftstrikot…!«
»Und weißte auch, warum ich des..?«
»Weil Caio uns in Karlsruhe zum Sieg geschossen hat«, unterbrach ich ihn. »Genau. Unsern Caio! Ich hab es ja immer gesagt. Der macht uns noch alle glücklich!«
»Brocken, sei mir nicht böse, aber schließlich ist er dafür ja geholt worden. Und auch wenn das ein schönes und wichtiges Tor war… Überragend war er trotzdem nicht!«
»Oh de Herr Super-Kritiker muss immer alles kaputtreden… statt dass de Dich mal freuen tust! Weißte, warum der immer noch so unbeständisch is? Weil Leut wie Du immer am Mosern sind! Und des verträgt de Brasilianer net so gut, weil er dadefür von Natur aus zu sensibel is! In Brasilien hüppe nach jeder Länderspielniederlage mehr Mensche in de Tod als bei uns im Sommer Leut vom Dreier!«
Auch wenn mir das dezent übertrieben schien, wollte ich dennoch später mal nicht als der gelten, der Caio durch ständiges Gemecker in den Suizid getrieben hatte. »Also gut, dann halt ich ab sofort die Klappe und drück ihm stattdessen einfach mal die Daumen, okay?« »Akzeptiert! Willst Du en Caipi?« »Gleich! Ich muss erst noch was wissen. Weil ich Dich grad in dem gelbe Trikot sehe… Was hat das denn mit den grellen Klamotten auf sich, die die Ultras in Karlsruhe getragen haben? Dein Cousin Rainer ist doch auch bei denen? Hast Du den mal gefragt?«
Brockens Grinsen ließ schlagartig nach. »Hab ich… aber so richtisch konnte er mir’s auch net erklären. Er sagt, es hätte was mit so ner Art Spezialaktion zu tun. Dazu müsste halt alle orange Sache tragen und ordentlich Stimmung mache und so…«
»Verstehe. Aber irgendwie musste ich sofort an die Nürnberger Fans denken, die uns letzte Saison so genervt haben!«
»Ging mir ähnlich. De Rainer sagt, er hätte aber auch gehört, dass das alles auch an Clockwerk Orange erinnern solle… was ja jetzt gewaltmäßig net grad en harmlose Film ist. Und des is natürlich net gut..!«
»Moment«, erwiderte ich, »Clockwerk Orange ist ein super Film!«
»Was?«
»Na klar, der verherrlicht ja Gewalt nicht sondern entblößt sie! Sonst hätte Stanley Kubrick ja nicht so viele Preise dafür bekommen! Ich mein, wenn die Ultras an so einen Film erinnern wollen, dann ist das doch aller Ehren wert!«
Brocken betrachtete mich jetzt wie einen Irren unter Drogen. »Hast Du se noch alle?«
»Nein, überleg doch mal! Wenn die Ultras das jetzt immer machen würden, das wär doch gut!«
»Was machen?«
»Na, wenn die sich jedes Wochenende einen großen wertvollen Film als Motto vornehmen!«
»Hä?«
»Ja! Das nächste Mal würden sie an Der mit dem Wolf tanzt und so an die Unterdrückung der Sioux erinnern! Natürlich als Indianer verkleidet!«
»Des meinst Du net ernst, oder?«
»Doch! Was glaubst Du, wie geil das aussähe! Und beim übernächsten Spiel schminken sie sich alle schwarz und gedenken so Mississippi Burning, der sich mit dem Rassismus in den USA beschäftigt hat!«
»Alles klar! Und danach ziehen sie hellbraune Fellkostüme an, und erinnern an das schwere Leben von Bambi!«
Ich ignorierte seine ironische Bemerkung. »Ich sag Dir, Brocken, geeignete Filme und Botschaften gibt es genug! Und weißt Du was? Wenn sie das konsequent durchziehen würden, dann würden sie unseren Ultras Ende Mai den Preis für die kreativsten Fans der Saison verleihen! Noch vor denen von
St. Pauli. Und die gelten, wie Du weißt, als extrem originell!«
»Und Du meinst, des würden die mache..?«
»Diejenigen, die unseren Verein nur dazu benutzen, ihr Gewaltpotenzial auszuleben, natürlich nicht. Aber für die, die unseren Verein wirklich so lieben wie Du und ich, wäre es doch eine echte Alternative zu so einfallslosen Geschichten wie Feuerwerkskörper auf Spieler werfen oder Autos zu beschädigen! Was hindert einen denn daran, für seine Mannschaft abzugehen wie‘n Zäpfchen und gleichzeitig gut drauf zu sein?«
Brocken nickte jetzt grinsend. »Stimmt! Des wär ma was! Und für Samstag hätt ich auch schon en Vorschlag. Kennst Du noch den Film Duell im Zwergenland?«
»Nein.«
»Der is gut! Da werden diese kleinen blauweißen Schlümpfe bei einem Wettstreit von so rotschwarzen Wichteln besiegt…«
»Hab ich zwar noch nie von gehört, geschweige denn gesehen… aber zum Schalke-Spiel würde es gut passen!«
»Sag ich doch! Jetzt en Caipi?«
»Logo! Auf Samstag!«
»Uff Samstag!«
In diesem Sinne!
Hendrik Nachtsheim

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 25. Februar 2009 .
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