Archiv für die Kategorie »Henni Nachtsheim SGExtra 07/08«

SGExtra: Mit Moschus gegen den Abstieg!

Ganz ehrlich, ich habe meine Oma geliebt! Dafür, wie sie mit mir sprach, wie sie mich ernst nahm, wie sie mir half, meine regelmäßigen finanziellen Engpässe mit zinsfreien und nicht rückzahlbaren Sonderkrediten zu überbrücken. Und wie sie roch! Nämlich nach literweise aufgetragenem 4711! Das passte zu ihr so wie ihre zumeist dunkelblauen Kittelschürzen. Das Einzige, was ich an ihr nicht mochte, ja regelrecht fürchtete, waren ihre Gute-Nacht-Geschichten. Denn kreativ, wie sie ihr Leben lang gewesen war, las sie diese nicht einfach vor, sie dachte sie sich aus. Und zwar ab dem Moment, in dem sie neben meinem Bett Platz genommen hatte. Und ich, der kleine Bub, lag jedes Mal zitternd unter der Decke und betete inständig darum, dass sie wenigstens diesmal das Genre wechseln würde. Was sie natürlich nie tat!
Wenn Stephen King überhaupt jemals einen würdigen Vorgänger gehabt hat, dann meine Oma! Und nicht, dass sie so etwas wie einen Spannungsbogen benutzt hätte. Eine kurze Einführung reichte ihr, um schon kurz darauf von irrsinnigen Gespenstern und Geistern zu erzählen, die besonders gut darin waren, Blut fließen und Köpfe rollen zu lassen oder armen Menschen von innen heraus das Gehirn wegzufuttern.
Vor allem bei der Gestaltung dieser Gespenster schien sie aus einer unendlichen Quelle morbider Phantasie zu schöpfen. Von durchsichtigen Schwebeheinis mit verfaulten Zähnen über welche mit drei Köpfen in einem Gewand aus schwarzem Glibber bis hin zu patchworkartigen Wesen, die einen Horrorelchkopf auf einem überdimensionalen Salamanderkörper spazieren trugen!
Ich glaube, kein Kind hat im Geiste mehr Gespenster gesehen und war zwangstrainierter im Umgang mit Horror als ich damals. Aber so groß und breit die Palette dieser Wesen auch gewesen war, auf ein besonders unangenehmes hatte sie mich seinerzeit trotzdem mental nicht vorbereitet. Nämlich auf dieses Abstiegsgespenst!
Und auch wenn es in seinem »Willkommen in der 2. Liga!«-T-Shirt auf den ersten Blick nicht ganz so grausig aussieht wie seine Kollegen, so beunruhigt es mich dieser Tage trotzdem. Zumal es eigentlich schon längst vertrieben sein könnte. Hätten Mahdavikia oder Steinhöfer nämlich in Hannover den Ghostbuster gegeben und ihre Chancen aus der Glasklarabteilung einfach genutzt – das Abstiegsgespenst könnte uns mittlerweile getrost kreuzweise. Und das kollektive Durchatmen eines kompletten Bundeslandes namens Hessen hätte man vermutlich weltweit anhand eines kurzen aber heftigen Hurrikans gespürt!
Aber so, dank dieser Versäumnisse und dank Gladbach, Bielefeld und Cottbus, schwirrt es immer noch um uns rum. Und jetzt kommen auch noch die Bremer, die eigentlich erst gegen Ende der Saison so richtig gemerkt haben, dass sie ein Topteam sind. Leichte Aufgaben sehen anders aus. Aber da ich hier nicht einfach nur rumjammern will, habe ich in den letzten Tagen gegoogelt, was es so alles an Geisteraustreibungsmöglichkeiten gibt.
Eine tatsächlich vorgeschlagene Methode ist zum Beispiel das Anzünden von Moschus-Räucherstäbchen, gekoppelt mit intensivem Gesang. Das erscheint mir in der Tat weder zu aufwendig noch undurchführbar. Also lasst uns am Mittwochabend alle diese kleinen braunen Stäbchen mitbringen, um sie auch noch im letzten Stadionwinkel anzuzünden. Und lasst uns so laut und innbrünstig singen wie nie zuvor! Ob der Gestank und unsere Lautstärke das Gespenst dann wirklich direkt vertreiben oder einfach nur dazu dienen, die Werder-Spieler ordentlich aus dem Konzept zu bringen, ist letztendlich egal.
Hauptsache wir machen was, damit dieser penetrante Dämon endlich aus unseren Köpfen verschwindet. Und damit endlich wieder Platz in unseren Gehirnen ist für unseren berühmten hessischen Optimismus, der uns dabei hilft, uns auf die neue Saison zu freuen! Ich finde, das haben wir Eintracht-Fans echt verdient! In diesem Sinne! Hendrik Nachtsheim

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 13. Mai 2009 .
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SGExtra: Vier Fünftel

Als ich Brocken vor exakt vier Wochen zum Frankfurter Flughafen fuhr, von wo aus er in seinen Cluburlaub starten wollte, war er die personifizierte Unsicherheit. »Was mach ich denn, wann mir des da net gefällt?« »Glaub ich nicht, Du hast Dich ausreichend informiert, oder?« »Ja, aber was soll der Typ im Reisebüro mir auch erzähle? Der kann ja schlecht sagen: ›Eigentlich ist des da unne en üble, runnergerobbte Schuppe, en Freund würd ich da net hinschicke, aber was solls, wir sind ja net befreundet, also buchen Sie des!‹« »Nein, aber er wird Dir trotzdem keinen Mist verkaufen, schließlich will er ja, dass Du wieder kommst!« »Hm, ich weiß net …«

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 14. Mai 2008 .
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SGExtra: Im Namen der Rosen

Wissen Sie, was das Gemeine an einem Garten ist? Dass Unkraut in zwei Monaten wächst, eine Rose aber fast ein ganzes Jahr zum Erblühen braucht! Und nicht nur das, denn passt man nicht auf, wird aus dem Gartenschmuckstück dank der ungebetenen Parasiten ruckzuck eine unansehnliche Kraut-und-Rüben-Landschaft.

Beim Fußball ist es mitunter ähnlich, manchmal reichen ein paar Wochen aus, um die Früchte einer eigentlich guten Saison doch noch so stark anfaulen zu lassen, dass man sie letztlich dann doch in die Tonne kloppen muss.

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 7. Mai 2008 .
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SGExtra: Der indische Dieb in mir

Das mit der richtigen Selbstwahrnehmung und der realistischen Einschätzung bestimmter Ereignisse ist nicht unbedingt immer jedermanns Sache!

Im südindischen Bundesstaat Andhra Pradesch z.B. hat ein Dieb ein paar Tage nach einem von ihm verübten gewaltsamen Einbruch bei der Polizei tatsächlich telefonisch Anzeige gegen den von ihm Bestohlenen erstatten wollen, da dieser ihm beim Überfall falsche Werte bezüglich der Beute genannt hatte. Statt der angegebenen 13 000 Euro seien die Juwelen sowie andere Wertgegenstände laut Schätzung von »Experten« gerade mal 5000 Euro wert gewesen, und das sei ja wohl Betrug!

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 30. April 2008 .
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SGExtra: Versprochen ist versprochen

»Hör gut zu, mein Bub! Wenn du jetzt für mich einkaufen gehst, und dann noch die Hofeinfahrt fegst, bekommst du was so Schönes, wie du es noch nie bekommen hast! Das verspreche ich dir – und zwar hoch und heilig! Davon wirst du ein Leben lang etwas haben!«

Ich weiß noch, wie ich in einer Mischung aus Faszination, Neugier und Gutgläubigkeit an den Lippen der Witwe Kohl hing, die ein Stockwerk über uns wohnte. Eigentlich war ich zum Kicken verabredet, und eigentlich hasste ich Einkäufe machen genauso wie Einfahrten kehren. Aber dieser unglaublich vielversprechende, ja beschwörende Ton in ihrer Stimme, und die Aussicht auf etwas unfassbar »Schönes« benebelte meine Sinne dermaßen, dass ich alle Abneigungen vergaß, um wie unter Hypnose ihren Wünschen nachzukommen.

Veröffentlicht von Henni Nachtsheim am 23. April 2008 .
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Mittelhessenkrimi von gw