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Ohne weitere Worte (vom 16. Januar)

»Als ich noch Sportdirektor beim DFB war, hab’ ich zu ihm gesagt: Mehmet, übernimm doch unsere U 21! Ich hätte sie ihm gegeben. Dann hätte er es in der Praxis beweisen können.« – Aber? – »Wollte er nicht.« (Hansi Flick im Interview der Süddeutschen Zeitung über die Kritik von Mehmet Scholl an der deutschen Talent-Ausbildung)
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Kommt da das alte Stürmer-Gen durch, den Vorteil durch eine Schwalbe zu suchen? – »Wahrscheinlich.« (Leverkusens Trainer Heiko Herrlich im FAZ-Interview über seinen peinlichen Ausrutscher)
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Wenn er die Lobby durchquert, dann hat er noch immer diesen leicht schlurfenden Schritt, dann kommt er immer noch aus der Tiefe des Raumes. (Hanns-Bruno Kammertöns in der Zeit über Günter Netzer)
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Vor wenigen Monaten bekam Netzer sechs Bypässe. (…) So sei er neuerdings nur noch ärgerliche 1,78 m groß. »Zwei Zentimter sind verloren gegangen.« Durch die Operationen? Kann eigentlich nicht sein. Aber warum dann? (Kammertöns/Zeit)
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»Dass in der ersten Liga sechs Einheimische spielen müssen, ist ähnlich der Frauenquote. Das ist ein Reihenfolge-Fehler. Man hätte erst einmal dafür sorgen müssen, dass genügend Jugendliche eine ordentliche Ausbildung bekommen, damit die ausländischen Spieler nicht all die Kaderplätze bekommen.« (Nowitzki-Mentor Holger Geschwindner im FAS-Interview über die Basketball-Bundesliga)
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»Das war so ein traumatisches Ereignis, davon träume ich heute noch.« – Wie sind Sie als Team damit umgegangen? – »So wie Handballer damit umgehen: Wir haben uns die Lichter ausgeschossen. In einer ganz ekligen verruchten Eckkneipe. (…) Die Bar haben wir vernichtet.« (Stefan Kretzschmar im Spiegel-Interview über die Niederlage im Olympia-Viertelfinale 2000 gegen Spanien)
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»Das war noch eine andere Mannschaftskultur.« – Wie sieht sie heute aus? – »Die individuellen Eigenheiten werden mehr akzeptiert. Damals warst du schon raus, wenn du abends Apfelschorle bestellt hast.« (Kretzschmar/Spiegel)
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Trotz seiner untersetzten Statur, er wog 90 Kilogramm oder, um es mit einer alten englischen Maßeinheit noch plastischer auszudrücken, 14 Steine, war Lawrence auch ein Sprungwunder. An der Anfield Road nannten sie ihn respektvoll das fliegende Schwein. (Dirk Gieselmann in der SZ in einem Nachruf auf eine Liverpooler Torwart-Legende)
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»Ich spüre jedes Kilo, das er zu viel hat.« Um wieder Olympiasieger zu werden, liegt der Rodler Tobias Wendl auch in diesem Winter fast jeden Tag auf dem Kollegen Tobias Arlt. Wie fühlt sich das an? (SZ-Teaser zu einem Interview mit dem Doppel-Olympiasieger)
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»Ich habe meiner fünfjährigen Tochter Bilder aus Somalia gezeigt. (…) Daraufhin stand sie auf, ging in ihr Zimmer, holte ihre Spardose und sagte: Das kannst du mitnehmen für die Kinder dort.« – Eine künftige Sozialdemokratin … – »Dass sie ansonsten überhaupt nix teilen will, spricht eigentlich gegen eine künftige SPD-Mitgliedschaft.« (Sigmar Gabriel im Spiegel-Interview)
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Mit 18 mussten Sie zur Airforce. Stimmt es, dass Sie vorgaben, homosexuell zu sein, um sich vor dem Dienst zu drücken? – »Das versuchte damals jeder im East End.« – Hat bei Ihnen nicht funktioniert, oder? – »Nicht ansatzweise! (…) Obwohl ich sagte, mein Lieblingssport sei Pingpong.« (David Bailey, berühmter Porträtfotograf, im Interview des SZ-Magazins)
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Arschlochkind. (…) Als ich mir den Begriff ausgedacht habe, habe ich an ein bestimmtes Kind gedacht. Dessen Eltern sahen irgendwann die Show und sagten hinterher zu mir: Wir kennen das, Freunde von uns haben so ein Arschlochkind. Da musste ich grinsen. (Comedian Michael Mittermeier in einem Gastbeitrag für die FAS)
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»Die Sprache ist sehr grob geworden. (…) Wenn ich im Park mit meinem Hund gehe, es kommt ein Radfahrer vorbei und ich sage höflich: Könnten Sie ein bisschen langsamer fahren? Dann sagt der: Halt’s Maul, du Schlampe. Das ist schon heftig, und es ist ganz normal.« (Schauspielerin Jutta Speidel im SZ-Interview)
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Friedlicher Kleingärtner erwürgt seinen Nachbarn. (Schlagzeile in der Neubrandenburger Zeitung, zitiert im Spiegel-»Hohlspiegel)
(gw)
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Veröffentlicht von gw am 15. Januar 2018 .
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Montagsthemen (vom 15. Januar)

»Samstagnachmittag zu Hause«, eine bunte Kindersendung, am Schluss mit Lassie. 1958 erstmals gesehen, beim Nachbarn, der so  reich war, dass er einen Fernseher besaß. – Samstagnachmittag zu Hause 2018: Fußball-Bundesliga, die amputierte. Ohne Schalke-Abend, Bayern-Freitag, BVB-Sonntag. Zwischen 15.30 und 17.20 Uhr also das ganze Elend auf Sky. Lassie war schöner, spannender, besser.
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Bestes schlechtes Beispiel in Frankfurt. Obwohl beide Trainer, Kovac und Streich, auf unterschiedliche Weise das maximal Mögliche aus ihren Mannschaften herausholen, bestätigen sie, was schon seit Wochen Thema ist: »Absturz. Der deutsche Fußball leidet unter einem großen Problem: dem Fußball« (Serie im Kicker), denn die »Dominanz von Disziplin, Einsatz und Tempo« bereitet »kulturelles Unbehagen« (Süddeutsche Zeitung am Samstag)
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Gleichschaltung statt fußballerischer Kreativität, Kampf statt Kunst – das hatten wir doch schon mal. Stichwort linker und rechter Fußball, damals definiert von  Cesar Luis Menotti (heute sinngemäß nachgeplappert von Mehmet Scholl): »Rechter Fußball degradiert die Spieler zu Söldnern des Punktgewinns. Der linke Fußball aber feiert die Intelligenz, fördert die Fantasie, er möchte ein Fest feiern«.
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Seit Frankfurter Traumtänzerzeiten der 90er Jahre, als die Eintracht und ihr Anhang fußballzweitausendbesoffen dem Untergang entgegenschunkelten, bin ich immun gegen sozialromantische Fußballschwelgerei von Menotti bis Scholl. Zumal sogar Menotti sich schon früh widersprach und aus der falschen Kontroverse die richtige Symbiose machte: »Ich glaube, die Essenz von Fußball ist: Es geht um Ordnung und Abenteuer.«
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Samstagnachmittag zu Hause. 1958 nur Abenteuer, 2018 nur Ordnung.  Denn Ordnung, System, Taktik (das hochgestapelte Geschwafel drumrum ersparen wir uns) sind zwar die Grundlagen des Leistungssports Fußball, aber sie dürfen Talent und Kreativität nicht verdrängen, sondern auf dieser Grundlage fördern. Es geht also nicht um Scholl kontra Laptop-Trainer, sondern darum, dass solche wie Scholl als Laptop-Trainer arbeiten sollten. Und nicht nur von alten Zeiten fabulieren. Dann kommt die Magie wieder. Wie damals mit Lassie.
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Seit der Fußball den Laptop entdeckt hat (hier nur als Sinnbild digitaler Anti-Kreativität), grassiert allerdings eine Seuche. Die der abzählmanischen Statistikeritis. Immerhin bescherte sie mir am Samstag einen Spontanlacher, als ich erfuhr, dass HSV-Diekmeier die Statistik der meisten Einwürfe anführt, die beim Gegner landen. Da muss man schon auf mehr als drei zählen können. Im Gegensatz zum Hattrick. Aber was ist ein lupenreiner? Hannovers Füllkrug schoss drei Tore, aber das war kein Hattrick. Dafür muss man, nach deutscher Definition, drei aufeinanderfolgende Tore in einer Halbzeit schießen. Das Besondere des lupenreinen Hattricks ist, dass es nur lupenreine Hattricks gibt, ein lupenreiner Hattrick also ein doppelt gemoppelter weißer Schimmel ist. Ein »lupenreiner Demokrat« jedoch … ach, ich weiß nicht, da müssen Sie schon unseren Altkanzler fragen.
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Und dann war da noch dieser Fehlalarm auf Hawaii. Einer hatte einen noch größeren Knopf als Trump, einen so großen, dass er ihn dappisch berührte, und schon digitalisierte sich eine Atomraketenwarnung auf Millionen von Smartphones.  In einer der letzten Kolumnen verglich ich den Digitalisierungs-Hype mit dem um die Atomenergie in meiner frühen Jugend. Damals die große Enttäuschung im Kino, wenn der Vorfilm (ja, liebe Kinder, so was gab’s, dauerte manchmal eine halbe Stunde) wieder einmal eine öde Ode an die Kernenergie war. Mit Besuch im Atommeiler, alles blitzblank dort, futuristisch, aber soo langweilig. Wie der Fußball-Nachmittag am Samstag. Bis endlich Lassie-Faszination kam. Im Kino hieß sie »20 000 Meilen unter dem Meer« oder »El Paso, die Stadt der Rechtlosen«.
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Auf Hawaii gerieten auch die Golf-Profis in Panik. Einer von ihnen twitterte seine Angst in die Welt hinaus, »mit meiner Frau, Baby und Schwiegereltern unter Matratzen in der Hotelbadewanne«. Die USA bleiben das Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten. Wannen gibt’s dort! In meine passe ich nicht mal halb hinein, auf Hawaii tauchen ganze Familien in einer unter, mit Matratzen drüber.
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In unserer deutschen Atom-Hype-Zeit genügte bei Gefahr eine Aktentasche, die man über den Kopf ziehen sollte. Die beiden Alten, so an die 90, die ich sehr viel später sah, nach Tschernobyl, hatten keine Aktentaschen zur Hand, als es zu regnen anfing. Panisch hasteten sie humpelnd heran, unter unserem Vordach Schutz suchend. Spätschäden fürchtend.
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Zu – guter oder schlechter, wie’s beliebt – Letzt zum Unwort des Jahres. Favorit auf den Titel, lese ich, sei der »Babycaust«. Noch nie gehört, aber im nächsten Satz erfahre ich, dass »Babycaust« sogar in Gießen erfunden wurde (Sie wissen schon, der Prozess gegen die Ärztin). Zwar schreibe ich Jahr für Jahr, mein Unwort des Jahres sei »Unwort des Jahres«, aber diesmal spucke ich einen alternativen Vorschlag aus, der doppelt so viele Prozentpunkte Zustimmung erhielte als die kleine GroKo zusammen. Trump! (gw)
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Veröffentlicht von gw am 14. Januar 2018 .
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Sport-Stammtisch (vom 13. Januar)

Wie relativ die Zeit doch ist! Die bisher kürzeste Winterpause kam uns länger vor als früher die unendlich lange Sommerpause. Endlich spielen sie wieder! Sofort taucht auch dieser knorrig-grimmige Geldeintreiber auf, der uns aus schmalen Augenschlitzen fixiert und zwischen zusammengebissenen Zähnen hervorpresst: »Deine Wette in sicheren Händen.« Also in seinen. Denn sonst ….
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Nein, nur das nicht! Denn der Auftraggeber des Eintreibers hält seine schützenden Hände über die gesamte Liga, er hat sie auch in den Händen, macht ihr ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann, und das will sie auch gar nicht, sie lebt davon und von ihren Paten, dessen mächtigster nicht in Kalabrien residiert, sondern im »Sadomaso Business Tower« auf Malta. Hat hier Dashiell Hammett seinen Malteser Geier geschrieben? Nee, das war ja der Malteser Falke, dieser Urknall der Krimiliteratur, der Tower heißt nicht Sado- sondern Portomaso, und es geht nicht um eine Zocker-Mafia, sondern um rechtschaffene Geschäftsleute, die dem Staat geben, was ihm gebührt, nämlich fünf Prozent Schutz… nein, Steuergeld, geregelt im auch sprachlich typisch deutschen »Glücksspieländerungsstaatsvertrag«.
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Wer kann noch über die Neymarisierung des Fußballs jammern und gleichzeitig mit seiner Wetterei dafür sorgen, dass die Glücksspiel-Industrie Milliarden umsetzt? Wem dies alles zuwider ist, der wendet sich den olympischen Kernsportarten zu. Und kommt von der Traufe in den Regen, denn hier strömt das Geld nicht, es tröpfelt nur. Daher fordert der deutsche Aktivensprecher eine Verdreifachung der Zahlungen an die Kaderathleten, das heißt auf 1500 Euro im Monat. Da horcht der jugendliche Leichtgewichtsringer auf: 1500 Euro, dazu die Knete vom Verein, eventuell auch von einem Sponsor – wozu noch Schule, Ausbildung, Studium, wenn einem die Teenie- und Twen-Zeit von Vater Sportstaat finanziert wird? Was später kommt … weiß der Geier! Juckt uns nicht.
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Schwenk zurück zum Fußball. Der Video-Assistent wird weiter getestet, aber hoffentlich nicht so dämlich wie in der Hinrunde. Da kamen manchmal böse Gedanken auf. Wird der Test bewusst vergeigt, um die Sache endgültig ad acta legen zu können? Eine Mehrheit der Profis will sowieso nichts mehr davon wissen. Auch da drängt sich eine böse Frage auf. Soll Fußball ein Glücksspiel bleiben? Und nicht in die unsicheren Hände der Objektivierer fallen?
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Schluss mit Zocken. Man kann sein Geld auch mit redlicher Arbeit verdienen. Zum Beispiel mit einem Abmahnverein. »Ich brauch kein Crystal Meth, mir reicht Kristall und Mett«, mailte einst ein Leser. Einklinkt waren zwei kleine Bildchen, ein Weizenglas und ein undefinierbares Häufchen. Das wurde teuer für uns, denn der Klops, der aussah wie ein Häufchen meines Hundes, stammte aus einem Kochbuch, so hieß es in der Abmahnung, und sei unautorisiert übernommen worden. Ich erwähnte es am vergangenen Samstag, woraufhin der Leser, Kai Velte aus Wetzlar, aufklärte: »Ich hatte seinerzeit einfach eines dieser quasi minütlich aufploppenden WhatsApp-Bilder als zum Thema passend und mit Kommentar unterlegt weitergeschickt, aber ich wäre nie und nimmer davon ausgegangen, dass dabei ein solches Ergebnis heraus kommt!« Zu seiner »Gewissensberuhigung« ließ er uns ein Eimerchen »Nervennahrung« zukommen. Marke … und Erwachsne ebenso. Dankeschön.
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Weiter mit Leserpost. Dr. Richard Wagner (Lollar) hatte kürzlich »zusammen mit drei Pfarrersfreunden viel Spaß« an einer Kolumne. Er wünscht nun, dass ich auch auf den »Narrativ bzw. auf das nur wenig schlimmere ›Erzählung‹« eingehe, falls sie auch »im Fußballerischen auftauchen« sollten. Sind sie! Vor einem Jahr schrieb ich dazu: »Selbst die sprachlichen Hochstapler haben gemerkt, dass der Narrativ eine Mode-Masche ist. Jetzt schreiben sie stattdessen ›Erzählung‹. Was auch nur eine Mode-Masche ist.« – Dass drei Pfarrersfreunde und Dr. Wagner viel Spaß an meiner Kolumne hatten … ich stelle es mir bildlich vor, auch das macht Spaß.
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Auch andere Mode-Ticks engagierter Schreiber habe ich bereits »verhandelt«, wie »generieren«, »aufschlagen« und den wahllos verstreuten: Doppelpunkt. Kritisch wird es allerdings, wenn die Gender-Sprachpolizei Knöllchen verteilt, denn sie versteht keinen Spaß. Daher nehme ich mit dem Ausdruck des Bedauerns das oben geschriebene »dämlich« zurück. Obwohl es nicht von »Dame« kommt, sondern, wie mein Grimmsches Wörterbuch weiß, von »dammelen, in einem halbbewusztlosen, bethörten, schlaftrunkenen zustand sich befinden, herumschlendern, albern, unklug sich benehmen, faseln.«
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Es wäre äußerst unklug, sich albern faselnd an der »Metoo«-Diskussion zu beteiligen. Aber etwas weiß ich: Ob heute Filmemacher oder damals Wetterfrosch, Arschlochsein alleine ist nicht strafbar. (gw)
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Veröffentlicht von gw am 12. Januar 2018 .
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Ohne weitere Worte (vom 9. Januar)

Einen (…) Vorteil vor der WM hat der deutsche Fußball (…) verramscht: die Winterpause. (…) Zur Erinnerung: Das WM-Finale hat Deutschland in der Verlängerung gewonnen. Auch, weil das Team noch zulegen konnte. (…) Die Bundesliga (hätte) die einzige europäische Topliga bleiben können, die sich eine Winterpause gönnt. Sie hätte damit die Chance auf den WM-Titel gesteigert. So aber sprang bei den Fernsehverträgen mehr raus. (Michael Horeni in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über die aus kommerziellem Grund verkürzte Pause)
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Von der Notwendigkeit des Gegenpressings zu überzeugen dürfte schwierig sein. Ist das nicht gegen die Natur eines Fußballers? Wenn man den Ball verloren hat, rennt man doch nach hinten, um sein Tor zu verteidigen. Und nicht nach vorn. – »Also, mein kleiner Sohn ist jetzt drei Jahre alt. Wenn er den Ball verliert, will er ihn sofort wiederhaben.« (Augsburgs Trainer Manuel Baum im Zeit-Interview)
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»Ich glaube, dass es die Spieler gewesen sind, die alles in die Hand genommen haben. (…) Sie wollten, dass er (Anm.: Ancelotti) rausfliegt. Und um zu zeigen, dass Heynckes der Richtige ist, geben sie alles.« (Italiens Meistertrainer Fabio Capello bei Sky, zitiert in der Welt)
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Pep Guardiola (…), über dessen Größe auch noch gestritten werden darf: Wer in Barcelona und München arbeitet, der wird zwangsläufig Meister, wer Manchester City mit rund einer halben Milliarde aufpimpt, kann es letztlich auch nicht mehr verhindern. (Frank Lußem im Kicker)
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Jahrzehntelang wurden ehemalige Profis häufig Trainer, Manager, Experte, Kioskbesitzer oder Alkoholiker. (…) In den vergangenen Jahren sind jedoch viele kreativer geworden. Marcel Jansen verkauft Kompressionsstrümpfe, Maximilian Beister (…) erfand den Snaxcup, einen Becher mit aufgesetztem Teller. (…) Lukas Podolski (eröffnet) in Köln, wo er bereits eine Eisdiele und einen Klamottenladen betreibt (…), einen Döner-Imbiss. (Benedikt Warmbrunn in der Süddeutschen Zeitung)
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Wenn du schlecht trainiert hast, hat der Trainer gesagt: Zoran, ich sehe dich schon als Tennistrainer in Deutschland! Das war die schlimmste Beleidigung, die man sich vorstellen konnte. (Zoran Petkovic aus Bosnien in einem Beitrag für die FAS; Petkovic ist seit 26 Jahren Tennistrainer in Deutschland)
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»Dirk hat gezeigt, dass Basketball ein Mannschaftssport ist und kein Egotrip wie bei 100 Meter geradeaus und anderen Einzelsportarten.« (Nowitzki-Mentor Holger Geschwindner im FAS-Interview)
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»Ich habe in der aktuellen Medienlandschaft das Gefühl, dass manchen Zeitungen 100 wütende Leser lieber sind als 60, die sich informiert fühlen.« (Arnd Zeigler, Journalist, Stadionsprecher und Autor, im Kicker-Interview)
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»Ich bin jedenfalls froh, dass ich weder Politiker noch Journalist geworden bin. (…) Die Versuchung, Lärm zu machen, wird größer als der Wunsch, der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Der Druck, Dinge fragen zu müssen, die man nicht fragen will, wird größer als die journalistische Ethik.« (Hugh Jackman, Schauspieler und examinierter Journalismus-Student, im SZ-Interview)
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»Ich möchte endlich mit dem Nägelkauen aufhören! Zu 70 Prozent habe ich es schon geschafft, aber wenn ich daheim auf der Couch sitze und ein Radrennen schaue, bin ich so aufgeregt, dass ich meine Vorsätze vergesse.« (guter Vorsatz des belgischen Sängers Helmut Lotti für 2018, geäußert in der Bunten, zitiert in der FAS)
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»Es gibt zwei Toiletten im Archiv (…), die wurden gegendert, es gibt nun keine Herren- und keine Damentoiletten mehr. Jetzt regen sich die Frauen auf, weil beide Toiletten unsauber sind.« (Klaus Farin, »linker und langhaariger Experte für Pop- und Jugendkultur«, zitiert in der SZ)
(gw)
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Veröffentlicht von gw am 8. Januar 2018 .
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Montagsthemen (vom 8. Januar)

Die ersten Vorsätze sind schon gebrochen. Stimmt’s? Aber trösten Sie sich, einer war noch schneller. Als um Neymar herum die Fantastillionen explodierten, versprach Jürgen Klopp: »An dem Tag, an dem allein das Geld entscheidet, werde ich meinen Job nicht mehr machen.« Nach van Dijk (für 84,5 Millionen nach Liverpool) und Coutinho (für 160 Millionen weg von Liverpool) interessiert er sich, ganz adenauerisch, nicht mehr für sein Geschwätz von gestern, das »injoriert« er erst gar nicht.
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Außerdem wäscht er, diesmal nicht Adenauer, sondern Pontius Pilatus, seine Hände in Unschuld (»Wir bestimmen die Preise nicht, es ist der Markt«). Den Fans empfiehlt er, »sie sollten sich darüber keine Gedanken machen«. Denn die und deren Gedanken jucken sowieso niemanden. Schließlich kann Klopp noch sophistisch argumentieren, dass er seinen Vorsatz nicht gebrochen habe, denn allein das Geld entscheidet ja nun doch nicht. Daher wird ja auch Freiburg deutscher Meister.
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Aber Klopp bleibt, trotz allem, mein Trainerfavorit, noch knapp vor Kovac. Hirn denkt, Gefühl lenkt. Und was die Fantastillionen angeht: Bei Neymar, van Dijk oder Coutinho bleibt erfahrungsgemäß am wenigsten hängen. Siehe Mike Tyson. Der hatte so viel auf dem Konto wie diese drei zusammen, aber später erging es ihm wie den Stammkunden meines Vaters: Pleite, Taschenpfändung, Offenbarungseid.
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Mein Vater war Gerichtsvollzieher. Mein erstes Taschengeld verdiente ich, indem ich Duplikate der Pfändungsprotokolle schrieb. Eine Schule fürs Leben. Ich erfuhr, wie schnell ein bürgerliches Leben kippen kann, und auf der anderen Seite, wie bequem sich mancher im prekären Dasein einrichtet. Aber das nur am Rande. Zurück zu Tyson. Auch der hatte einen festen Vorsatz, an dessen Verwirklichung er scheiterte. Ihn trieb der tierisch tolle Herzenswunsch an, »dem Gegner das Nasenbein ins Gehirn zu treiben«. Aber schon die Ersatzbefriedigung, ihm ein Ohr abzubeißen, gelang ihm nur halb. Die andere Hälfte hängt noch an Holyfield.
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Dennoch waren auch für Tyson die frühen  Jahre eine gute Schule fürs Leben. Mittlerweile verdient er wieder Geld, als selbstironischer Erklärer seiner selbst, und demnächst scheffelt er es sogar, denn nach der Cannabis-Legalisierung will er in Kalifornien Marihuana anbauen, auf einer Erlebnisfarm mit Hasch-Lehrgang und Keks-Rezepten. Ja,wirklich! Ferien auf dem Bauernhof2.0.
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Eine erstaunliche, eine vorbildliche Karriere. Tyson kokste schon mit elf, und als vor einem Kampf zwar der Mann mit dem Koks da war, danach aber der mit dem sauberen Urin im Kunstpenis den Übergabe-Termin vor der Dopingkontrolle verpennte, wurde Tyson gesperrt. Doch mittlerweile hat er den Berufsvorbereitungskurs als Jahrgangsbester absolviert. Unser Poldi dagegen lernt noch. Das langjährige DFB-Maskottchen  eröffnet in Köln eine Döner-Annahmestelle. Nee, einen Lotto-Imbiss. Ach, ich hab’s: einen Döner-Imbiss.
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Halt! Was bedeutet »Maskottchen«? Obwohl meist ein infantiles Wesen (unerreicht: Tip und Tap von der WM 74), stammt das Wort nicht aus der Babysprache und fordert verniedlichend zur Verdauung auf (»Mach’s Kotchen!«), es hat auch keine übelkeitsankündigende althochdeutsche Wurzel (»mas kotzen«), sondern kommt vom französischen »Maskotte« und bedeutet »Hexchen«.
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Bildungsauftrag erfüllt. Was auch Bild online anstrebt, das seinen Lesern verklickert, warum man mehr als Schlagzeilen lesen sollte, um sich eine Meinung zu bilden. Böses Bild-Beispiel: »Wurde Stoch zum Triumph getrickst?« Na klar, wissen wir, kocht die Volksseele über. Den Text darunter ignoriert sie, in dem Bild online die Antwort gibt: »Eher nicht.«
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Fake News sind eh keine Erfindung vom stabil genialen Atomknopf-Trump. Auch hier ist der Sport vorausgeeilt. Schon zu Beginn des Jahrtausends stimmte uns eine gewisse Suzy Hamilton bei Olympia in Sydney auf die modernen Zeiten ein. Als sie auf die 1500-m-Zielgerade einbog, in Führung liegend, aber schon schweren Schrittes, schlug sie plötzlich lang hin, rappelte sich auf und kroch als Letzte ins Ziel. Auf mich wirkte es damals wie der Slapstick-Versuch einer grottenschlechten Schauspielerin. Offiziell hieß es: dehydriert, daher kollabiert. Erst Jahre später gab sie zu, den Sturz simuliert zu haben. Die US-Läuferin war »platt«, und der Fake sicherte ihr mehr Medienaufmerksamkeit und Anteilnahme als die simple Überschätzung eigenen Könnens.   Später gab sie zu, für einen Escortservice als Luxusnutte gearbeitet zu haben. Nichts Neues unter der Sonne.
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Zu guter Letzt ein Blick auf die Hessenschau im HR-Fernsehen. Zunächst fällt eine neue Nachrichtensprecherin auf, sachlich, unaufgeregt (wirkend), zurückgenommen (nicht ich bin wichtig, sondern die Nachricht), professionell, neutral, angenehm. Später ein Interview, ich glaube in Sachen Polizei, aber das Thema konnte ich mir nicht merken, da ich fasziniert nur darauf achtete, wie oft der Interviewte von den »Kolleginnen und Kollegen« sprach. Ich glaube, in der Kürze des Interviews fast zehn Mal. Wenn alle Kolleginnen und Kollegen und Bürgerinnen und Bürger und Parteifreunde und Parteifreundinnen abgekürzt würden und die gewonnene Zeit addiert werden könnte, ein erlösendes Ommmmm der Kollis, Bürgis und Freundis würde lautlos und fast endlos um die Welt schallen. Gelle, liebe Lesis? (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 7. Januar 2018 .
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Baumhausbeichte - Novelle