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Ohne weitere Worte (vom 21. Mai)


Der Trainer des FC Bayern (…) wird in die Geschichte eingehen als einer, der sich nie verbogen hat. Kovac prahlt nicht, er macht niemandem etwas vor, er erniedrigt nicht, um selbst größer zu erscheinen. Er ist (…) ein höflicher, intelligenter Mann. (…) Er ist trotz aller Widrigkeiten der Mensch geblieben, als der er gekommen ist. (Benedikt Warmbrunn in der Süddeutschen Zeitung)
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Falls er gehen muss, es wäre für Kovac, der in Frusttoleranz und Durchhaltevermögen Meisterliches zeigte, dennoch keine verlorene Zeit gewesen. Die Fans haben ihn am Samstag gefeiert. Er ginge aus München als Gewinner des Jahres. (Christian Eichler in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Diese Tätowierungen. Ein Irrsinn. Ich sage immer, Männer, wisst ihr eigentlich, wie ihr ausseht, wenn ihr so alt seid wie ich? Das ist doch furchtbar! Dann könnt ihr euch nicht mehr ohne Hemd zeigen. Aber bitte schön. Die wollen das so.“ (Friedhelm Funkel im Spiegel-Interview)
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Man muss diese Konstrukte (Anm.: Hoffenheim und Leipzig) ebenso wenig mögen wie den Gummibärchensaft. Aber wenigstens treten sie nicht im Dienste eines Regimes an, das die Demokratie mit Folter unterdrückt. Bei Manchester City und Paris Saint-Germain ist das anders. (…) Doch immer, wenn man kurz davor ist zu resignieren, zeigt der Fußball, warum er so unwiderstehlich ist. Dann gibt es jene Zauberspiele wie neulich die Halbfinals der Champions League, Festivals der Schönheit und Dramatik. (…) Doch das Schönste (…) war, dass Paris und Manchester City nicht mitspielen durften. (Markus Feldkirchen im Spiegel)
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»Mit ihm zu arbeiten, ihm auf dem Trainingsplatz zuzuschauen, war faszinierend. Aber mit ihm zu planen, war anstrengend. (…) Man kann sich keinen Trainer malen. Wenn man es könnte, würde sicher eine Mischung aus Jürgen Klopp und Lucien Favre herauskommen. (…) Die Fähigkeit von Klopp, Menschen mitzunehmen, ist außergewöhnlich – die Kompetenz von Favre allerdings auch.« (Ex-Hertha-Manager Dieter Hoeneß im Welt-Interview)
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»Wir haben uns blind verstanden. (…) Der Jürgen (Anm.: Klopp) hat eine Überzeugungskraft, der würde selbst dem Papst ein Doppelbett verkaufen. Dazu hat er ein sensationelles Gefühl und Gespür für Menschen.« (Klaus Hafner, scheidender Stadionsprecher von Mainz 05, im Kicker-Interview)

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Harald »Toni« Schumacher(…) pflegt sie (Anm.: die Wiese in seinem Kölner Garten am Rheinufer) unermüdlich. 36 Bahnen mit dem Rasenmäher jedes Mal. Und wenn er fertig ist, dann geht er oft noch einmal drüber. »Aus Besessenheit«, wie er das nennt. Sein ganzes Leben als Profi ist er ein Getriebener gewesen. »Alles habe ich mit Leidenschaft gemacht, mit Willen, mit Fanatismus. Heute mähe ich fanatisch meinen Rasen.« (aus einem »Hausbesuch« von Hanns-Bruno Kammertöns in der Zeit beim Ex-Nationaltorhüter)
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In dem Schlechtwetter-Rennen vom Donnerstag zog Ackermann im Finale seine Regenjacke wie abgesprochen aus. »Weil eine Regenjacke im Sprint 30 Watt Leistung kostet«, so Denk (Anm.: Teammanager). Sein härtester Widersacher auf der Zielgeraden, der (…) Kolumbianer Fernando Gaviria, hatte seine Regenjacke noch an – Ackermann siegte mit wenigen Zentimetern Vorsprung. (…) Seinen Stil beschreibt er so: »Lieber vorne sterben als hinten nichts erben.« (Alex Westhoff in der FAS)
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Jeff Koons (…) weiß, wie der Hase läuft. Soeben versteigerte er seine Edelstahlskulptur »Rabbit« für 91,1 Millionen Dollar. Das (…) entspricht dem Preis von mehreren Millionen Kilo Altmetall, vier Fehleinkäufen von Borussia Mönchengladbach (…) oder 3 690 000 Exemplaren der bei Kleintierfreunden so beliebten Deutschen Riesenrammler. (aus dem »Streiflicht« der Süddeutschen Zeitung)
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Vor allem in Bayern ist die Empörung über das angeblich ungerechte Mathe-Abi groß. Wer die Aufgaben allerdings nachrechnet, merkt sehr schnell: Das war alles machbar. Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version ist uns leider ein Rechenfehler passiert. Wir haben das Ergebnis korrigiert. (Süddeutsche.de / aus dem »Hohlspiegel« im Spiegel)
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»Bundeskanzlerin a.D. – fällt man da als Physikerin nicht quasi in ein Schwarzes Loch?« (Frage an Angela Merkel in einem taz-Cartoon von Kittihawk)
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»Eine 10-Euro-Knolle fürs Falschparken?! Das macht man nicht mit einem Manfred Hoppenstedt, dem Chef des Hoppenstedt-Clans Uelzen!« (Falschparker zu einem Polizisten in einem FAZ-Cartoon von Greser & Lenz, Titel: »Ist die Clan-Kriminalität in Deutschland zu bändigen?) (gw)
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Veröffentlicht von gw am 20. Mai 2019 .
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Montagsthemen (vom 20. Mai)

Fußball scheint also doch ein nach üblichen Maßstäben funktionierender Leistungssport zu sein. Wer bei der Elferwette (früher die einzig legale Fußball-Wette …) nach Papierform getippt hat, darf keinen großen Gewinn erwarten. Sonst würde er ähnlich enttäuscht wie ich, der als Junge sein Taschengeld verwettete, zehn Richtige hatte und zwei Mark fuffzig gewann.
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Selbst die einzige kleine Überraschung war keine echte, denn dass Hoffenheim torreiche Spiele am Ende noch vergeigt, war fast Saisonregel. Die Eintracht dankt. Vor allem dem kleinen Bruder vom anderen Bach. Gibt’s jetzt einen gemeinsamen Fan-Schal? Na ja, eher nicht. Dafür aber eine echte Ochsentour, beginnend, wenn die anderen noch relaxen.
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Endlich, nach langen Jahren bemühter Begeisterungs-Mimik, können die Bayern eine Meisterschaft so richtig emotional feiern. Mit Begleiterscheinungen, die selbst einem Regisseur von Kitschfilmen nicht abgenommen würden. Ribery rein, Tor, Robben rein, Tor, beide raus für immer, Hoeneß’ Tränen, Kovac’ im Auge funkelndes Tränchen – da schluckten auch notorische FCB-Verächter ein Rührungs-Klößchen runter.
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Der 29. Titel in 56 Jahren, ein monumentaler Rekord. Auf Platz zwei folgt mit neun Titeln ausgerechnet Absteiger Nürnberg. Und ich erinnere mich an den Knaben, der vor mehr als 56 Jahren von zwei deutschen Rekordmeistern hörte, dem »Club« und Schalke, mit je sieben Titeln gleichauf und weit vor »seinen« Lauterern. Wo sind die eigentlich abgeblieben? Ach so …
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Wann ist ein Hand ein Hand? Dafür gab es in dieser Saison mehr Definitionen als in Grönemeyers ironischem »Wann ist ein Mann ein Mann?«. Neu für mich: Hand ist um 11 Uhr. Gelernt bei Fredi Bobic, der im Kicker-Interview das Durcheinander deutlich macht: »Erst sprechen wir von der Körperfläche, jetzt kommt die Uhrzeit dazu, dann reden wir wie Kampfbomber. Auf 11 Uhr ist die Hand.« Und zwanzig nach vier »isst« nur bei Tisch richtig und ist im Fußball Doppel-Hand. Dann schlägt’s 13.
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Na ja, »Witz, lass nach«. Meint auch der edelfedrige Holgert Gertz, der in der Süddeutschen Zeitung über bemüht originelle und (un)witzige Fernsehreporter lästert. Eine ganze Seite lang, überwiegend zu Recht und gewohnt gekonnt. Was mich aber stört: Gertz vernichtet einen mir (wie wohl auch Ihnen) zuvor nicht bekannten Eurosport-Reporter. Der hatte sich in einer Reportage an witzig sein sollenden Wortspielen und ebenso originell ambitionierten bildhaften Vergleichen fürchterlich verhoben. Ginge es um, sagen wir mal, Wolf Fuss, den aktuellen Großfürsten der schnoddrigen Wortfindung, hätte alles seine Richtigkeit. Aber einen weithin unbekannten Menschen öffentlich derart bloßzustellen, ist eine gnadenlose mediale Hinrichtung. Falls Gertz die Empathie hat, die man bisher in seinen Texten vermutete, wird er wissen, was er angerichtet hat.
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Und sonst? Deutschland landet beim Sängerwettstreit wieder weit hinten. Seltsam, wie wichtig viele Menschen diese Veranstaltung nehmen. Mich hat sie noch nie interessiert. Ich kann mich nicht erinnern, sie jemals eingeschaltet zu haben. Auch »Games of Thrones«, das jetzt endet, habe ich nie gesehen. Angeblich geht es hier um Liebe, Sex, Gewalt und Intrige in einem Fantasyland, was mich noch weniger zum Gucken juckt als der ESC, wie Kenner den Sängerkrieg nennen. Immerhin: Es kamen keine Raketen, und das war nun wirklich wichtig.
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Und dann noch das Bild von Özil beim Fastenbrechen mit Erdogan. Für mich wie ESC und Games of Thrones. Seine Privatsache, spielt keine Rolle mehr. Die Chose vor der WM war kontraproduktiv, da wegen der erwartbaren Folgen der erste und zwar mutwillig eingeschlagene Sargnagel vor der DFB-Beerdigung. Jetzt, als Nicht-mehr-Nationalspieler, ist nur ein Sack Reis in der Türkei umgefallen.
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So, der alte Muppet-Opa hat ausgek…euert. »Keuern« – Wort aus meiner Kindheit, aus der »manischen« Gießener Ecke, in der ich aufgewachsen bin. Bedeutet ungefähr so viel wie: sich motzend mächtig ärgern.
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Zu guter Letzt: Heute ist Weltbienentag. Meine individualempirische Forschung hat ergeben, dass es wieder mehr Bienen gibt und vor allem viel mehr Insekten der kleineren Art. Ergebnis meines fahrenden Labors auf dem Fahrradsattel mit geöffnetem Mund.
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Schon Schluss? Nee, mir fällt in den letzten Zügen auf, dass diese Kolumne wieder einmal vom Fußball dominiert wurde. Obwohl es Menschen geben soll, vorzugsweise aus meiner liebsten Zielgruppe, die sich für Fußball interessieren wie ich für … siehe oben. Ich gelobe Besserung. Vor allem dem Lebensmenschen neben mir auf dem Sofa. Zum Glück ist sie zwar fußballfern wie kaum jemand, ansonsten aber, auch bei ESC und Games of Thrones, ganz bei mir.  (gw)
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Veröffentlicht von gw am 19. Mai 2019 .
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Sport-Stammtisch (vom 18. Mai)

Wäre Fußball ein nach üblichen Maßstäben funktionierender Leistungssport, könnten wir diese Saison schon abhaken: Bayern wird Meister, Eintracht fällt aus den Europapokal-Plätzen. Die Münchner sind vom Potenzial und der Belastung her hoch überlegen, die Frankfurter sind platt. Viel platter als ihre direkten Euro-Konkurrenten. Keine Körner mehr, Akku leer, wie auch immer man es nennen mag: Sie sind platt. Eine sogar hohe Niederlage droht.
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Wer derart platt ist, gleicht einem Radrennfahrer, der mit einem Platten fährt, die letzten Kilometer bergan auf der Felge. Bei der SGE, die monatelang so bravourös gekämpft hat, ist der Geist noch willig, aber das Fleisch schwach. Es wieder stark machen, würde Wochen dauern. Viele Wochen. Wer jetzt dennoch »Wir woll’n euch kämpfen seh’n« brüllt, verhöhnt nicht nur die Sportler, sondern outet sich als Ignorant, der vielleicht die Ablösesummen und Einkünfte der Profis kennt, deren Model-Frauen und Beziehungskisten sowieso, aber unbeleckt ist vom inneren Gefüge des Leistungssports.
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ABER … Fußball ist eben KEIN nach üblichen Maßstäben funktionierender Leistungssport. Im Fußball ist – Vorsicht, Binse, aber es stimmt nun mal: – alles möglich. Für die Eintracht Europa, für Dortmund der Titel. Es sei denn, kurz vor Schluss steht es 1:1, sie schließen einen unausgesprochenen Nichtangriffspakt zu Lasten Algeriens … huch, da habe ich etwas verwechselt. In Gijon stand  es ja 1:0.
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Sorry, böser Scherz. Eintracht Frankfurt wäre »schon lange für die Champions League qualifiziert, wenn wir die zwei Chelsea-Spiele nicht gehabt hätten« (Fredi Bobic im SZ-Interview). Freud und Leid liegen nicht nur nahe beisammen, sondern bedingen sich manchmal auch. Falls heute gegen 17.20 Uhr Trost nötig sein sollte: Andere Klubs, die sich an Europa begeistert hatten, stiegen sogar ab (zuletzt Köln). Leipzig dagegen profitiert davon, Europa abgeschenkt zu haben. Egal, was heute kommt: Danke, Eintracht, dass ihr nicht geleipzigt habt.
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Nun aber Schluss mit dem Rumgeschwurbel im Vorstartfieber. 100-Millionen-Quizfrage zwischendurch, für echte Allround-Könner: Was kostet mehr, Monets Heuhaufen, Koons’ Kaninchen oder Griezmanns Beine? Auflösung gibt’s nicht, nur mein Vorschlag, wohin damit: Die Beine zur Eintracht, den Heuhaufen ins Städel, das Kaninchen ins Kinderzimmer.
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Ernsthaft jetzt. Zur Frauenfrage. Und den »diversen« Geschlechtern. Da wird mehr rumgeschwurbelt, als mir selbst im Vorstartfieber-Delirium möglich wäre. Paradebeispiel Leichtathletik. Südafrika will das Semenya-Urteil (nennen wir es vereinfacht so) anfechten. Das Ganze entwickelt sich zur unendlichen Geschichte. Es beginnt schon mit der Pi-mal-Daumen-Regel, die nur die Semenya-Disziplinen abdeckt. Was historisch und sportlich falsch ist. Sogar Forderungen nach einer dritten »diversen« Wettkampfklasse werden laut. Ich würde mich gerne über die fernab jeglicher sportlicher Realität vorbeigehende genderbewegte Diskussion lustig machen, denke jedoch an die zwar nur wenigen Betroffenen, für die das alles aber eine existenziell belastende Sache ist. Daher Empathie, kein Spott. Ich wiederhole nur, dass am Ende dieser Diskussion um den Frauensport das Ende des Frauensports stehen könnte. Daher bitte schon am Anfang aufpassen!
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Männer haben es leichter. Obwohl ihnen andere geschlechtliche Qualen drohen. Zum Beispiel ein »Radikales Ritual« (Spiegel-Schlagzeile) im Nachwuchszentrum von Flensburg-Handewitt. Dort »wurden einem Jungen mit einer Rohrzange die Brustwarzen umgedreht«, was kein Einzelfall sein soll, sondern Initiations-Ritus in der Nachwuchsakademie des deutschen Handball-Meisters. Die Brustwarzen? Mit der Rohrzange! Das tut ja schon beim Lesen weh. Warum ausgerechnet die rudimentären, funktionslosen geschlechtlichen Sekundärmerkmale des Mannes? Sexualpathologisch bedingt? Unterschwelliger Neid-Komplex, sadomasochistisch ausgelebt?
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Früher war alles besser. Und humaner. Bei uns wurden die Neuen im Kader unter Glockengeläut vermessen, denn in meiner früheren Disziplin spielte die Körpergröße eine wichtige Rolle. Im Duschraum: »Wie groß bist du?«– »1,95.« – »Glaube ich nicht. Ich bin auch 1,95.« – Beide stellten sich Rücken an Rücken, Hinterkopf an Hinterkopf, streckten sich, weil jeder größer sein wollte … und ein Dritter griff beim nichtsahnenden Neuen unten kräftig zu und läutete unter Gejohle, nun ja, die Glocken. Aber jetzt die Brustwarzen, mit der Rohrzange … das ist kein Spaß mehr, sondern krimineller Sadismus.
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Zu besserer Letzt noch einmal zum Heuhaufen. Claude Monet hat 18 (!) Bilder mit diesem Motiv gemalt. Eines davon besitze ich seit 30 Jahren: »Heuschober bei Sonnenuntergang«, 1891. Öl auf Leinwand, 75 x 94 cm. Bei mir allerdings etwas kleiner, etwa 7 x 9 cm, bunt auf Papier einer Monet-Monographie. Große Kunst für den reichen, kleine für den armen Mann.
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Eine Pappelallee hatte ihn, Monet, derart fasziniert, dass er sie sogar 23 Mal malte. Vorteil des großen Künstlers gegenüber dem kleinen Fan: Er kann seine Wunschvorstellung selbst verwirklichen. Der Eintracht-Fan kann davon nur träumen. Bis zum Nachmittag. Ich wünsche süßes Erwachen. (gw)
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Veröffentlicht von gw am 17. Mai 2019 .
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Ohne weitere Worte (vom 14. Mai)



Zerhackte Spieltage, zerkaufte Mannschaften, skrupellose Funktionäre, eine Welt voller Träumer, ein Welt voll Kohle. Die Liste der Vergehen an diesem Sport ist unendlich lang. Wie viele treue Seelen haben sich wohl in den vergangenen Jahren vom großen Fußball abgewandt (…)? Viel zu viele. (Alex Raack im Fußball-Magazin 11Freunde)
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Still und stolz lächelte Jürgen Klopp in sich hinein, als Divock Origi das entscheidende 4:0 erzielte. (…) Vorausgegangen war dem Treffer ein Geniestreich. (…) In solchen Momenten führt Klopp eigentlich die wildesten Freudentänze an der Seitenlinie auf, aber an diesem Abend hatte er offenbar beim Energietransfer für sein Team fast nichts mehr für sich übrig gelassen. (taz/ohne Autorenname)
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Die Flutwelle der Begeisterung schwappte (…) bis hinein in all die Wohnzimmer und Kneipen dieser Welt. Löschte all die Wut und all den Ärger über ein durch Geld zu ersticken drohendes System und hinterließ nichts als pure und echte Begeisterung. Jene Liebe, die einen einst auf den Bolzplatz getrieben hatte und das Taschengeld für Panini-Sticker ausgeben ließ. (Raack/11Freunde)
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Ein Witz, der sich zur Zeit (Anm.: in England) großer Beliebtheit erfreut (…): FC Liverpool und Tottenham Hotspur in Madrid. FC Chelsea und FC Arsenal in Baku. Manchester City und Manchester United in Manchester. (…) Dass die beiden nun zu Hause bleiben müssen (…), das ist auf der Insel ein guter Anlass zum Spott, auf dem Kontinent aber nicht mal ein schwacher Trost. (Philipp Selldorf in der Süddeutschen Zeitung)
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Sie sei »nicht als Aktivistin für Frauenrechte gekommen«, stellte sie gleich klar. (…) Sie arbeitet lieber mit Männern. Der Sport sei dynamischer und attraktiver im Herrenbereich, natürlich sind auch die Jobs lukrativer. Zu Männern könne sie klarer und deutlicher in der Ansprache sein, sagt Inka Grings, denn sie machten sich weniger Gedanken als Frauen. (Jörg Böckem /Jörg Kramer in der Zeit über die ehemalige Fußball-Nationalspielerin, zur Zeit Cheftrainerin des Männer-Regionalligisten SV Straelen)
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Es ist immer wieder verblüffend, Spitzenfußballer aus der Nähe zu sehen, abseits des Spielfeldes. Makelloser, leicht gebräunter Teint, sehr weiße Zähne, perfekt sitzende Klamotten, Frisuren wie frisch von Vidal Sassoon. (…) Man erwischt sich bei dem Gedanken, dass der Fußball die Mode inzwischen mehr schmückt als umgekehrt. Was ja eigentlich ein Witz ist, nicht nur optisch, sondern auch moralisch. Am Fifa-Führungskreis gemessen, sitzen in den Chefetagen der Modekonzerne ausschließlich Heilige. (Tanja Rest im SZ-»Stil«-Ressort über »einen Abend mit Hugo Boss und drei makellos frisierten FC-Bayern-Spielern«)
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Ihr Tod ist wie Artensterben. Wie der Tod einer Blume oder Papageienart. Es ist eine Lücke entstanden. Es ist wie eine Welt ohne Mick Jagger und die Queen. Man kann sich diese neue Welt nicht mehr vorstellen. Sie sind tot, Sie sind weg. Wie soll es weitergehen? Wie soll es Frühling werden ohne Sie, wie Herbst und Winter? (Franz Josef Wagner am 19. Februar in Bild zum Tod von Karl Lagerfeld)
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Was für eine Todesanzeige müsste man schreiben: Frösche tot, Insekten tot, Vögel tot, Pflanzen tot, Vergissmeinnicht tot, Gänseblümchen tot, das Summen der Wespen tot. Das Grillen in den Bäumen verstummt. (Franz Josef Wagner am 6. Mai in Bild über das Artensterben)
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Dürfen wir Deutschen nicht mehr in den Bäumen grillen? (…) Doch vermutlich hat Wagner einfach nur gedacht, dass man das Geräusch, das die Grillen machen, Grillen nennt. Wie ja auch die Schaben schaben, die Wanzen wanzen, die Hamster hamstern und die Vögel, äh, ebenfalls Geräusche machen – und der Kollege Wagner beim Schreiben seiner Kolumne womöglich einen gezwitschert hat. (»Herzblatt-Geschichten« von Jörg Thomann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Das Monster von Kassel verarbeitet den toten Körper mit festen Hieben, es verarbeitet ihn, naja, zu einer Art Kasseler. (»Tatortkolumne« von Cornelius Pollmer in der SZ)
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Messe Angebot. Contigo Thermobecher. Auslaufmodelle. (Schild an einem Verkaufsstand auf dem Mannheimer Maimarkt / aus dem »Hohlspiegel« im Spiegel) (gw)
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Veröffentlicht von gw am 13. Mai 2019 .
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Montagsthemen (vom 13. Mai)

Zum Wetter. Nach dem Dauerregen vom Samstag begann der Sonntag mit einem strahlend blauen Himmel. Ich sag’s ja immer: Lieber Frühlingserwachen als spät rechts einschlafen. Tusch? Nee. Nicht gerade »der Witz des Jahres«. Jedenfalls nicht für Uli Hoeneß. Der hatte zuvor als solchen eine Abseitsentscheidung gekürt. Darunter macht es einer wie Hoeneß nicht. Alles, was ihm gegen den Strich geht, bekommt das Prädikat »Witz des Jahres«.
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Hoeneß begründet ihn mit seinem Witz des Tages, als er millimetergenau über den Daumen peilte und das Kamera-Auge des Video-Assistenten als schiefsichtig entlarvte: »Das war gleiche Höhe.« Hugh, ich, der Bayern-Häuptling, habe gesprochen. Wer von kalibrierten Linien faselt, den mache ich einen Skalp kürzer.
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Wir Hessen-Weißhäute wissen nicht so richtig, wie wir die Verlängerung des Schneckenrennens um den Titel werten sollen. Wäre uns ein tiefenentspannter, feiergeschädigter Meister lieber gewesen? Oder hilft der Eintracht vielleicht sogar, dass die Bayern noch nervös und verspannt sind? Jedenfalls würden die Münchner, wenn sie sich einen Gegner wünschen dürften, die Eintracht erst als 17. Wahl nennen. Alle, nur nicht die!, würden sie stoßseufzen. In ihren Albträumen der nächsten Tage walzt ein furchterregender Rebic durch die Abwehr, und Hummels hoppelt Gacinovic hinterher.
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Düsseldorfs Lukebakio hätte das Schneckenrennen vorzeitig beenden können. Doch beim Elfmeter, so unser Leser Dr. Reiner Braun, »näherte er sich dem Ball hüpfend von einem Bein aufs andere wie ein kleines Mädchen mit rappelvoller Blase der abgeschlossenen Toilette. Das Ergebnis ist bekannt: Es ging in die Hose!« Der Urologe Dr. Braun beschreibt hier aus fußballerischer und fachärztlicher Sicht aber nicht Lukebakios, sondern Paciencas ähnliches, aber ungleich folgenreicheres »Gegaukel« in London, und er »würde gerne wissen, in welchem Prozentsatz die vertippelten Strafstöße vergeigt werden gegenüber denen mit Anlauf.« – Ich auch. Statistiken gibt es meines Wissens nicht, aber ich vermute wie Dr. Braun, dass mit zügigem Anlauf stramm in eine Ecke geschossene Elfmeter die bessere Bilanz haben.
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Mario Götze hat sie, die beste Bilanz seit vielen Jahren. Der alte ist fast der  junge Götze. Sein Tor – ein Gedicht. Ballannahme, Ballführung, Schuss, eine fließende Bewegung. Solche Aktionen sieht man sonst nur bei … wem sollte er zeigen, dass er besser ist? Götzes Tor gegen Düsseldorf war jedenfalls genialer als das geniale bei der WM. Nur nicht ganz so wichtig.
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Passend zur WM-Nostalgie die aktuelle Meldung: »Schweinsteiger feiert mit Chicago zweiten Sieg in Folge« – ach, unser größter WM-Held spielt immer noch, die alte Randfichte!? Und legt eine sensationelle Serie hin: zweiter Sieg in Folge. Fast schon beängstigend, diese unheimliche Siegesserie.
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Sorry, kleiner Scherz über den  wundersamen sportjournalistischen Mechanismus, der schon bei Sieg/Niederlage Nr. 2 mit der Serienzählung beginnt. Andere machen bessere Witze als Uli und ich. Die Lachforschung (bitte nicht lachen, gibt es wirklich) hat sogar forschungsbierernst den »besten Witz der Welt« ermittelt: Zwei Jäger gehen auf die Jagd. Plötzlich bricht der eine zusammen. Der andere ruft den Notarzt an: »Ich glaube, mein Freund ist tot.« Der Arzt: »Ist er wirklich tot?« Kurze Pause, dann ein Schuss. »Okay, erledigt. Was jetzt?«
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Tja. Zugabe. Prof. William Fry, ebenfalls Lachforscher, glaubte schon um die Jahrtausendwende den ultimativen Witz gefunden zu haben, über den jeder lacht: Zwei Männer unterhalten sich. Sagt der eine: »Manchmal frage ich mich, was schlimmer ist: Ignoranz oder Apathie.« Sagt der andere: »Das weiß ich nicht, und es interessiert mich auch nicht.«
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Zurück zum Sport, aber mit Witz. Als Jürgen Klopp im englischen Fernsehen, enthemmt durch die Nacht der Nächte von Anfield, das streng verbotene F***-Wort benutzte, wäre er der Insel verwiesen worden, hätte ihn nicht das 4:0-Wunder vorab amnestiert. Kein Scherz: Nach dem aufregenden Spiel, noch nicht bettschwer, las ich weiter in »Eines Menschen Herz« des großen englischen Erzählers William Boyd und stieß auf diesen »besten Witz«, ganz ohne verschämtes F***. »Wie sagt man das Alphabet in Brooklyn auf?« (aktuelle Version: kleine  Gangsta-Rapper in Offenbach) – »Fuckin’ A, Fuckin’ B, Fuckin’ C.«
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Hübsch. Der beste Witz bleibt für mich aber jener, der gar keiner ist, sondern wahr. Vor einem Vierteljahr, Basketball, College-Meisterschaften in den USA, landesweite Liveübertragung, Barack Obama im Publikum, Zion Williamson, der angesagteste Nachwuchsstar, auf dem Parkett, er trägt Nike, die mit den berühmten Luftkammern im Schuh … und plötzlich explodiert das gute High-Tech-Stück. Sofort implodierte der Aktienkurs. Ein Brüller. Oder? Na ja, Nike fand den Gag nicht so richtig witzig.
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 12. Mai 2019 .
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