Archiv für die Kategorie »gw-Beiträge Anstoß«

Ohne weitere Worte (vom 19. September)

Das von Pep Guardiola messerscharf geschmiedete Pass- und Positionsspiel ist stumpf, langsam, ungenau geworden. Pässe der Bayern wirken oft nicht mehr wie der Teil eines Plans, sondern wie das Weiterreichen eines Problems. (Christian Eichler in der Frankfurter Allgemeinen nach dem Spiel gegen Anderlecht)
*
Energiegeladene Offensivdarbietung. (…) Es fluppte zum Auftakt des Oktoberfestes, bei dem die Bayern traditionell in Baller- und Siegeslaune sind. (…) War es ein Wendepunkt, die Wiederentdeckung des Spielwitzes und des Teamworks? (Frankfurter Allgemeine online nach dem Spiel gegen Mainz)
*
»Schubladen kann man immer wieder aufmachen, und es gibt viele, die machen das gerne. (…) Wenn ich heute lese: ›Bad Boy.‹ Das schreibt jemand, der einfach nur die Schublade aufmacht, weil er keine andere Idee hat. Wenn man mich jetzt kennenlernt, sollte man was anderes schreiben, um sich selbst auf ein anderes Niveau zu hieven.« (Kevin-Prince Boateng im Interview der Frankfurter Rundschau)
*
»Wenn man in der Öffentlichkeit steht, muss man sich darüber im Klaren sein: Es wird über einen geschrieben, und es ist in den seltensten Fällen genau so, wie man sich selbst sieht.« (Thomas Müller im Kicker-Interview)
*
»Vielleicht ist 18 Uhr eine gute Zeit für Amateurvereine, da sind sie wieder nüchtern und noch nicht wieder besoffen.« (Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann über die Probleme der neuen Bundesliga-Anstoßzeiten für die Amateurvereine, zitiert in der Bild-Zeitung)
*
»Ich war auch mal der jüngste Trainer in der Bundesliga.« (Friedhelm Funkel im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
*
»Ich bin oft zu unterkühlt. So wie ich versuche, eine 0:6-Klatsche sachlich zu nehmen, gehe ich auch mit einem 3:0-Sieg um. (…) Ich würde mir sogar für meine Spieler mal einen Jubellauf von mir zur Eckfahne wünschen. Damit die sehen: ›Heute haben wir was richtig Gutes gemacht, sogar der Alte flippt aus.‹« (Gladbachs Trainer Dieter Hecking im 11Freunde-Interview)
*
»In Düsseldorf arbeite ich das erste Mal mit einem Mentaltrainer zusammen und habe gemerkt, wie wichtig das für die Spieler ist. Früher hast du ja noch gedacht, du wirst krank,wenn du dich mit so einem Mann unterhältst.« (Funkel in der FAS)
*

Guimaraes (Anm.: trat in der Europa League  ohne einen einzigen Europäer an) ist quasi das Energie Cottbus Europas. Der damalige Trainer Eduard Geyer schickte in der Bundesliga schon (…) 2001 eine Mannschaft mit elf ausländischen Spielern in die Partie gegen den VfL Wolfsburg. (…) »Wir waren damals schon einen Schritt weiter. (…) Nehmen Sie mal die ganzen Ausländer von Bayern weg, dann spielen die zweite Liga.« (aus der FAS-Kolumne »Schluss für heute« von Michael Wittershagen)
*
»Nach China hätte ich gehen können vor ein paar Jahren. Aber was will ich in China? Das ist ja furchtbar.« (Funkel/FAS)
*
Martin Schulz hat Angela Merkel angeboten, nach der Wahl in sein Kabinett einzutreten und Vizekanzlerin zu werden. Das hört sich (…) ein bisschen so an, als hätte der Präsident des SV Elversberg Lionel Messi angeboten, nach der Winterpause in die Regionalliga Südwest einzutreten, um dort rechter Verteidiger zu werden. (Peter Dausend in der Zeit)
*

Wie viel Physikerin steckt eigentlich noch in Ihnen? (…) – »In der Physik redet man nicht so viel und wenn, hält man nur kurze Vorträge. Mich hat sehr gestört, dass man in der Politik viele Dinge mehrmals wiederholen muss. In der Naturwissenschaft dagegen muss jeder Vortrag etwas Neues beinhalten, sonst ist man fehl am Platz.« (Angela Merkel im Bild-Interview. Interviewer: Philip Lahm)
*
Klare Worte findet Fernsehsternchen Nathalie Volk, die (…) bei der Verleihung des Deutschen Radiopreises (…) sagte: »Fürs Radio bin ich zu hübsch.« All die hässlichen Radio-Vögel um sie herum werden das nicht gerne gehört haben – und auch wir verstehen erst jetzt, was unsere Ausbilder bei der Journalistenschule meinten, als sie sagten: Einer wie du muss auf jeden Fall zur Zeitung. (aus »Herzblatt-Geschichten« von Jörg Thomann in der FAS)
*
Mir ist der Schulzsche Vorstoß überaus sympathisch. Ich gehe nämlich schon länger mit der Idee schwanger, meinem Chefredakteur anzubieten, ins Berliner Hauptstadtbüro zu wechseln und mein persönlicher Referent zu werden. (Dausend/Zeit)
*
Viele Flüchtlinge können weder lesen noch schrieben. (aus dem Pinneberger Tageblatt, gefunden im Spiegel-»Hohlspiegel«)  (gw)
*
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 18. September 2017 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt, gw-Beiträge Anstoß | Kommentare deaktiviert

Montagsthemen (vom 18. September)

Ein Tor von Müller, zwei von Lewandowski, auch Gesamtleistung wieder top – schon fachsimpeln, Betonung auf »simpeln«, die »Experten«, wer denn nun was in der aufgeregten Bayern-Woche richtig gemacht hat. Im Zweifelsfall, lese ich hinter ihren Stirnen, sie selbst mit ihren hilfreichen Expertisen. Nicht im Zweifelsfall, sondern ganz sicher werden sie nach Schalke oder Paris neue aus ihrer gemeinsamen Schublade ziehen.
*
Aber ich will nicht schon wieder das alte Lied anstimmen. Die alte Leier ist ausgeleiert. Zum Kehraus nur noch einmal die Geschichte meines Lieblings-Experten Guy, der sich bei der BBC in London als Buchhalter bewarb. Steht an der Rezeption, wartet, aufgerufen zu werden. Kommt ein Mann, fragt nach Guy. Guy meldet sich. Er soll mitkommen, schnell, schnell, es eilt. Wird in ein Zimmer geschoben, auf einen Sessel gesetzt, eine schicke Blonde sitzt vor ihm, stellt ihn als Herausgeber einer Technology-Website vor. Er soll ein Gerichtsurteil zum Downloaden von Musik kommentieren. Tut er auch. Beantwortet alle Fragen. Ausweichend, freundlich, ahnungslos, aber gutwillig und engagiert. Ist schließlich sein Bewerbungsgespräch als Buchhalter. Dann kommt der richtige Guy rein, ein Fachmann für Internet-Rechtsfragen. Verspätet. Und so hatte unser Guy seinen Auftritt als Experte im BBC-Fernsehen.
*
Herrlich auch die trockene Antwort von Friedhelm Funkel (Quelle: FAS-Interview) auf die Frage, ob er, wie die angesagte junge Trainer-»Generation Y«, einen Matchplan habe: »Nein, aber ich habe einen Plan.« Niko Kovac, einer seiner Nachfolger in Frankfurt, hat ebenfalls einen Plan. Heimniederlage  gegen einen Kontra-Abstiegs-Konkurrenten, das ist zwar ein schmerzhafter Rückschlag, doch trotz des prompt alarmierten Panik-Bereitschaftsdienstes bleibe ich dabei: Was Kovac in Frankfurt gemacht hat und macht, gehört zu den besten Trainerleistungen dieser Jahre. Komme, was wolle.
*
Die Loyalität mit Kovac ist keine emotionale, sondern eine sachlich begründete. Die mit Jan Ullrich dagegen könnte an Irrationalität grenzen. Aber nur, falls .. aber zunächst diese Mail von Walther Roeber aus Bad Nauheim: »Auch wenn Sie nichts auf ihn kommen lassen: dass JU bei 1,8 Promille und >50km/h Geschwindigkeitsüberschreitung so billig vor Gericht davonkommt, ist schon bedauerlich.« – Volle Übereinstimmung! Als Sportler lasse ich zwar in der Tat nichts auf ihn kommen, aber Fahren mit 1,8 Promille ist kein Kavaliersdelikt, sondern kriminell, vor allem bei einem Wiederholungstäter, zumal wenn man weiß und schon einmal getestet hat, wie viel man, sorry, saufen muss, um 1,8 Promille zu erreichen. Eine andere prominente Persönlichkeit der jüngeren deutschen Zeitgeschichte hat es trotz größter Bemühungen nur auf 1,5 Promille gebracht.
*
Aua. Das tat schon beim Hinschauen weh. Als ein Bremer den eigenen Mitspieler am Kopf und ins  eigene Tor traf, zuckte man nur zusammen. Bei Keitas Tritt gegen den einschlägig erfahrenen Kramer (WM-Finale!) floss viel  Blut, es blieb aber weitgehend folgenlos. Als sich Kruse das Schlüsselbein brach, packte mich, einen erfahrenen   Schlüsselbeinbrecher, echtes Mitleiden. Aber was dem armen Christian Gentner widerfuhr, ist einfach nur schlimm. Mehrere Brüche am Kopf. Grauselig.
*
Verletzungen, Blut, Brüche, – das schreit nach den Merseburger Zaubersprüchen. Kennen Sie nicht? Sie gehören zu den frühesten und schönsten Zeugnissen lyrischer deutscher Sprache: »Phol ende Wuodan vuorun zi holza. / du wart demo Balderes volon sin vuoz birenkit.« Da reiten also zwei in den Wald, des einen Pferd (volon/Fohlen) verrenkt sich den Fuß. Dann folgt der Zauberspruch: »sose benrenki, sose bluotrenki, sose lidirenki: ben zi bena, bluot zi bluoda, lid ze gelieden, sose gelimida sin.« Übersetzt sich fast von allein: Bei Bein-, Blut- und Glieder-»Verrenkung« möge Bein wieder zu Bein, Blut zu Blut, Glied zu Glied kommen, so wie sie »geleimt« sind. – Gute Besserung, Christian Gentner!
*
Anderes Thema, aber noch so eins wie die »Experten«, es wird also ausgemustert: »Mohrenkopf.« Wegen Übersättigung. Beziehungsweise ausgeleierter alter Leier. Es ist ja auch fast schon politisch korrekt, sich über die politische Korrektheit der diversen Umbenamungen zu belustigen. Ein Interview mit einem österreichischen Sprachwissenschaftler in der Samstags-SZ bringt mich jedoch  auf eine neue Idee. Sie könnte mich reich machen, aber ich fürchte, sie lässt sich nicht patentieren. Angestoßen von einem Lübecker Kaffeehaus, das seine »Mohrenkopf«-Torte in »Othello«-Torte umbenannt hat, stellte sich auch die Frage, ob man nicht verdächtig rassistisch klingende Bergnamen wie den  »Mohrenkopf« in Vorarlberg umbenennen müsste. – Heureka! Warum nur Mohrenköpfe? Jeder Berg bietet sich an. Warum nicht den Sport als Beispiel nehmen? Wie das Volksparkstadion. Und viele andere, die wechselnde Sponsorennamen tragen. Oder die Hochs und Tiefs, die man sich kaufen kann. Wenn also der Mount Everest demnächst auf den Markt kommt, biete ich mit. Hundert Entenhausener Taler (ich bin nicht Dagobert) für ein halbes Jahr “Mount gw” – wer bietet mehr? (gw)
*
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 17. September 2017 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt, gw-Beiträge Anstoß | Kommentare deaktiviert

Sport-Stammtisch (vom 16. September)

Typischer Bosz-Fußball. Rassig, rasant, mit viel Risiko, weil fehlerfördernd. Wie bei den beiden Gegentoren. Dann aber: Herrliches Tor von Aubameyang, Ausgleich, den Schwung mitgenommen und mit einem späten Tor gewonnen. Klasse Leistung! Wie gut, dass es den Video-Schiedsrichter gibt! Ohne ihn hätte der BVB wohl verloren …
*
… oh, Moment, da bin ich in die falsche Zeitschleife geraten. Die Video-Korrektur gibt es in der Champions League noch nicht. Daher werten Experten das Spiel auch um: Missglückter internationaler Einstand des Trainers, falsche Taktik, naiv gespielt, »lieb in die Falle gelaufen« (SZ). – So viel für heute zu den Themen »Experten« und »Anti-Video-Traditionalisten« (Stichwort: Salz in der Suppe).
*
Das Thema »Bayern und Ancelotti« lasse ich ganz aus. Das haben alle schon abgegrast. Ich bin kein Wiederkäuer. Besorgte und/oder kritische Stimmen haben ja recht. Ancelotti inspiriert nicht, er verwaltet nur. Übrigens ähnlich wie Hitzfeld. Muss also kein schlechtes Prinzip sein. Unter dem Strich steht ja auch: Kein deutscher Klub hat gewonnen. Nur die Bayern.
*
Besonders kritisch ging Arjen Robben mit seiner Mannschaft um. Er fordert mehr Gemeinschaftsdenken. Die Fachwelt würdigt diese Einsicht des als »Alleinikow« verrufenen Holländers. Jedoch fehlinterpretiert sie ihn. »Mehr Gemeinschaftsdenken« bedeutet bei Robben, ins Deutsche übersetzt: Die Gemeinschaft möge gefälligst mehr an ihn denken. Jeder Ball jenseits der Mittellinie sofort zu Robben! Seine Mitspieler vergessen zu oft, dass das »ius primae noctis« aus dem Feudalismus für ihn noch gilt: »Feudalinski« Robben hat immer das Recht auf den ersten Schuss.
*
Schluss mit lustig. Als ich die Bilder vom Kölner Fan-Sturm sah, hatte ich gleich ein anderes Bild vor Augen, das des Ameisenvolkes, das nach dem Hurrikan »Harvey« im überschwemmten Texas treibt, ineinander verklammert, »ein rotes Rettungsfloß. Es ist die beste, die einzige Überlebenstaktik« (Welt). Denn sie minimiert die Verluste: Statt des gesamten Volkes sterben nur ein paar Individuen, die am äußersten Rand des Klumpens ertrinken.
*
»Viele dumme Ameisen ergeben einen schlauen Haufen. Ein Haufen schlauer Menschen dagegen kann ein ziemliches Chaos anrichten« (Welt). Damit zu den Kölner Fans. Nicht, weil sie schau wären, sondern wegen des Chaos und dessen oft tödlichen Folgen, die diesmal zum Glück ausblieben. Die Ameise kennt solch ein menschliches Chaos nicht. Sie stellt sich selbst in Panik diszipliniert in der Schlange hinten an, denn das Tempo der Schlange ist umso größer, je weniger die einzelne Ameise drängelt.
*

Der Ameise geht es um das Überleben ihres Volkes, nicht um das eigene. Wir aber wollen nicht am äußersten Rand des Klumpens ertrinken. Daher paniken wir. Schiller läutet die Glocke dazu: »Alles rennet, rettet, flüchtet.« Dennoch balle ich lieber Goethes Faust und bleibe »Mensch, hier kann ich’s sein«. Die Ameise taugt zwar in der Schlange zum Vorbild, doch kennt sie nur Sekundärtugenden der »Emsigkeit« für das Volk. In ihm aufzugehen, ohne jegliche Individualität, ist ihr Lebenssinn. Das kommt zwar auch beim Menschen vor – doch davor warnt Schiller: »Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken, verderblich ist des Tigers Zahn, jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn.«
*
Um mich nicht als Bildungshuber zu verkleiden: Das »Lied von der Glocke« habe ich nie auswendig gelernt, ich hab’s vorsichtshalber gegoogelt. Auch den »Taucher« habe ich nie komplett aufsagen können,  nur in der Kürzest-Version eines Schülers (in einem Kästner-Roman?), der drankommt, aufsteht, sagt: »Der Taucher …«, nicht weiter weiß und mit den Worten«… gluck, gluck, weg war er«, in der Bank versinkt. Nur die »Bürgschaft«, die habe ich »by heart« gelernt – allerdings erst im reifen Alter, als Graue-Zellen-Erhaltungstraining.
*
Abgeschwiffen. Wieder zum Fußball. Eine  Szene, von der ich in dieser Kolumne schon mehrmals fairness-phantasiert habe: Ein Spieler stürzt im Strafraum, der Schiedsrichter pfeift Elfmeter, nimmt die Entscheidung aber zurück, weil ihm der Spieler erklärt, nicht gefoult worden zu sein. Und das, obwohl seine Mannschaft zurück liegt. Jetzt Wirklichkeit geworden durch den Bochumer Felix Bastians beim Stande von 0:1 in Darmstadt. – Ich würde allerdings gerne wissen, wie fair Mitspieler und Fans reagiert hätten, wenn Bochum nicht mit einem Sieg  belohnt worden wäre. In jedem Fall aber, trotz seiner eher bescheidenen Karriere-Bilanz: Felix Bastians ist ein großer Fußballer.
*
Zu guter Letzt noch einmal die Aussage des bekennenden Feministen Vedad Ibisevic nach dem Bibiana-Steinhaus-Debüt: »Ich hätte nichts dagegen, wenn es mehr Frauen als Schiedsrichter gäbe.« Am Dienstag titelgemäß »ohne weitere Worte« zitiert, heute mit weiteren, denn der doppeldeutige Satz dokumentiert auch die vielseitigen grammatischen Verwendungsmöglichkeiten des Wörtchens »als« (haben Sie’s ..?).
*
Kleiner Kalauer. Mache ich gerne. Nicht nur als Hesse als ema, wie über den Elfmeterschinder, der immer aus Alsfeld kommt (»Als feld er!«), sondern als un als. Wie lange noch? Als weider! (gw)
*
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 15. September 2017 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt, gw-Beiträge Anstoß | Kommentare deaktiviert

Dienstag, 12. Februar, 9.25 Uhr

Schon während des Schreibens am Blog hatte ich gestern ein unbestimmtes Deja-vu-Gefühl. Als ich jetzt zurückscrollte, um für die gleich zu schreibende “Mein progressiver Alttag”-Kolumne einen kleinen Text-Baustein zu suchen, stieß ich auf einen fast identischen Deutschlandverein-Text. Das Thema scheint mich einerseits zu beschäftigen, andererseits aber nicht so, dass ich es nicht vergessen könnte. Als alter Leistungssportler machte ich sofort den Leistungsvergleich – und der alte Text ist der schreiberisch bessere. Ich kille den neuen aber nicht. Auch die unfreiwillige Wiederholung gehört zur Authentizität. Geschrieben ist geschrieben.

Sporadische Vergesslichkeit gehört zu den unerheblicheren Begleiterscheinungen des Alterns. Solange sie nicht erste Anzeichen von Demenz sind. An und für sich beschäftige ich mich mit dem Altern nur wenig, da zum Glück noch nicht leidgeprüft. Außerdem habe ich noch zu viel zu tun bzw. zu schreiben. Zum Beispiel den Text für das Gießener Seniorenjournal. Aber da muss ich mich nun mal mit meinem progressiven Alttag befassen, und daher beschäftige ich mich momentan doch mit dem Altern. Womit mir eine unserer beiden Katzen soeben in den Schwanz beißt.

Jetzt aber raus aus dem Blog und rein in den progressiven Alttag. Die Chefin sagt, ich müsse ihr den Text schon morgen abliefern. Das Journal erscheint am übernächsten Samstag, am Tag vor der Wahl. Den Einstieg habe ich daher schon: “Bei der Wahl der Qual haben wir die Qual der Wahl. In unserem progressiven Alttag aber nicht. Da gibt es keine Alternative. Die einzig mögliche haben wir längst verpasst. Only the good die Young … “

Veröffentlicht von gw am 12. September 2017 .
Abgelegt unter: gw-Beiträge Anstoß | Kommentare deaktiviert

Ohne weitere Worte (vom 12. September)

Es fängt alles in den späten Siebzigern an, in Hallstadt, 8000 Einwohner, oberfränkischer Landkreis Bamberg. (…) In den Bundesligastadien dominieren damals die starken Männer. Vokuhila, Schnurrbart, Bier. (…) Frauen kann man in den meisten Kurven an einer Hand abzählen. Dafür sind sie Teil von Fangesängen (»Eine kleine Nymphomanin…«) oder prangen auf Kuttenaufnähern, in Form von atombusigen Vergewaltigungsphantasien. (Andreas Bock im Fußball-Magazin 11Freunde über das Debüt einer Schiedsrichterin in der Bundesliga)
*
Bibi besser als die Kerle. (Bild online zum Bundesliga-Debüt von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus)
*
Nach einem Spiel urteilt der »Kicker«: »Vor Aufregung hielt sie die Fahnenstange in der Hand, als müsste sie eine Kartoffel zermanschen. (Bock/11Freunde über Schiedsrichterin Gertrud Gebhard, als Linienrichterin erste Frau in der Bundesliga – 22 Jahre vor Steinhaus)
*
Im Stadion rufen die Fans derweil, dass Gertrud Gebhard zurück an den Kochtopf gehen oder sich wenigstens ausziehen solle. (Bock/11Freunde)
*
»Ich hätte nichts dagegen, wenn es in der Liga mehr Frauen als Schiedsrichter gäbe.« (Vedad Ibisevic von Herthas BSC nach dem Steinhaus-Spiel)
*
Sind Verträge mittlerweile wertlos? – »Man sollte aufhören, den Profifußball mit solchen Emotionen zu überlagern. Loyalität ist zwar ein schönes Wort (…) und im Privatleben auch ein wichtiger Wert. Im Spitzensport zählen aber andere Parameter: Erfolg und Geld.« (Robert Lewandowski im Spiegel-Interview)
*
Beim FC Bayern erklären sowohl Hoeneß als auch Rummenigge, den »Ablöse-Irrsinn« nicht mitmachen zu wollen. Was sie stattdessen planen, haben sie (abgesehen von der Eröffnung eines Jugend-Leistungszentrums) noch nicht konkret gesagt. (…) Die wahren Bayern-Probleme könnten möglicherweise erst in zwei, drei Jahren zutage treten, denn die langfristige Perspektive des Rekord-Meisters ist vor allem auf internationaler Ebene längst nicht nur rosig. (»Nachgehakt« von Alfred Draxler in der Bild-Zeitung)
*
Während der ein oder andere Fußballstar die Millionen für Autos, Villen und Frauen ausgibt, investiert Lahm seit zwei Jahren in Müsli, Massageöle, eine Lotterie und mischt in der Start-up-Branche mit. (Bettina Weiguny in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über die zweite Karriere des Philipp Lahm)
*
Besonders froh ist er, dass er den Sommer über nicht Joggen gehen musste. »Joggen ist eine Qual für mich. Solange ich mein Gewicht halte, fange ich das nicht an.« (Weiguny/Lahm)
*
Sie waren Sparringpartner, Boxringrichter, Kommentator für Boxkämpfe. Woher diese Faszination? – »Ich bin auch Schachspieler. Das amerikanische Schachgenie Bobby Fischer wurde mal nach dem Sinn des Schachspiels gefragt. To destroy an man’s ego, antwortete der.« (Kabarettist Werner Schneyder im taz-Interview)
*
Alle beklagen sich über den Narzissten Trump, aber unsere Straße hängt voller Plakate, auf denen der FDP-Chef Lindner Werbung für sich selbst macht. (…) Alle machen sich über Trumps Frisur lustig, aber niemand erinnert sich, dass Lindner seine Haare gekauft hat. (Alexander Osang im Spiegel)
*
Auch früher schon entfesselte Guttenberg bei seinem Publikum (…) Enthusiasmus. So wie Uli Hoeneß oder Boris Becker scheint er zu einer ganz besonderen Spezies zu zählen, den Unzerstörbaren: Sündenfall hin oder her, das Publikum will ihn einfach gut finden. (Matthias Geis/Tina Hildebrandt in der Zeit)
*
»Ich saß mal in einer Fernsehdiskussion mit zwei Abgesandten des Islam – übrigens immer die gleichen Leute: geschult, sympathisch, gut aussehend, gebildet, sehr ruhig und gelassen, aber unfassbar verlogen.« (Schneyder/taz)
*
»Wenn man geliebt werden will, soll man keine Kolumnen schreiben.« (Michael Herl, Kolumnist der Frankfurter Rundschau, im Interview der Frankfurter Rundschau) (gw)
*
(www.anstoss-gw.de   gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 11. September 2017 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt, gw-Beiträge Anstoß | Kommentare deaktiviert

Baumhausbeichte - Novelle