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Ohne weitere Worte (vom 24. Juli)

Viele junge Deutsch-Türken also werden sich ein Beispiel an ihm nehmen. Seht her, werden sie sagen, sie haben Özil geopfert wegen einem Foto, und sie haben ihn zum Sündenbock gemacht für das Versagen der Nationalmannschaft bei der WM. Sie haben ihn vorgeführt, weil er ein Türke ist. Wir sind hier nicht willkommen. Ein verheerendes Zeichen. (Michael Eder/FAZ online)
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(Statt weiterer Stimmen zum Özil-Komplex:) »Wer das dann immer gleich als rassistisch bezeichnet, verharmlost den echten Rassismus.« (Otto Waalkes im Spiegel-Interview in einem anderen Zusammenhang)
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Ein Hauptverantwortlicher ist für mich Oliver Bierhoff. Die mittlerweile völlig überzogene Kommerzialisierung, die Verwissenschaftlichung und die Entfremdung der Nationalmannschaft von Fans und Medien ist auf ihn zurückzuführen. (Thomas Berthold, Weltmeister von 1990, in seiner Kicker-Kolumne, Überschrift: »Bierhoff muss weg«)
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Haben die Spieler ihr Scheitern verdient? – »Sie haben es nicht gelernt, es ist in ihrem Leben nicht vorgesehen. Der Management-Coaching-Unsinn, den sie lernen, gibt ihnen für den Fall des Scheiterns kein Werkzeug an die Hand.« (Schauspieler Matthias Brandt im Zeit-Interview)
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Bei den Spielern muss ein großer Schnitt gemacht werden. (…) Zurück zu Profis, die sich nicht wichtiger nehmen, als sie sind. (…) Keine polierten Bübchen, sondern Männer mit ungestilltem Hunger nach Erfolg. (Berthold/Kicker)
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Was bleibt, ist das jungenhafte Lachen des Turbo-Teenies Kylian Mbappe mit seiner überschießenden Energie. Es ist, als würde man einem jungen Hund beim Spielen zusehen. (Evi Simeoni in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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Neymars Bodenrollen. (…) Haben Fußballspieler heute einen größeren schauspielerischen Ehrgeiz als früher? (…) – »Auf der anderen Seite gibt es den nicht zu vernachlässigenden Punkt der Autosuggestion, die man auch von Schauspielern kennt: Selbstergriffenheit. (…) Wenn mir als Spieler drei oder vier Pirouetten im Fallen gelingen, weil mir vermeintlich das Schienbein durchtrennt wurde, obwohl ich gar nicht berührt wurde, kann es doch sein, dass es mir dann, weil die Darstellung so gut gelungen ist, trotzdem wehtut.« (Brandt/Zeit)
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Wie fühlt es sich an, mit 50 Stundenkilometern auf den Asphalt zu knallen? – »(…) Ich versuche noch, alles um mich herum zu scannen, wohin ich stürzen kann. (…) Man hat sich gewisse Schutzmaßnahmen angeeignet, die der Körper dann anknipst. Eine Schonhaltung, Muskelanspannung, auch die Art und Weise, wie man aufschlägt. Bei meinem Flug durch die Luft bei der diesjährigen Tour hatte ich noch die halbe Sekunde Zeit, Muskeln anzuspannen, die meine Wirbelsäule vielleicht vor einer schlimmeren Verletzung bewahrt hat. (…) Ich bin, Gott sei Dank, ein Fahrer, der eine hohe Schmerztoleranz hat.« (Tony Martin im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung).
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Sie sind die erste deutsche Siegerin in Wimbledon seit Stefanie Graf 1996. – »Diese Geschichte wird ja nach jedem Grand-Slam-Sieg von mir erzählt. Ich bin immer: die nächste nach Steffi.« (Angelique Kerber im Spiegel-Interview)
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»Wir Kugelstoßerinnen sind ein bisschen weiter weg von den idealen 90-60-90. Ich kann diese Maße für ein Bein anbieten, aber nicht für meinen ganzen Körper.« (Christina Schwanitz, 105 kg, zitiert in der FAZ)
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Sie selbst sind mit erstaunlich vielen Talenten gesegnet … – »Na ja, das meiste davon dreht sich um den Film. Aber ich kann auch einen Ball auf meiner Fingerspitze zum Drehen bringen.« (Schauspielerin Jodie Foster im FAS-Interview)
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»Als Politiker ist man Wellenbrecher, der sich auch gegen negative Trends stemmen muss. Es sei denn, man heißt Angela Merkel, die ist eine Wellenreiterin, und zwar die beste der Welt. Sie bleibt oben, völlig egal, wo die Welle herkommt und wo sie hingeht.« (CSU-Politiker Peter Gauweiler im Spiegel-Interview)
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»Man muss jetzt endlich mal mit dem aufhören, was ich Emotionssozialismus nenne. Es gibt keine Pflicht, Ausländer zu lieben, es geht um den sozialen Frieden in Deutschland. Und wenn man verhindern will, dass es hier kracht, muss man Deutsch als für alle verbindliche Sprache vorschreiben. Man muss nur das Selbstverständliche einfordern. Mit Liebe und Härte« (Schriftsteller Feridun Zaimoglu, als Kleinkind mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen, im »Die literarische Welt«-Interview)
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»Solange wir nicht bereit sind, unsere Überzeugungen offen in Frage stellen zu lassen, sind wir auch nicht berechtigt anzunehmen, dass sie wahr oder unwahr sind.« (der australische Philosoph Peter Singer im Interview der Frankfurter Rundschau) (gw)
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Veröffentlicht von gw am 23. Juli 2018 .
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Montagsthemen (vom 23. Juli)

»Kovac rechnet mit Verbleib von Boateng.« Irritierende Schlagzeile. Aber nur eine verwirrte Sekunde lang. Dann verrückt sich das Verrückte wieder zurecht: Kovac ist in München, der Prinz nach seinem hochverdienten und ehrenvollen Abgang im Sassuolo-Retiro, und ob sein Bruder wechselt oder nicht, interessierte uns nur, wenn er mit der Eintracht liebäugelte, was wiederum ziemlich verrückt wäre.
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Nächste Schlagzeile: »Kovac schlägt Tuchel.« In einem Testspiel, mit Bayern B gegen Paris B, zu Beginn der Vorbereitung. Also total unerheblich. Ab ins Sommerloch. Eventuell aber erheblich: Tuchel wechselt Buffon nach einem Fehler aus. Buffon merkt sich das, er ist doppelt so cool, wie Tuchel sich gibt.
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Letzte Fußball-Schlagzeile: »Erstunken und erlogen« sei, was ihm in Sachen Sommermärchen vorgeworfen wird, behauptet der kurzfristig aufgetauchte Beckenbauer, bevor er wieder ins Exil seiner Verbitterung abtaucht. Wer das Gegenteil behauptet, sollte es auch beweisen können. Laxheit und Larifari, beide in Beckenbauers DNA, sind keine Schwerverbrechen.
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Deutsche Meisterschaften der Leichtathleten  in Nürnberg. Riesige Lücken auf den Tribünen. Das drückt auf Stimmung und Leistung. Nichts gegen das Max-Morlock-Stadion, ein sehr angenehmer Name inmitten all der abgedrehten WVIG-Stadien kurzer Verweildauer, aber in Zeiten ihrer abnehmenden Bedeutung sollte die Leichtathletik in füllbare Stadien in der Provinz ausweichen. Es gibt sie, auf höchstem Niveau und mit fachkundigem, begeisterungsfähigem Publikum.
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Ach ja, Max Morlock. Für Nachgeborene: 1954 in Bern  Halbrechter im »WM-System«, Schütze des Anschlusstreffers beim »Wunder« und schon im Entscheidungsspiel gegen die Türkei (7:2) dreifacher Torschütze. Selbst ich bin nicht alt genug, es miterlebt zu haben, konnte es aber in Fritz Walters Büchern so lebensecht nacherleben, als sei ich dabei gewesen. Und die heutigen WVIG-Stadien? Abkürzung für diverse »Wir verbrennen Ihr Geld«-Sponsoren.
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Im Kugelstoßen gab es in Nürnberg drei Wettkampfklassen: Männer, Frauen – und »Paras«. Da hier fast alle in unterschiedlichen Klassen antraten und mit Drei, Vier- oder Sechs-Kilo-Kugeln gestoßen wurde, gab es für die sechs Teilnehmer fünf erste und einen zweiten Platz. Ziemlich verwirrend. Auch Paralympics-Ikone Marianne Buggenhagen sagte einmal: »Wenn ein Kleinwüchsiger gegen einen Armlosen startet, ist das für die Zuschauer schwierig.«
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Warum gibt es Kugelstoßen für Kleinwüchsige, aber keinen Basketball? Auch kein Radrennen für Zweieinhalbzentner-Männer oder Geräteturnen für Zwei-Meter-Lackel,  auch keine »Schadensklassen« in der Leichtathletik für Unbehinderte, solange die Lisa Mayers gegen die Caster Semenyas antreten müssen. Schwieriges Thema. Mein Ansatz, dass jeder eine Klasse für sich ist und der einzige Gegner, den es zu schlagen gilt, ist nicht mehrheitsfähig.
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Auxologie, die Wissenschaft vom Wachstum der Menschen, hat festgestellt, dass die Amerikaner immer kleiner werden (stimmt, zumindest in der Bäckerei; meine »Mohrnköppe« gibt es sogar schon lange nicht mehr), aber auch, dass das Einkommen mit der Größe in Verbindung steht. Ein Langer verdient mehr als ein Kurzer, und zwar 700 Euro im Monat pro 2,5 Zentimeter, behauptet die Auxologie, und wenn sie recht hat, wäre das eine echte Diskriminierung.
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Gleichzeitig mit der Leichtathletik-DM in Nürnberg ging in Weeze das Musikfestival »Parookaville« über die Bühne. 80 000 Besucher wurden erwartet, davon konnte Maxls Stadion nur träumen. In Weeze sollten Kleinwüchsige an der »Mini-Bar« nur »Kurze« ausschenken. Für die einen witzig, für andere diskriminierend, wie für den »Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien« (BKMF).
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Tja. Witzig, diskriminierend? Oder beides? Stünde der kleinwüchsige Kugelstoßer Niko Kappel, ein toller Typ mit Köpfchen, Herz und Humor, hinter der Theke, wäre die Sache klar. Wie einst bei Sammy Davis jr., dem genialen Entertainer aus dem »Rat Pack« um Frank Sinatra. Der riss böse Witze über kleine, einäugige, schwarze Juden. Er durfte das. Er war einer. Oder Woody Allen: »Fährt ein Schwarzer U-Bahn und liest eine jüdische Zeitung. Kommt ein Weißer zu ihm und sagt: Neger allein reicht dir wohl nicht.« Allen ist selbst Jude. Allerdings findet ihn niemand mehr witzig, aber das hat andere Gründe und mit »MeToo« zu tun.
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Apropos: Ich bewundere Athletinnen wie Christina Schwanitz oder Angelique Kerber (beide tauchen morgen in »Ohne weitere Worte« auf), meiner liebsten Zielgruppe bin ich sowieso ergeben, ich wäre sogar ein williger Kandidat fürs Matriarchat, aber wenn ich einen Text lese wie gerade erst in der taz, das erste Binnen* taucht auf und ist erkennbar unironisch gemeint, höre ich sofort auf zu lesen: »Jahrelang besetzten Aktivist*innen« … Ende. (gw)
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Veröffentlicht von gw am 22. Juli 2018 .
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Sport-Stammtisch (vom 21. Juli)

Flashback. Kaum ist die WM vorbei und verdrängt, da taucht eine doppelseitige Anzeige im Stern auf und blitzt uns zurück. »Best Never Rest«, fünf der rastlosen Ex-Besten stürmen hinter zwei neuen C-Klassen auf uns zu, und in Stuttgart raufen sie sich die Haare. Weil solche Anzeigen Vorlaufzeit haben und kaum storniert werden können, bekommen wir noch einmal die volle Dröhnung der abgehobenen, überheblichen und oberpeinlichen DFB-Expedition ab. Neue Mercedes-Modelle, beworben mit im Hochmut gefallenen WM-Versagern – Daimler-Boss Zetsche soll sogar seinen stattlichen Schnauzer ausgerauft haben.
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Schmerzhaft auch dieser Flashback: »Davie Selke ist nach seiner schweren Verletzung operiert worden. Selke hatte sich bei einem Zusammenprall einen Pneumothorax zugezogen. Dabei sammelt sich Luft im Brustkorb an, was zum Zusammenfallen eines Lungenflügels führt.« Schon bekomme ich keine Luft, da schwer vom Rad gestürzt. In der Klinik wird mir bei vollem Bewusstsein die Seite aufgebohrt und mit einem eklig an den Rippen schabenden Geräusch ein Schlauch in die implodierende Lunge geführt. Damals dachte ich nur: Wie blöd, wie lästig, und das ausgerechnet mitten in der WM 2002. Dass ich schwer verletzt war, kam mir nicht in den Sinn und flashbackt jetzt dank Selke. Und in der Ferne höre ich mit Grausen die Rippenbohrmaschine sausen.
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Noch weiter zurück blitzt es, als ich im Spiegel die ulkige Story von Stefan Kuzmany lese, der vor 14 Jahren als taz-Redakteur in einer Satire über zu erwartende Aktionen des CSU-Nachwuchspolitikers Markus Söder gejuxt hatte, Söder wolle alle Grünen zum Drogentest schicken und Eltern, die ihren Kindern deutsche Namen geben (»Klaus statt Kevin«) das Kindergeld erhöhen. Den gewollten Quatsch klaubte erst die Süddeutsche aus dem Archiv, in dem die Satire verstaubt und zur staubtrockenen Tatsache herangereift war. Jetzt erschien in der New York Times ein Söder-Porträt, und, Sie ahnen es: … mit Kevin und dem Drogentest.
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Noch’n Flashback: Als ich 1990 erfuhr, dass ein Leichtathlet die Dopingkontrollen ad absurdum führte, indem er die schriftliche Aufforderung, zum Test zu kommen (so ging das damals), ebenfalls schriftlich ablehnte, schrieb ich: »Höflich, aber bestimmt antwortete der Sportler, er habe keine Zeit.« Dreimal habe er auf diese Art Dopingtests vermieden, ergänzte ich, obwohl ich die genaue Zahl nicht wusste. Kurz danach berichtete auch der Spiegel von drei Weigerungen. Hatte ich per Zufall die richtige Zahl getroffen, die kritisch-investigative Journalisten penibelst recherchiert hatten? Möglich. Aber der nächste Satz lautete »Höflich, aber bestimmt erwiderte der Athlet, er habe keine Zeit.« Auch das Zufall und der Plagiats-Vorwurf nur die fixe Idee eines Provinzjournalisten mit Minderwertigkeitskomplex? Nein, der Beweis, dass das Nachrichtenmagazin von mir abgeschrieben hat, ist ebenso zwingend wie peinlich, denn sowohl die Form (»höflich, aber bestimmt«) als auch den Grund (»habe keine Zeit«) der Ablehnung . . . hatte ich mir einfach nur ausgedacht.
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Kein Ruhmesblatt, ich weiß. Erst recht nicht für den Spiegel. Damals kein Wort zu der Peinlichkeit, heute, nach meinem feixenden Hinweis, ebenfalls keine Reaktion. Sei’s drum. Wahrscheinlich stehen sie beim Spiegel mehr unter Druck als wir in der Provinz und können sich Selbstveralberung weniger leisten.
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Apropos Spiegel und »unter Druck«. In »Ohne weitere Worte« vom Dienstag wurde auch der russische Nationaltrainer Tschertschessew zitiert, der auf die Frage, ob er unter Druck stehe, antwortete: »Darf ich fragen, was Deutsche immer mit dem Druck haben? Das ist euer Lieblingswort, oder?« – »Ja! Ja!! Ja!!!«, jubilierte da unser Marburger Leser Dieter Metz, der in den letzten Jahren »Druck«-Schlagzeilen gesammelt hat (auch bei uns). »Zur Kontrolle habe ich es verglichen mit der Häufigkeit anderer wohlfeiler Schlagzeilenbegriffe wie ›Empörung‹ und ›Hetze‹. Der ›Druck‹ ist konkurrenzlos. Wie soll es auch anders sein in einem Land, in dem ein Torwart zum Titan wird, weil er von nichts anderem reden kann als vom Druck und sich dabei so gepresst artikuliert, als säße er ständig auf Klo und drückt und drückt, und raus kommt …« – Die »Druck«-Sammlung ist im Blog »Sport, Gott & die Welt« (dort in der »Mailbox«) nachlesbar.
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Wie auch ein altes Interview mit Matthias Beltz. Denn im Zusammenhang mit dem »68er«-Jubiläum gab es Nachfragen. Vor Jahren sei ein tolles Beltz-Interview erschienen, in der Überschrift sei es um Dutschke und die Szene-Disco Scarabee gegangen, im Netz sei es aber nicht zu finden. Stimmt, ich hatte versäumt, das Interview von 2001 online zu stellen. Das ist jetzt nachgeholt. Ich war und bin froh und stolz, dass Matthias Beltz nicht nur dieses Interview zu einem Ereignis gemacht hat, sondern sich im Lauf der Jahre für viele – zumindest für mich – unvergessliche Zeitungsprojekte (wie unsere »Jahresendzeitkolumnen«) gerne und übrigens ohne jedes Honorar bereit erklärt hatte. Wer das Interview nicht kennt, möge reinklicken: »Das Attentat auf Dutschke und die Durchsage im Scarabee«. Es lohnt sich.
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Für Selbstbeweihräucherung alter 68er taugt das Interview allerdings nicht. »Der Traum war eigentlich nicht großrevolutionär, sondern eine tolle Frau zu haben. (…) Es gab nicht das Gefühl, wir Linken sind die Besseren, sondern: Die anderen schaffen es besser mit ihrem Leben umzugehen, und ich bin zu doof dazu. (…) Dass wir gemerkt haben: Wenn wir aus den Frankfurter Spontikreisen die Macht hätten, dann wird’s mit Sicherheit nicht besser werden, denn die eigene Qualifikation, das haben wir an der Organisation des Privatlebens gemerkt, ist ja nicht gerade bedeutend gewesen.«
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Das tut manchen APO-Opas und -Omas richtig weh. Und der folgende »echte Beltz« würde heute nicht bei dem Herzens-Kommunisten verortet, sondern ganz anderswo: »Der Philosemitismus oder die Verherrlichung von Ausländern ist vollkommen bescheuert. Ausländer haben genauso das Recht, Arschlöcher zu sein wie wir Deutsche, und sie sind’s ja auch oft genug.«
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Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele, kam in einem SZ-Interview vom letzten Samstag »ein Klassiker-Zitat in den Sinn: Ach wär doch Größe immer gut und Güte immer groß.« Wie bei Matthias Beltz, unserem unvergessenen Hessen im Himmel. (gw)
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Veröffentlicht von gw am 20. Juli 2018 .
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Sport, Gott & die Welt („Rück-Blog“ vom 19. Juli)

»Sport, Gott & die Welt« begleitet und ergänzt im Internet die Zeitungs-Kolumnen von »gw«. Ab und an veröffentlichen wir Auszüge, stark gekürzt und leicht bearbeitet, zuletzt vor mehr als einem Vierteljahr – es wird also wieder Zeit für den »Rück-Blog«. Wer mehr davon lesen will: Bitte klicken Sie rein.
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Freitag, 6. April: E-Bike in Reparatur. Also aufs alte Treckingrad. Ganz schön happig am Berg, wenn man es nicht mehr gewohnt ist. Immerhin: Ich komme noch hoch, auch die letzte 15-Prozent-Steigung. Der Nachbar, der leicht amüsiert zuschaut, wenn ich mit dem Pedelec fahre, sieht mich heute nicht. Ich würde ihm gerne zurufen: Siehste, ich kann’s noch! – Kommentar meiner Nächsten: Armer Wicht!
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Sonntag, 8. April. Bienen, Vögel, Artensterben usw. Die Gründe sind ja bekannt. Flurbereinigung & Co. Monokulturen, riesige Flächen. Aber wie war das früher in der Ostzone? Damals oft nach Berlin geflogen, erst Tempelhof, dann Tegel. Die Zonengrenze von oben beeindruckend sichtbar: Im Westen ein Flickenteppich aus kleinsten Rechtecken, im Osten riesige einfarbige Flächen. Kilometerlange und -breite Monokulturen. Wie war das dort mit den Vögeln und Bienen? Wir alten BRDler wussten es nicht, der Eiserne Vorhang hielt dicht. Aber alte Ossis müssten es uns erzählen können.
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Montag, 9. April. Irgendwer hat irgendwann einmal einen »Doppelpack geschnürt«, seitdem geistert der Geschnürte in jedem Spielbericht herum, in dem ein Spieler mehr als ein Tor geschossen hat. Wer schnürt wirklich? Ich weiß es natürlich, denn mein erster Berufswunsch war Förster (nach Verschlingen der Schneider-Buchreihe »Horst wird Förster«, »Horst und das Raubwild« usw.). Danach erst sattelte ich auf Schlagersänger um. Und wer schnürt? Der die Gans gestohlen hat.
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Donnerstag, 12. April. Politikerin. MdB. Sportpolitisch aktiv. Doping-Bekämpferin. Auf Facebook postet sie, was sie alles treibt. Vor allem, in der Welt herumfliegen. Gute Gespräche führen mit Gleichgesinnten. Ich sehe mir die Posts an und habe ein zwiespältiges Gefühl. Ich kann es nicht benennen. Nein, ich will es nicht.
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Montag, 23. April. Mit 89,99 km nach Hause gekommen. Geht nicht. Lenker hoch, mal kurz am Vorderrad gedreht. 90,00. Gut so. Später Ehrgeiz selbst auf dem Pedelec.
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Montag, 21. Mai. Es brodelt in der Gesellschaft, viel mehr, als öffentlich bekannt wird. Ich höre es auch, wenn ich mal in der Gruppe mit dem Rad unterwegs bin. Menschen meines Alters, mit ähnlichem Lebensweg, beruflich erfolgreich, materiell abgesichert, oft Akademiker, oft ehemals erfolgreiche Sportler, alles andere als Dumpfbacken – aber wenn ich höre, was sie jetzt zur Lage der Nation, der Gesellschaft, der etablierten Politik, Europa, den Flüchtlingen usw. sagen, was aus ihnen herausbricht … Hauptthema: Weidel und ihre »ganz großartige« Rede. Ich habe sie weder gehört noch nachgelesen. Ich hoffe zu meinen Gunsten, ich wäre entsetzt. Ich fürchte zu meinen Ungunsten, ich könnte manchem zustimmen.
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Sonntag, 10. Juni. Geknallt hat es diesmal bei uns nicht. Die Gewitter zogen am Berg vorbei. H., der mich nachher zur viertägigen Radtour an der Weinstraße abholt, sagte mir gestern, dass bei ihm in A., nur Luftlinie ca. 12 km entfernt, alle Starkregen vorbeigezogen sind und sein Nussbaum zu vertrocknen droht. Das Wetter wie die Welt. Fast überall kracht es, nicht jeden trifft es, aber nirgendwo dräut es nicht, und allen wird mulmig. Fataler Unterschied: Wetter ist Wetter, Welt ist Klima.
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Sonntag, 24. Juni. Das Mitleid, das Erbarmen mit den Schwächsten, davon habe ich schon oft im Blog geschrieben, über die Allerschwächsten, die ohne Mitleid und Erbarmen weckende Kameras auf dem Weg durch Afrika oder Asien elendiglich verrecken, weil sie dem Ruf der Kanzlerin gefolgt sind. Das ganze Dilemma steckt auch in den westlichen Rettern, den unfreiwilligen Geschäftspartnern der Schlepper. Was sollten sie aber tun? Die Menschen, die es bis ans Ufer des Mittelmeers geschafft haben, verrecken lassen, um viele andere vom Weg ins Verderben abzuhalten? Zum Glück schreibe ich nur eine Sportkolumne.
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Sonntag, 8. Juli. Gelesen, Leica produziere in Wetzlar, meiner halben Heimatstadt, jetzt auch Leica-Uhren. Mechanische, mit Glasabdeckung, so dass man das Uhrwerk sehen kann. Das könnte mir gefallen, denke ich, ich bin zwar kein Uhrenfan, aber, für solch eine würde ich sogar um die 200 Euro ausgeben. Preise werden in dem Artikel nicht angegeben, also googele ich. Und damit ist die Sache für mich erledigt. »Die Uhr ist ab 10 000 Euro zu haben.«
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Sonntag, 15. Juli. Text von Michael Horeni in der FAS, Titel: »Selbst-Knockout«, darüber, »wie der DFB im Fall Özil seine Glaubwürdigkeit verspielt und der Bundestrainer den Verband hängenlässt«. Klingt nach harter Aburteilung. Aber bitte keine Todesstrafe! Ich bin für mediale Prügelstrafe für den DFB und Freispruch für Löw, aber mit Kontaktverbot bei der Nationalelf und ohne Bewährung als Bundestrainer. (gw)
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Veröffentlicht von gw am 18. Juli 2018 .
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Ohne weitere Worte (vom 17. Juli)

Frankreich gegen Kroatien, das ist der französische Stabilitätsansatz des Generals Deschamps gegen leidenschaftlichen Guerillafußball, der sich manchmal eine Halbzeit lang im Gebüsch versteckt, ehe er wie ein Naturereignis über den Gegner hereinbricht. (Claudio Catuogno in der Süddeutschen Zeitung)
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Was heißt »schön« im Fußball? (…) Die Ästhetik des Zirkus ist für den Fußball nicht maßgebend. Wer nur über die Unterscheidung von »Feuerwerk« und »glanzlos« verfügt, betrachtet unerwachsen. (Jürgen Kaube in der WM-Kolumne »Nachgetreten« im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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Sie haben 1996 die Fußballweisheit von den Deutschen geprägt, die am Ende doch irgendwie gewinnen. Wie erklären Sie sich das Versagen des Weltmeisters? – »(…) Ich habe noch nie eine deutsche Mannschaft gesehen, die taktisch so konfus agierte wie gegen Mexiko: wie eine Schülermannschaft! Das war schon schockierend.« (Gary Lineker im Spiegel-Interview)
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»Eigentlich standen immer elf Spieler auf dem Feld, die gegen die anderen elf hätten gewinnen müssen. An den fußballerischen Qualitäten kann es also nicht gelegen haben. Außer es waren alle nicht in Form.« (Philipp Lahm im Zeit-Interview)
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De facto kann Löw (…) sich nur selbst entlassen. Nur: Warum sollte er, wenn es sich doch so gut leben lässt als Bundestrainer? Die viele Freizeit, das fürstliche Honorar, der gelegentliche Plausch mit der Kanzlerin bei Cordon-bleu und Bratkartoffeln …« (Autoren-Team im Kicker)
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Millionen Deutsche starten in diesen Tagen in ihren wohlverdienten Urlaub. Aber was heißt eigentlich wohlverdient? (…) »Manuel Neuer tankt Kraft an der Adria«, schreibt Frau im Spiegel. Nur: Wo hat er sie verbraucht? In den drei WM-Spielen? Bei aufwendigen Werbedrehs für koffeinhaltige Limonade? (…) Wir aber stellen uns vor, eines unserer Kinder wäre sitzengeblieben. Hätten wir da nicht gesagt: nix Mykonos! Ferien auf Balkonien und schön für die neue Saison lernen!« (»Herzblatt-Geschichten« von Anke Schepp in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Hätten Sie jemals damit gerechnet, einmal im hellsten Rampenlicht des Weltfußballs zu stehen? – »Ich habe doch früher bei Spartak gespielt, bin hier und da Meister geworden.« – Aber diesen Druck, den Sie aushalten mussten … – »… darf ich fragen, was Deutsche immer mit dem Druck haben? Das ist euer Lieblingswort, oder?« (Russlands WM-Trainer Stanislaw Tschertschessow im Spiegel-Interview)
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Perisic (…) Schuss aus 15 Metern landete statt im Tor in der empfindlichsten Körperregion von Kyle Walker – dem bei der längeren Behandlung, die nötig war, die gute alte viktorianische Empfehlung geholfen haben dürfte: »Schließ die Augen und denke an England.« (Christian Eichler/FAZ online)
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Gehört hat er (Anm.: Paul Pogba) auch auf seinen Mitspieler Samuel Umtiti: »Ich habe immer gesagt: Paul, wenn du erwachsen werden willst, dann ändere deine Frisur!« Gesagt, getan. (Jean Mikhail in der Welt)
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Er hat keine Tattoos, ist aber schon Vater und hat zwei Hunde. (dpa über Harry Kane)
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… der Dissens zu den gesammelten Idiotien der ARD-ZDF-Reporter (…), die auch von den meist klarsichtigeren Studioexperten nur diskret korrigiert werden können, weil man den Trottel nicht so nennen darf, wenn er ein Kollege ist. (Peter Körte in der FAS)
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Infantino (…) bewies mal wieder Schlitzohrigkeit und lud die Kinder (Anm.: die thailändischen Kinder in der Höhle) zum Endspiel (…) ein. Schließlich sind die Eingeschlossenen ein Fußballteam. (…) Fehlt nur noch, dass – um die Ekelhaftigkeit dieses Falls auf die Spitze zu treiben – McDonalds noch einen Frittengutschein draufpackt und Coca Cola einen Liter Fanta. (Michael Herl in seiner Kolumne in der Frankfurter Rundschau)
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Die Szene (Anm.: Infantino bei Putin) erinnerte an die Kabinettssitzung von Donald Trump, bei der auch jeder erst mal sagen sollte (…), wie großartig Trump sei. Der Unterschied: Trump sah man die Genugtuung an, der Sabber der Selbstliebe lief ihm zu beiden Hosenbeinen raus. Putin schien die vorsätzliche Arschkriecherei seiner Gäste unangenehm zu sein. (Holger Gertz in der SZ)
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Die Weltmeisterschaft geht zu Ende. (…) Gewonnen hat längst Putin. (…) Und in der Nachspielzeit trifft Wladimir Putin sich mit Donald Trump, der für ihn kein Gegner ist. (Gertz/SZ)
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 16. Juli 2018 .
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Baumhausbeichte - Novelle