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Ohne weitere Worte (vom 16. Juli)


Mit dem (…) Wechsel von Antoine Griezmann von Atletico Madrid zum FC Barcelona ist ein Dominostein gefallen – ob das aber den Effekt nach sich zieht, den sich die Bayern erhoffen? Es wäre (…) nicht überraschend, wenn gar kein Dominostein bis nach Deutschland fiele. (Peter Penders in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Es gab viele leere Plätze in vielen Stadien – »Ich (kann) die Menschen verstehen, die sich darüber beschweren, dass wir das Produkt immer so anpreisen, dann aber bei der WM 2018 keinen Erfolg haben und auch in internationalen Wettbewerben mit Ausnahme von Frankfurt nicht weit kommen.« (Wolfsburgs Manager Jörg Schmadtke im Interview der Welt am Sonntag)
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»Ich bin (…) ein sehr direkter, ehrlicher Mensch, der sagt, was er denkt. (…) Das ist für manche manchmal unangenehm.« (Max Kruse im Kicker-Interview)
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»Er war hart und unbequem, das war gut für uns. Auch in dieser Beziehung müssen wir ihn alle zusammen ersetzen.« (Bremens Niklas Moisander über Max Kruse in einem weiteren Kicker-Interview)
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»Es gibt (…) auch bei Werder Spieler, die nicht viel reden und auf ihre Art echte, beeindruckende Typen sind. (…) In Bremen ist Niklas Moisander so ein Typ.« (Max Kruse/Kicker)
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Sie gelten als Perfektionist, der selten lächelt – (…) Würden Sie gern nicht nur respektiert, sondern auch geliebt, wie Jürgen Klopp? – »Jürgen ist eine Ausnahmeerscheinung, ein Entertainer, ein Menschenfänger, ein Genie im Bereich der Kommunikation. Er könnte ab morgen auch Wetten, dass…? oder das Aktuelle Sportstudio moderieren. Ich könnte mir das für mich eher nicht vorstellen – zumindest nicht Wetten, dass…?« – Nun lächeln Sie tatsächlich. (aus einem Zeit-Interview mit Ralf Rangnick)
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Wer war Ihr genialster Mitspieler? – »Uwe Bein – ein unfassbar eleganter Spieler. Der schaute nie auf den Ball und spielte Pässe in Räume, die andere gar nicht sahen.« – Wären Sie heute noch gerne Profi? – »Nein, Ich wäre mit meiner Art heute nach zehn Minuten erledigt. Alles gläsern, alles genormt.« (Axel Kruse, Ex-Eintracht-Profi, im Kicker-Interview)
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Zu Beckers Kampf gehört zwangsläufig Beckers Schweiß – und schon ist man bei den Socken und Schweißbändern, die gerade (…) zur angeblichen Tilgung von Beckers Insolvenz versteigert wurden. Wenn wir künftig beim Betrachten von Bildern, die Becker (…) auf dem Centre Court zeigen, nicht mehr das große emanzipatorische Potenzial des Sports erblicken, sondern ganz neoliberal sogar bei verschwitzten Socken ans Geld denken, das sich verdienen lässt, dann markiert das unübersehbar einen Rückschritt. (Martin Krauss in der taz)
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»Er ist der begabteste Spieler, den ich in meinem Leben je gesehen habe. (…) Dieser Typ könnte der Größte aller Zeiten sein. Und das von mir, das sagt alles.« (John McEnroe über Roger Federer, zitiert im Magazin Sport Business)
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Es gibt zwei Dinge, die sich unser siebenjähriger Sohn sehnlichst wünscht: eine Playstation (nicht vorgesehen) und einen Undercut (unverhandelbar). Beides hat mit Fußball zu tun: Er will das Videospiel Fifa spielen und wie ein Fußballer aussehen. (Silke Wichert im »Stil«-Ressort der Süddeutschen Zeitung)
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Bodybuilder-Körper werden von vielen Menschen als abstoßend empfunden. Merken die das nicht? – »Wenn Sie in einer Subkultur aktiv sind, verschieben sich die Vergleichswerte. Sie vergleichen sich mit den Stars im Fitness-Studio, bei denen die Adern auf dem Sixpack rausquellen. So kommt es, dass die Akteure immer mehr Richtung Doping abdriften.« (Dr. Mischa Kläber im FAS-Interview über den Körperkult im Freizeitsport)
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Auf dem Laufsteg (…) in Paris (…) war (…) ein Haarschnitt zu sehen, der ebenso oft zurückbeschworen wird, wie der Undercut totgesagt wird: der Vokuhila. (…) Ob es Eltern glücklicher macht, wenn der Siebenjährige irgendwann diese Frisur will? (Wichert/SZ)
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Tiefster positiver emotionaler Ausdruck sind das Katzenbild, das Lächel-Emoji sowie die fotografische Aufnahme von Mahlzeiten und insbesondere Aperol Spritz im Gegenlicht. (Axel Hacke in seiner Kolumne »Das Beste aus aller Welt« im SZ-Magazin über einen neuen Staat »Facebookistan)
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Lieber Gott, vielen Dank auch für die Biene (Schlagzeile in Bild am Sonntag zum 80. Geburtstag von »Biene-Maja«-Sänger Karel Gott)
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Es gibt nichts, was mich mehr an den Untergang der Menschheit erinnert, als eine Touristengruppe auf Segways. (Alexander Osang im Spiegel)
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Man muss sich Gott als einen glücklichen Menschen vorstellen. (BamS-Schlusssatz im Geburtstagsartikel) (gw)
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Veröffentlicht von gw am 15. Juli 2019 .
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Montagsthemen (vom 15. Juli)

Wimbledon-Finaltag, erste Bergetappen der Tour, ein Meilen-Weltrekord mit »Güte«siegel Salazar/NOP, und im Fußball geheimnissen sie alles Mögliche und Unmögliche in die Trainingsspielchen der Bundesligisten hinein, viel los im Sport, aber … Ich bitte Sie, einen Augenblick den Atem anzuhalten, Sie alle, Hochbegeisterte, Hingerissene, Hymniker und Ekstatiker …
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… denn dieser Tage jährten sich auch die deutschen Endspielsiege von 2014 und, jaaa!, von 1954. Blick zurück auf den Jahresband 1954 des Sport-Magazins (ein Kicker-Vorläufer), Nr. 27 vom Montag, 5. Juli. Titelblatt natürlich: »Deutschland ist Weltmeister«. Auf Seite zwei eine Kolumne von Richard Kirn, legendärer Sportjournalist und Feuilletonist. Frühe »Montagsthemen« in Idealform, da die großen Themen nur anreißend (und gab es jemals ein größeres als das »Wunder von Bern« tags zuvor?) und über sie hinaus scheinbar ziellos zu »Sport, Gott & die Welt« abschweifend.
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Nach dem Epochalen (siehe oben) provoziert Kirn: … Sie alle frage ich: Wie haben Sie sich an dem Tag verhalten, an dem der 1. FC Kaiserslautern gegen Hannover 96 unterging? – Rückblende: Vor der WM hatten die Lauterer das DM-Endspiel 1:5 verloren, Herberger wurde hart kritisiert, dass er fünf von ihnen zur WM mitnahm und keinen aus Hannover (Hannover! Man stelle sich bloß vor, Herberger hätte fünf aus Hannover nominiert!). – Es ist erst ein paar Wochen her. Ich gestatte mir, submissest daran zu erinnern. Oh, dieses ewige »Hosianna!«, dem das ebenso ewige »Kreuziget ihn!« folgt. – 2019. Nichts hat sich geändert, nur verschärft.
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Aber schon kommt Kirn scheinbar vom Weg ab, in Wahrheit aber auf echt montagsthematischen Kurs. Grotesker Zufall: Deutschland hatte es in der Weltmeisterschaft mit Österreich, Ungarn, Türkei zu tun. Das wäre der Dreibund von 1914. Ist das nicht seltsam? Jugoslawien kann man ausnehmen: Es gehörte 1914 noch dem mächtigen Reich der Habsburger an.
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Nach weiteren Abschweifungen (ein FAZ-Feuilleton über »Kunst und Sport«, Wimbledon und die Tour de France werden gestreift) kommt Kirn zu einer 110 kg schweren indischen Ringerin namens Hamila, die zu Hause alle Männer aufs Kreuz gelegt hat und jetzt auf Europa-Tournee geht. Fünfziger-Jahre-PR-Clou: Wer sie besiegt, den will sie heiraten. Dazu Kirn, der als gebürtiger Wormser seine Nibelungen kennt: Wer glaubt … in mir den richtigen Partner für Hamila entdeckt zu haben, hat sich getäuscht. Wenn man aus Worms stammt, ist man noch lange nicht imstande, jede Brunhilde aufs Kreuz zu legen. In bin kein Siegfried. – Und ich leider kein Richard Kirn. Einfach genial!
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Auf seine allerdings oberfiese Art ebenfalls genial war Lance Armstrong, und er bleibt es auch in einem NBC-Interview, in dem er endlich »zugibt«, warum er gedopt hat. Europa ist schuld! Gedopt haben sie hier wie die Teufel, daher musste auch er zur Waffengleichheit »in den Waffenladen« gehen. Aber gedopt oder ungedopt, er hätte sowieso gewonnen, weil er einfach der Beste war. Und so hat Armstrong Amerika schon früh »great again« gemacht.
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Dreist wie Trump. Leider mit einem unfeinen Unterschied. Armstrong ist bei allen untendurch, Trump aber umso mehr obenauf, je heftiger er angegriffen wird. Denn dem »linksliberalen Mainstream« (Wort von Harald Schmidt/siehe »Sport-Stammtisch«) fehlt jene Form der Empathie, die sich auch in den Andersdenkenden oder gar nicht Denkenden hineinfühlen kann, der Trump um so eher wählen wird, je mehr dieser von Menschen angegriffen wird, die ihm (dem Anders- bzw. Nichtdenkenden) unangenehm aufstoßen. Ich denke da an eine US-Fußballerin, neue Ikone der Anti-Trump-Aktivisten, an einen gewissen Dokumentarfilmer oder an Unbekannte wie den Widerling, der (bzw. die) einen Trump-Sohn angespuckt hat – allesamt gut für ein paar Wahl-Prozentpunkte mehr. Leider für, nicht gegen Trump.
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Da fällt mir das neue Posting eines SPD-Politikers ein, der (zumindest ab und zu) gw-Kolumnen liest und schon von daher meine Sympathien besitzt. Er zitiert ein Wort des satirischen US-Autors Henry Louis Mencken, der sinngemäß sagte, wenn die Demokratie sich weiter entwickele wie bisher, spiegele der Präsident »immer exakter die innere Seele des Volkes. Eines großen und glorreichen Tages wird sich der Herzenswunsch der einfachen Leute erfüllen und das Weiße Haus mit einem wahren Idioten verziert sein.« Geschrieben 1920! 99 Luftballon-Jahre später ist der Herzenswunsch in Erfüllung gegangen.
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Im Posting heißt es auch, es lohne sich, mehr von Mencken zu lesen. Ich hab’s getan und unter anderen diesen Satz gefunden: »Demokratie ist die Theorie, dass das gemeine Volk weiß, was es möchte, und verdient es zu bekommen, und zwar von vorne und hinten.« – Wie ist das denn bitte bloß zu verstehen!?
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Bleibt mir nur noch das »Bitte kein Graffiti. Danke«-Schild, gesehen im »Hohlspiegel« des Spiegel. Nicht, weil ich als Oberlehrer den Finger höbe (Einzahl Graffito, Mehrzahl Graffiti), sondern weil neben dem Schild ein Graffito hingeschmiert ist: »O.k.!« Ganz mein Humor! Aber vielleicht wäre »Bitte!« noch besser. Unvermeidlich zum Schluss daher mein Lieblings-Graffito, einst an eine Gießener Behördenhauswand geschrieben und nicht nur Armstrong und Trump voraus nehmend: »Ich glaub euch nix!« (gw)
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Veröffentlicht von gw am 14. Juli 2019 .
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Sport-Stammtisch (vom 13. Juli)

Die Tour läuft, spannend wie selten, auch aus deutscher Sicht, denn Emanuel Buchmann scheint alle Hoffnungen zu erfüllen (Top Ten!) … doch wir haben ja andere Sorgen. Bussi, Bussi bei der Siegerehrung, im kurzen Röckchen hingestöckelt, notfalls vom verschwitzten Sieger in den Arm genommen (igitt!«) – das tägliche Ritual in Frankreich, es gerät unter rechtsrheinischen Beschuss. Die Berliner Frauengruppe »SHE36« hat eine Petition gestartet, um dieses frauenverachtende Randspektakelchen der Tour zu verbieten. Bravo!? Wer jetzt Beifall klatscht, schwimmt im »linksliberalen Mainstream« mit (dazu später mehr). Wer aber fragt, was uns das angeht und ob wir nicht mal an eigenen echten Problemen arbeiten sollten, statt anderen Länder unsere gerade angesagte Moral vorzuschreiben, der geht unter, denn er wird gnadenlos gedubscht … gluck, gluck, weg isser.
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Lächerlich. Beides. Die Petition und die Prozedur. Genauso lächerlich wie die boomenden Miss-Soundso-Wahlen, der Model-Wahn, das aus verklemmten US-Striptease-Bars gekommene pseudolaszive Gewese an der Stange und noch viel mehr. Selbst dem  Bikini als gängigem Wettkampfdress von Beachvolleyball bis Leichtathletik haftet Lächerlichkeit an, denn er dient nicht der sportlichen Leistung, sondern … ach, lassen wir das. Sonst gebe ich hier zu viel von mir preis, im Sinne Goethes, denn »durch nichts bezeichnen die Menschen mehr ihren Charakter als durch das, was sie lächerlich finden« (»Maximen und Reflexionen«). Aber verbieten? Nee. Macht doch, was ihr wollt. Noch mal Goethe: »Der Umgang mit Frauen ist das Element guter Sitten.« Und gute Sitten sind ein weites Feld. Begrenzt nur vom Strafrecht.
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Als Freund und Untertan des anderen Geschlechts wundere ich mich auch über ein scheinbar gegensätzliches Phänomen. Mit stolzer Befriedigung stellt ein Flaggschiff im LM fest: »Mehr Frauen im Männerbetrieb – NBA heuert bereits die neunte Trainerin an« (SZ-Schlagzeile). Was ist daran so bemerkenswert? Ist doch klar: Männer sind von Natur aus die besseren Athleten, Frauen die besseren Trainer (Betreuer, Schiedsrichter, Vorgesetzte).
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Zurück zur Tour. Andreas Kautz schrieb einst neben »Klaus« (Angermann) und »Jan Ullrich« auch »gw« auf eine der Serpentinen von Alpe d’Huez. Höher hinaus und hinauf kann kein Journalist kommen! Jetzt freute sich unser Leser aus Florstadt über die »Montagsthemen«, in denen ich schrieb: »Man stelle sich bloß vor, wir hätten Jan Ullrich ebenso behandelt wie Belgien den mehrfach gedopten ›Kannibalen‹ Merckx.« Andreas Kautz hat dieser Tage die Werbung von Festina mit Richard Virenque gesehen und juxt daher: »Die Steigerung dazu wäre nur eine Telekom-Werbung mit Ulle auf Eurosport.« Ja! Am besten starten wir eine Petition!
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Nein, wir starten in die »Wer bin ich«?-Auflösung. Die meisten WBI-Asse kamen gemeinsam ins Ziel. 13 Richtige bei dieser superschweren Etappe. Respekt! Gesucht wurde ein Rad-Weltmeister, »der zweite schwarze Sportler der Sportgeschichte, der Weltmeister wurde« (Wolfram Spengler). »Als 14 jähriger führte er einem Fahrradhändler Kunststücke auf dem Rad vor, der steckte ihn in eine Uniform und ließ so Werbung für sich machen, so kam er zu seinem Beinamen Major« (Paul-Gerhard Schmidt). Er wurde »von andersfarbigen ›Mitsportsportlern‹ gemobbt« (Helmut Bender) und »verlor später sein gesamtes Vermögen« (Wolfgang Egerer). »Der Gesuchte heißt Marshall Walter ›Major‹ Taylor«, meldet Rüdiger Schlick, der Meister aller WBI-Klassen, lapidar wie immer. Die 13-köpfige Etappenspitze: Helmut Bender (Linden), Thomas Buch (Friedberg), Wolfgang Egerer (Rosbach-Rodheim), Dieter Neil* (Großen-Buseck), Walther Roeber* (Bad Nauheim), Rüdiger Schlick* (Reichelsheim), Horst-Günter Schmandt* (Pohlheim), Reinhard Schmandt* (Pohlheim), Paul-Gerhard Schmidt (Mücke-Nieder-Ohmen), Prof. Peter Schubert* (Friedberg), Wolfram Spengler* (Hüttenberg), Manfred Stein* (Feldatal), Ingrid Wittich* (Mücke-Merlau) – Die neun mit * Markierten führen mit je vier Punkten gemeinsam die Jahreswertung an.
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Zurück zum aktuellen Sport. In die Kinos kommt ein 113 Minuten langer Film über »Das Leben des Brian« … Quatsch, kaum jemand hat so wenig mit Monty Python gemeinsam wie Toni Kroos. Aber den Kinofilm »Kroos« gibt es wirklich. Ich fürchte, das wird ein Flop. Aber ich bin ja auch befangen. Alle, die etwas vom Fußball verstehen, loben Kroos als phänomenalen Weltklassespieler. Stimmt ja auch. Mich stört nur, warum, weiß ich nicht, die merkwürdige, irgendwie beflissen wirkende Haltung beim Pass. Dass ein winziges Detail gefühlsmäßiger Art mich daran hindert, Kroos gebührend zu würdigen, ist, ich weiß es, ein Armutszeugnis.
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Selbst der Vorschlag von Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler, ein bekannt nachdenklicher Kopf, ein festes Grundeinkommen für Leistungssportler einzuführen, wirkt auf mich eher lächerlich. Was wird später aus einem 80-m-Speerwerfer oder 10,2-Sprinter oder 8,10-m-Weitspringer (allesamt sehr respektable Leistungen), der wegen des Grundeinkommens keinen Beruf erlernt hat? Grundeinkommen bis zum Lebensende? Andererseits: Bald soll es ja das Grundeinkommen für alle geben. Dann ist auch Röhlers Problem gelöst.
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Ach ja, schnell noch zum Flaggschiff im linksliberalen Mainstream. Im SZ-Magazin schimpft eine Autorin über Alt-Promis wie Alice Schwarzer oder Harald Schmidt, die endlich Ruhe halten und sich nicht, wie Schmidt, »über Political Correctness und den angeblichen ›linksliberalen Mainstream‹ beklagen« sollten. Hübscher Humor der unfreiwilligen Art in einem politisch korrekten Blatt der linksliberal besonders mainstreamigen Art.
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Ärgern Sie sich über manche »gw«-Ansicht? Oder fühlen Sie sich wahlverwandt? Und kennen Sie den Unterschied von verständig und vernünftig? Aus den »Wahlverwandtschaften« in »Maximen und Reflexionen«: »Der Verständige findet fast alles lächerlich, der Vernünftige fast nichts.« Was sind Sie? Ich bin …  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 12. Juli 2019 .
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Ohne weitere Worte (vom 9. Juli)

Böse Zungen behaupten, das US-Team nutze das Fußballturnier in Frankreich nur als eine Art Trainingslager in Vorbereitung auf die Leichtathletik-WM in Doha. (…) Ihre Art zu kicken führt zwangsläufig zu einer, nun ja, Leichtathletisierung des Frauenfußballs. (…) Sie setzen auf Tugenden, die schon die Siedler auf ihren Trecks von Ost nach West über die Rockies gebracht haben: Zielstrebigkeit und ein Gottvertrauen in die eigene Mission. (Markus Völker in der taz)
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Man muss das ja erst mal schaffen: mit einem einzigen Trick durch ein ganzes Berufsleben kommen. (…) Sein legendärer Robben-Move – auf den Gegner zuwackeln, scharf nach links abbiegen, parallel zum Strafraum rennen, ausholen, wackeln, zögern, ausholen, schießen, ins Eck treffen – ist ein choreografisches Gesamtkunstwerk aus Tempo, Technik, Balance und Gespür für den richtigen Moment und wird für immer unerreichbar bleiben. (Autoren-Duo Christof Kneer und Benedikt Warmbrunn in der Süddeutschen Zeitung)
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Ein Gesamtkunstwerk des Fußballs wurde daraus aber erst durch die schlafwandlerische Sicherheit, mit der Robben den Ball mit der vorletzten Berührung aus vollem Lauf präzise dorthin zu legen vermochte, wo er ihn am Ende für den perfekten Abstand zu Stand- und Schussbein und damit für den optimalen Abschluss brauchte … eine Kunst, in der ihm in diesem Tempo allenfalls ein Messi das Wasser reichen konnte. (Christian Eichler in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Arjen Robben war wie die Sonne. Von der Sonne weiß man auch, dass sie jeden Morgen im Osten aufgeht, und trotzdem ist man immer wieder fasziniert von ihr, wenn sie es wieder einmal geschafft hat, im Osten aufzugehen. (Kneer/Warmbrunn/SZ)
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»Ich finde die Entwicklung, Führungspersönlichkeiten so schnell auszutauschen, dramatisch. Dabei sollte man nicht vergessen, dass Führungspersönlichkeiten im Fußball von Führungspersönlichkeiten ausgetauscht werden. Aber wer tauscht wiederum diese Führungspersönlichkeiten aus?« (Marc Kosicke, Trainer-Berater – u. a. von Jügen Klopp – im Welt-Interview über die Häufung von Trainer-Entlassungen)
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Der Markt ist derart eng, die Luft so dünn, (…) dass sogar der Vorzeigesöldner Ousmane Dembele (…) in München ein Thema sein soll, oder ist der Mietnomade (hoffentlich) bloß eine listig gezündete Nebelkerze? (Jan Christian Müller in der Frankfurter Rundschau über »Das Dilemma des FC Bayern)
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Ein ungestümes Foul des noch jungen Gladbachers Lothar Matthäus beendete ihre Karriere. Noch böse? – »Mich hat geärgert, dass Matthäus sagte, ich wäre nur scharf auf die Invaliditätsauszahlung. Eine Frechheit! Das mag eine Dummheit gewesen sein, aber ich habe nie einen Antrag gestellt, da ich sowieso aufhören wollte.« (Jürgen Grabowski im Kicker-Interview)
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Das Ziel lautet: mehr Follower im Netz, mehr Verkäufe im Fanshop und am Ende mehr Zuschauer im Stadion. (…) Darauf zu bauen, ein erheblicher Teil jener, die Messi und Co. am Controller zaubern lassen, werde dieses Können auch auf echtem Rasen bewundern und möglicherweise gar selbst trainieren wollen, ist reichlich naiv. (Sebastian Reuter in der FAS über das Engagement von DFL und DFB im E-»Sport«)
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Die Deutschen geben sich plötzlich einem Lebensstil hin, wie er selbst in Mittelmeerländern undenkbar wäre. Gegrillt wird heute auch im tiefsten Winter, (…) Bankangestellte tragen kurze Hosen und Gerichtsvollzieher Ohrringe. (…) Oberstudienräte verabschieden sich mit einem lässigen »Ciao«, (…) und dank des Klimawandels wächst an der Mosel Merlot. (…) Aber sind wir deswegen lockerer, nonchalanter und unverkrampfter geworden? (Michael Herl in seiner FR-Kolumne)
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»Kritik ist der Preis, den man für Lob zahlt. Um vor Kritik vollkommen sicher zu sein, müsste man völlig angepasst, langweilig und unauffällig sein. Sobald man seinen eigenen Ton schreibt und eigene Ideen in die Welt setzt, wird man angreifbar.« (Zeit-Kolumnist Harald Martenstein in einem Interview mit Bonus, dem Magazin der Volksbanken)
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Selig übrigens auch die Zeit, in der sich Fernsehleute verbeugen, weil sie den auf die Fensterscheibe prasselnden Regen für Beifall halten. Heute verbeugen sie sich zu oft vor Quote und Klicks. (Hans Leyendecker in der SZ)
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»Diese Jüngeren begreifen nicht, dass es ihnen bald genauso ergehen wird wie den von ihnen diffamierten Älteren. Es gibt immer noch Jüngere.« (Alice Schwarzer, die von jungen Feministinnen angefeindet wird, im Welt-am-Sonntag-Interview)
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»Ich bin nicht der Ansicht, dass ich immer Recht habe. Aber womöglich irre ich mich auch in dieser Hinsicht.« (Martenstein/Bonus) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 8. Juli 2019 .
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Montagsthemen (vom 8. Juli)

Daa … dadada – Nein! Weg damit! Also: Wimbledon läuft ohne Deutsche, die Tour de France dagegen mit einigen hoffnungsvollen Talenten, sogar einem, Emanuel Buchmann, mit Ambition auf die Gesamt-Top-Ten. Unabhängig vom Sturz am Samstag. – Haben Sie mitbekommen, wie die Belgier ihren Eddy Merckx feiern? Sogar zum Baron haben sie ihn geadelt. Man stelle sich bloß vor, wir hätten Jan Ullrich ebenso behandelt wie Belgien den mehrfach gedopten »Kannibalen«. Oder wie die Spanier ihre sportmoralisch ebenbürtigen Rad-Helden. Man hätte ihn ja nicht gleich zum Grafen Ulle adeln müssen. Aber auch nicht lebenslänglich zum medialmoralischen Tod verurteilen dürfen. Am deutschen Wesen ist Ulle jedenfalls nicht genesen. – Daa … dadada. Nein, das ist kein Tusch. Nur ein lästiger Ohrwurm.
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Von gemischten Gefühlen zum Mixed-Gender-Sport. Den wird es im Fußball geben, »in vielleicht 40 oder 50 Jahren«, sagt ein US-Sozialwissenschaftler im taz-Interview voraus. Die Trennung nach Geschlechtern, mit Beginn der Pubertät üblich, sei eine »Diskriminierung« komme einer »Verbannung« gleich und liege an »hundert Jahren Patriarchat und Sexismus, was sonst?« Ist ja auch klar, denn ob Beckenbauer, Cruyff oder gar der klitzekleine Messi, die Größen des bedauerlicherweise männlich dominierten Weltfußballs seien Frauen athletisch nicht überlegen. – Das ist doch … nee, nee, ohne Kommentar. Ich springe doch nicht auf jede Sau, die durchs globale Dorf getrieben wird.
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Bei Michael Sowa, dem genialen Schweinezeichner (legendär seine Wutz, die sich sportlich in die Kurve legt), würde sie auf dem E-Scooter durch den Ort brettern. Denn da rollt was auf uns zu. Versicherungstechnisch »Elektrokleinstfahrzeuge mit Lenkstange«, vulgo E-Scooter. Bei einem Test 2018 in Portland, sinnigerweise Heimatstadt des NBA-Klubs Trail Blazers (= Bahnbrecher), gab es angeblich innerhalb von vier Monaten bei insgesamt 2000 statistisch erfassten Rollern 176 schwere und unzählige bzw. nicht gezählte leichtere Unfälle. Angeblich, denn obwohl Skeptiker der »Bahnbrecher«, kann ich diese Zahlen nicht glauben. Fast jeder Zehnte schwer verunfallt? Man stelle sich das bloß mit Auto oder Fahrrad vor.
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Wenn der E-Scooter-Hype anhält, werden die Elektrokleinstfahrzeuge mit Lenkstange noch schnell für Tokio 2020 olympisch gemacht. Abfahrt, Slalom, Riesenslalom. Kombination, Einzel- und Gesamtwertung, Kurz-, Mittel- und Langstrecke, alles divers gegendert – wer nennt die Disziplinen, zählt die Medaillen? Die sind natürlich aus Elektroschrott.
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Letzteres stimmt wirklich. Die Japaner wurden vom OK aufgerufen, alte Handys zu spenden, aus deren Innereien die Medaillen gepresst werden sollen. Wieder einmal eine publicityträchtige »gute« Sache, die nichts kostet, nichts bringt und das wahre Problem verniedlicht und versimpelt. Warum gibt es so viele alte Handys? Weil es so viele überflüssige neue gibt, die unwesentlich mehr können als die »alten«, meist nur Schnickschnack, aber immer »Musthaves«, um mal ein Mich-schüttelt’s-Wort aus dem neuen Wörterbuch des digitalen Unmenschen aufzugreifen. Dolf Sternberger reloaded (für Nachgeborene: bitte googeln).
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Boris wird so schnell nicht vergessen werden wie Dolf. In diesen Tagen kommt » Boris Beckers Nippes« (FAS-Schlagzeile) unter den Hammer. Ich hab’s schon mal erwähnt, auch dass getragene Schweißbänder und Socken dabei sind, was empfindsame Leser angeekelt hat (dafür noch mal sorry). Voriges Jahr konnte »Borsi« (mein alter Tippfehler) die Versteigerung noch verhindern, wegen Immunität als Botschafter der Zentralafrikanischen Republik, was nicht zutraf, aber für Beckers Humor spricht. Da bei der Auktion nur Peanuts zu erwarten sind, muss B. B. weiter hart arbeiten, derzeit in seiner überzeugendsten Rolle als mitkommentierender Kompetenz-Gigant bei der BBC. Mittlerweile wird auch eine neue Frau an seiner Seite gesichtet, was mir die Gelegenheit gibt, mein altes Handy …quatsch, meine alte Eselsbrücke zum korrekten Gebrauch von Gleiches/Selbes zu recyceln: Fritz Walter hat sein ganzes Leben lang dieselbe Frau geliebt, seine Italia, Boris Becker dagegen vom Typ her immer die gleiche. – Daa … dadada
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Joao Gilberto ist gestorben, mit 88 und verarmt, lese ich gestern. Der »Vater des Bossa Nova«. Schon begann es in mir zu summen … Daa … dadada – »The Girl from Ipanema« von Gilbertos Frau Astrud. Ein magisches Lied Baujahr 1963, leicht, lässig, locker, leise, einmal im Kopf, will es nicht mehr raus.
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Wer hat den Bossa Nova in Deutschland bekannt gemacht? Wäre eine nette Frage für »Was bin ich?«, aber viel zu einfach. »Schuld war nur der Bossa Nova« von Manuela. Sehr deutsch, drei Mal so laut, aber ebenfalls ein Ohrwurm.
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Zu guter Letzt die Schlagzeile der FR zum 75. Geburtstag von Jürgen Grabowski: »Der Grabi war besser wie ich« – Worte einer weiteren Eintracht-Legende,  Bernd Hölzenbein, von der FR auf die Schippe genommen als »im besten Hessisch«. Falsch, liebe Kollegen! Im besten Hessisch heißt das »als wie ich«.
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Daa … dadada …dadaa …dadada…dadaa…dadada…dadaa… (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 7. Juli 2019 .
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