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Die wahre Hoch-Zeit (“Anstoß” vom 22. Mai)

Wenn verrückte Wünsche in Erfüllung gehen, gibt es tatsächlich das »Eintel für beide« (»Sport-Stammtisch« vom Samstag). Wen interessierte noch die Hochzeit in London, als fünf Stunden später in Berlin die wahre Hoch-Zeit gefeiert wurde! Sportchef Fredi Bobic nannte die Pokal-Sensation ein »epochales« Ereignis – fast eine Untertreibung, zumindest aus Frankfurter Sicht, denn dieser Freudenvulkan, der am Samstag ausbrach, wird bei den Fans noch lange nachbeben und sie immer wieder in lustvolle Wallung bringen.
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chhEin Blick zurück und auf ein altes Bild im Fotoalbum macht die historische Dimension deutlich: Ein Bub im damals aktuellen Eintracht-Trikot, frühe 90er Jahre im alten Waldstadion. Vom Papa mit dem Eintracht-Bazillus infiziert, seitdem unheilbarer Fan mit dem Adler im Herzen. Kurz danach kam Heynckes und mit ihm die erste Talfahrt des Schreckens.  Jahrzehnte vergingen, mittlerweile ist der Bub 35 und selbst Papa. Der Pfingstsamstag 2018 muss ihn für alle Enttäuschungen seines Eintracht-Lebens entschädigt haben.
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Verdient oder unverdient? Müßige Frage, weil egal; und, alte hessische Weisheit, egal is en Handkäs. Eine Frankfurter Eintracht kann, nüchtern betrachtet, nicht rein fußballsportlich »verdient« gegen die übermächtigen Bayern gewinnen, sondern nur mit Herz, Kopf, Kampf und viel Glück. Aber das Glück hat sie sich verdient. Mit einem Kovac, der die bessere Spielidee hatte als Heynckes. Die Bayern dagegen schienen gar keine zu haben, falls doch, ist sie bei den Spielern nicht angekommen.
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Dritter und entscheidender Knackpunkt (zu den beiden ersten später): das Foul von Prince Boateng. Elfmeterreif, keine Frage. Aber hätte Zwayer den Strafstoß unbedingt geben müssen? In letzter Minute ein Spiel kippen, wegen eines erkennbar unbeabsichtigten Fouls und ebenso erkennbarer Theatralik des Gefoulten? Wieder und wieder, schon länger, als der Bub Eintracht-Fan ist, habe ich die »Video-Hilfe« beschrieben als einzig sinnvolle Form des sogenannten Video-Beweises, der die Schiedsrichter in der vermasselten Testphase enteiert statt gestärkt hat. Und jetzt, leider zu Lasten der Bayern, erlebt sie ihre Premiere in Reinkultur: Heikle Szene, Schieri sieht sie sich noch einmal an – und entscheidet nach eigenem Ermessen und Fingerspitzengefühl, denn er hat die Oberhoheit auf dem Platz. So soll es sein. Ich weiß, dass ich diese Meinung ziemlich exklusiv habe. Aber so hätte ich auch im umgekehrten Fall argumentiert. Nur nicht ganz so freudig …
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Erster Knackpunkt: Boatengs superspielintelligenter Sensationspass auf Rebic zum 1:0. Zweiter, ein noch härterer Wirkungstreffer, als Rebic vor dem 2:1 Hummels stehen ließ. Wäre Hummels schneller, spritziger, ich hielte ihn für den besten Innenverteidiger der Welt; so aber, obwohl mit Köpfchen, Stellungsspiel und Routine das Manko bekämpfend, wird er mit zunehmendem Alter, in dem man bekanntlich nicht schneller wird, auch zunehmend zum Sicherheitsrisiko. Dazu ein schwächelnder Kimmich, Jerome Boateng verletzt und fraglich, Neuer ohne Spielpraxis, Müller auch nicht mehr der alte freigeistige Quirl – kein gutes Omen für die WM.
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Oder doch? 1954 verlor der 1. FC Kaiserslautern, der FC Bayern seiner Zeit, das deutsche Endspiel gegen Hannover 96 mit 1:5, mit fünf späteren Weltmeistern (Fritz und Ottmar Walter, Kohlmeyer, Eckel, Liebrich). Danach gab es Diskussionen, was Herberger mit den gedemütigten Verlierern bei der WM überhaupt wolle. – Wiederholung erlaubt.
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Die Bayern seien schlechte Verlierer gewesen, heißt es mehrheitlich, aber mit wenig Empathie. Ich habe Verständnis für die Enttäuschten. Spalier stehende Bayern, die dem Sieger traurig, aber sportlich fair applaudieren, das wäre zwar eine große sportliche Geste gewesen, aber diese Bayern-Generation – auch wenn es jetzt süffisant klingt, es ist ernst gemeint – weiß ja gar nicht mehr, wie man sich in einer solchen Situation verhält. In nationalen Endspielen mussten in den letzten Jahren immer die anderen Spalier stehen, in internationale Endspiele sind sie erst gar nicht gekommen. Jetzt wissen sie es. Und könnten nächstes Jahr Spalier stehen. Aber dann holen sie das Triple. Als ausgleichende Gerechtigkeit.
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Pfingsten pfing ja schon gut an … meinen uralten Kalauer wollte ich eigentlich in Frieden ruhen lassen, aber so gut wie diesmal fing Fingsten wirklich noch nie an. Epochal! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 21. Mai 2018 .
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Sport-Stammtisch (vom 19. Mai)

Wir warten aufs Finale. Hessisches Motto: Eintel für beide! Unrealistisch? Ja, klar, da ist der Wunsch der Opa des Gedankens – aber nicht ganz weit weg von der gefühlsbeherrschten Fußball-Welt, wenn ein enttäuscht angeknackster Favorit eine Pflichtübung abarbeiten muss und auf einen fröhlichen Außenseiter trifft, der mit Schwung und Freude einen Festtag feiert.
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Danach geht Niko Kovac, es kommt Adi Hütter. Nur in Fachkreisen bekannt (mir also nicht), aber schon heiß diskutiert. Doch wer jetzt schon eine Meinung zu Hütter hat, hat eine Meinung zu viel.
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Bekannter als Hütter ist der Verein, von dem er kommt. Schon als Junge faszinierte mich der ungewöhnliche Name: Young Boys. Solche Rätsel löst heute Wikipedia mit einem Klick: In Bern gastierten 1898 die Old Boys Basel. Einige Gymnasiasten waren begeistert, gründeten einen eigenen Klub, eben die Young Boys Bern.
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Auch die Old Boys waren zuvor Young Boys. Als Baseler Schüler nach der Matura naturgemäß nicht mehr im Schulteam mitkicken durften, gründeten sie einen Verein und nannten ihn, weil sie nun ja schon groß waren, FC Old Boys Basel.
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Dass Hütter aus Bern nach Frankfurt kommt, nehmen wir als gutes Omen. Die Young Boys spielen im Stade de Suisse auf dem heiligen »deutschen« Boden des Wankdorf-Stadions. Andere Omen vergessen wir lieber. Auch Gernot Rohr und Martin Andermatt stehen in der Berner Trainerliste, Namen, an die man sich in Frankfurt nicht übermäßig gerne erinnert.
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Aber endlich zum Aufreger der Woche. Özil, na ja, aber Gündogan ist doch ein schlauer Junge! Bisher dachte man, er sei auch ein kluger Junge. Wo waren die Berater!? Das PR-Desaster trägt ihre Unterschrift. Was machen sie eigentlich, außer Klubs und (eigene) Spieler abzuzocken? Sie drehen am Wechsel-Karussell, weil jeder neue Vertrag neue Kohle bringt. Sind sie nur Karten-Abreißer am Kirmes-Karussell? Einige sehen auch so aus.
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Aus der FAZ erfahre ich, dass Erkut Sögüt der Berater von Özil und Gündogan ist. Sögüt arbeitet auch für das ARP-Sportmarketing. Der Chef dort heißt Harun Arslan. Er ist der Berater von Bundestrainer Löw. Gündogan übrigens soll in ein großes Bauprojekt in der Türkei investieren, da schaden gute Beziehungen zu Erdogan nicht. Das alles nur nebenbei.
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Emre Can, der Frankfurter Bub aus Liverpool mit türkischen Wurzeln, hat das Ansinnen der Erdogan-PR-Truppe abgelehnt. Leider kam er verletzungsbedingt nicht für eine WM-Nominierung in Frage. Löw sollte ihn honoris causa mitnehmen.
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Sandro Wagner war ihm wohl nicht honorig genug. Petersen statt Wagner, das ist zwar sportlich »gehuppt wie gesprunge«, aber typisch Löw. Er bevorzugt Mamas liebste Schwiegersöhne. Wilde Kerle von der Gass’ bleiben draußen. Der arme Sandro. Hatte doch schon soo viel Kreide gefressen!
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Noch’n Aufreger, ähnlich dämlich wie der doppelte Kotau vor Erdogan: Die Russen wollten dem ARD-Dopingjournalisten Seppelt das WM-Visum verweigern. Ich kann die Wut der Russen zwar nachvollziehen, aber Seppelt derart aufzuwerten, war nur … dämlich. Hätte er bei einer bösen Fee einen Wunsch frei gehabt, er hätte gebittet und gebettelt: Lass sie mir das Visum verweigern!
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Die Russen sind für uns die idealen Prügelknaben. So schuldig wie alle anderen, aber ihre Schuld ist – anscheinend? scheinbar? – beweisbar. Nur: Der Kronzeuge, einer der schlimmsten und verantwortlichsten russischen Doping-Drahtzieher, ist ein Überläufer, ein Verräter, der alles daran setzt, seine alten Freunde noch mieser zu machen, als sie sind, um den neuen Freunden so viele Gefallen wie möglich zu machen. Je mehr einer weiß, desto mehr kann er einem weismachen. Interessant auch, dass das Russengift von London, wie jetzt bekannt wurde, schon seit den 90er Jahren  im Westen kursierte … ach, was geht mich das an. Ich schreibe nur eine Sportkolumne.
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Und am liebsten Randnotizen abseits des großen Sports. Kleine Radrundfahrt in der Region. In einem Dorf steht ein Junge, etwa acht Jahre alt, auf einer Steinsäule, die ungefähr eineinhalb Meter hoch ist. Vor ihm der Papa, der seinen Bub offenbar hochgehoben hat und fotografieren will. Der Junge dort oben hat Angst, kneift sich mit den Händen sein Pipi zusammen, um nicht in die Hose zu machen. Der Papa denkt nur an das Foto-Motiv. Er wird die Szene schnell vergessen. Der Junge nie.
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Jetzt aber Schluss. Ich muss zur Demo. Gegen Antisemitismus und Islamhass. Die Kippa ist schon gebastelt, das Kopftuch meiner Mutter aus dem Gerümpel auf dem Dachboden herausgekramt. Kippa auf und Kopftuch umbinden? Dann geht eine Botschaft verloren. Also die Kippa aufs Kopftuch heften. Ich meine es doch nur gut! (gw)
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Veröffentlicht von gw am 18. Mai 2018 .
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Eigentlich kann ich … (“Wer bin ich?” vom 17. Mai)

Überschwänglich begrüßten mich die Menschen, als ich von den Olympischen Spielen zurück kam, bei denen ich die Goldmedaille in einer Kernsportart gewonnen und dabei sogar einen Weltrekord aufgestellt hatte. Verblüfft sah ich vor dem Bahnhof meiner Heimatstadt in die jubelnde Menschenmenge. Die sind alle wegen mir gekommen? Ich konnte es nicht glauben.
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Es schien mir unwirklich. Alle wussten, dass ich Olympiasieger geworden war, aber ich kam nicht in Feierlaune. So ähnlich muss es den Münchner Bayern bei ihren Meisterfeiern gehen, wenn sie gerade erst kurz zuvor aus dem Europapokal ausgeschieden sind. Sie wissen, es gibt nichts zu feiern, aber alle erwarten von ihnen, dass sie ausgelassen feiern und glücklich sind.
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Ein Mädchen kam auf mich zu, ein Käfer krabbelte über ihre Wange, ich strich ihn ihr weg, sie hängte mir ein buntes Band um, auf dem stand: »Dem olympischen Sieger.« Mir also. Tatsächlich. Ich konnte es zwar immer noch nicht glauben, aber die Tatsache selbst war unzweifelhaft. Wahrscheinlich ging es mir wie denen, die in späteren Jahren ungläubig stammeln sollten, dass sie »das alles erst in einigen Wochen realisieren« könnten.
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Eine schwere Limousine fuhr vor, ich wurde hineingedrängt, auch der Bürgermeister fuhr mit. Als wir im Festsaal eines Schlosses ankamen, sang ein Chor, alle erhoben sich, Sprechchöre ertönten, sogar ein Minister gab mir die Ehre – das volle Programm.
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Ich schaute mich um. Rechts neben mir saß die dralle Frau des Bürgermeisters, mir gegenüber ein dicker Mann mit bleichem Gesicht, neben ihm zwei junge schöne blonde, albern gickelnde Mädchen. Komisch kam mir vor, dass einige der Festgäste mit dem Rücken zum Tisch saßen, so ähnlich wie beim Mainzer Fernsehkarneval, wenn sich die Promis auf ihrer Bank zum Büttenredner hin wenden. Ich lächelte die Mädchen an und zeigte auf die Rücken, doch da schwiegen sie plötzlich und lächelten geheimnisvoll zurück.
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Ein Gong ertönte, der Dicke stand auf und räusperte sich. Aha, der Festredner! Wohl nervös, daher so bleich. Ein Politiker? Verbandsmensch? Ich hörte ihm kaum zu, verstand kein Wort, denn ich war fasziniert von seinem fahlen, weißen, teigigen Gesicht. Immer wieder zog er ein Taschentuch hervor und wischte sich den Schweiß ab. Aber nur scheinbar. Denn ich beobachtete ihn genau und sah, dass er sich nicht den Schweiß, sondern Tränen abwischte. Ein quälender Prozess. Es berührte mich sonderbar, dass ein erwachsener Mann, offenbar ein wichtiger Mensch, vor Rührung weinte, nur weil ich Olympiasieger geworden bin.
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Als er fertig war, stand ich auf und hielt ebenfalls eine Rede. Es drängte mich dazu, denn ich wollte unbedingt etwas aufklären. »Liebe Gäste, ich weiß, dass ich Olympiasieger geworden bin, dass ich einen Weltrekord aufgestellt habe, aber wie ich das geschafft habe, weiß ich immer noch nicht. Mir geht ständig durch den Kopf, wie alles angefangen hat, wie es dazu kam, dass mich mein Heimatland zur Olympiade geschickt hat und warum ich jetzt in einem Land geehrt werde, das nicht mein Heimatland ist. Es ist im Wortsinn unfassbar. Der nackte Wahnsinn! Denn eigentlich kann ich …«
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Tja, was kann er eigentlich? Und in welchem Sport? Das ist die erste Frage. Die zweite: Wem hat er die Ehrung zu verdanken, wer hat ihn zum Olympiasieg geführt? Wer beides weiß, gewinnt keine olympische Goldmedaille, stellt keinen Weltrekord auf, sondern sammelt zwei WBI-Punkte. Aber nur, wenn er sich beeilt. Die Olympianorm für die Teilnahme muss bis Montag (21. Mai) erfüllt sein.  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 16. Mai 2018 .
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Ohne weitere Worte (vom 15. Mai)

Gute Nachrichten aus der Zentralafrikanischen Republik gibt es nicht so oft. (…) Weshalb tatsächlich das Beste, was in den letzten Wochen von dort zu hören war, folgende Überschrift trägt: »Boris Becker zum Sport-Attaché der Zentralafrikanischen Republik ernannt.« (Christoph Becker in der »Schluss für heute«-Kolumne der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)

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Als Nationaltrainer des Libanon hätten Sie sich beinahe für die WM 2014 in Brasilien qualifiziert. Doch dann verloren Sie zweimal gegen Katar. – »Wir haben nicht verloren. Unsere Spieler haben diese beiden Spiele an ein asiatisches Syndikat verkauft.« (»Trainervagabund« Theo Bückers im taz-Interview)

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Wenn da nicht die anderen Nachrichten aus der Zentralafrikanischen Republik wären. In denen geht es (…) um Mord, Totschlag, brandschatzende Warlords und ein Land an der Schwelle zum Bürgerkrieg. (Becker/FAS)

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»Es ist leichter, Jasager zu bekommen, als sie loszuwerden. (Kevin Prince Boateng im Spiegel-Interview über falsche Freunde)

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»Unvorbereitet neben einem Mann wie Jürgen Klopp zu stehen, kann unangenehm werden. Er ist nicht nur ein exzellenter Trainer, sondern auch ein Medienprofi, da muss man mit allem rechnen.« (Thomas Hitzlsperger, neuer »Hauptexperte« der ARD, im Interview der Süddeutschen Zeitung)

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»Ja, ich war ein Bad Boy. (…) Ich fand das sogar cool, aber jetzt bin ich ein erwachsener Mann, dem es wichtig ist, dass sein Sohn kein Bad Boy wird.« (Boateng/Spiegel)

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Dann schwärmen die jungen Trainer darüber, wie oft sie ihr System umgestellt haben. (…) Mir selbst steht dabei zu sehr im Vordergrund, dass die Spieler gegen den Ball arbeiten sollen und nicht mit ihm. (Fritz von Thurn und Taxis in einem Gastbeitrag für die SZ)

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»Ich war nie der Beste in der Schule, aber ich habe Straßenintelligenz. Ich habe das umgewandelt in Intelligenz, um mein besseres Ich zu finden.Und deswegen bin ich stolz auf mich.« (Boateng/Spiegel)

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»Thomas Müller, Mats Hummel und Oliver Bierhoff zum Beispiel kennen sich aus. Die haben klare Geschmacksdifferenzierungen und verstehen die Technik in der Küche. Die kommen schon mal zu mir und wollen wissen: Warum hast du den Kabeljau in Olivenöl konfiert?« (Anton Schmaus, Koch der Fußball-Nationalmannschaft, im SZ-Interview)

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»Ich kann nicht verlieren. Wenn ich jogge und es überholt mich jemand, dann ist das fast wie eine Niederlage für mich. Einmal, beim Laufen im Central Park in New York, überholte mich eine Läuferin mit einem Jogger-Dreirad-Kinderwagen. Ich konnte es nicht fassen.« (Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, 75, Arzt des FC Bayern und der Nationalmannschaft, im Zeit-Interview)

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Er »hasse« Angela Merkel, hat Karl Lagerfeld gerade gesagt. Nur: Wen verabscheut er eigentlich nicht? (Auftakt zu einer Lagerfeld-Zitatensammlung in der Süddeutschen Zeitung)

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»Komiker haben komischerweise wenig Groupies. Groupies lieben anscheinend den heiligen Ernst der großen Popstars: Jim Morrison oder Kurt Cobain beispielsweise. Mir fehlt die tragische Botschaft, das Messianische. Mit mir sitzt man an der Bar, aufs Zimmer geht man mit anderen.« (Otto Waalkes im SZ-Interview)

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»Wenn ich Russin wäre, wäre ich lesbisch.« (Lagerfeld/SZ über russische Männer)

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»Ein Selfie ist elektronische Masturbation.« (Lagerfeld/SZ)

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Quotenhumor ist selten komisch., das ist sein Nachteil. Wenn der Fernsehkabarettist eine Humorbombe zündet, hat der Humor-TÜV zuvor sichergestellt, dass sie garantiert in pädagogischer Absicht explodiert. (Jan Fleischhauer in seiner Spiegel-Kolumne »Der schwarze Kanal«).

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»Ich misstraue kleinen Männern. Sie sind von allen die boshaftesten, verbittertsten, nachtragendsten, die es gibt.« (Lagerfeld/SZ)

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Die Deutschlandfahne ist ein trauriger Euphoriefetzen für Einfältige. (»Die steile These« in der taz)

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»Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.« (Lagerfeld/SZ)  (gw) * (www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 14. Mai 2018 .
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Montagsthemen (vom 14. Mai)

Dass Durchstechen des Kovac-Wechsels, seit dem Frankfurt schwächelte, der gedrosselte Siegeswille gegen Stuttgart – die Bayern arbeiten an ihren »Sympathie«werten in Frankfurt. Ganz anders Schalke, dem widerwillig Respekt gezollt werden muss. Hätte Stuttgart dort gespielt, hätte, hätte … wäre Fahrradkette.
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Also, siehe »Sport-Stammtisch« vom Samstag, statt Wonne (6.) oder Schleudersitz (7.) die Tonne für Platz acht. Nächste Woche, Brüder, doch noch zur Sonne, zur Wonne? Aber ob die Bayern ausgerechnet im Pokalfinale den Tempomat auf »Stuttgart« stellen? Fürs »Eintel«?
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Eintracht Frankfurt würde sofort die Tüttelchen ihrer Bayern-»Sympathie« ersatzlos streichen. Geht ja schnell mit der Sympathie. Deutschlandweit hatte der HSV monate-, ja jahrelang ganz miese Werte, jetzt steigt er »endlich« ab, und das sportlich beeindruckende letzte Aufbäumen steilt sofort die Sympathiekurve an. Come back!
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Für seine Idioten kann der HSV nichts. Diese Pickel plagen jeden Klub. Ekelhaft, wenn die Eiterbeulen platzen. Was geht bloß in den Köpfen vor? Beginnend mit dem schwachsinnigen »Wir woll’n euch kämpfen seh’n«, fortgesetzt mit dem auch grammatisch bedenklichen »Wir sind … , ihr nicht« bis hin zu todernsten Todesdrohungen. Sie fühlen sich persönlich beleidigt, wenn ihr Klub absteigt. Weil Versager auf ihn ihre Gewinner-Fantasien projizieren? Allmachtswahn der Armseligen?
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Unbestritten bleibt, dass die sportliche Attraktivität der Liga schwindet. Also, so die Logik, müssen wenigstens die Zuschauerzahlen wachsen, um geldwerte Rekorde vorweisen zu können.  Die DFL verknackt daher Holstein Kiel im Fall der Aufstiegsfälle zu 34 Auswärtsspielen. Unendliches Wachstum, dieser Fetisch von schnöselbürschlingsglatten Flachseelen des Neo-Liberalismus, zeigt sich im Profifußball idealtypisch, weil unverschämt und unverfälscht.
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Bis die Blase platzt. Beziehungsweise die Raupe. Wenn sie von Baculoviren befallen wird, muss sie als Zombie-Raupe in einen Baumwipfel krabbeln und fressen, fressen, fressen. Dann platzt ihr Körper, ein Baculoviren-Platzregen fällt nieder und infiziert neue Opfer. – Die Raupe Nimmersatt und das Dogma Wachstum. Nicht fußballendemisch, sondern globalisiert epidemisch.
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Bevor »Hoppenheim«-Verächter falschen Beifall klatschen: Der Hopp-Klub passt nicht in dieses Raster. Nicht nur wegen des Milliardärs, der Mäzen im besten Sinne ist, auch wegen des attraktiven Fußballs, den Hoffenheim spielt, den attraktivsten der Liga (außer Bayern und BVB in bester Spiellaune). Womit Julian Nagelsmann die These vom grundsätzlich langweiligen Fußball und dessen blass verkopften Laptop-Trainern gleich doppelt widerlegt.
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Auch Jerome-Bruder Kevin widerlegt, aber sich selbst. In einem Spiegel-Interview sagt Boateng intelligente Sätze, betont seinen Wandel vom »Bad Boy« zum abgeklärten Prince, bis er auf Jürgen Klopp zu sprechen kommt, für ihn »der beste Trainer, mit dem ich zusammengearbeitet habe«. Der habe sich aber doch, so der Spiegel, »über Sie lustig gemacht, als Sie einmal mit froschgrünen Fußballschuhen kamen.« Boateng: »Ja, er meinte da nur: ›Zeig mal her die Schuhe.‹ Dann hat er gefurzt und meinte nur: ›Geil, deine Schuhe machen ja auch Geräusche.‹« – Doch nicht intelligent? Oder doch noch Bad Boy? Will er Klopp, in Lob verpackt, einen reinwürgen? Das ist ihm gelungen. Denn Boateng muss wissen, dass so etwas (ob es stimmt oder nicht) in Klopps Kleidern hängen bleiben wird. Wie ein übler Geruch. Salomon der Weise spricht, … solche Worte in der Kabine müssen in der Kabine bleiben.
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Auch ich muss mich widerlegen (lassen). Am Samstag habe ich behauptet, Didi Hamann sei als Nauheim-Fan schon bei Heimspielen gesichtet worden. Doch »ich muss mal ausnahmsweise den Anstoß korrigieren. Didi war noch nicht in Bad Nauheim, sondern nur in Kaufbeuren bei einem Spiel der Teufel. Er hat sich angesagt für einem Besuch in Bad Nauheim. Wenn es soweit ist, gebe ich Info mit eventuellem Fotobeweis.« (Andreas Kautz/Danke!)
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Und da wäre noch Jessica Kastrop, Hamanns Sky-Kollegin, die ich einmal hochachtungsvoll mit Monica Lierhaus verglichen habe, der Unerreichten. Kastrops neue Liebe scheint ein Gedicht von einem Mann zu sein, denn im Bunte-Interview sagt sie: »Manchmal, wenn ich aufwache, liegt ein Gedicht neben meinem Bett, wie wunderschön ist das denn?«
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Ehrliche Antwort: überhaupt nicht. Denn da stellen sich meine Nackenhaare allergisch auf. Nicht, weil das Gedicht (von einem Mann?) neben und nicht in ihrem Bett liegt. Männer springen nun mal ab wie die Tiger und landen als Bettvorleger. Mich schüttelt’s nur wegen des beknackt verdeutschten Anglizismus »Wie … ist das denn«, meist mit »geil« zusätzlich verunstaltet. Wie blöd ist das denn? (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 13. Mai 2018 .
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Baumhausbeichte - Novelle