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Sport-Stammtisch (vom 4. Februar)

Der Sport reagiert wortreich hilflos: Die Tragödie im Stadion von Port Said ist »absolut inakzeptabel«, verletzt wurden »Grundwerte des Fußballs«. Unter den Binsen, die von FIFA und Co. gebündelt werden, darf auch die Realsatire nicht fehlen: »Das hat mit Fußball nichts mehr zu tun.« Stimmt. In der binsigsten aller Binsen steckt diesmal so viel Wahrheit wie nie.
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Als »Bild« exklusiv über Rudi Assauers Alzheimer-Erkrankung berichtete, konnte man zunächst vermuten, das Blatt sei wieder einmal indiskret und unseriös vorgeprescht. Doch schnell stellte sich heraus, dass es der offenbar geplante und abgesprochene Start einer seit Monaten vorbereiteten Medien-Kampagne war: Interviews, Aufmacher-Artikel, Titelfotos, Langzeit-Reportagen, und natürlich darf auch die gedruckte Biografie dazu nicht fehlen, ein programmierter Bestseller, der in den Verkaufslisten an den Burn-out-Büchern vorbeischießen wird.
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Assauer hat der Veröffentlichung zugestimmt, um den Gerüchten über Alkoholimus entgegenzutreten, denn auch exzessives Trinken kann auf Dauer im Gehirn ähnliche Schäden anrichten. Wir erinnern uns an Bubi Scholz, auch an Harald Juhnke. Aber Assauers Alzheimer ist ein medizinisches, Port Said ein politisches Thema, also nichts für uns Laien aus dem Sport.
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Auch in der Bewertung der Erfurter Affäre um UV-behandeltes Blut empfiehlt sich Zurückhaltung, sogar jenem, der glaubt, einigermaßen dopingfachkundig zu sein (hier schreibt so einer). Noch zu undurchsichtig das Ganze, zu viele gegensätzliche Interessen im Spiel. Knackpunkt dürfte sein, wann die UV-Behandlung von Eigenblut offiziell als Doping eingestuft wurde. Hoffentlich schreiben übereifrige Doping-Schupos heute nicht wieder, wie damals im Clenbuterol-Fall Krabbe, ein Knöllchen wegen Falschparkens und stellen erst morgen das Parkverbotsschild dazu auf. Dass es, wenn es tatsächlich um Doping gehen sollte, nicht um Doping geht, sondern um Verschleierung von Doping, wodurch es aber (natürlich zu Recht) dann doch um Doping geht, würde hier schon viel zu weit führen und nicht nur die liebste Zielgruppe sträflich langweilen.
Daher jetzt endlich zum wahren Thema der Woche: »Kälte-Schock« (»Bild« gestern). Wieso ist’s bloß so unfassbar kalt? Eine Ahnung kriecht mit klammen Fingern von den eiskalten Füßen hinauf ins froststarre Hirn: Vielleicht, weil Winter ist?
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Dass derzeit mehr als zehn Prozent aller Deutschen unter dem »Winter-Blues« leiden, liegt nicht, wie früher angenommen, am Lichtmangel (so viel Licht wie in diesen Sonne-Kälte-Tagen gab’s ja im ganzen letzten Sommer nicht), sondern daran, dass Winterdepressive einen empfindlichen Geruchssinn haben und daher jetzt unter Duftmangel leiden. Herausgefunden hat es ein US-Psychologe, als eine Patientin sofort von ihrer winterlichen Ehedepression genas, als tauender Boden den Duft faulender Blätter freigab.
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»Ihre Hinteransicht: samtig glatt wie bei einer 20-Jährigen. Cox’ Geheimnis: ›Ich mache viele Kniebeugen!‹« Schreibt »Bild« unter das Foto einer US-Schauspielerin und bestätigt damit einen uralten (von 1985) und immer noch brandaktuellen Geheimtipp unserer Kolumne: »Wie kriegt man den knackigsten Po? Tiefe Kniebeugen mit der schweren Langhantel auf dem Buckel. Ein Mörderprogramm. Aber am wirkungsvollsten. Doch jeder, der kein erfahrener Kraftsportler ist und dem seine Gesundheit, in diesem Fall vor allem die Wirbelsäule, lieb ist, sollte die Finger davon lassen. Für den zwar nur kleinen, aber auf lange Sicht auch noch sehr schönen Po-Erfolg empfehlen sich gaaanz langsame (für Kenner: isokinetische) tiefe Kniebeugen ohne Hantel.« – Kann jede für sich zu Hause machen, täglich ein Viertelstündchen. – Motto: Ein Po wie (J.) Lo.
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Oder wie Lo’s? Könnte in der »Süddeutschen« stehen, die den neuen Dietl-Film »Zettl« fürchterlich verrissen hat (wie praktisch alle anderen Zeitungen auch). Vielleicht zu Recht. Kenne den Film nicht. Aber die Überschrift! »Dietl’s Albtraum« – der Deppen-Apostroph ausgerechnet im Verriss, ausgerechnet im »klugen« Kultur-Ressort, wie peinlich!
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Oder? Die SZ könnte sich auf Paragraph 97 der Rechtschreibordnung berufen, die den Deppen-Apostroph erlaubt. Sie lasen also Gerd’s Sport-Stammtisch beziehungsweise den wo ist vom (gw’s)

Veröffentlicht von gw am 3. Februar 2012 .
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Ein neuer alter Hut (vom 1. Februar)

Niemand glaubt noch, dass die Quadratur des Kreises gelingen oder das Perpetuum mobile gefunden wird. Aber fast im Jahrestakt werden neue Zauberformeln aus dem Zylinder gezogen, die den Fitnesswundergläubigen in die wie magisch anziehende Falle tappen lassen, mit minimalem Aufwand maximale Wirkung erzielen zu können. Doch die aus dem Zylinder gezogenen Kaninchen sind nur alte Hüte. Wenn man den Zauberern genau auf die Finger schaut, erkennt man das wahre Kunststück: Die jeweils neue Zauberformel verwandelt sich über das Kaninchen und den Hut in einen neuen Schlauch, in dem alter Wein ruht. Und in vino veritas.
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Der neueste Hit ist der bisher älteste Hut: »Endurex«, gerade erst im »Wissen«-Ressort der »Zeit« enthusiastisch vorgestellt: »Hier hat man ihn vielleicht gefunden, den Stein der sportwissenschaftlichen Weisen – die Formel, die schon Hunderte Ratgeberautoren und Pillenhersteller versprochen und nicht geliefert haben: kurzes Training = große Wirkung auf Kraft und Ausdauer.«
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Da haben wir es wieder: Minimaler Aufwand, maximale Wirkung, verbunden mit dem Bekenntnis, dass der Hokuspokus zuvor jeweils nur fauler Zauber war. Wie zuletzt das 2010 im »Spiegel« vorgestellte Intervalltraining, das »doppelt so wirksam wie ein normales Workout« sei: »Schon weniger als eine Stunde pro Woche zeitigt offenbar den gleichen Effekt wie die Quälerei jeden zweiten, dritten Tag beim Joggen oder Fahrradfahren.« Doch dieses »brandneue« Intervalltraining war in den 50er Jahren das Normaltraining der Mittel- und Langstreckenläufer (mit Varianten wie dem – schönes altmodisches Wort – »Fahrtspiel«), und erst, als das Intervalltraining seine Hauptrolle an das stete und sehr lange Laufen verlor, kam es im Ausdauersport zu einem Leistungs-Quantensprung. Mittlerweile sind die Trainingssysteme im Hochleistungssport hochkompliziert, auch in Intervallen wird trainiert, doch Gelegenheitsjoggern ist von der Nachahmung wegen Verletzungs- und Gesundheitsrisiken dringend abzuraten.
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Ein Jahr zuvor hatte der »Spiegel« einen anderen »HIT« (»Hochintensitätstraining«) als »Turbo-Trainingsmethode« angepriesen, die, na klar, »bei minimalem Zeitaufwand rasanten Muskelzuwachs« verspreche. Doch auch dieser Hit war ein Oldie, basierend auf dem guten alten Pyramidensystem, also, vereinfacht ausgedrückt, mit steigenden Gewichten bei sinkender Wiederholungszahl zu trainieren, bei einmaligem Heben des maximal möglichen Gewichts als Pyramidenspitze. Die so antrainierten Muskeln sehen nicht nur stark aus, sondern sind es auch, im Gegensatz zu denen, die durch typisches Bodybuilding (sehr viele Wiederholungen im sehr submaximalen Bereich) erworben werden.
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Und nun also »Endurex«. Ein »Zeit«-Redakteur macht den Selbstversuch: »Meine Beine sind abgebunden. In ihnen fließt kein Blut mehr, es steht still. Druckmanschetten um die Oberschenkel halten es zurück.« Aha, der neueste Hit ist also ein doppelt alter Hut, denn er basiert nicht nur, wie die Erfinder sogar zugeben, auf dem »HIT« (siehe oben), sondern letztlich auf dem »Flushing« (Blutzufluss), das schon V. M. Zaciorskij in den 60er Jahren in seinem trainingswissenschaftlichen Standardwerk »Die körperlichen Eigenschaften des Sportlers« beschrieben hat. Zaciorskij ging von der noch viel älteren muskelphysiologischen Regel aus, dass es schon bei 25-prozentiger Anspannung zu einer kompletten Gefäßkompression kommt – auch ohne Druckmanschette. Denn dann ist die Blutzufuhr unterbrochen, der Muskel arbeitet anaerob, und je länger er das tut (die maximale Anspannungszeit wird physiologisch durch die Maximalkraft bestimmt), desto mehr schmerzt das »Flushing«, wenn das Blut wieder zurück fließt. Und je mehr es »flusht«, desto größer ist der Trainingseffekt (warum und wieso, würde hier zu weit führen, es hat mit biochemischen Prozessen zu tun).
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Das Naturgesetz des Trainings verheißt keine wundersamen HITs, mit wenig Training viel Erfolg zu haben, sondern verlangt unerbittlich für auch nur kleine Erfolge größtmögliche Anstrengung. Wer anderes verspricht, ist ein Scharlatan. Also, was tun? Was tun!
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Warum aber werden immer wieder neue Zauberformeln aus dem Hut gezogen? Weil es, und nun sei es zugegeben, dennoch möglich ist, mit minimalem Aufwand maximalen Erfolg zu haben. Wichtigster Hinweis im »Endurex«-Artikel der »Zeit«: Eine Trainingseinheit (zwischen 15 und 45 Minuten) kostet 100 Euro. (gw)

Veröffentlicht von gw am 31. Januar 2012 .
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Ohne weitere Worte (vom 31. Januar)

Durch die Verpflichtung von Ballack wurde die Balance in Leverkusen, das eine junge, aufstrebende und entwicklungsfähige Mannschaft besaß, außer Kraft gesetzt. (…) Was ich bei Ballack festgestellt habe, ist ein fehlendes Erkennen seiner Situation. (Günter Netzer in seiner Bild-am-Sonntag-Kolumne)
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In einem Anflug von Verzweiflung testete er (Anm.: Trainer Veh) schon Caio als Spitze. »Ein Experiment«, sagte er lächelnd. Er weiß, er wird den phlegmatischen Brasilianer nicht mehr ändern. »Er ruht in sich, wie andere mit 60 oder 70.« Caio ist 25. (Frankfurter Rundschau)
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Lothar Matthäus bekommt eine eigene Dokusoap auf Vox. (…) Die Sendung wird Matthäus in seinem Alltag zeigen. (…) We only hope, he has a little bit lucky. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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Was die in feineren Kreisen übliche Sprache angeht, so soll es hier einmal eine Dame gegeben haben, die ihre Gäste fragte, ob sie ihnen zum Nachtisch »Kompó« reichen dürfe. Man war damit einverstanden, nur einer wollte es genauer wissen: »Was haben Sie denn anzubieten, Apfelmú oder Ananá?« (aus Hermann Unterstögers SZ-Kolumne »Modernes Leben«)
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Es wird auch überlegt, Menschen einzuladen, die eine Herz-OP mit einem Gabelstapler durchführen oder mit einem Lkw über zehn Weinköniginnen springen können. (…) Als Sofortmaßnahme hat man eine Selbstanzeige beim Verfassungsschutz gemacht, damit Gottschalk wenigstens von dieser Behörde regelmäßig beobachtet wird. (»Zippert zappt« in der Welt über das Quotentief der neuen Gottschalk-Sendung in der ARD)
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Gottschalk: »… der alte Katschenbeck saß noch da, ich …« – Beckenbauer: »Schwarzenbeck.« – Gottschalk: »Schwarzenbeck, ja. Katsche, wer war Katsche?« – Beckenbauer: »Katsche.« – Gottschalk: »War auch da?« – Beckenbauer: »Schwarzenbeck.« (Dialog bei Gottschalk, protokolliert von der FAS)
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Wenn jemand daherkommt, dachte Hunkeler, und behauptet, im Besitz der Wahrheit zu sein, so gibt es nur eines. Sofort wegrennen. Als Nächstes wird er einem nämlich, wenn man ihm nicht glaubt, ein Messer in den Bauch stoßen. (aus Hansjörg Schneiders neuem Hunkeler-Krimi »Hunkeler und die Augen des Odysseus«)
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Politiker und Prominente beklagen sich ja oft darüber, falsch zitiert worden zu sein. Den Satz ›Ich habe heute leider kein Foto für dich‹ zum Beispiel hat Heidi Klum nie gesagt, jedenfalls nicht zu ihrem Ehemann Seal, um ihm zu bedeuten, dass er es nicht in die nächste Runde geschafft hat. Und ob Goethes letzte Worte tatsächlich ›mehr Licht‹ lauteten oder »Mer licht hier so schlecht«, ist bis heute umstritten. (SZ-»Streiflicht«) (gw)

Veröffentlicht von gw am 30. Januar 2012 .
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Montagsthemen (vom 30. Januar)

Es ist nicht lange her, da hieß es in dieser Kolumne sinngemäß: Je länger Ballack für Bayer zum Einsatz kommt, desto länger dauert auch sein schädlicher Einfluss, weil sein Spiel, zumal in der Spätphase verschleißgeschädigt, einfach nicht zu dieser Mannschaft passt (was im übrigen ein Fußballgewiefter wie Völler schon vorher hätte wissen müssen). Bestätigung nach dem hochklassigen Match in Bremen: Ohne Ballack spielt Bayer wie das junge Bayer, mit Ballack wie der alte Ballack.
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 Ballacks Auftreten auf und neben dem Platz beschädigt seinen mehr als verdienten Nimbus des Chefs und Topspielers der immer und wer weiß wie lange noch erfolgreichsten deutschen Nationalmannschaft dieses Jahrhunderts. Warum wirkt dieser große Fußballer, ein Mann von überdurchschnittlicher Intelligenz, momentan wie ein verstockter kleiner Bub? Von Löw menschlich mies ausrangiert, ist er über den Jubeltrubel um das undeutsche Spielgenie der braven jungen DFB-Wilden sicher not amused, vom eigenen überhöhten Anspruch an die schwindende Leistungsfähigkeit im beruflichen Endleben verwirrt und im privaten Jetztleben vielleicht verirrt. Dazu kommt das Schicksal eines jeden Fußballprofis, nach einem spektakulär bunten  ersten Lebensdrittel vor weiteren zwei Dritteln grauer Normalität zu stehen, die im Vergleich zur bunten Zeit zuvor sogar rabenschwarz drohen können. Da drängt sich bei Ballacks Verhalten gegenüber Feind und Freund auch Freud auf. Dieser hatte als erster das Bild von der Spitze des Eisbergs gemalt: Das Ich (und wie es sich sichtbar verhält) driftet nur als Spitze des Eisbergs durchs Leben, mit sieben Achteln an Es und Über-Ich unsichtbar unter Wasser.

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Wie kriegen wir, verirrt und verwirrt vom tiefenpsychologischen Flachbohren, bloß wieder festen Boden unter die Füße? Versuchen wir’s über den Eisberg, die Titanic und den Costa-Concordia-Untergang hin zu Monty Python und Tick, Trick & Track. Die Monty Pythons vereinigen sich derzeit für einen neuen Film, dessen Titel auch Synonym für diese Kolumne und ihre Online-Version (»Sport, Gott & die Welt«) sein könnte: »Absolutely Anything« – und daher »nun zu etwas völlig anderem« (Monty-Python-Standardübergang), zur Diskussion um die Bergung des Wracks vor der Insel Giglio. Alle möglichen und unmöglichen Methoden werden angedacht, nur Carl Barks fehlt noch. Der Übervater aller Entenhausener Ducks hatte Donalds Neffen Tick, Trick und Track in einem frühen Comic ein Schiff heben lassen, indem sie Tischtennisbälle in das Wrack pumpten. Diese Barks-Idee wurde später einmal tatsächlich erfolgreich bei einer echten Schiffsbergung eingesetzt!
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Aber das nur am Rande, denn damit (Tennisbälle!) sind wir zurück im aktuellen Sport. Hier wird das Geschrei der Spieler(innen) skandalisiert. Kein Skandal, und das ist bei der grassierenden Skandalisierungsbereitschaft ein Phänomen, wird dagegen aus Martin Kaymers selbstkritischem Golf-Kommentar gemacht: »Man kann nicht gewinnen, wenn man puttet wie Stevie Wonder.« Glaubt man heute, Stevie Wonder sei ein unbekannter schlechter Golfer und kennt den großen Sänger nicht mehr, der mit Ray Charles nicht nur die Hautfarbe gemeinsam hat? Egal, zum Gekreische: Es kommt unwillkürlich von tief drinnen aus man/frau heraus, wenn der Ball, die Kugel, der Diskus oder der Hammer beim Schlag oder Wurf voll getroffen wird. Individuell unterschiedlich wird’s ein männlicher Urschrei, ein lautes Knurren, ein dumpfes Grollen oder eben ein weibliches Kreischen (auch von Männern!). Manchmal hört es sich aber auch nur an wie früher beim Schreiber dieser Kolumne und so, wie diese nun endet. Ihr geht die Luft aus mit einem leisen …. pfffffft. (gw)

Veröffentlicht von gw am 29. Januar 2012 .
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Sport-Stammtisch (vom 28. Januar)

Das haben die Bayern nun davon, dass sie tapsig vertwittert auf den Facebook-Livestream-Zug aufspringen und einen neuen Stürmer ankündigen. Live und exklusiv sei er auf Facebook zu sehen. Helle Aufregung, sogar der nüchterne »kicker« meldet’s online – und dann kommt auf Facebook die selbstkrepierende Gag-Bombe, dass die Bayern-Fans als zwölfter Mann dieser »neue Stürmer« seien. Witzischkeit kennt koa Grenzen. Die User-Szene winkt nicht gelangweilt ab, sondern nimmt es erst ernst und später richtig übel.
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Schön irre neue Medienwelt. Aber in dieser Woche aus hessischer Sicht nur am zweitirrsten. Denn in einem ganzseitigen Interview der Frankfurter Rundschau mit Eintracht-Sportmanager Bruno Hübner gehen beide Seiten aufs große Ganze. Es beginnt mit der gewohnt kritischen FR-Frage zum »schlappen Auftreten beim Hallenturnier«. Hübner antwortet nicht, dass schlappes Auftreten bei einem Hallenturnier in der Winterpause dem Aufstieg dienlicher sein könne als das große Hallenhurra, sondern, ganz verbalstylisher Manager, dass leider versäumt worden sei, »pro-aktiv« tätig zu werden. Befragt zu Sinn und Unsinn des teuren und reiseaufwendigen Trainingslagers eines Zweitligisten in Katar, reagiert er nicht mit der berechtigten Gegenfrage zu Sinn und Unsinn der teuren und reiseaufwendigen Entsendung eines Redakteurs der bekanntlich im Geld schwimmenden FR zu diesem Trainingslager, sondern, und jetzt setzen wir ein dreifaches Sternchen, um der grandiosen Antwort ein gebührendes Alleinstellungsmerkmal zu geben:
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»Dieses Trainingslager eröffnet uns große Möglichkeiten. Die Marke Eintracht Frankfurt ist für die da unten total interessant (…). Wir wollen viele Kontakte in Katar knüpfen, da liegt ja eine Menge Potenzial. Wir wollen Partnerschaften eingehen, neue Wege gehen, es gibt da sehr, sehr viele Möglichkeiten. Wir müssen innovativ sein. Wir müssen die Marke Bundesliga gerade in Asien stärken.«
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Fast Originalton Rainer Leben. Der Ex-Schatzmeister hatte einst getönt: »Wir brauchen einen Michael Jackson auf dem Rasen. Wir sind eine urhessische Traditionsmarke, die mit einem innovativen Vereinskonzept eine europäische Marke wird.« Da ist sie also wieder, die alte Diva! Statt die Marke Eintracht in Paderborn oder Fürth zu stärken, stärkt die Eintracht in Asien die Marke Bundesliga und zeigt nebenbei den Münchner Bayern, die ja das Gleiche versucht haben, was eine hessische Harke ist!
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Als die FR auf kongenialem bankfurter Formulierungsniveau mit der Frage nachhakt, wie Hübner »den Turnaround« schaffen« wolle, verhindern Lachtränen das Weiterlesen. Selbst Ailton macht sich mittlerweile über die Eintracht lustig und bietet sich als Neuzugang an, nicht auf Facebook, sondern den Schwanenhals direkt aus dem Dschungel bis in den Main aroundgetörnt. Eintracht ’12: Ailton statt Michael Jackson.
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Sorry Eintracht, sorry FR. Ich sollte mehr an den alten Euripides denken: »Wir alle sind zu tadeln und zu mahnen klug, und alle sind wir für die eig’nen Fehler blind.« Daher auch keine Kritik mehr am neuen Griechenland. Das kauft jetzt, bekanntlich wie die FR im Geld schwimmend, über tausend ausgediente Panzer der US-Army auf. Die waren bisher in der Wüste von Nevada zwischengelagert, nun werden sie für ein paar Millionen Dollar nach Hellas verschifft, dort für noch ein paar Millionen mehr flottgemacht und an der Grenze zu einem altbösen Feind und NATO-Freund endgelagert. Auch Irrsinnischkeit kennt keine Grenzen. Aber das nur am Rande.
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Anderes Thema. Hans-Jürgen Bäumler, Marikas ehemaliger Eis-Prinz, feiert heute seinen 70. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch, auch zu seiner späten Offenbarung: »Eiskunstlaufen war nie mein Hobby. Freiwillig macht das niemand. Oder glauben Sie, dass ein vierjähriges Kind zur Mutter sagt: ›Mami, wann darf ich mir wieder die Füße blutig laufen?‹«
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Da fällt mir die alte Fernsehwerbung ein, für einen Schokoriegel, in der, es ist schon dunkel, eine junge, restlos geschaffte Eiskunstläuferin von ihrer strengen Trainerin eine kleine Süßigkeit bekommt – als wunderbare Belohnung dafür, dass sich das Mädchen an seinem Geburtstag den ganzen Tag über bis spät in die Nacht die Füße blutig laufen durfte.
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Ach ja, die hübschen, süßen, kleinen Eiskunstläuferinnen. »Dieses knappe Kinderröckchen am samtlila Trikot, unschuldig und doch zu nichts anderem gut, als uns entgeisterte Blicke zu gönnen auf einen wahrhaft kostbaren, blühenden Arsch im Höschen.« Diese Päderasten-Phantasie stammt nicht aus einem Kinderporno-Chat, sondern von der linken Autoren-Ikone Hermann Peter Piwitt. Der, obwohl einer der ersten selbsternannten Feministen, griff sexsabbernd zum Griffel, als er einst Denise Biellmann beglupschte, »die schöne blonde Göttin meiner kleinen Tode«. Piwitt, heute 77, brachte dies in etwa zu der Zeit zu Papier, in der eine andere linke Ikone, Daniel Cohn-Bendit, über seine Tätigkeit in einem Kinderladen schrieb, dass sein Flirt mit den Kindern erotische Züge annahm und dass Kinder seinen Hosenlatz geöffnet und ihn gestreichelt haben.
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Ekelhaft. Aber schon hebt Euripides mahnend den Finger. Also, zugegeben: Beim Sichten der Texte für die nostalgische »Nachdruck«-Serie fällt mir auf, dass ich in diesen späten 70er und frühen 80er Jahren bei der Auswahl der zu veröffentlichenden Sportlerinnenfotos nicht nur sportliche Kriterien beachtete und insofern sogar auf realsozialistische Abwege geriet, indem Kati Witt in etwa so oft im Bild auftauchte wie alle anderen Sportlerinnen zusammen.
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Nicht ansatzweise mit Sex zu tun hatte am letzten Samstag die Aufforderung, es dem Papa der Tennisspielerin Mona Barthel nachzumachen, der als junges Kugelstoß-Talent eine volle Bierflasche freihändig tragen konnte, gehalten nur von und zwischen seiner gewaltigen Brustmuskulatur, dem Musculus pectoralis major. Foto-Beweise werden gerne veröffentlicht, kündigte ich an. Es kam nur einer, eingesandt von Arndt Schöniger (Rosbach), aufgenommen offenbar bei einem Biker-Festival in den USA. Ein wirklich beeindruckender Beweis, aber er »giltet« nicht: Die Beweisperson hat nicht das richtige Geschlecht, und nach meinen anatomischen Grundkenntnissen ist es nicht der Pectoralis major, der die Flasche trägt. (gw)

Veröffentlicht von gw am 27. Januar 2012 .
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