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Nach-Lese (vom 14. 1. 2012): Ruin der Erinnerung
Adrian kommt neu in die Klasse von Tony Webster. Sie werden Freunde, sehr enge Freunde, reden über Gott und die Welt, über Literatur und die Mädchen, und irgendwann, Jahre später, zerbricht die Freundschaft. Natürlich wegen eines Mädchens. Jahrzehnte vergehen. Tony, mittlerweile Pensionär, kann sich immer noch haarklein an alle Details der Freundschaft und des Zerwürfnisses erinnern. Da erreicht ihn ein Brief, der seine Erinnerung auf die Probe stellt. Was sich daraus entwickelt, wird hier nicht verraten, denn es ist der Beginn Vom Ende einer Geschichte (Kiepenheuer & Witsch), des sich von Seite zu Seite verblüffender entwickelnden Erinnerungs-Romans von Julian Barnes.
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Das Buch lag auf dem weihnachtlichen Gabentisch und weckte Kurzzeit-Erinnerung an eine Nach-Lese, in der genau die Fragen gestellt wurden, die Barnes’ Protagonist schließlich mit quälender Gewissheit beantworten kann und muss: An was erinnern wir uns überhaupt? An das, was war? Was wahr war? Oder an das, was uns die Erinnerung als wahr vorgaukelt? Durch ihren Filter schönt sie manchem die Vergangenheit und blendet Unangenehmes aus. (Nach-Lese/5. 11. 11). Zu behaupten, dass es für Webster, als sein Filter weg- und ihm es wie Schuppen von den Augen fällt, unangenehm wird, wäre allerdings ein grotesker Euphemismus: Es wird für ihn existentiell erschütternd. Wie Barnes allmählich die Selbstzensur in den Erinnerungen bloßlegt, beweist seine ganze Meisterschaft (Süddeutsche Zeitung).
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Websters Leben gründete 40 Jahre lang auf der nur scheinbaren Gewissheit einer mit den Tatsachen identischen Erinnerung. So viel Zeit ist auch vergangen, seit der Psychologe Philip Zimbardo 1971 in einem Keller der Uni Stanford das legendäre Milgram-Experiment modifizierte. Zur – nun ja – Erinnerung: Stanley Milgram hatte zehn Jahre zuvor Testpersonen in New Haven Schüler beim Lernen überwachen lassen, mit der Maßgabe, ihnen für jeden Fehler Elektroschocks zu versetzen, mit bei jedem weiteren Fehler steigender Intensität. Was die Testpersonen nicht wussten: Die elektrischen Schläge waren nur vorgetäuscht und die »Schüler« Schauspieler, die immer erbarmungswürdigere Schmerzensschreie ausstießen. Testpersonen, die abbrechen wollten, wurden vom Versuchsleiter energisch aufgefordert weiterzumachen – was zwei Drittel auch noch taten, als die Stromstöße, was sie wussten, tödlich gewesen wären. Zimbardo teilte dann 1971 seine Testpersonen in zwei Gruppen auf: »Wärter« und »Gefangene«. Im Gefängnis-Mikrokosmos des Uni-Kellers begannen die »Wärter« schon bald, die »Gefangenen« schwerst zu misshandeln, sodass der Test abgebrochen werden musste.
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Milgram wollte erforschen, wie es zum Holocaust kam, Zimbardo, wie Gelegenheit, Situation und Umstände das Böse hervorrufen. Späte Nachfragen zu beiden Experimenten könnten heute vermutlich auch die manipulative Kraft der Erinnerung beweisen, doch dass misshandelnde »Wärter« oder Stromschlag-Sadisten das Böse in sich nicht akzeptiert, sondern mit dem Erinnerungs-Filter selbstgnädig bearbeitet haben, ist zwar zu vermuten, aber mangels Befragung (noch?) nicht zu beweisen.
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In der Rückschau neigt man auch dazu, sich an die Vergangenheit mit dem Wissen und Wollen von heute zu erinnern und dabei andere ungnädiger zu beurteilen als sich selbst. Aktuelles Beispiel: Das mörderische Neonazi-»Terror-Trio«. Fast einhellig kritisieren Öffentlichkeit und Medien massiv, dass dem Trio trotz erkennbarer »Signale« und Indizien nicht schon vor den Morden das Handwerk gelegt wurde. Aber bei der Vielzahl damaliger (und heutiger) »Signale« und Indizien für unterschiedlichst motivierte schwere und schwerste Straftaten bräuchten wir mehr Gefängnisse als Supermärkte, um jeden vermutbar Gewalt- und Mordbereiten einzusperren.
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Im Nachhinein sind wir alle Besserwisser. Nur wenige wussten schon im Vorhinein besser. Auch von ihnen war in der November-Nach-Lese die Rede, vornehmlich vom erstaunlichen Sebastian Haffner. Nun kommt, jedenfalls für den Nach-Lese-Kolumnisten, ein »neuer« Name hinzu, an den er sich nicht »erinnern« konnte, obwohl es sich, was erst nachgelesen werden musste, um einen großen deutschen Philosophen, Pädagogen und Pazifisten handelt: Friedrich Wilhelm Foerster. In seiner Lebensführung beschrieb er schon 1909 (!), welche individuelle menschliche Verfasstheit Hintergrund der aktuellen globalen Krise ist. Die Bewahrung der inneren Freiheit gegenüber dem Geld wäre am notwendigsten, gerade für diejenigen, die berufsmäßig am meisten mit dem Geld zu tun haben. Denn das Wirtschaften mit den materiellen Gütern verlangt hohe moralische Qualitäten.
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Aber nicht nur von Bankern, Pleitestaaten & Co. Auch von uns, da es zu wenige Menschen gibt, die sich in Geldsachen von Grund aus anständig erweisen, sobald sie wirklich auf die Probe gestellt werden (siehe Milgram, siehe Zimbardo) – Man denke an Erbteilungen, wo viele Menschen plötzlich zeigen, was sie sind und was in ihrer Seele die Oberherrschaft hat, und wo auch viele wertvolle Naturen durch den überwältigenden Zug zum Greifbaren ihrem besseren Selbst entfremdet werden. Foerster wurde 1917 von seinen Studenten verprügelt, als er über die deutsche Kriegsschuld sprach, aber das nur am Rande.
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Barnes’ Roman fand sich auf dem Gabentisch, Foersters Lebensführung war vor einigen Tagen nur ein vergilbter Zufallsfund, und jetzt blinkt auf dem Lesegerät OYO (auf dem Gabentisch lag auch dieses »Kindle« von Thalia) auf Seite 85 des dieswöchigen eigenen Lesestoffs die Quintessenz der Erinnerungs-Nach-Lesen auf: Ja, das Vergangene kam über sie, und rauschte um sie herum, und machte sie die Welt rückwärts, gleichsam treppab, überschauen. Sie brauchten ihre Gedächtnisse gar nicht zu zwingen, dieselben bogen von selber ihre feinen Arme und Schlingen nach den Gegenden des Erinnernswerten, um es spürbar näher zu bringen und zu tragen.
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(Wieder) gelesen im (kostenlos herunterzuladenden) großen Roman von Robert Walser, geschrieben im Jahr 1907: Der Gehülfe. Darin erinnert sich Walser an eigene Lebens- und Leidenszeit als Gehilfe seines fidel und großkotzig dem unvermeidlichen Ruin entgegentraumtanzenden Herrn und Meisters. Und damit schließt sich der Kreis zu Barnes, dessen Tony Webster auch die Welt gleichsam rückwärts überschaut, mit den feinen Armen des Gedächtnisses die Gegenden des Erinnernswerten umschlingend. Bis zum unvermeidlichen Ruin. (gw)
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gw am
13. Januar 2012 .
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Die wunderbare Welt des Internets (Nach-Lese vom 10. Dezember 2011)
Über Jan Brandts voluminösen Roman Gegen die Welt schrieb ich am 5. November in der Nach-Lese: »An dieser Stelle kann keine Empfehlung für oder Warnung vor Brandts Werk ausgesprochen werden, denn es sind erst 700 der über 900 Seiten gelesen (auf einer steht 336 Mal hintereinander das Wort »Mais«, aber das nur am Rande). Doch der Eindruck verfestigt sich, dass diesem in jedem Fall außergewöhnlichen Buch, an dem Brandt fast zehn Jahre geschrieben hat, ein paar weitere Wochen gut getan hätten, zwecks mutiger Kürzungen.«
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Die erste Reaktion kam schon, als die Nach-Lese noch nicht in der Zeitung stand: »Sehr geehrter Herr Steines, in meinem Roman ist auf Seite 132 keineswegs 336 Mal hintereinander das Wort Mais zu lesen (und damit meine ich nicht die Eingangs- und Schlussworte). Und der Einwand, der Roman sei zu lang, ist bei 900 Seiten immer sehr naheliegend. Es geht ja gerade um die Totalität, darum der Komplexität des Dorfkosmos gerecht zu werden. Viel Spaß bei den restlichen 228 Seiten. Und viele Grüße, Jan Brandt.«
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Baff war ich. Zwar hatte ich die Nach-Lese schon am 4. November nachmittags online (www.anstoss-gw.de) gestellt, doch dass bereits Minuten später die erste Reaktion kam, vom Autor persönlich, der nicht nur blitzschnell auf den Text gestoßen war, sondern irgendwie auch herausgegoogelt hatte, welcher Name sich hinter dem Kürzel gw verbirgt, verblüffte mich. Was im und mit dem Internet so alles möglich ist . . .
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Mittlerweile sind die letzten 228 Seiten längst gelesen, und die Frage empfehlen oder warnen ist eindeutig zu beantworten – in jedem Fall: Empfehlung! Über einige Experimente (zum Beispiel die typographischen: Bei gewissen psychischen Zuständen des Protagonisten verblasst die Schrift und ist kaum noch zu lesen) könnte man unterschiedlicher Meinung sein, aber es ist ein monumentaler Roman, und ich habe seit Frank Schulz’ Ouzo-Orakel keinen solchen Trumm mehr von vorne bis hinten mit fast durchweg faszinierter Anteilnahme gelesen.
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Apropos Ouzo-Orakel. In meiner Antwort-Mail machte ich Brandt »Komplimente für die souveräne Reaktion«, da ich weiß und gut nachempfinden kann, wie empfindlich Autoren auf Kritik reagieren. Über das Ouzo-Orakel schrieb ich seinerzeit: »Ein wundersames, wunderbares, sprachmächtiges, unfassbar witziges deutsches (ja, trotz Ouzo und Hellas) Heimatbuch.« Der Roman war der Abschluss einer Trilogie, ich las erst anschließend die beiden ersten Teile (Kolks blonde Bräute und Morbus Fonticuli), war sehr enttäuscht und beendete meinen ansonsten fast hymnisch lobenden Text mit den Worten: »Die drei Bände werden ›Hagener Trilogie‹ genannt. Gegenvorschlag: ›Zwei Püpse und ein Paukenschlag.‹« Frank Schulz stieß nicht im Internet auf diese Zeilen, ich selbst schickte sie ihm, mit der Bitte um ein Interview. Tief gekränkt und wütend lehnte er ab, nicht »mit freundlichen Grüßen« oder gar »Hochachtungsvoll« schließend, sondern mit: »Pups!«
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Dass sich daraus doch noch ein angenehmer Kontakt entwickelte, war seitdem mehrfach auf unserer Wochenend-Bücherseite nachzulesen, unter anderem auf einer Sonderseite im September 2007 (Dichter ran: Zu Besuch bei Frank Schulz – Schreiben als tollkühnes Lebenswerk / archiviert im gw-Blog Sport, Gott & die Welt).
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In der Regel kaufe ich das Buch, das ich lesen möchte (wie Gegen die Welt und das Ouzo-Orakel), statt mir vom Verlag vorab ein Rezensionsexemplar schicken zu lassen. Daher konnte ich über das Brandt-Buch erst später schreiben als andere. Manchmal schicken Verlage ein Buch aber auch unverlangt an die Redaktion. Das Werk ist dann, weiß der Journalist, nicht gerade bestsellerverdächtig. Wie jenes Büchlein, das ich vor Jahren noch zur Urlaubslektüre in den Koffer packte, weil es gerade noch hineinpasste. Unter knallheißer Sonne nahm ich es mit zum süditalienischen Strand – und holte mir einen fürchterlichen Sonnenbrand, denn ich las es, fasziniert wie nie, an einem Nachmittag durch: Die Geschichte eines Deutschen aus dem Nachlass von Sebastian Haffner. Schnellstmöglich wies ich in unserem Blatt auf diesen bereits 1939 geschriebenen Text hin, in dem Haffner den Nationalsozialismus hellsichtig und wider den Zeitgeist (auch den appeasementgeprägten englischen) bloßstellte. Und so kam es, dass in unserer Zeitung die überhaupt erste Rezension des späteren Bestsellers stand, denn so wie mir ging es dann vielen: Wer das Buch, und wenn es nur per Zufall war, in die Hand genommen hatte, konnte es nicht mehr weglegen.
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Anderes (?) Thema: »Täglich verschlang die ganze Bevölkerung den Börsenbericht. (…) In jedem Laden, jeder Fabrik, jeder Schule wurden einem Aktientipps zugeflüstert. Den Alten und Weltfremden ging es am schlechtesten. (…) Den Jungen, Flinken ging es gut. Über Nacht wurden sie reich, frei, unabhängig. Es war eine Lage, in der Geistesträgheit und Verlass auf frühere Erfahrung (…) bestraft, aber Impulshandeln und schnelles Erfassen einer neuen Lage mit plötzlichem ungeheurem Reichtum belohnt wurde.« Aktuelle Zustandsbeschreibung? Nein, auch von Haffner. 1939
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Noch hellsichtiger war nur Kurt Tucholsky. Ein langjähriger, sehr geschätzter Leser von gw-Kolumnen, ein Gymnasiallehrer, machte mich erst kürzlich auf geradezu unglaubliche »Tucho«-Verse aus dem Jahr 1930 aufmerksam, er las sie mir sogar am Telefon vor:
»Wenn die Börsenkurse fallen,/ regt sich Kummer fast bei allen,/ aber manche blühen auf: /
Ihr Rezept heißt Leerverkauf / (…)
Wenn in Folge Banken krachen,/ haben Sparer nichts zu lachen,/ und die Hypothek aufs Haus/ heißt, Bewohner müssen raus./ Trifft’s hingegen große Banken,/ kommt die ganze Welt ins Wanken/
auch die Spekulantenbrut /
zittert jetzt um Hab und Gut!
Unglaublich, wie der linke Kapitalismuskritiker Tucholsky schon 1930 die aktuelle Krise beschrieb! Das Gedicht entwickelte sich nach dem Lehman-Crash zum Internet-Renner, es wurde auf Gewerkschaftssitzungen verteilt, Lehrer besprachen es im Deutschunterricht, manche sogar heute noch – ohne zu wissen, dass nicht Tucholsky es 1930 geschrieben hat, sondern erst 2008 ein gewisser Richard Kerschhofer aus Österreich. Dessen Gedicht erschien zuerst unbeachtet in dem konservativen Magazin Preußische Allgemeine Zeitung und startete seine Fake-Karriere erst, als es im Internet namenlos neben einem Tucholsky-Gedicht auftauchte, einige Leser daher glaubten, es sei ebenfalls von Tucholsky, die Verse kopierten und weiter verbreiteten, so dass sie sogar bis in die Zeit gelangten – na ja, die gilt mittlerweile ja auch als Plattform für Fakes jeglicher Art . . .
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Mittlerweile haben linke Web-Sites das Gedicht, das sie triumphierend auf ihre Seiten gestellt hatten, wieder gelöscht, da es nicht von »ihrem« Tucholsky, sondern von einem eher dem anderen Lager verbundenen Österreicher stammt. Und die Moral von der Geschicht’? Siehe oben:: Was im und mit dem Internet so alles möglich ist . . .
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Ach so, das noch: Jan Brandt hat recht. Auf Seite 132 steht nicht 336 Mal das Wort »Mais«. Ich habe nachgezählt und genau in der Mitte »aha!« geschmunzelt.
Die richtige Zahl lautet daher: 335. (gw)
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gw am
9. Dezember 2011 .
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Nachlese: Was war? Was war wahr? (vom 5. November 2011)
Jeder kennt das: Da geht man erstmals seit vielen Jahren zu einem Klassentreffen, und die alten Geschichten, die dort erzählt werden, hat man selbst ganz anders in Erinnerung: Schöner oder unangenehmer, prägender oder belangloser, mit anderen Details und anderen Konsequenzen. Jedenfalls: ganz anders. Jene Klassenkameraden jedoch, die sich in den Jahren zuvor regelmäßig getroffen hatten, stimmen in ihren Erinnerungen überein – sie haben sich diese Geschichten oft genug erzählt und das Erzählte angeglichen, per Erinnerungs-Update.
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Aber an was erinnern wir uns überhaupt? An das, was war? Was wahr war? Oder an das, was uns die Erinnerung als wahr vorgaukelt? Durch ihren Filter schönt sie manchem die Vergangenheit und blendet Unangenehmes aus, was sie bei anderen, selbstquälerischer Veranlagten, um so stärker betont.
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In diesem Sinne finden wir das, was wahr war, weniger in Autobiographien, sondern eher in Romanen, obwohl deren Autoren meist strikt ablehnen, ihre Figuren und Beschreibungen deckungsgleich auf sich und ihr Leben beziehen zu lassen. In diesem Bücher-Herbst häufen sich nun die Erinnerungs-Romane, deren Autoren die jüngere deutsche Vergangenheit heraufbeschwören und detailliert beschreiben. Wie Jan Brandt, der mit Gegen die Welt als Favorit auf den Deutschen Buchpreis galt, aber gegen In Zeiten des abnehmenden Lichtes von Eugen Ruge unterlag. Brandt (Ostfriese aus Leer) beschreibt pedantisch, ja manisch pedantisch, was in seinem Protagonisten Daniel Kuper (Ostfriese aus »Jericho«) und um ihn herum vorgeht und zu beobachten ist. Zum Beispiel aus der Dachluke, wo er den »Überblick über das ganze Dorf hat«, auf: »die Bahngleise, das Stellwerk, die Molkerei und Schlachterei (…), die Post, Schuh Schröder, die Schmiede und Eisenwarenhandlung von Didi Schulz (…) die Praxen von Doktor Ahlers und Doktor Hilliger, Friseur Dettmers, Bäckerei Wessels, Fisch Krause, Kanzlei Onken, die Blumentenne, Textil Vehndel (…) Farben Benzen, Solar Hanken, Polsterei Tinnemeyer, Elektro Plenter« . . . die Nach-Lese würde ohne die Auslassungen (…) aus allen Nähten platzen.
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An dieser Stelle kann keine Empfehlung für oder Warnung vor Brandts Werk ausgesprochen werden, denn es sind erst 700 der über 900 Seiten gelesen (auf einer steht 336 Mal hintereinander das Wort »Mais«, aber das nur am Rande). Doch der Eindruck verfestigt sich, dass diesem in jedem Fall außergewöhnlichen Buch, an dem Brandt fast zehn Jahre geschrieben hat, ein paar weitere Wochen gut getan hätten, zwecks mutiger Kürzungen – und dass Brandt, bei aller Fiktion, in Daniel Kuper mehr von sich verrät, als er in einer wahrheitsverpflichteten Autobiographie verraten würde.
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Was auch für Ruge gilt, dessen Roman halb so dick und mehr als doppelt so schnell gelesen ist. Doch über In Zeiten des abnehmenden Lichtes ist schon so viel Positives geschrieben worden, dass ich kurz das Negative streife: »Hier handelt es sich um nichts weiter als um einen schalen Aufguss Uwe Tellkamps (…) Kein weiteres Wort über die Flachbrüstigkeit eines Eugen Ruge« (Tilman Krause in Die literarische Welt). Mein Eindruck ist eher zwiespältig: Der eines spannend und leicht zu lesenden, kaum verhüllt auf eigener Familiengeschichte beruhenden Romans einer linientreu kommunistischen und später bröckelnden DDR-Dynastie. Was die Lesefreude mindert: Keine von Ruges Figuren wächst dem Leser ans Herz, und »die spießig-piefig nivellierte Gesellschaft mit ihrer alles überwölbenden, grauenvollen Tristesse« (Krause ganz allgemein über die DDR) drückt ebenfalls aufs Gemüt.
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Auch Eine Dorfgeschichte gehört in die Reihe der boomenden Erinnerungsbücher. »Es ist freilich keine neue Erkenntnis der Katharina Hacker, dass Erinnerung nur ein Amalgam aus Realität und Fiktion ist. Die Erinnerung ist nicht gerecht, sondern gehorcht einer eigenen Wahrheit« (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Denn: »Persönliche Erinnerungskultur dient als Korrektiv der offiziellen Geschichtsschreibung (Süddeutsche Zeitung über diese »stark autobiographisch geprägten« Bücher).
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Welche und wie viel Wahrheit hätten Sie denn gerne? »Norbert Pötzl hat schon die zweite Biografie über den Krupp-Chef Berthold Beitz geschrieben. Die erste durfte nicht erscheinen« (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung«). Beitz hatte Pötzl beauftragt, eine autorisierte Biografie zu schreiben, die er aber später doch nicht autorisierte. Pötzl schrieb jetzt eine vollkommen neue, eine andere, und da fragt sich: Welche ist die wahre? Welche die glaubwürdigere? Pötzl hatte wohl eine Biografie verfasst, die nicht mit dem Erinnerungs-Filter von Beitz zu vereinbaren war.
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»Manipulierte Erinnerungen. Im Gedächtnis des Menschen lassen sich Ereignisse verankern, die nie stattgefunden haben«, schreibt die Welt auf ihrer Wissen-Seite. Fazit: »Gedächtnisinhalte lassen sich nachträglich verändern. Das wollen Wissenschaftler nutzen, um traumatische Erinnerungen bei Patienten zu löschen.« Und: »Auch das gezielte Einpflanzen kompletter Lebensereignisse, die nie geschehen sind, ist möglich.«
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Oft aber nimmt das Gehirn die Manipulation in die eigene Hand bzw. Hirnwindung. Dann helfen nicht mal fotografische Gegenbeweise. Erinnern Sie sich an die Ehec-Epidemie? An die verzweifelte Suche nach dem Erreger? Da »schon das Gedächtnis gesunder Menschen naturgemäß sehr unzuverlässig ist, wenn es darum geht, die Vergangenheit zu rekonstruieren« (Süddeutsche Zeitung; folgende Zitate ebenfalls aus der SZ), waren die Erkrankten bei der Suche keine große Hilfe. Den Durchbruch gab es, als Experten des Robert-Koch-Institutes zweifelsfrei herausfanden, »was 19 erkrankte Teilnehmer von fünf verschiedenen Reisegruppen in Restaurants gegessen hatten. Auf den Schnappschüssen der Urlauber immer wieder zu sehen waren: Sprossen.« Dass Fotos »weitaus unbestechlichere Zeugen der Vergangenheit als das menschliche Erinnerungsvermögen« sind, bestätigte sich auch, als einige der Erkrankten sogar abstritten, Sprossen gegessen zu haben, obwohl die Sprossen auf ihrem Teller klar zu erkennen waren.
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Allerdings sind nicht alle Fotos »unbestechliche Zeugen der Vergangenheit«. Manchmal weiß es die Erinnerung dann doch besser – wie früher bei Gruppenfotos kommunistischer Sowjetpolitiker, wenn einer von ihnen erst liquidiert und dann retuschiert wurde. Fotos können sogar sehr bestechliche Zeugen der Gegenwart sein. Aber über Partnerschaftsanzeigen ein ander Mal. (gw)
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gw am
4. November 2011 .
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Lena und die weißen Bären (Nach-Lese vom 14. Mai 2011)
Frühe Sechziger. Im Hessischen Rundfunk wird täglich zwischen 17 und 18 Uhr aktuelle Schlagermusik gespielt. Ein Lied elektrisiert den Jungen. Es gefällt ihm so gut, dass er vier Wochen lang eisern alles Taschengeld spart und ins Musikgeschäft geht. Er möchte das Lied von … ja, von wem? Wer singt das? Der Verkäufer, seiner Kollegin zuzwinkernd: »Sing’s doch einfach mal vor.« Der Junge, der die Platte unbedingt haben will, vergisst alle Schüchternheit und singt den Verkäufer an: Monsieur, Monsieur, ich habe sie erkannt, / Monsieur, Monsieur, Sie sind galant und sehr charmant, / Monsieur, Monsieur, doch eines tut mir weh, / ich glaub, Sie sind nicht treu, Monsieur! / Ich möcht so gern mit Ihnen glücklich sein …
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Der Verkäufer hat Tränen in den Augen, seine Kollegin – scheinbar akuter Bauchschmerz – krümmt sich am Boden. Aber sie kennen die Platte. Monsieur, von Petula Clark. Stolz zieht der Junge ab. Erst Jahre später, als ihm die Szene wieder einfällt, schüttelt ihn Scham, und er ist gottfroh, dass youtube noch nicht erfunden war, denn die Schmach hätte er nicht überlebt.
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»Je mehr Botschaften auf uns einstürmen, desto weniger Zeit steht für ihre Verarbeitung zur Verfügung. Heute weiß man: Der entscheidende Flaschenhals dafür ist das sogenannte Arbeitsgedächtnis. Unsere Denkgeschwindigkeit, unsere Fähigkeit zum Fokussieren, zum Auswählen und Entscheiden – all das hängt vom Arbeitsgedächtnis ab. Leider ist seine Kapazität aber begrenzt.« (Die Zeit)
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Das kann ich leider bestätigen. Und: »Auch die Trennung von Wichtigem und Unwichtigem benötigt ›Rechenkapazitäten‹ in unserem Gehirn. Denn um eine störende Botschaft auszublenden, muss man sie zunächst einmal als unwichtig klassifizieren.« Dabei helfen wir Redakteure unseren Lesern, denn gerade das, was Zeit-Autor Ulrich Schnabel hier schreibt, definiert auch unseren Job. Das Arbeitsgedächtnis des Lesers zu entlasten, belastet aber das Arbeitsgedächtnis des Journalisten zusätzlich. Daher habe ich schon oft versucht, im eigenen Kopf Wichtiges und Unwichtiges zu trennen und den Müll zu entsorgen. Nur: Das Gehirn hat seinen eigenen Kopf, und mein Gehirn ist zudem noch ein echter Messi: Es hortet alte Schlagertexte, von denen ich jahrzehntelang nicht einmal wusste, dass ich sie kannte. Schreckliche Texte aus schrecklichen Schlagern tauchen nun auf und verstopfen das alte Hirn, das so gerne noch einmal neue Informationen sammeln würde. Richtig griechisch lernen, nicht nur beim Griechen rumstammeln, das wär doch was! Ich hab’s versucht. Doch statt wenigstens fünf Minuten lang griechisch deklamieren zu können, ist mir ganz ohne eigenes Zutun die Gabe zugeflogen, zwei Stunden lang alle möglichen und vor allem unmöglichen deutschen Schlagertexte aufsagen zu können.
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Damit könnte man sogar Geld verdienen – aber nur, wenn man Mario Adorf, Otto Sander, Rolf Boysen oder Axel Milberg heißt. Sie und andere renommierte Schauspieler lesen im Hörbuch »Die Männer sind alle Verbrecher« (Kunstmann, 69 Minuten, 14,90 Euro) deutsche Schlager als Gedichte. Von diesem Hörbuch habe ich allerdings nur gelesen (Besprechung in der Literarischen Welt), gekauft habe ich es nicht, denn mein Messi-Hirn kennt die Texte sowieso alle und sagt sie unentwegt selbst auf.
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Wäre das Hirn ein Computer, hätte ich die Lieder schon längst gelöscht. Das Hirn ist aber kein Computer, sondern ein fieser weißer Bär. Und da kommt der Psychologe Roy Baumeister ins Spiel beziehungsweise sein Test, in dem er der Sache auf den Grund ging, warum wir Wichtiges nicht von Unwichtigem trennen können und dadurch den Blick für das Wesentliche verlieren. »Um das zu demonstrieren, instruierte Baumeister Versuchspersonen, sechs Minuten lang ungehemmt ihren Gedankenfluss niederzuschreiben. Die Hälfte der Probanden wurde ermahnt, dabei auf keinen Fall an einen weißen Bären zu denken. Natürlich drängte sich gerade dadurch immer wieder ein Eisbär ins Bewusstsein, die Probanden mussten also ständig willentlich den Gedanken an ihn verdrängen. Wenn sie danach schwierige Probleme lösen mussten, gaben sie deutlich schneller auf als die Mitglieder der Kontrollgruppe« (Die Zeit). Die verbissene Bemühung, nicht an einen weißen Bären zu denken, hatte »so viel geistige Kapazität verbraucht, dass nur noch wenig davon übrig war, um die Frustration beim Problemlösen zu überwinden.«
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Meine weißen Bären sind zwei kleine Italiener, der alte Häuptling der Indianer oder Peter Lauch und die Regenpfeifer, sie machen Rudirallala, weil ihr Spargel wächst, sie »batschen« und sind, aber das fällt dem Monsieur-Jungen erst auf, als er alt wird, waschechte Machos, denen sich die Mädchen so willig hingeben wie unsereinem nur in den wildesten pubertären Träumen. Casanova batsch, batsch, Casanova batsch, batsch, Casanova batsche mi, Casanova kiss, kiss … sind auch andre Frauen heut noch dein, eines Tages liebst du mich allein … Petulas zweiter Hit. Das waren noch Zeiten! Dass das »Batschen« italienisch war (»baciare«) und Küssen heißt, ging dem Jungen nicht auf, er wunderte sich nur ein wenig, dass Lieben offenbar immer mit Hieben einherging, auch im Film, denn dort hieß es: Sie küssten und sie schlugen ihn.
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Irgendwann wurden die weißen Bären müde (oder waren es die weißen Tauben von Hans Harz?), denn als der Junge größer wurde und nur noch englische oder französische Lieder hörte, rauschten deren Texte zum einen Ohr rein und zum anderen raus. Auch Messi-Hirne sind wählerisch, und was sie zuvor übersetzen müssen, kommt erst gar nicht in den Langzeit-Speicher.
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Schade, denn dadurch gingen Texte verloren, gegen deren Frauenbild die alten deutschen Macho-Träumereien am Schlagerfeuer wie kuschelige Softie-Anbiederungen wirken. Stand by your man / And show the world you love him / Keep giving all the love you can /Stand by your man!, sang Tammy Wynette, und da fragt der Hesse heutzutage ungläubig-freudig: Wynette? Wie nett! Warum ned? Oder Charlie Rich: Behind closed doors zeigt die US-Hausfrau, was in ihr steckt: Then she let’s her hair hang down / And she makes me glad that I’m a man / Oh, no one knows what goes on behind closed doors.
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Na ja, wir wollen gar nicht wissen, was hinter verschlossenen Türen in US-Schlafzimmern abgeht. Aber stellen wir uns einmal vor, heute Abend singt nicht Lena für Deutschland auf englisch, sondern eine ältere Ausgabe von ihr, die ebenfalls gerne im schwarzen Outfit auftritt, auf deutsch ein Medley aus den beiden Country&Western-Hits. Auftritt Alice Scharzer: Steh zu deinem Mann und zeig der Welt, du liebst ihn, so wie ich meinen, wenn ich hinter verschlossenen Türen meine Haare herunterlasse und ihn glücklich mache, ein Mann zu sein.
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Zwölf Punkte für Deutschland! Und jeder hätte Tränen in den Augen oder krümmte sich auf dem Boden, wie damals, als ein Junge sang: Monsieur, Monsieur …. (gw)
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gw am
13. Mai 2011 .
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Mal was anderes (Quentin Blake: “Zeichnen für verkannte Künstler”)
Mal was anderes…
… als all die auf unserer Bücherseite vorgestellten Romane großer Schriftsteller: Ein Zeichnen-Lehrbuch von Englands beliebtestem Cartoonisten, leicht und locker im Schreibstil, mit vielen fast leeren Seiten, auf denen der Schüler Erlerntes ausprobieren soll. Grundidee: »Wir gehen nach der Einfach-Drauf-Los-Methode vor. Wenn ein weißes Blatt Papier dich lockt, schnapp dir einen Stift« … tja, und dann zeichnet man also einfach drauf los und hat »wenn alles gut geht eine Zeichnung voller Witz und Spontaneität«.
So einfach ist das? Leider nicht. Das Buch sei, so der Verlag, »für alle, die gerne mit dem Zeichnen beginnen wollen«. Wer aber gar kein Talent hat, wie der Zeichner dieser Zeilen, sitzt ratlos vor den vielen witzigen Anleitungen und kommt kein Strichmännchen voran. Dennoch ein schönes Geschenk, eben »mal« was ganz anderes – für Menschen, in denen das Talent zum Zeichnen schlummert. Daher leider nicht für: (gw/4.12.10)
Quentin Blake: »Zeichnen für verkannte Künstler« (Kunstmann – 14,90 Euro – ISBN 978-3-88897-690-2)
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gw am
3. Dezember 2010 .
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