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Sonntag, 19. Mai, 6.45 Uhr

Erst beim Sichten der Meldungen der Nacht erfahre ich, dass Deutschland beim Sängerwettstreit wieder ganz hinten gelandet ist. Merkwürdig, wie wichtig so viele Menschen diese Veranstaltung nehmen. Mich hat sie noch nie interessiert. Ich kann mich auch nicht erinnern, sie jemals gesehen zu haben. Dazu die unvermeidliche deutsche Moderatorin, die so überaus Beliebte,  und als Stargast der peinliche Weltstar, den ich im Autoradio immer wegdrücke … übrigens habe ich auch „Games of Thrones“ nie gesehen, das jetzt enden soll, wie ich ebenfalls den Meldungen der Nacht entnehme. Ich weiß nicht einmal, in welchem Sender die Serie lief. Ich weiß aber, dass mir der Plot, von dem ich gelesen habe, so am unteren Rücken vorbeigeht (Liebe, Sex, Gewalt und Intrige in einem Fantasyland) wie der ESC, wie Kenner den Sängerkrieg nennen. Immerhin: Es kamen keine Raketen, und das ist nun wirklich wichtig gewesen.

So, der alte Muppet-Opa hat ausgek…euert. Keuern – Wort aus meiner Kindheit, aus der „manischen“ Ecke, in der ich aufgewachsen bin. Bedeutet ungefähr so viel wie: sich motzend mächtig ärgern.

Dritter Ertrag der Nachtmeldungs-Sichtung: Heute ist Weltbienentag. Meine singulärempirische Forschung hat ergeben, dass es wieder mehr Bienen gibt und vor allem viel mehr Insekten vor allem der kleineren Art. Ergebnis meines fahrenden Labors auf dem Fahrradsattel mit geöffnetem Mund.

Und dann noch Özil beim Fastenbrechen neben Erdogan. Für mich wie ESC und Games of Thrones. Seine Privatsache, spielt keine Rolle mehr. Die Chose vor der WM war kontraproduktiv und wegen der erwartbaren Folgen der erste und zwar mutwillig eingeschlagene Sargnagel. Jetzt, als Nicht-mehr-Nationalspieler, ist nur ein Sack Reis in der Türkei umgefallen.

Langsam sollte ich mich um die Montagsthemen kümmern. Fußball scheint also doch ein nach üblichen Maßstäben zu messender Leistungssport zu sein (anders, als im Sport-Stammtisch am Samstag rumgeschwurnelt). Das Liga-Finale brachte emotionslosen Toto-Tippern nur eine kleine Überraschung, und die war der Mainzer Sieg gegen Hoffenheim. 4:2 nach 0:2 war allerdings sooo überraschend auch nicht, denn in Hoffenheim war es fast Saisonregel, torreiche Spiele nach Vorsprung  noch zu verlieren. Die Eintracht dankt. Dem kleinen Bruder vom anderen Bach.

Toto, Elferwette – gibt’s das überhaupt noch? Falls ja, werden die Gewinner keine große Freude haben, denn zwar kam es in Sachen Tore zu unerwarteten Ergebnissen, aber nicht bei Sieg 1, Niederklage 2, Remis 0. Ich hatte mal zehn Richtige, bei ähnlich papierformgemäßen Ergebnissen, und gewann, glaube ich, zwei Mark fuffzig.

Viel mehr als ESC, Games of  Thrones und Özils Fastenbrechen interessiert mich das Radwetter der nächsten Woche im Alten Land. Jedenfalls kein früher Altweibersommer angesagt. Zu befürchten: Altmännerfrühsommer. Tropfen für Tropfen.

 

 

Veröffentlicht von gw am 19. Mai 2019 .
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Samstag, 17. Mai, 15.50 Uhr

Beinahe hätte ich es vergessen. Soeben nachgeholt: Die neue Folge meines progressiven Alttages steht online (Link rechts). Bitte immer beachten: Der Gesamttext ist chronologisch geordnet, mit der jeweils letzten Folge am Schluss, also in der umgekehrten Reihenfolge von Blogs. Fortlaufend, nicht zurücklaufend.

Veröffentlicht von gw am 17. Mai 2019 .
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Dienstag, 14. Mai, 10.15 Uhr

Ich kannte ihn nicht. Der Name klang amerikanisch, das Fotoporträt ließ ahnen, dass er ein alter Werfer war. Wie so einige andere, mit denen ich über Facebook „befreundet“ bin, aus Neugier, wie es alten Konkurrenten bzw. bewunderten Weltklassewerfer aus den USA heute geht. Also klickte ich bei der Freundschaftsanfrage  auf  „Annehmen“. Im Lauf der Zeit wurde mir klar, dass er ein Werfer meiner Leistungsklasse gewesen sein musste, also unterer internationaler Durchschnitt. Fast täglich postete er ein Foto von sich, beim Gewichtwerfen der Altersklasse, sehr stolz auf seine Leistungen und Medaillen. Dazu immer wieder Fotos von den Speisen, die er gerade zu sich nahm, oft zusammen mit Frau und/oder Tochter, auf die er genauso stolz zu sein schien wie auf seinen Sport. Der Mitteilsamste meiner Facebook-Freunde (er hatte , wenn ich mich recht erinnere, über 2000) ließ mich über Jahre hinweg an seinem täglichen Leben teilnehmen, was mich einerseits etwas befremdete. Andererseits: Er wirkte zwar überkommunikativ, aber angenehm, auch nicht eitel, sondern derart von fast naiver Freude über sich, sein Leben, seine Familie und seinen Sport erfüllt, dass er dies unbedingt mit anderen Menschen, vorwiegend aus seinem Milieu und seinem Sport, teilen zu wollen schien. Manchmal allerdings wurde es mir zu viel, wenn wieder einmal ein saftiges Steak auf dem Teller mit seinem freudestrahlenden Esser gepostet wurde. Ich dachte schon daran, mich heimlich zu „entfreunden“, um Platz zu machen für interessierende FB-Nachrichten, die mir schon oft unter all den Belanglosigkeiten, die viele „Freunde“ posten, entgangen waren.

Doch vor nicht allzu langer teilte er seinen Facebook-Freunden mit, dass er erkrankt sei. Schwer erkrankt. Er postete seltener, strahlte aber immer noch in die Kamera, wobei das runde Gesicht von Mal zu Mal schmaler wirkte.

Vorgestern kam ein neuer Post: „Heaven just gained an angel… XY just passed … pls. keep hin in your prayers.“

Es folgten hunderte von Kondolenz-Posts, die meisten per FB von der Witwe dankbar beantwortet.

Ein fremdes Leben rauschte an mir vorüber. Manches befremdete mich ein wenig, manches belustigte mich, aber einiges bewunderte ich auch: Ein Mann, kein prominenter, liebt das Leben, das Essen, die Familie, fühlt sich aufgehoben im großen Kreis seiner Freunde und Bekannten, ist derart erfüllt von seinem Leben, dass er dies unbedingt mitteilen, teilen möchte.

Ich schreibe dies ohne Urteil (das sowieso anmaßend wäre), ohne Meinung, ich frage mich nur, warum mir der Tod eines Menschen, den ich nie kennengelernt habe, zu dem ich keinen Kontakt hatte, über den ich nur durch seine Posts informiert war, erstaunlich lange beschäftigt. Vielleicht, weil ich das Gefühl habe, dass dieser Mann von Grund auf freundlich, lebensbejahend und … glücklich war?

Veröffentlicht von gw am 14. Mai 2019 .
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Montag, 13. Mai, 10.10 Uhr

Großes Thema im (mir: zu) großformatigen  FAZ-Modemagazin: „Mutter am Bauhaus – Alma Siedhoff-Buscher hat Spielzeug für Kinder entworfen. Ihr Sohn, der 92 Jahre alte Schauspieler Joost Siedhoff, hält ihr Werk lebendig.“

WAS?! Schon 92? Gestern war er doch noch der „Willi“ in der Firma Hesselbach! Denn, mit Verlaub, mich interessierten das Bauhaus und  die Designerin viel weniger als Joost Jürgen Siedhoff, der als Sohn von Wolf „Babba Hesselbach“ Schmidt in den ersten elf Folgen den Hesselbach-Sohn spielte, bevor er sich in der Serie nach New York verabschiedete (wie ich damals dachte: Er hat wohl größere Ambitionen als Schauspieler). Im FAZ-Artikel ist viel über ihn zu lesen – aber kein Wort zu seiner Rolle in den „Hesselbachs“. Wahrscheinlich ist der Autor viel zu jung, um die kultische Bedeutung der Hesselbachs für uns alte Hessen zu erahnen.

Veröffentlicht von gw am 13. Mai 2019 .
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Sonntag, 12. Mai, 6.40 Uhr

Nach dem Dauerregen von gestern strahlend blauer Himmel. Frühlingserwachen? Schöner als spät rechts einschlafen. Na ja, nicht der Witz des Jahres. Jedenfalls nicht für Uli Hoeneß. Ich danke ihm für seine … nee, „Steilvorlage“ ist eine derart flache und abgelutschte Metapher, dass ich sie nie verwenden will. Aber Hoeneß/Witz steht auf der Montagsthemen-Stichwortliste an Nr. 5. Davor: Schneckenrennen / Eintracht und Bayern / Götze-Tor / Elfer-Pipi. Danach: Witz des Jahres / Fuck und Klopp / explodierender Schuh.

„Schafft den Muttertag ab!“ Auf dem Cover von der FAS … was war das für ein Lied? Von wem? Schnell gegoogelt … ach ja: „Cover of the Rolling Stone“ von Dr. Hook & the Medicine Show.

Ich wäre auch ohne Smartphone drauf gekommen. Das hat mir leider meine Kernkompetenz versaut. Der Meister des unnützen Wissens. Wie alt ist Rex Gildo? Wie groß der kleinste Mann der Welt? Solche und ähnliche Fragen wurden mir gestellt, telefonisch oft aus Berlin von Freund Ralf. Oder die liebe Verwandte, leicht alkoholbeschwingt, Partygeräusche im Hintergrund, die fragt: Hat wer wen in Heißer Sand umgebracht? Ich wusste natürlich sofort, worum es ging: Schwarzer Tino, deine Nina, war dem Rocco(*), schon im Wort / Als den Rocco sie nun fanden, schwarzer Tino, musst‘ du fort / Heißer Sand und ein verlorenes Land und ein Leben in Gefahr … und so weiter. Von Mina natürlich.  Den Job hat mir das Smartphone geklaut.

Und nun zu den Meldungen der Nacht. „Schweinsteiger feiert zweiten Sieg in Folge“ – ach, sie spielt noch, die alte Randfichte!? Und legt eine sensationelle Serie hin: zweiter Sieg in Folge. Fast schon beängstigend.

„Gegen den Trend: Zahl der Konditoreien steigt“ – weil auch der Wohlstand seit Jahren steigt. Schlagzeile kürzlich: „Immer mehr Arme“ – wie kommt’s? Liegt wohl daran, wie man Armut definiert. Nicht an Grundbedürfnissen, sondern am Durchschnitt. Bezugsgröße Nachbar.

„Lilly lästert über die Neue von Boris“ … nee, liebe Bild, bei dieser Meldung der Nacht sage ich gute Nacht. Ist ja abgelutschter als die „Steilvorlage“.

*Nachtrag: Den peinlichen „Rocko“ der Morgenversion habe ich dank Paul-Ulrich Lenz zum Rocco verbessert.

 

Veröffentlicht von gw am 12. Mai 2019 .
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