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Sonntag, 11. November, 6.30 Uhr


Daniela Katzenberger isst Sonntags Fastfood. Heißeste Meldung der Nacht bei dpa. Wie schön, dass nichts Schlimmeres passiert ist in der Welt. Dagegen klingt die Top-Schlagzeile von Bild fast betulich: Regierung fördert Computer-Games mit 50 Millionen Euro. Und der FAS-Aufmacher heute früh gaukelt sogar Aktualität nur vor: Um Seehofer wird es einsam. Wird? Ist es das nicht schon immer? Ist das nicht sein Lebens-Problem? Nur steigt jetzt wohl nicht mal mehr ein Spiegel-Redakteur zum Eisenbahn-Spielen in Horstis Keller.

Obwohl alte Knaben wie Horst und ich wissen, dass wir nur arme kleine  Schweinchen sind, nie älter geworden als dreizehn  oder vierzehn und verloren und hilflos in der Ecke unserer kleinen Welt herumstehend, ziehen wir unser Rollenspiel als Erwachsene durch. Muss ja.

Im Sonntagmorgen-Flow huscht der Gedanke noch einmal durch den Kopf, fast so schnell wie bei einem gesunden Mats Hummels („Ich lebe davon, dass ich schnell denke“), dass ich das Thema für meinen „progressiven Alttag“ im nächsten Seniorenjournal gefunden haben könnte. Er, der Gedanke, ist schon vor einer halben Stunde matseflink aufgeblitzt, als ich beim Zähneputzen in den Spiegel schaute … WAS IST DAS??!! Diese Ohren! Ist mir ja noch nie aufgefallen, wie elefantengroß sie vom Kopf abstehen. Da schrumpfe ich von Monat zu Monat, schon lange sagt kein Mensch mehr „Langer“ zu mir (ich wette übrigens, dass auch der vergleichsweise junge Hüpfer Dirk Nowitzki  keine 2,13 m mehr misst), aber die Ohren, sie wachsen und gedeihen. Auch hängen sie nicht schlaff und faltig hinunter, wie Halsfalten und Tränensäcke (Bauchschürzen erwähne ich erst gar nicht, schon das bildhafte Fachwort gruselt), sondern stehen stolz und kräftig vom Kopf ab, elastisch, straff und biegsam, ganz anders als … ach, lassen wir das … und dieses groteske Missverhältnis zum Rest-Körper wird optisch noch verstärkt durch den Schwund der Haare, deren karge Reste schütter am Kopf kleben. Früher hat man und vor allem Frau beziehungsweise Mädchen meine kleinen, süßen Öhrchen nicht mal gesehen, da vollkommen überwuchert von drahtdicken Haaren meiner Beatles-Mähne, aber heute sind die beiden absurden Riesendinger schutzlos den Blicken preisgegeben. Und wenn mich jemand auffordert: Halte die Ohren steif!, kann ich nur entgegnen: Nichts leichter als das!

Der geneigte Leser merkt, im Flow habe ich schon den Glossen-Gang eingeschaltet und lustvoll an der Alttags-Kolumne geschrieben. Im Ernst, im Ernst des alten Lebens ist es natürlich nicht so schlimm. Nicht ganz so schlimm. Eigentlich sogar ganz gut. Super, sagen sogar manche, bzw. frauche, bzw. meine. Und, jetzt ganz im Ernst: Es interessiert mich nicht mehr. Wie sehr haben wir Jungs (ihr Mädchen natürlich auch, weiß ich doch) an kleinen echten und vor allem großen eingebildeten körperlichen Makeln  gelitten – spielt heute alles keine Rolle mehr. Selbst dass ich, nach drei, vier Wochen Training und Diät, bei den California Dream Grandfathers mitmachen könnte, rutscht mir den Buckel runter.

Schluss damit, der Flow driftet ja immer schlimmer ins Alberne ab. Was steht auf dem Zettel für die Montagsthemen? Zum Beispiel Schnelldenker Hummels, der, wenn er genauso schnell laufen könnte, immer noch der Weltbeste auf seiner Position wäre. War seine freiwillige Auswechslung (ach, der Schnupfen, dieser unselige Schnupfen!) auch Ergebnis eines blitzschnellen Denkens, um das peinliche Laufduell mit Sancho zu entpeinlichen? Natürlich muss ich auch ein, zwei Sätze zum nun wirklich einmal großartigen Duell schreiben, aus dem auch der FCB (und Kovac) neue Hoffnung schöpfen könnten, ebenfalls ein Wort zu Gladbach (alle reden nur von den sieben Punkten zwischen BVB und Bayern, dazwischen lauert aber die andere Borussia). Außerdem: Sky-Werbepanne / Boateng, sein Magazin und der Rassismus / Sterling und die Schwalbe / Bernat und der Gentleman (bzw., wie heißt das? Gentilhombre?) / zum Schluss vielleicht die Popo-Werbung im Volleyball. Aber jetzt, früher Höhepunkt des Sonntags: KKKK.

Veröffentlicht von gw am 11. November 2018 .
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Sonntag, 4. November, 6.30 Uhr

Unter den während der Nacht verbreiteten dpa-Texten fällt mir eine Überschrift auf: CDU grübelt über Kandidatenkür, SPD über Existenzfragen. Perfekt komprimiert. Da könnte man sich fast den folgenden Text sparen.

Erinnert sich ein älterer Leser an die rororo-Reihen? Rowohlts Rotations … jetzt habe ich das dritte ro vergessen. Egal, ich schlag’s nicht nach, bzw. später. Jetzt habe ich ein altes Taschenbuch aus der rororo-Reihe der Monographien zum Wiederlesen auf dem Lesestapel. Erich Kästner. Habe schon mal kurz reingeblickt und bin darauf gestoßen:

 

Ihr wollt die Uhrenzeiger rückwärts drehen

und glaubt, das ändere der Zeiten Lauf.

Dreht an der Uhr! Die Zeit hält keiner auf!

nur eure Uhr wird nicht mehr richtig gehen.

Wie ihr’s euch träumt, wird Deutschland nicht erwachen.

Denn ihr seid dumm und seid nicht auserwählt:

Mit diesen Leuten ist kein Staat zu machen!

Geschrieben 1933. Aktuelles Problem: Mit den anderen Leuten auch nicht.

Noch so ein, aber ganz anderes Lese-Aha. Ganzseitiges Interview in der Welt mit Benedikt Höwedes, der in Moskau kickt. Recht interessant, aber nicht umwerfend. Vor allem nichts drin, was ich für „Ohne weitere Worte“ komprimieren  könnte. Rausgerissene Seite umgedreht. Wieder ein ganzseitiges Interview. Mit einem Urologen. Über Männer und ihre Angst. Überschrift: Die Vorsorge-Phobiker. Ja, die kenne ich Und nun zu einem heiklen Thema. Zu echten Bekenntnissen privater Natur. Die vermeide ich in meinen Texten, so gut es geht, obwohl sie manchmal sehr persönlich, ja intim zu sein scheinen (sind sie aber in der Regel nicht, denken Sie daran, dass Axel Hacke mit seinem Kühlschrank zu sprechen scheint und der sogar sein alter Freund ist und antwortet bzw. antwortete, Bosch spricht ja nicht mehr, Hacke hat die Stimmlage geändert). Es ist also selten bis nie die 1:1-Wahrheit, die in scheinbar 1:1 persönlichen Glossentexten erkennbar ist. Jetzt eine Ausnahme, weil sie für den einen und anderen Leser, vor allem männlichen, lebens-, überlebens- und lebensqualitätswichtig sein könnte. Also: Der interviewte Urologe, Frank Sommer aus Hamburg, sagt: „Und gerade Darmkrebs ist so gut heilbar! Wenn da ein kleiner Polyp ist, zwickt es bei der Behandlung kurz. Es ist wirklich ein simpler Eingriff und man verhindert, dass ein Tumor ausbricht. Das ist eine ganz coole Behandlung.“ Also sollte man zur Vorsorge gehen, zur Darmspiegelung. Ich habe in früheren Jahrzehnten, mancher Leser weiß es, einen sehr extremen Sport betrieben, für den ich mich über zehn Jahre lang gemästet habe wie ein Sumo-Ringer. Seitdem, zumal als notorisch eingebildeter Kranker (das zugehörige Fremdwort fällt mir im Moment nicht ein … beginnende Demenz? Alzheimer? So bin ich, so sind wir … mir fällt es immer noch nicht ein! Je mehr ich danach suche, desto weniger), machte ich mir schwere, schwere Sorgen. Insgeheim „wusste“ ich, dass ich Darmkrebs habe, wollte es aber nicht wissen. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Jahrzehntelang begleitete mich die eigene Diagnose, durchaus lebensqualitätsmindernd. Genauso lange hatte mich meine Frau (Sie wissen schon: KKKK) bekniet, endlich eine Darmspiegelung machen zu lassen. Als ich dann endlich, endlich aufgab und ergeben zum Schafott ging, war nur die darmreinigende Trinkkur am Tag zuvor etwas unangenehm, die Prozedur selbst aber für mich als Patient ein Klacks, ein paar Minuten nach dem Aufwachen saß ich beim behandelnden Arzt (mein Name ist der Genitiv von seinem), er zeigte mir die Aufnahmen, alles sauber und so, wie es sein sollte. Ich konnte es kaum glauben. Seitdem ist diese dunkle Wolke verschwunden. Und ich bekenne dies alles nur, um vielleicht einem Leser, womöglich sogar einigen Lesern dieses überschaubar verbreiteten Blogs (wir sind hier ziemlich unter uns) zu helfen, ebenfalls dunkle Wolken zu vertreiben.

Und damit wieder zur gewohnten Stilebene. In dem Interview habe ich mir einen Satz agestrichen: „Das Problem beim Penis ist, dass er für die Performance steht.“ Im albernen Sinn gelesen ein hübsches Ding für „Ohne weitere Worte“. Oder doch zu albern?

So, schön im Schreibflow gewesen, im sonntagmorgendlichen, aber nichts für die „Montagsthemen“ dabei, glaube ich. Muss nachher noch mal nachlesen. Bisher auf dem Themenzettel angerissener Ablauf der Kolumne: Bayern / Schadenfreude / redlich, unredlich verdient / Frau Müller, Kabine, Maulwurf / Eintracht (Zitat O.A.B. / Leser-Zitat zu den autonom geschützten Reserven der Fußballer / FC Gießen, Waldstadion, FR, Uni-Stadion, Inline-Außenbahn, verbarrikadierte Tribüne/ Eicheln, Bucheckern, Wildschweine, Möhren, Mohrrübe.

Viel, zu viel. Den FC Gießen will ich aber unterbringen. Ich schreibe es hier im Blog schon mal ins Unreine, vielleicht sogar schon ins Reine, mal sehen, was der Flow so her gibt. Nein, erst mal eine Vorbemerkung nur im Blog: Die „Anstoß“-Kolumnen erscheinen in allen Zeitungen unseres Verlags, natürlich auch in den beiden Flaggschiffen „Gießener Allgemeine“ und „Wetterauer Zeitung“. Beide legen auf ihren regionalen Seiten naturgemäß Wert auf unterschiedliche Gewichtungen. Zum Beispiel WZ auf Eishockey, GAZ auf Basketball. Oder eben auf den FC Gießen, der in der WZ eine sehr viel kleinere Rolle spielt. Im „Anstoß“ muss ich, müssen wir versuchen, den Text für alle Leser gleichermaßen verständlich zu machen, wenn ein für die eine Zeitung wichtiges, für die andere aber nur Rand-Thema zur Sprache kommt, das in deren Sportteil kaum vorkommt. Wie der FC Gießen. So, und jetzt das Unreine:

(In Alzenau 2:1 gewonnen; ich dabei; viele Gießener dabei). Der Fußball in Gießen boomt. In Alzenau war das Fernsehen dabei, Radio, und Frankfurter Kollegen haben sogar schon in Gießen nachgeschaut, was hier abgeht rund um das Waldstadion. Stichwort Waldstadion: „Wer das Waldstadion in Gießen betrachtet, der ahnt, dass noch viel Arbeit vor dem heimischen Fußballklub liegt. 1925 eröffnet, in den 50er-Jahren ausgebaut, aber seitdem ist wenig passiert. (…) Ansonsten viel Unkraut, das aus den Steintreppen sprießt“, lese ich am Samstag in der FR. Und bin zunächst mal empört, dass „mein“ Waldstadion so schlecht gemacht wird, in dem ich … na ja, in den 50er-Jahren erste Schüler-Wettkämpfe gemacht habe, und wo ich fast alles noch genauso sehe wie heute … Also kein Grund zur nostalgischen Empörung. Clou an der Sache aber: Wäre der FR-Kollege ein paar, wirklich nur ein paar Schritte, kaum 50 Meter, weiter gegangen, hätte er in einem sensationell modernen, supertollen Stadion gestanden. Eine Augenweide vor allem für Leichtathletik-Freunde, denn die Anlage ist vom Allerfeinsten, notfalls könnten hier internationale Meetings stattfinden. Aber auch die Fußballer hätten hier ein phantastisches Heim-Stadion. Wenn nicht rings um die Laufbahn eine weitere Außenbahn verlaufen würde, eine asphaltierte für Inliner, und wenn nicht die alte Tribüne zwar noch vorhanden, aber nicht ebenfalls auf moderne Standards gebracht worden wäre, sondern komplett mit großen Wackersteinen verbarrikadiert wurde (Zutritt verboten!), damit ja keiner auf die Idee kommt, diesem Superstadion …

Breaking News für mich. Hypochonder! Hypochonder. Jetzt hab ich’s wieder. Danke, alter Kopf.

… den Daseinszweck zu geben, den es verdient hätte. Denn die gesamte Anlage dient nur der Sportstudenten-Ausbildung, und die Uni hat allen Ansinnen un-universitärer Kreise, das Stadion eventuell nutzen zu können, bewusst und rigoros einen Riegel vorgeschoben. Wie mit der absichtlich unbrauchbar gemachten Tribüne. Das Stadion muss ein paar Fantastillionen gekostet haben. Alles nur für Sportstudenten, deren im Schnitt beklagenswerte sportliche Fähigkeiten ich nur zu gut kenne, aus eigenen Sportstudiumszeiten. Und da steht dann eine perfekte, ultramodernere, kostspielige Hammerwurfanlage auf dem Platz, und ich stelle mir vor, wie dort der gemeine Sportstudent herumtaumelt … aber was an einen Schildbürgerstreich erinnert, ist keiner, sondern … ja, was sonst? Mir kommt es vor wie elitäre akademische Arroganz.

Huch, wie die Zeit vergeht. Schluss jetzt. Beziehungsweise Pause. Da kommt sie schon. KKKK!

 

Veröffentlicht von gw am 4. November 2018 .
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Mittwoch, 31. Oktober, 9.30 Uhr

Die neue Zeit ist schon da. Wie immer lese ich zuerst die letzte Seite. Inhaltsangabe. Direkt neben- bzw. untereinander:

Unterwegs im großen Treck. Die Karawane der Migranten, die seit Wochen durch Mittelamerika in Richtung USA zieht. Die Migranten, heißt es, sind dankbar, dass jemand einen Ozean überquert, um von ihrem Schicksal zu berichten.

Wo die Klorollen fliegen. Wie schlimm sind die Zustände an den Schulen wirklich? Keiner weiß das besser als die Hausmeister. Wir haben fünf von ihnen zum Gespräch gebeten. Für das zweistündige Gespräch hat die Zeit fünf Hausmeister aus ganz Deutschland eingeladen.

Was ich daran als zwiespältig empfinde? Noch ein Stück. Aus der FAS. Eine Autorin, eine sehr gute, ist auf der hessischen Spur sechs (oder sieben, oder fünf? Egal.) Tage lang jeden Morgen aufgebrochen und in den Ort gefahren, wo Heinz Schenk begraben liegt, immer mit Apfelwein im Gepäck. Ist eine sehr schöne Geschichte geworden … aber …

Auch das Hausmeister-Interview ist sehr interessant zu lesen. Die Reportage über die mittelamerikanischen Migranten sicher auch (kam noch nicht dazu). Was also ist der Zwiespalt?

Ich kann es nicht exakt benennen. Stichworte: Fünf Hausmeister fahren für ein Presse-Gespräch durch halb bis ganz Deutschland. Eine Zeit-Autorin fliegt nach Mittelamerika, um dort Migranten zu beobachten und zu befragen. Eine FAS-Autorin fährt für einen Text eine Woche lang täglich zum Grab von Heinz Schenk.

Ich versuche erst gar nicht, mein rumorendes Unbehagen zu definieren. Ich spüre, dass ich mich nicht verständlich ausdrücken kann. Ich lasse es also. Nur dass es rumort, das lasse ich raus.

 

Veröffentlicht von gw am 31. Oktober 2018 .
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Dienstag, 30. Oktober, 18.45 Uhr

Noch ein paar Mal den Ski-Service angerufen bzw. anzurufen versucht. Geringste Wartezeit: 16 Minuten. So viel Zeit hat auch der Rentner nicht. Dann den Alternativ-Vorschlag angenommen: Im Live-Chat bei Sky.de mein Anliegen vorbringen. Prompt kam eine Antwort, aber eine vorgefertigte, allgemein gehaltene, an meinem Problem vorbei. Nächster Versuch. Ebenfalls prompte Antwort: Wir werden Ihre Anfrage per Mail beantworten, das geschieht in der Regel innerhalb weniger Tage. Tage???, denke ich verblüfft. Wirklich Tage??? Fast hätte ich den Zusatz überlesen: Da zur Zeit so viele Anfragen vorliegen, kann es länger als einige Tage dauern. Danke, das genügt mir jetzt.

Was tun? Frustriert klappere ich mit der Fernbedienung meine Kanäle ab. Bis 600 war ich gestern gekommen. Und siehe da, auf Kanal 960: Sky Sport 2! Das isser doch, oder? Der mit den Einzelspielen in der Champions-League. Am nächsten Spieltag werde ich es wissen.

Dass ich tollpatschig war (bin, ich weiß), ist das Eine. Das Andere ist die Verarschung. Für die ich auch noch viel Geld bezahle. Geschieht mir recht. Ich hab’s ja so gewollt.

Was machen eigentlich untollpatschige Sky-Kunden, die ein echtes Problem haben? Verbringen die ihre Tage in der Warteschleife?

Veröffentlicht von gw am 30. Oktober 2018 .
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Sonntag, 28. Oktober, 5.50 Uhr

… aber eigentlich schon 6.50 Uhr. 20 Minuten sind also schon aufgeholt und abgelegt. Das Gezetere um die Zeitumstellung – wenn das unsere größten Sorgen sind! Im Sommer eine Stunde länger Sommer-Gefühl, im Winter eine Stunde länger Winter-Atmosphäre, ich find’s gut. Uhr umstellen und fertig.

Meldungen der Nacht: In Leicester ist nach dem Spiel der Hubschrauber des Besitzers mit dem komplizierten Namen abgestürzt. Nach ersten Berichten mit ihm. Und die Zahl der Opfer des Attentats in der US-Synagoge ist von vier auf elf gestiegen.

Für die Montagsthemen notiert: Menotti 80, Daum 65. Soll ich noch einmal die salonsozialromantische Mär vom linken und rechten Fußball des einen bemühen? Und/oder, dass der andere immer bis in die Haarspitzen unter Strom stand?

Aufmacher in der FAS: „Hessens Wahl“. Bebildert mit einem riesengroßen Bild eines gut gefüllten Appelwein-Schoppens. Das gerippte Glas ist nicht halb voll oder leer, sondern randvoll. In Originalgröße gingen wohl an die fünf Liter vom Stöffsche in das FAS-Glas. Am Rand oben ist aber zu lesen: „0,25 l.“  Ein Damenglas. Ist das Wort diskriminierend? Dann schreibe ich in ausgleichender Diskriminierung ein anderes hübsches Wort: Herren-Gedeck. Von dem weiß ich übrigens immer noch nicht, was es bedeutet (Pils und Korn?). Will’s auch gar nicht mehr wissen. Schon viel zu viel unnützes Wissen im Kopf, das neuem Wissen den Weg in die Hirnwindungen verstopft.

Bayern und BVB. Alte Strukturen, scheinbar aufgeweicht, verfestigen sich scheinbar wieder. Bayern siegt, wie die Bayern nun mal siegen. BVB reißt hinten patzend ein, was er vorne stürmend aufgebaut hat. Allerdings eine Expertise, bei der ich auf das bewusst verdoppelte „scheinbar“ im vorvorigen Satz verweise. Alle Fußball-Voranalyse stimmt bis zum Anpfiff und ist nach dem Abpfiff schnell vergessen. Vor allem von den Autoren der Expertisen.

Kleine Themen für die Kolumne, heute oder später, hier schon mal vorsortiert und aus dem Stegreif (das Wort muss ich mal nachschlagen; hab’s wahrscheinlich schon früher getan und erklärt, aber schon längst vergessen)

… Breaking News: Ein Marienkäfer krabbelt an der Schreibtischlampe hoch. Jetzt sehe ich ihn nicht mehr. Kleiner Freund, pass auf, dass du nicht verzischst! Auch an den Rollos im Arbeitszimmer sehe ich in den letzten Tagen den einen und anderen Käfer, offenbar auf dem Weg ins Winterquartier. Jedes Jahr um diese Zeit die gleiche Frage: Wie kommen die kleinen Kerle bloß ins Haus und ins Zimmer? Was speisen sie in den nächsten Monaten? Wie kommen sie wieder raus? …

… wo war ich? Im Stegreif. Im Flow weiter mit der Vorsortierung. Mario Götze spielt, als habe man ihm den Verzögerungs-Chip explantiert. Endlich wieder der alte junge Götze!  / Online-Schlagzeile während des Spiels: „Prügelei mit Polizisten“. Schon das Wort „Prügelei“ stört mich. Es implantiert, nee, impliziert, dass sich hier zwei Gruppen auf Augenhöhe und auf gleichem Niveau kloppen wie die Kesselflicker. Wie bei einer Kirmesschlägerei. Aber hier greifen kriminelle Idioten uns alle an, denn die Polizei ist für uns da, vor allem für die Schwächeren von uns, die sich nicht selbst schützen können. Die Polizei ist Freund, Helfer und Schützer des Bürgers, der ihm diese Aufgabe übertragen hat. Wer die Polizei angreift, mit Steinen, Flaschen oder, wie in Dortmund, mit Stangen, der müsste wissen, dass er sich in Lebensgefahr begibt und nicht in einen fröhlich-folgenlosen Zeitvertreib. Leider ist es meistens dennoch Letzteres, und meistens werden fast ausschließlich Polizisten verletzt. Dass ich für viel härteres Durchgreifen bin, ist die eine Seite. Die andere: Natürlich muss genauestens geprüft, aufgeklärt und gegebenenfalls geahndet werden, ob bzw. wenn es zu polizeilichen Willküraktionen und Fehlverhalten kommt. Wichtig aber bleibt: Wer einen Polizeibeamten tätlich angreift, muss wissen, dass er mit dem Kopf gegen die Wand läuft, und dass dann der Kopf blutet und nicht die Wand.

Mein Knie hat geblutet, sonst nichts, als ich vor ein paar Tagen mit dem Rad im Nachbardorf eine Abkürzung nahm, um eine doppelte Ampel zu vermeiden. Clever, gelle!? Machen viele so, man sieht es an der eingefahrenen Spur im Gras. Plötzlich quietschen Bremsen, auch ich bremse instinktiv, rutsche und rummse mit der Seite und dem Knie gegen eine Autotür. Sonst ist nichts passiert. Am Auto, ein sowieso ziemlich verschrammtes Exemplar, ist zwischen den alten keine neue Delle zu entdecken. Der Fahrer sitzt schreckensstarr am Steuer. Ich klopfe an die Scheibe. Er lässt sie runter. Ich: „Tut mir leid, dummer Fehler von mir, sorry. Ist aber nichts passiert. Mir nicht und auch dem Auto nicht.“ Er (nickt): „Nix passiert.“ Ein junger Mann mit offensichtlich migrantischen Wurzeln. Kein bisschen böse. Fährt weiter, ohne auszusteigen und das Auto zu kontrollieren.  Erleichtert. Wie ich. Die Abkürzung nehme ich nie wieder.

Ich schreibe es jetzt auch nur (eigentlich wollte ich es schamhaft für mich behalten), weil ich beim Schreiben ein Piksen im Knie spüre. Wie schön öfter in den letzten Tagen. Meniskus? Hatte ich als Sportler nie. Und jetzt als alter dummer Sack, der mit dem Knie gegen ein Auto rummst?

Schnell weiter mit der Vorsortierung: Hitzlspergers feiner Humor hat die Wahl zum Fußballwort des Jahres gewonnen, vor dem plakativeren „Bruda, schlag  den Ball lang.“ / Heike Drechsler, IM und der deutsche Hang zur göttlichen Offenbarung in Stasi- und überhaupt Akten. / Rivaldo, Rolandinho und die Wahl in Brasilien. / Dick Fosbury und Günter Eisingers Anruf. / „Neue“ Erkenntnisse für das Fitness-Training: „Muskeln müssen brennen“ (siehe „Flushing“, beschrieben schon in den 60ern; später hab ich es in Mini-Serie wie „Fit in den Frühling“ beschrieben).

Na ja, genug Stoff für die Montagsthemen. Nachsortierung: Bayern, BVB, Götze, Polizei, Hitzlsperger, Drechsler, Eisinger – das muss rein. Rest kann draußen bleiben. Jetzt Samstags-SZ, FAS, KKKK, dann sehen wir weiter. Guten Morgen noch, wer auch immer um diese Zeit schon mitliest.

 

Veröffentlicht von gw am 28. Oktober 2018 .
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Baumhausbeichte - Novelle