Archiv für die Kategorie »Blog – Sport, Gott und die Welt«

Veröffentlicht von gw am 15. Juni 2021 .
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Teich-Phänomene

Interessierte Leser haben Teich-Beobachtungen vermisst. Hier ein Update: Kröten kamen in diesem Frühjahr nur ein paar wenige, etwa drei bis fünf (statt 80 bis 100 wie in den Jahren zuvor). Dafür gibt es mehr Molche, kaum zu zählen, jedenfalls weit dreistellig. Aber weder Kröten noch Molche haben gelaicht, keine einzige Kaulquappe im Teich. Sehr schade. Aber jetzt das Phänomen: In diesen Tagen krabbeln immer mehr gefährlich aussehende Raupen aus dem Teich und verwanden sich in Libellen. In den Jahren zuvor waren es vielleicht fünf oder sechs, in diesem Jahr sind es schon ca. 50. Immer wieder ein beeindruckendes (sehr langsames) Schauspiel, wenn sie als Raupen an den Halmen oder sogar, wie jetzt, an der Hauswand kleben, sich ruckartig (pro Minute ungefähr ein Ruckchen) aus ihrem Panzer quälen, erschöpft bis zu Stunden mit zusammengeklebten Flügeln ausharren und dann majestätisch in die Lüfte helikoptern.

Veröffentlicht von gw am 15. Juni 2021 .
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Was dem hervorragenden Satz gelingt

In einem FAS-Text über die documenta und die NS-Vergangenheit des Mitgründers Haftmann lese ich in der Einführung zu einem Interview diesen Satz:

Sie (Anm.: die documenta) zeigt anhand einmaliger Archivfunde, Kunstwerke und Fotografien nicht nur, wie die erstmals 1955, dann alle vier bis fünf Jahre stattfindende Schau in Kassel zu einer der wichtigsten Kunstausstellungen der Welt aufstieg; was dem hervorragenden Katalog gelingt, ist darzustellen, wie im Kalten Krieg  mit Kunst Politik gemacht wurde und wie die Bundesrepublik sich über die Kunst ein Selbstporträt als moderner, westlich orientierter Staat entwarf.

Whow! Welch ein Satz! Beim ersten Lesen, auch dank der Kommas und des Semikolons, verstehe ich ihn nicht, beim zweiten mache ich mich über den Wortsalat lustig (deswegen steht er hier) – und beim Abschreiben für den Blog stelle  ich fest: Eine korrekt konstruierte Hypotaxe, sich darüber lustig zu machen, stellt nur den Belustigten bloß; was dem hervorragenden Satz gelingt.

Veröffentlicht von gw am 15. Juni 2021 .
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Leichtathletik und der Sack Kartoffeln

Der „Sack Kartoffeln“, auf den sich mein ehemaliger Sportredaktionskollege Manni Merz  bezieht (siehe „Mailbox“), stand in einem reinen Zeitungs-Interview, bedarf daher einer Erklärung für reine Online-Leser. Anlässlich diverser Erinnerungsartikel zum 75-Jährigen der Zeitungen unseres Verlags gab es kürzlich ein schriftliches  Doppel-Interview mit der ehemaligen Siebenkämpferin Birgit Clarius und dem ehemaligen Kugelstoßer Steines. Da ich momentan aus rein technischen Gründen keinen Zugriff auf den veröffentlichten Artikel habe, kann ich hier nur meine Antworten in den Blog stellen (in der Zeitung aus Platzgründen gekürzt,  die letzte Frage fiel komplett weg). – Die Fragen:  Was war Ihr außergewöhnlichster aktiver Moment in oder mit Ihrer Sportart? / Ist die Leichtathletik für den sportlichen Nachwuchs attraktiv? / Was kann die Leichtathletik tun, damit sie mehr Akzeptanz und Zulauf erhält? / Wie sind Sie der Leichtathletik noch verbunden? / Würden Sie sich noch einmal für Ihre Disziplin entscheiden? / Was verbinden Sie mit Birgit Clarius? – Meine Antworten:

 

1.Vorolympischer Tag 1975 in Hannover, wichtigster Wettkampf des Jahres. Ich hatte kurz zuvor aus dem Training heraus 20,12 m gestoßen, war in Topform und fühlte mich bereit für den deutschen Rekord und vielleicht sogar für 21  Meter. Schon vor dem letzten Versuch stand ich als Sieger fest, vor  dem Weltrekordler Al Feuerbach, war aber mit den bisher erreichten 19,99 m sehr unzufrieden. Im Niedersachsenstadion wurde vor 40 000 Zuschauern mein Sieg durchgesagt und der letzte Versuch angekündigt. Aus allen Ecken des Stadions sprinteten die Fotoreporter herbei, kauerten hinter dem Ring nieder und richteten ihre Objektive auf mich. Als ich mich zum Auftakt des Stoßes  niederbeugte, versank ich mit dem Kopf fast in der dicht herandrängenden Meute. In diesem Moment schoss mir der Gedanke durch den Kopf, wie absurd die Situation war. Der kleine Gerhard aus dem Gießener Asterweg wirft eine Kugel, für ihn sehr wichtig, aber für die Welt nur ein Sack Kartoffeln, der in der Wetterau umkippt, und dennoch steht er plötzlich im Mittelpunkt. Die Konzentration war weg, der Versuch ungültig, ich war tief enttäuscht, fast verzweifelt, wurde aber zu meinem „großen Sieg“ über den Weltrekordler beglückwünscht, obwohl für mich ein großer Sieg nur der über mich selbst gewesen wäre, also eine neue persönliche Bestleistung Richtung 21 Meter. Diese Konstellation wiederholte sich regelmäßig und prägte meine portliche Laufbahn:  Je besser in Form, desto tiefer die Enttäuschung, da die Erwartung zu groß war.

2.
Leider nein. Um in der Leichtathletik Erfolg zu haben, muss man viele Jahre lang trainieren, oft sehr mühsam, mit vielen Rückschlägen, öffentlich unbeachtet und ohne Erfolgsgarantie.  Das verträgt sich nicht mit dem „Spaß haben“-Anspruch der Event-Gesellschaft und ihrem Ex und Hopp an „Kicks“, zum Beispiel den wechselnden Funsportarten. Daran ist aber nicht „die Jugend“ schuld, denn das wird ihr vorgelebt. Kürzlich habe ich auf Instagram ein Videoschnipsel von Malaika Mihambo gesehen, als kleines Mädchen beim Weitsprung. Hinter ihr drängten sich viele Mädchen und Jungs, die nach ihr drankamen, ein wildes, schönes Gewusel auf dem Platz und auch auf der Tribüne. Tempi passati.

3.
Leider wenig. Sie versucht zwar, sich an den Zeitgeist anzupassen, mit Hoppsassa und Trallala, Einlauf-Brimborium, schnellerer Wettkampfabfolge usw., aber am Grundproblem, das aber gleichzeitig ihre Stärke ist, kann sie nichts und sollte sie nur wenig ändern. Wer dem Geist der Zeit hinter läuft, hinkt … hinterher. Damit abfinden, abputzen, weitermachen, für sich selbst, für die Leichtathletik, nicht für den Zeitgeist.Das spricht aber nicht gegen kleine, attraktive Regeländerungen (wie gemischte und Pendel-Staffeln oder Duo- oder Trio-Teamwettkämpfe in den technischen Disziplinen).

4.
Nur noch ideell und als interessierter Zuchauer. Leider selten vor dem Fernseher, mangels Übertragungen. Auf youtube, Facebook oder Instagram finden sich aber viele aktuelle Spots, meist von den Sportern selbst gepostet,  auch mit interessanten Einblicken ins Training.

5.
Ich möchte die Erfahrungen nicht missen, die ich mit und durch die Extremdisziplin Kugelstoßen gemacht habe, auch wenn sie mit vielen Enttäuschungen verbunden waren und einer ungesunden extremen Ernährung (jahrelang Mastkur bis auf über 130 kg), vom Dopingproblem ganz zu schweigen (geschrieben habe ich dazu viel mehr als genug). Zudem haben mir die exklusiven Einblicke in die Hintergründe und die Heuchelei der Verantwortlichen, bis in höchste staatliche und politische Stellen, berufliche Vorteile gebracht, da selbst die investigativsten Journalisten nur aus zweiter Hand informiert waren, ich aber aus erster, aus meiner. – Vom Talent her wäre ich aber besser Zehnkämpfer geworden, meine Faszination, oder Handballer geblieben.

6.
Birgits Karriere begann, als meine endete, wir haben also keine gemeinsamen Wettkampf-Erinnerungen. Ich habe aber ihren Werdegang aufmerksam und fasziniert verfolgt und war menschlich wie sportlich sehr beeindruckt. Für mich ist sie die beste mittelhessische Leichtathletin aller Zeiten (denken Sie sich das Binnen-I hinzu, da geschlechtsübergreifend gemeint), zumal sie als Mehrkämpferin in einer Kerndisziplin startete, in der die Konkurrenz weltweit groß ist.

Veröffentlicht von gw am 13. Juni 2021 .
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Manfred Merz: Sack Kartoffeln

Dass Du den Sack Kartoffeln im Leichtathletik-Interview am Mittwoch in der Wetterau hast umkippen lassen, rechne ich Dir hoch an 🙂
Gerade habe ich meine Tochter Johanna (9) mit dem Fahrrad zum Friedberger Burgfeld gefahren, wo der TSV Friedberg-Fauerbach bei der Mädchengruppe einen solchen Zulauf hat, das sogar noch eine dritte Einheit am Samstag angeboten wird. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt . . . (Manfred Merz)

Veröffentlicht von gw am 13. Juni 2021 .
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