Archiv für die Kategorie »Blog – Sport, Gott und die Welt«

Sport-Stammtisch (vom 26. September)

Der Fußball »genießt offenbar Narrenfreiheit« (Frank Ulrich Montgomery, Chef des Weltärztebundes) und schreibt dennoch oder deswegen die schönsten Geschichten (siehe Javi Martinez, künftig Ex-Bayernspieler). Ein weites Feld, auf dem Fußball gespielt wird.
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Wenn es für die Nationalelf im Nations Cup um die verschrumpelte Ananas geht, wie von mir und hier gespottet, dann ging es für die Bayern gegen Sevilla um die vergiftete Kokosnuss. Wie die Operation am offenen Corona-Herzen … (weiter in der Rubrik rechts „gw-Beiträge Anstoß“)

Veröffentlicht von gw am 25. September 2020 .
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Markus Lanz und Jesse Jackson

Same procedure as last week. Die Kolumne für morgen ist viel zu lang geraten für die Zeitung. Schon bevor ich die Rohfassung redigiere, „kille“ ich diese Absätze:

 

Schließlich noch ein Blick in die Literatur. Letzten Samstag zitierte ich aus Monika Marons aktuellem Roman »Markus Lanz«, über die »Ritterlichkeit«, die es heute nicht mal mehr Sport noch gebe. Das war zu Beginn des Romans. Mittlerweile nähere ich mich dem Ende und lese die – angeblich wahre – Geschichte von Jesse Jackson, »wie er nachts Schritte hinter sich gehört habe und wie er (…) »erleichtert gewesen sei, dass der Mann hinter ihm ein Weißer war.« Das Gefühl habe ihn beschämt. – Für Nachgeborene: Jackson war ein schwarzer Bürgerrechtler. Sind wir nicht alle ein bisschen … Jesse?
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Jackson war 1984 und 1988 Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, trat erst gegen, dann für das Recht auf Abtreibung ein, fiel mit antisemitischen Ausfällen auf und wollte Barack Obama 2008 »am liebsten die Eier abschneiden« (nach einem Interview war das Mikro noch eingeschaltet). Kurz danach hatte er bei Obamas Siegesrede Tränen der Rührung in den Augen.
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1968 behauptete er, Martin Luther King sei in seinen Armen gestorben (was nicht stimmte). Danach trat er mit einem blutbefleckten Pullover im Fernsehen auf (Fakten laut Wikipedia). Sind wir nicht alle ein bisschen …? Nein, bitte nicht.

 

Vielleicht übernehme ich die Sätze in die Kolumne für nächsten Samstag (wie heute den LA-Absatz von letzter Woche) … nee,  da ist ja Feiertag, die nächste schreibe ich erst in 14 Tagen. Bis dann!

Veröffentlicht von gw am 25. September 2020 .
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Sport-Stammtisch (vom 19. September)

Das Auftaktspiel also doch ohne Zuschauer. Wann dürfen wo wie viele Zuschauer ins Stadion? Die Antwort geben Corona und die Politik. Eine mich mehr bewegende Frage kann nur der Fußball selbst beantworten, indem er die Behauptung der Protagonistin in Monika Marons neuem Roman »Artur Lanz« widerlegt, ehrenhafte »Ritterlichkeit« gebe es »heute nicht einmal im Sport. Eine Fußballmannschaft, der unrechtmäßig ein Elfmeter zugesprochen wurde, würde ihn bedenkenlos in ein Tor verwandeln und den unverdienten Sieg reuelos bejubeln«. – Eine Frage der Ehre. Ich hoffe auf das Debüt der Ritterlichkeit in der Bundesliga. Die Saison wäre für mich gerettet, Corona hin, Zuschauer her.
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An der Gegenwarts-Literatur Interessierte … (weiter in der Rubrik rechts „gw-Beiträge Anstoß“)

Veröffentlicht von gw am 18. September 2020 .
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So wahr das?

Der Prozess um die „Operation Aderlass“ beginnt. In der Vorberichterstattung des sid kommt „der Sportrechtler Michael Lehner“  ausführlich zu Wort. Wie auch aus diesem Blog bekannt, ist er ein prominenter deutscher Antidoping-Kämpfer. Fast, aber nicht ganz so  prominent medial sichtbar wie Prof. Werner Franke,  der viel zitierte „Molekularbiologe aus Heidelberg“, sein ehemaliger Freund und aktueller Widerpart.

In dem Zwist geht es, wie ebenfalls im Blog erwähnt, vorsichtshalber aber nicht auserzählt, um die Deutsche Opfer-Hilfe (DOH), um Opferrenten auch für  Nachkommen von gedopten DDR-Sportlern, um die Frage, ob sie zwangsgedopt waren oder freiwillig mitgemacht haben, und das alles wird stellvertretend auch von zwei prominenten Ex-DDR-Persönlichkeiten ausgefochten, dem Trainer H. M. und der Sprinterin I. G., in deren juristische Auseinandersetzungen ich nicht hineingezogen werden möchte (siehe „vorsichtshalber“).

Es geht nicht nur darum, wer die Wahrheit sagt, sondern auch, was die Wahrheit ist. Denn in Sachen Doping gibt es zwar viele Lügen, aber fast noch mehr Wahrheiten.

Mich reizt es, diese multiplen Wahrheiten in einem Text sichtbar zu machen, ohne auf die internen DOH-Auseinandersetzungen einzugehen. Es ginge ausschließlich um den Ex-Kugelstoßer G. S. Ich könnte sehr überzeugend und juristisch wasserdicht behaupten, dass ich in den 70er Jahren nicht nur weltweit der erste Sportler überhaupt war, der sich freiwillig und jederzeit Dopingtests unterzogen hat, also auch im Training (Trainingskontrollen gab es damals nicht), sondern auch, dass diese Tests überzeugender waren als die heutigen mit ihren „Missed test“-Möglichkeiten und der vorherigen Anmeldung der Dopingtester (bei mir klingelte es abends an der Tür, ich  machte auf, der Tester stand da, zeigte das Röhrchen, und sofort musste ich es füllen). So geht die erste Wahrheit weiter: Weil ich nachweislich nicht gedopt hatte, konnte ich zwar die humane olympische Norm von 19 m erfüllen (im Quali-Zeitraum 20,12), aber nicht die auf zwei Mal in festgelegten Wettkämpfen zu stoßende intern erhöhte deutsche Norm von 20,60 m, eine knallharte Doping-Norm, was alle wussten und für richtig befanden, auch und vor allem die Medien. Ich bin also als erster nachgewiesen hundertprozentig sauberer Sportler ein Vorzeige-Opfer und müsste als solches von der DOH-Opferrente beziehen, in die Hall of Fame aufgenommen werden und als leuchtendes Vorbild in die Sport-Historie eingehen.

Ich hätte diese erste Wahrheit ausreizen und bis zum heutigen Tag davon materiell und ideell profitieren können, wenn es nicht die zweite Wahrheit gäbe, und eine dritte dazu.

Ich bin froh, die zwei falschen Wahrheiten frühzeitig eliminiert zu haben und bei der einzig wahren Wahrheit geblieben zu sein.

Was mich reizt, wäre eine Erzählung der ersten Wahrheit, sie in einem daneben stehenden Text mit der zweiten Wahrheit zu falsifizieren und schließlich noch die dritte Wahrheit nicht gerade als Lüge zu enttarnen, aber ihre zeitgeschichtliche Unmöglichkeit zu bekennen.

War das so? So wahr das!

Ob oder was das mit dem aktuellen Fall zu tun hat, das zu beurteilen wäre Sache des Lesers.

 

 

Veröffentlicht von gw am 15. September 2020 .
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„Lebensziel erreicht“ …

… lese ich. Wo? Irgendwo halt. Ich beschmutze kein Nest, auch nicht das, aus dem ich längst weggeflogen bin und nur noch einmal pro Woche zu Besuch komme.

Sein „Lebensziel erreicht“ hat Dominic Thiem. Sein? Das suggeriert die Schlagzeile. im Text aber steht: „Ich habe ein Lebensziel erreicht.“ Sein oder ein, das ist ein gewaltiger Unterschied. Wäre es sein Lebensziel, müsste man ihn bedauern, ist es ein Lebensziel, darf man ihn beglückwünschen.

Sein oder ein, das mag man als Petitesse einordnen. Aber es ist ein typisches Beispiel für nur nachlässige (wie hier) oder bewusst tendenziöse Schlagzeilenformulierungen über Interviews, die dem im Text Gesagten nicht entsprechen.

Gekackte Korinthen oder ein Mosaiksteinchen der Moderne?

Veröffentlicht von gw am 15. September 2020 .
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