Archiv für die Kategorie »Blog – Sport, Gott und die Welt«

Moderne Kunst

Moderne Kunst. Ich will kein Banause sein, mich nicht auf billige Art über sie lustig machen, daher gehe ich manchmal offenen Auges und Geistes ins Museum. Diesmal wieder ins Frankfurter MMK. Will mich inspirieren lassen und hoffe, Eindrücke wider mein latentes Vorurteil zu sammeln. In der schönen, großen, hellen Eingangshalle schaue ich mich um. Rechts geht es in einen Nebenraum, aber der ist mit Plastikplanen ausgelegt, auf dem irgendwelche Utensilien liegen. Da wird also gearbeitet. Ich gehe weiter. Großer Raum, mittendrin ein paar Fetzen undefinierbarer Art. Hier wird scheinbar auch noch etwas vorbereitet. Im nächsten Raum ein Podest mit würfelartigem Glasaufsatz. Unter dem Glas ein halb abgebranntes Streichholz. Sonst nichts. Im nächsten Raum ein anderes Podest von einem anderen Künstler. Darauf eine Plastikzitrone, wie ich sie auch habe und mit ihr Zitronensaft in mein Wasser spritze.

Oweh, mein Vorurteil. Will nicht schrumpfen, sondern wachsen. Zum Glück gibt es auch einige Objekte, vor denen ich sinnierend stehen bleibe und die Inspirationen und Assoziationen wecken. So soll’s sein.

Aber die meisten Stücke sind, hier spricht der Banause, nur Quatsch. Es sei denn, man liest im Ausstellungskatalog, wie ich später in der gleichnamigen Kneipe gegenüber vom Eisernen Steg, was sich der Künstler bzw. seine kunstsachverständigen Interpreten gedacht haben. Und das ist eine ganze Menge. Hochgestochen und ziemlich viel gequirlte … na ja. Aus dem Wortlaut zur Eingangshalle (A/ja, das ist auch ein Kunstwerk, wie auch der plastikabgedeckte Raum) und zum Raum mit den undefinierbaren Fetzen (B):

A: Beim Betreten der zentralen Halle des  Museums macht die Leere erstaunen. Die Erwartung von etwas Greifbarem, etwas Sichtbarem und vielleicht auch Begreifbarem (…) eine der Annahmen, die wir mit dem Ausstellungsraum verbinden. Das Kunstwerk „Looking for something  that has already found you – The invisible Push“  nimmt keine visuelle Veränderung vor, sondern gibt alleine die Architektur zu sehen. Dieses Kunstwerk öffnet einen Möglichkeitsraum für das Kommende und für die Wahrnehmung von etwas, das uns schon gefunden hat.

 

B: Pieces der amerikanischen Künstlerin Laurie Parsons besteht aus Resten oder Dreck, weggeworfen aus Dingen, die aus der Umgebung ihres Ateliers stammen. Die einzelnen Teile stehen in keinerlei Verbindung zueinander, alles wirkt, als seien sie bei einem Umzug liegengeblieben und zusammengekehrt worden.

Wohinter natürlich großer Sinn steckt. Ohne weitere Worte des Banausen. Vermutlich wird  die Künstlerin Jana Euler daher lieber auf meine Worte zu ihrem „Triptychon“ verzichten, denn Lob eines Banausen könnte als schmachvoll und oberpeinlich empfunden werden. Daher nur so viel: Am längsten stand ich vor ihrem großformatigen Werk im MMK-Treppenhaus. Schauen, einwirken lassen, sinnieren, Gedanken schweifen lassen – das zu bewirken, ist für mich Kunst.

Einiges davon ist auf der Web-Seite des Museums für Moderne Kunst nachzuschauen.

Veröffentlicht von gw am 21. November 2019 .
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Gnabry

Er wird noch oft im Kochtopf rühren, abgeguckt bei einem NBA-Ass, was nichts daran ändert, wie unnatürlich diese „Jubelgeste“ wirkt. Er schießt ein Tor, ihn durchzuckt (nehme ich jedenfalls an) wilde Freude, wie jeden Torschützen, die ihn in ihrer natürlichen Form wie einst Gerd Müller in die Höhe treiben will, mit hochgerecktem Arm und zappelnden Füßen, aber nein, er hat ja ein Markenzeichen, ein „Brand“ einstudiert, also muss er pantomimisch darstellen, in einem Kochtopf zu rühren … ach ja, die Jungs haben’s schon schwer, nicht mal freuen dürfen sie sich unbeschwert. Neu im Merchandising-Programm: Mini-Kochtopf mit Rührbesen, mit Gnabry-Konterfei , wahlweise in Bayern-Rot oder (ein paar Euro billiger) schwarzrotgold.

Liebe Frauenfußballoftgucker, können Sie meine Vermutung bestätigen, dass die Fußballerinnen diesen Quatsch gar nicht erst mitmachen?

Veröffentlicht von gw am 21. November 2019 .
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Vollendete Vergangenheit (Gießener Senioren-Journal vom 23. November)

Plusquamperfekt. Plötzlich ploppt das Wort im Kopf auf, bleibt hartnäckig wie ein lästiger Ohrwurm und fragt listig: Kennst du den Unterschied zwischen mir und Präteritum, Imperfekt und Perfekt? Klar, also, äh … schon komme ich ins Stottern. Als Sextaner hätte ich nicht gezögert. Damals ist mir alles zugeflogen. Grammatik, Rechtschreibung, sogar Mathe. Doch schon in der Quinta ging es den Bach runter. So schnell, wie die Pubertät kam, ging der IQ und blieb im Plusquamperfekt verborgen, in der vollendeten Vergangenheit.
*
»Wär ich doch so jung und mir die Kraft beständig«, klagt ein anderer alter Mann in seinem progressiven Alttag, doch »mir ist not, dem traurigen Alter zu gehorchen«. Nestor ist es, der weise Greis aus der griechischen Mythologie, der sich wehmütig und stolz an seine Jugend erinnert: »Da kam kein Mann mir gleich«, denn »damals schien ich hervor unter den Helden«. Na ja, wie sich Greise eben glorifizieren. Ich taugte nie zum Helden. Auch damals nicht. Mein Leben nach der Sexta begann mit pubertären Wunschträumen, inspiriert vom Minnesänger Walther von der Vogelweide (»küszt sie mich? wol tusentstunt. Tandaradei«), der auch den gerontologischen November-Blues singt: »Oewe war (wohin) sind verswunden alliu miniu jar?«
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Meine Vorvergangenheit ist in der Sexta verswunden und verschollen. Erhalten blieb aber der ………  (Fortsetzung in der Rubrik rechts:  „Mein progressiver Alttag“ / Texte in chronologischer Folge,  aktuelle also immer am Schluss)

Veröffentlicht von gw am 21. November 2019 .
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Hummels

Zurück in die Nationalelf? Was spricht dafür, was dagegen? Im 1:1-Modus, wenn der Gegner nicht im Vollspeed an- und vobeigerauscht kommt, sowie in der sogenannten Spieleröffnung immer noch Weltklasse. Als Menschentyp auch und vor allem in der eigenen Mannschaft polarisierend, da zu schlau, eloquent, besserwisserisch und sozial abgehoben für und vom Gros der Mannschaft. Das hilft nicht (wie es oft fälschlich heißt, siehe Karl Adam und das Rudern im Team), jedenfalls nicht im Fußball, sondern schadet dem Teamspirit, vor allem, wenn dieser Typus Schwächen zeigt. Die legt das Gros gerne bloß, und sei es nur unterschwellig. Zum Beispiel – und jetzt kommt der Gegenspieler angerauscht – im Tempo-Defizit. Das könnte man ausgleichen, im Mannschaftgefüge, wie bei Beckenbauer, dessen diverse Schwächen, die er ja hatte, von seinen Schwarzenbecks gerne ausgebügelt wurden. Bei Hummels sieht man im Geiste im Kopf des einen und anderen Mitspielers die Genugtuung aufblitzen: Siehste!

Unter dem Strich: Punktgenaue Tacklings und genial öffnende Pässe machen potenzielle Dysharmonien im Mannschaftsgefüge und vor allem mangelnde Antrittsschnelligkeit nicht wett. Ersteres könnte Hummels ändern, klug dazu ist er, Letzteres nicht. Für Löw ist die Konsequenz einfach, er kann beobachtend abwarten. Für Favre nicht.

 

Veröffentlicht von gw am 17. November 2019 .
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Wie Kalle und Rudi?

Scholz,  Männervereine und die Gemeinnützigkeit – kein Wort dazu, zu albern, zu plakativ (Frauenvereine?). Aber ein sehr schöner Text in der FAS von Friederike Haupt, die einen Männergesangverein besucht hat. Darin das Zitat eines Chorsängers über den Frauenfußball: „Die spielen wie die Männer in den achtziger Jahren.“

Das gefällt mir,  weil engagierte „Aktivisten“ beider Geschlechter empört aufjaulen könnten. Denn wer wird da diskriminiert: die heutigen Fußballerinnen – oder die Kalles und Rudis und all die anderen Heroen aus glorreicher Zeit?

Vermutlich wäre es wirklich ein interessantes Spiel zwischen einer aktuellen Frauen- und einer Achtziger-Jahre-Männer-Nationalmannschaft. Tempo-Unterschiede gäbe es wohl  keine, taktisch wären die Frauen besser drauf, nur in der Robustheit unterlegen. Mein Toto-Tipp: Sieg für die Rudis. Aber nur knapp.

Veröffentlicht von gw am 17. November 2019 .
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