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Alexander Osang, die Liegeradfahrer und ich

Dass ich mein Zeit-Abo noch nicht gekündigt habe, liegt an Harald Martenstein (und überhaupt am Magazin von Christoph Amend, Ex-„Freier“ bei uns und Langgönser für immer, auch ich wurde dort geboren, so viel  Lokalpatriotismus muss sein). Dass ich den Spiegel  immer wieder kaufe, liegt auch an den (nicht regelmäßigen) Kolumnen von Alexander Osang. Beide haben etwas, was andere nicht haben und was ich auch gerne hätte. Hat nichts mit ihren gesellschaftspolitischen Verortungen zu tun, sie liegen „quer“ zu allen, der Stil ist’s, die Art, das Unverwechselbare.

Vor ein paar Tagen fuhr ich mit dem Rad nach Hause. Vor dem Dorf, das vor meinem liegt, muss man auf dem engen Radweg durch eine gefährliche, stark  abknickende Unterführung. Vor ihr wird mit einem Schild gewarnt, auf dem zwei Radler frontal zusammenkrachen.  „Vorsicht! Langsam fahren!“

Mein Dorf gilt als sozial prekär und intellektuell als Ostfriesland in Mittelhessen. Das andere ist für  mich das Habitat gut verdienender Sozialarbeiter in grünrot gestrickten Warnwesten mit der Aufschrift: „Vorsicht! Ich bin auf der richtigen Seite.“ Ich gönn mir ja sonst wenig, aber manches Vorurteil muss sein.

Aus der letzten Osang-Kolumne: „Er sah aus, als würde er sich gesund ernähren, und hatte die Körperhaltung von Menschen, die wissen,  dass sie auf der richtigen Seite stehen. Eine verspannte Entspanntheit, anders kann ich es nicht sagen. Zopfträger haben die oft,  Liegeradfahrer immer.“

Herrlich. „Das hat er von dir abgeschrieben“, juxt die Liebste meiner liebsten Zielgruppe. Sie weiß noch, wie ich vor Jahren über Liegeradfahrer, anders kann ich es nicht sagen, abgelästert habe. Arrogante, überhebliche  Besser- und Bescheidwisser und so weiter (einer von ihnen gab mir damals lustvoll und verschmitzt kontra, beinahe hätte er mein Vorurteil ausgehebelt).

Zurück auf meinen Radweg. Ich fahre langsam an die Gefahrenstelle heran,  von meiner Seite aus habe ich einen guten Blick auf den Knick, halte mich im Schritttempo extrem rechts, klingle … und wutsch rauscht von der anderen  Seite, vom Sozialarbeiterdorf her,  einer im Höllentempo aus dem Knick heraus, haarscharf an mir vorbei. Uff! Beinahe hätte es fürchterlich gerummst.

Natürlich ein Liegeradfahrer. Mit hochherrschaftlicher Miene fliegt er da unten an mir vorüber. Blasiert, überheblich, mit verächtlichem Seitenblick für  mich, den Prolet auf dem Sattel. So muss, aus anderem Blickwinkel, früher der Gutsbesitzer an den Knechten vorbei galoppiert sein.

Leider habe ich den Zopf nicht gesehen. Aber er hatte einen. Ich wette.

 

 

 

Veröffentlicht von gw am 23. Juni 2021 .
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Regenbogen

….

Zu lange ratlos vor der Tastatur gesessen. Wie kann ich unmissverständlich formulieren, was doch nur missverstanden werden kann?

Warum kommt mir der Regenbogen-Aktivismus vor wie … ja, wie? Da würde das Missverständnis schon beginnen.

Bleiben nur zwei Spontanassoziationen. Die zur „Respect“-Aktion und die zu Dalidas Oldie, bei dem Alain Delon im Hintergrund schöne Worte murmelt,  die aber nichts sind als … „Paroles, paroles, paroles …“

Im übrigen wird Geschlecht überschätzt. Quer durch alle Geschlechter.

Veröffentlicht von gw am 23. Juni 2021 .
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Paul-Ulrich Lenz: Wer hätte das gedacht?

Nun schmuggeln doch klammheimlich die alten Kirchen ihr Symbol aus dem guten Ende der Sintflut-Erzählung in die schöne, reine Medienwelt. „Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken. Der soll das Zeichen sein zwischen mir und der Erde.“(1. Mose 9,13) Ganz ohne die Uefa, die Fifa und das IOC zu fragen. Auch den DFB nicht. (Paul-Ulrich Lenz/Schotten)

Veröffentlicht von gw am 23. Juni 2021 .
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Der ungegenderte Doppelpunkt

Der Gender-Unfug tropft an meiner Altershaut ab, ich ärgere mich nicht, ich belustige mich nicht, für  mich existiert er nicht. Niemand schreibt ihn mir vor (da kein Schüler, Student etc.), und wenn ein Text anfängt zu gendern, höre ich auf, ihn zu lesen. Ärgerlich bleibt aber der ungegenderte Unfug mit seinen „narrativen“ Sprachtorheiten der modernistischen Art. Und da stört mich vor allem der ungegenderte Doppelpunkt (der andere, der aus mir ein/e/n „Journalist:in“ macht – siehe oben). So steht in der Unterzeile über einem  EM-Text des großen nicht nur Sport-Journalisten Holger Gertz auf der legendären „Seite Drei“ der Süddeutschen Zeitung der schöne Satz: „Kritik ist mal wieder: unerwünscht.“ Er könnte auch so aussehen:  „Kritik: ist mal wieder unerwünscht.“ Oder: „Kritik ist: mal wieder unerwünscht.“ Oder, aber das wäre ja ganz aus der angesagten Stilistik gefallen: „Kritik ist mal wieder unerwünscht.“

In diesen Beispielen (außer dem letzten) füllt der ungegenderte Doppelpunkt die Funktion des gendernden Glottisschlags aus, jene kleine Pause, die schon das heute-journal des ZDF erobert hat. Bedeuten soll der wahllos eingestreute Doppelpunkt aber nur: stilistische Bedeutsamkeit:  vorspiegeln.

Bei Gertz gilt aber die Unschuldsvermutung: Überschriften, Unterzeilen, Zwischentitel u.ä. werden in der Regel nicht vom Autor, sondern von der Redaktion formuliert.

 

 

 

 

Veröffentlicht von gw am 22. Juni 2021 .
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Afrika

Hab ich es nicht vor wenigen Monaten geschrieben? Dass es in der heutigen diversen Gemengelage erstaunlich sei, dass es immer noch die schwarzen „Afrika“-Kekse von Bahlsen gibt? Jetzt werden sie umbenannt. Wäre ich Verschwörungstheoretiker in eigener Sache, könnte ich mich als Anstoßgeber wähnen, der mit seinem Flügelschlag als Blogschmetterling einen Kot-Orkan … aber ich weiß ja nicht einmal mehr, ob ich es wirklich geschrieben oder nur der Besten von allen erzählt habe. Googelnd finde ich es jedenfalls nicht. „Anstoß“ und „Afrika“ führen als Stichworte viel zu weit und damit weit vorbei.

Veröffentlicht von gw am 18. Juni 2021 .
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