Montagsthemen (vom 9. Dezember)

Flick verzaubert die Bayern und wird entzaubert. Nach tollem Start zwei Spiele, null Punkte, sogar aus Euro-Liga-Plätzen gefallen. Favre verzaudert den BVB  und verzaubert ihn wieder. Der nächste Zauder-Zauber kommt bestimmt. Leipzig wird Meister. Oder Gladbach. Am Ende Leverkusen? Zwischen Super-Super und Totalversagen passt oft nur ein Spieltag. Langweilender  Realismus untersagt. Wie dieser: Bayern war beide Male mindestens eine halbe Klasse besser und bleibt, nüchtern betrachtet, trotz gefährlichem Punktedefizit klare Nummer eins in Deutschland.
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Warum  diese kategorischen Übertreibungen im Fußball? Vermutung: weil er eine Miniaturkopie der Menschheits-Manie ist, mit Übertreibungen leben zu wollen. Im  Fußball wird sie wenigstens nur spielerisch ausgelebt, als   netter Zeitvertreib. Doch das Phänomen selbst quält. Aktuelle Schlagzeilen ohne Fußball, aber mit großer Bandbreite: »Kommt der größte Börsen-Crash aller Zeiten auf uns zu?« (Bild). »Die Menschen in Deutschland waren nie so gesund wie heute. Und haben noch nie so gelitten« (SZ). »Die Zahl der jungen Frauen, die sich für transgender hält, explodiert« (FAS).
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Was ist so faszinierend an den Extremen, gerne auch an den apokalyptischen? Es ist ja nicht nur der (unbestreitbare) Klimawandel, der soviel Lustangst macht. Ist es die menschliche Natur? Kaum gefragt, stoße ich in einem Zeitungsartikel auf das Wort »notsüchtig«. Von Nietzsche. Ich googele das Wort und den Namen und finde eine »Begierde nach Leiden«. Laut Nietzsche »kitzelt und stachelt sie Millionen junger Europäer, welche alle die Langeweile und sich selber nicht ertragen können. (…) Not ist nötig! Daher (…) die vielen falschen, erdichteten, übertriebenen ›Notstände‹ aller möglichen Klassen und die blinde Bereitwilligkeit, an sie zu glauben.« Nietzsche nennt sie »die Notsüchtigen«, die »jetzt die Welt mit ihrem Notgeschrei und folglich gar zu oft erst mit dem Notgefühle anfüllen! Sie verstehen mit sich Nichts anzufangen — und so malen sie das Unglück Anderer an die Wand: sie haben immer Andere nötig! Und immer wieder andere Andere!« – Aus »Die fröhliche Wissenschaft«. Erschienen 1882. Gespenstisch.
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Huch, da haben wir eine Grenze so weit überschritten, dass man keine kalibrierte Linie benötigt, um das außersportliche Abseits zu entlarven. Bleiben wir lieber nur im Fußball notsüchtig. Die Kalibrierung (»ein Werkstück durch bildsame Formung auf genaues Maß bringen«/hübsche Definition meines alten Freundes Brockhaus, Jahrgang 1958) ist solch eine Notsucht. Ist doch prima und sportlich gerecht, wenn der Schiedsrichter mit Hilfe der kalibrierten Linie eine falsche Entscheidung rückgängig machen kann. »Mit Hilfe«, nicht durch eine Millimeter-Kalibrierung (die Nasenspitze!) enteiert. Statt aus der nicht vorhandenen Not eine Tugend zu machen und die endgültige Entscheidung dem Sportgefühl des Schiedsrichters zu überlassen, kalibriert man sich in die Lustnotsucht des »Videobeweises«. Die einfachste Lösung wäre natürlich »meine« … ach nee, ich will nicht schon wieder mit der Video-HILFE nerven.
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Zum Wetter. Keyserwetter: »Feucht und kalt unter einem niedrigen grauen Himmel. Zwischen den Schollen der aufgepflügten Äcker lag hier und da schon ein wenig Schnee. Alles sah unreinlich aus und als ob es friere.« Eduard von Keyserling in seinem Roman »Abendliche Häuser«, erschienen 1914. Herbstwetter wie eh und je. Aber am Freitag gab es Unwetterwarnung für Mittelhessen (Blitzeis!), und soll es heute nicht viel zu warm werden? Zieht euch warm an!
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Nur das noch: Nach gezählten Torschüssen haben die Bayern gegen Bayer und Gladbach mit 39:18 gewonnen. Entspricht in etwa den Spielverläufen und Kräfteverhältnissen. Der Rest ist …  Fußball.

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Nein, noch etwas. »Klopp graulte sich voller Wonne seinen grauen Vollbart« (sid). – Hoffentlich graulte es Ihnen nicht bei dieser Kolumne, lieber würde sich dafür kraulen lassen:  (gw)

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(www.anstoss-gw.de gw@anstoss-gw.de)

Geschrieben von gw am 8. Dezember 2019. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Sport-Stammtisch (vom 7. Dezember)

Danke für liebe Worte (stellvertretend: Barbara Tomsch/Reichelsheim, Dietmar Harbach/Gießen). Bin gerührt. Daher »ohne weitere Worte« … zur Kritik. Denn die gab’s auch und wird nie verschwiegen. Kai Michel (Friedberg) hat zwar »wie Sie einen Sinn für Humor und feinsinnige Ironie«, doch auf die Idee, bei den beiden E-Roller-Fahrern auf der Zeil »von der Physiognomie auf ihre provinzielle Herkunft zu schließen, wäre ich gar nicht erst gekommen«. – Völlig richtig. Doof von mir. Lahme Ausrede: Über sich selbst darf man Witze machen. Provinzler verspottet scheinbare Provinzler und weiß nicht mal, wie man so ein Ding ins Fahren bringt (mit App oder so?). Dennoch: Sorry. Berechtigte Kritik wirkt im Kopf wie ein besonders unangenehmer Ohrwurm.
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Es gibt angenehmere. Zum Beispiel »Heißer Sand«. Hatten wir kürzlich. Oder: »›Cindy, oh Cindy, Dein Herz muss traurig sein‹ … wie von Geisterhand arrangiert kam mir der Text plötzlich wieder in Erinnerung und die Melodie geht mir nicht mehr aus dem Sinn«, schreibt Burkhard Wellenkötter. Woran meine Schlager-Kolumne schuld ist – und »die neue Hoffnungsträgerin der SPD«, denn die heißt Esken, unser Leser nennt sie unwillkürlich »Margot Eskens«, und schon erklingt in ihm der Ohrwurm … »Cindy, oh Cindy«. – Merkwürdige Gemeinsamkeit: Exakt diese fünf Anfangsnoten waren in meiner Kindheit der Erkennungspfiff unserer »Bande«. »Ffi–ffiie-ff-ffi-fffie« – schon wussten die Kinder vom Asterweg Bescheid.
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Auch mit dem späten Mitsingen von Freddy–Songs im Auto stehe ich nicht allein. Franz Maywald (Biebertal) gehört sogar »seit früher Jugend zu den bekennenden Freddy-Quinn-Fans! Heute zum Beispiel hab ich mich über eine Verkäuferin derart geärgert, dass ich zu meinem Auto in der Tiefgarage geeilt bin, um über ›La Paloma‹, ›La Gitarra Brasiliana‹ usw. usw. mein seelisches Gleichgewicht wiederzuerlangen. Und prompt hat’s funktioniert!«
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Weitere Gemeinsamkeit mit meinem (Nicht-nur-) Alters-Kollegen: »Hannes Wader hab ich längst auch in mein Herz geschlossen.« – Ich doch auch! Vor allem, wenn er in »Ich hatte mir noch so viel vorgenommen« von dem armen Exhibitionisten singt, der im Bett liegt und sich schämt – denn nachdem er sich einigen »Kindern in schamverletzender Weise« genähert hatte, liefen die Knilche johlend auf ihn zu und »riefen, er solle sich mit seinem blaugeäderten Unding wegscheren«. Nicht die schlechteste Methode, diesen Typen das, nun ja, Handwerk zu legen.
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Zwischendurch: Ein biografisches Merkmal verbindet mich mit Margot Eskens. Ich spiele aktiv Tennis, fast profiartig, trainiere am Ruder-Ergometer und im Kraftraum. Als Kind wollte ich in meinem Sport der Beste der Welt werden, und einer der Besten war ich wirklich, nicht nur wegen unserer Goldmedaille. Ist ja nicht die einzige in der Familie. Wer bin ich? – Bitte noch keine Lösung einschicken, die dritte und letzte Frage der abschließenden WBI-Runde folgt noch.
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Das Alter spielt nicht nur bei der WBI-Frage eine Rolle. Rainer Gotthardt (Gießen), »nur drei Jahre jünger als Sie«, hat jetzt »zum ersten Mal unser Senioren-Journal gelesen«, was er bis dahin ebenso verweigert hatte, wie früher »bei den Alten Herren Fußball zu spielen«. – »Mein progressiver Alttag« erwischt eben jeden irgendwann. Später. Oder früher. Viel früher. Hübsches PS von Rainer Gotthardt: »Die alte Frau sagt zu dem kleinen Jungen: ›Was, fünf Jahre bist du schon?‹ – ›Ja, Oma, mir werrn all net jünger.‹«
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Damit die Kolumne nicht komplett ohne aktuellen Sport endet, noch ein Wort zu Marco van Basten. Der Ex-Superstürmer, heute TV-Experte (der übliche Abstieg), feixte im Studio, als ein deutscher Trainer interviewt wurde, für sich, aber leider hörbar: »Heil Hitler!« – Skandal! Die Betroffenheits-Szene hyperventiliert, drastische Strafen werden verlangt und die schier unmenschlichste verhängt: Van Basten wird als Figur aus dem »FIFA20«-Spiel entfernt. – Jedes ernsthaft empörte Wort … spielt nur echten Neonazis in die Karten.
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Dass wir dennoch hoffentlich mit einem Lächeln in das Wochenende gehen, verdanken wir Werner Haaser (Gießen) mit seinem herrlichen Fundstück für meine Subjekt-Objekt-Sammlung. »Schlagzeile heute in Spiegel Online: Personalnot an Schulen – FDP will mehr Flüchtlinge als Lehrer.« Des Lesers Kommentar: »Habbe mer doch schon längst, gelle?!« (gw)
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(www.anstoss-gw.de  gw@anstoss-gw.de)

Geschrieben von gw am 6. Dezember 2019. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Ohne weitere Worte (vom 3. Dezember)


Immer noch beschäftigt Klinsmann, wenn es um Verhandlungen und Verträge geht, den Schweizer Anwalt André Gross (…), der vor mehr als 20 Jahren schon Uli Hoeneß Ärger bereitet (hatte), als der Stürmer Klinsmann zum FC Bayern wechselte (Hoeneß über Gross: »Der bietet dir nach fünf Minuten das Du an und nach zehn zieht er dich über den Tisch«). (Javier Cáceres und Philipp Selldorf in der Süddeutschen Zeitung)
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Fassungslosigkeit. (…) Noch so ein Schwabe in Berlin? Und warum tut sich das Klinsmann überhaupt an? (Volkan Agar in der taz)
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Seit rund elf Monaten reiht sich ein schlimmes Auswärtsspiel an das nächste. (…) Nicht alle wurden verloren, eines sogar gewonnen, aber in allen wirkte die Mannschaft fahrig, uninspiriert, mutlos. Wer diese Begegnungen gesehen hat, dem erscheint es wie Hohn, dass die erst im Sommer erschienene Favre-Biografie den Titel »Der Bessermacher« trägt. (Uli Hesse im Fußball-Magazin 11Freunde)
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Am Spielstil und am Auftritt einer Mannschaft erkennt man die Handschrift des Trainers. (…) Dortmund (…) fabriziert seit Wochen Unleserliches. Lucien Favre wird gehen müssen. (…) Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass er am Ende dieser Woche noch Trainer des BVB ist. (Olaf Thon zu Beginn voriger Woche in seiner Kicker-Kolumne)
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Mit diesem Anspruch, sie wüssten doch, wie es zugeht, holt das ZDF ja gerne Ex-Spitzensportler. Es ist das große Unverständnis, was kritischer Sportjournalismus sein könnte. Als ob der aus einer möglichst großen Nähe zum Betrieb erwüchse. (…) Hoffen wir, dass Andrea Petkovic nicht das machen wird, was von ihr im ZDF erwartet wird: dass sie keine Nähe zu Sportlern herstellt, sondern schnell Distanz sucht. (Martin Krauss in der taz über die neue Moderatorin der »ZDF-Sportreportage«)
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Bekannt war bislang, dass Sie an einem Buch schreiben und nach Ihrer Tenniskarriere eigentlich Schriftstellerin werden wollten. Jetzt gehen Sie zum Fernsehen. Was ist denn da passiert? – »Ich fühle mich immer noch eher als Schriftstellerin.« (Andrea Petkovic im SZ-Interview)
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Wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl, mächtig zu sein? – »Das wird wohl im Sportunterricht gewesen sein, wenn es mir gelungen ist, beim Fußball an jemandem vorbeizukommen.« (Campino im Politischen Fragebogen der Zeit)
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»Er (Anm.: Alberto Salazar vom Nike Oregon Project) ließ mich jede Woche wiegen, manchmal drei Tage hintereinander vor der ganzen Trainingsgruppe. Er sagte mir, dass ich zu fett sei (…), forderte, dass ich immer dünner werde und nur noch 52 Kilo wiege. Bei einer Größe von 1,70 Meter.« (Ex-Lauftalent Mary Cain, die sagt, »emotional und physisch missbraucht« worden zu sein, im Spiegel-Interview)
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Konstanze Klosterhalfen (…) schwärmte von den Trainingsbedingungen. (…) Kann es sein, dass Klosterhalfen eine andere Erfahrung gemacht hat als Sie? – »Gut möglich. (…) Zweifellos gab es dort klasse Trainer. Wobei ihr Coach Pete Julian nicht dazugehörte. (…) Er tat nichts gegen Albertos Drill und Optimierungswahn. Er war dessen rechte Hand.« (Cain/Spiegel)
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Ihr Mann ist Deutscher. Läuft’s gut? – (…) »Mein Mann ist so wunderbar, dass Sie mir nicht glauben würden, würde ich ihn beschreiben.« (Marina Weisbrand, Ex-Star der Piratenpartei, im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.« (Die Vorbemerkung leitete in den ersten Jahren die »Ohne weitere Worte«-Rubrik ein. Später kam sie ohne die Einleitung aus. Heute kommt sie noch einmal zu Ehren, nicht als Einleitung, sondern als Abschied von dieser Rubrik. Und das ebenfalls ohne weitere Worte). (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Geschrieben von gw am 2. Dezember 2019. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Montagsthemen (vom 2. Dezember)

So beginnt eine echte Sportkolumne: Als Fußball-Experte hat man’s nicht leicht. Gerade erst lässt Hansi die Bayern steil abheben, während Favre mit dem BVB am Boden liegt und daher, wie alle wissen, ebenfalls bald »fliegt« – und prompt rasseln die neuen Super-Bayern in eine Heim-Pleite, und die verzagten Dortmunder Männlein-Fußballer verteidigen in langer Unterzahl zäh und mannhaft ihren Vorsprung. Ach wie gut, dass jeder weiß, dass ich nicht Fußball-Experte heiß.
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Oder so: Ist Löw im dritten EM-Spiel, nach Frankreich und Portugal, noch Bundestrainer? Klar doch. Schließlich kann sogar der Gruppendritte weiterkommen. Dann nehmt doch auch noch die besten Vierten nach UEFA-Koeffizienten. Und den schlechtesten Vierten nach Fairplay-Wertung. Und alle anderen … na ja, darum halt. Hauptsache, es reibacht.
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Oder ganz ohne Fußball. Im Spiegel-Interview berichtet die ehemalige NOP-Läuferin Mary Cain über ihre Leiden an und im Nike Oregon Project (NOP). Sie sei von NOP-Guru Alberto Salazar »emotional und physisch missbraucht« worden. Sie habe ihn nicht enttäuschen wollen und das Problem nicht bei ihm, sondern bei sich gesucht. – Klingt glaubhaft, da altbekannt. Die Abhängigkeit vieler Spitzensportlerinnen von Trainern oder sonstigen Bezugspersonen war schon vor über 20 Jahren ein Kernthema dieser Kolumne. Zumal es Trainer gab, die unter vier Augen offen zugaben, dass sie mit dem »Trainingsmittel« Hörigkeit arbeiteten. Bis zum Zerfall des Real-Sozialismus galt der Aufbau eines Hörigkeits-Drucksystems sogar insgeheim als Alternative des West-Sports, den sozialismus-immanenten Wettbewerbsvorteil des materiellen Drucks auszugleichen. Wer nicht mit Entzug der Auslandsreise oder sonstiger Privilegien drohen konnte, drohte eben mit Streicheleinheits- und Liebesentzug. Damals wusste ich es, heute ahne ich nur: Die Salazars sind überall.
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Ich bitte um Entschuldigung, aber manchmal vergehen mir Ironie und Flapsigkeit. Wie gestern, als ich auf die Titelseite der FAS blickte und eine groß gedruckte Zahl sah: »8,46«. Der kleine Zusatz »So wenig kostet derzeit ein Kalb.« Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ich esse schon lange keine vierbeinigen kleinen Kinder mehr (Kalb, Lamm, Ferkel). Nur ein kleiner Kompromiss, denn Vegetarismus habe ich nicht geschafft.
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Eine dpa-Meldung passt dazu: Wir seien »ökologische Vandalen«, behauptet der Ökonom Niko Paech. Denn unabdingbar, so Paech, sei nicht nur eine Wirtschaft ohne Wachstum, sondern ein Rückbauprogramm. – Mein Reden! Doch der Fetisch Wachstum zieht sich einen grünen Kittel über und lacht sich schlapp. Wachstum durch Windräder! Damit wir den Freitag sinnvoll nutzen können: Erst Fridays for future, danach Schnäppchen-Jagd beim Black Friday.
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Aber lieber mit einem Schmunzeln in die neue Woche. Die neue Ausgabe des Schlagermagazins »Hossa!« ist da, in der vier Menschen mit Schlager-Erinnerungen zu Wort kommen, die an (ja, zum Teil legendären) »Anstoß«-Serien beteiligt waren, neben Michael Humboldt (mi) und »gw« auch die Schriftsteller Matthias Altenburg und Andreas Maier. Leider fehlt in meinem Beitrag die Schlusspointe. Ironisch meine im Familienkreis bewunderte Schlager-Textsicherheit besingend, schließt der »Hossa«-Text mit dem scheinbar selbstbeweihräuchernden Satz: »Mein Nimbus wuchs ins Legendäre.« Doch das ist der wahre Schluss: »Vorbei. Kein Schwein ruft mich an. Tauchen derartige Fragen auf, werde nicht mehr ich konsultiert, sondern das Smartphone. Mein Feind. Schnell gezückt, kurz gedrückt, prompt gewusst. Es hat den einzigen Sinn meines sinnlosen Wissens auf dem Gewissen.«
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Was ich noch weiß: In diesem Jahr hat der echte »Black Friday« 90. Geburtstag. Mit ihm kam … und als er zehn wurde … ach, lassen wir das. Hauptsache: Weg mit de Plastikdutt! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Geschrieben von gw am 1. Dezember 2019. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Unter der Tabu-Glocke („Anstoß“ vom 12. 11. 1999 / Ergänzung zum Sport-Stammtisch vom 30. 11. 2019)

Vor allem im unteren Bereich des organisierten Fußballs häufen sich die Probleme mit Ausländern.

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Schon diesen ersten Satz wagt man kaum hinzuschreiben. Er ist zwar sachlich korrekt, nicht aber politisch. Politisch korrekt ist es, die Probleme zu verschweigen. Aber unter der übergestülpten Glocke dieses tabuartigen Verschweigens gärt es.

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Ein junger Schiedsrichter will nicht mehr. Keine Zeit. Berufliche Überlastung. Sagt er. Seinem Verband, dem 1. Vorsitzenden seines Klubs, dem lokalen Pressevertreter. Denn er will keinen Ärger, kein öffentliches Aufsehen. Seine Freunde und Bekannte aber wissen: Er hört auf, weil er Angst hat. Angst vor Mannschaften mit überwiegendem Ausländeranteil, vor allem aber vor deren Anhängern. Bisher ist er »nur« beschimpft und bedroht worden, einmal sogar mit dem Messer. Aber das reicht ihm.

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Das Prinzip Tabu-Glocke funktioniert: Der Rücktritt eines jungen Schiedsrichters ist offiziell bedauerlich, aber aus beruflichen Gründen verständlich. Doch unter der Glocke gärt es weiter. Aber langsam lässt sich der Druck nicht mehr unter der Tabu-Glocke halten. Selbst der »Spiegel«, ausländerfeindlichen Tendenzen eher unverdächtig, beschreibt »Zustände wie in Wildwest« auf den Fußballplätzen der Amateurligen und nennt ganz dezent den Grund: »Auffällig oft im Clinch: Ausländervereine oder deutsche Klubs mit hoher Ausländerquote.« Der Spiegel zitiert eine Studie der Universität Paderborn, nach der im dortigen regionalen Bereich die Ausländerteams nur zehn bis 30 Prozent ausmachen, ihr Anteil an Spruchkammer-Verfahren dagegen 40 bis 70 Prozent. Wobei man hinzufügen muss, dass viele massive Drohungen und auch Straftaten aus Angst vor Rache gar nicht erst gemeldet werden.

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Die besorgniserregende Zahl ausländischer Straftäter, natürlich nicht nur im Fußball, wird von den politisch korrekten Meinungsführern mit einem Formulierungs-Eiertanz verschleiert. Man kennt sie zur Genüge, die Meldungen, in denen nach offensichtlich ausländischen Straftätern gefahndet wird, was jedoch hinter »nicht diskriminierenden« Formulierungen versteckt wird. Wenn aber ein Verbrecher zweifelsfrei nicht ausländischer Herkunft ist, dann endet die vertuschende Sprachregelung, dann schreit es oft jubelnd-erleichtert aus der Meldung heraus: »Täter ein Deutscher.«

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Die in der deutschen Meinungsführerschaft, also in den Medien und in der Politik, besonders zahl- und einflussreiche Fraktion der Politischen Korrektheit züchtet und hätschelt mit ihrer Gutmensch-Manie den kleinen Teil der aggressiven, integrationsunwilligen, sozial nicht kompatiblen Ausländer und schadet damit zwangsläufig der großen Mehrheit der integrationswilligen oder längst schon integrierten Ausländer. So funktioniert Rassismus nach Gutmenschenart.

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Rassismus ist, wenn man aus Rasse- oder Nationalitätsgründen Unterschiede macht zwischen den Menschen. Scheinbar guter Multikulti-Wille kann zum Rassismus durch die sozialromantische Hintertür pervertieren, zum Schaden derer, die man schützen will. Frei von Rassismus kann nur sein, wer Ausländer/Inländer nicht besser/schlechter behandelt als Inländer/Ausländer, sondern nur unterscheidet zwischen Straftätern und Nichtstraftätern. Dass die Zahl der Straftäter ohne deutschen Pass beängstigend groß ist und dadurch beängstigend wirkt, muss ausgesprochen und diskutiert werden dürfen. Vor allem auch zum Schutz der großen Mehrheit der unserem Land sehr gut zu Gesicht stehenden hier lebenden Ausländer. Diese Selbstverständlichkeit sei nur erwähnt, um keinen Beifall von der falschen Ecke zu bekommen.

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Gerade der Fußball kann mit seinen internen Regeln, also der Sportgerichtsbarkeit, einen Anstoß geben: Wer die Regeln nicht einhält, egal ob Aus- oder Inländer, egal ob vorwiegend deutscher oder vorwiegend ausländischer Klub, darf nicht mehr mitspielen – zum Schutz der großen Mehrheit der In – und Ausländer, die beide unter einer gewaltbereiten oder gewalttätigen Minderheit leiden.

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Aber Patentlösungen gibt es nicht. Die gefährlichste aller Lösungen wird jedoch derzeit praktiziert: Verschweigen statt das Problem anzusprechen – und es unter der Tabu-Glocke weiter gefährlich gären lassen. (gw)

Geschrieben von gw am 29. November 2019. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt, gw-Beiträge Anstoß.