“Nachdruck” vom 23. Februar (Kolumnen-Konfetti)

In loser Folge gehen wir mit »Nachdruck« auf eine Reise in die Sport-Zeit, mit unveränderten »gw«-Texten aus fünf Jahrzehnten. Heute stehen nicht die großen Themen auf dem Programm, sondern kleine Kuriositäten, Kolumnen-Konfetti, denn Närrisches prägt(e) den »Anstoß« auch zwischen Aschermittwoch und dem Elften im Elften.
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Warnung der Polizeizentrale an Moskaus Bürger: »Westliche Infiltratoren und Saboteure wollen der Bevölkerung T-Shirts zum Geschenk machen. Die Hemden sind jedoch mit einer unsichtbaren chemischen Lösung präpariert. Wenn der Träger dieser Hemden transpiriert, kommen anti-sowjetische Parolen zum Vorschein.« (Juli 1980, kurz vor den Olympischen Spielen in Moskau)
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Als die Kontrolleure des Internationalen Leichtathletik-Verbandes endlich einmal einschritten und während des Stabhochsprungs die Veranstalter mahnten, über Lautsprecher um Ruhe bei den Versuchen von Ausländern zu bitten, entsprachen die Russen diesem Wunsch. Es wurde um Ruhe gebeten – aber nur in englischer und französischer Sprache . . .  (August 1989)
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HR-Pressemitteilung an »alle hessischen Tageszeitungen« mit dem Hinweis auf »Meeting«-Gast Klaus Gerster: »Klaus Gerster sagt morgen die Wahrheit.« Und was war gestern? Was ist übermorgen?
 (April 1991)
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Das »Hamburger Abendblatt« hat Boris Becker »übermäßigen Kokaingenuss« vorgeworfen. Becker will das Blatt verklagen. Verständlich. Bleibt die Frage an den »Abendblatt«-Journalisten, was das »übermäßig« bedeuten soll.
  (Mai 1992)
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Rudi Altig fährt sich als Co-Kommentator manchmal einen verbalen Achter ins Velo. Gestern zum Beispiel, als er in vergangenen Zeiten schwelgte und über Hennes Junkermann zu berichten wusste: »Hennes hatte lieber die Taube in der Hand als den Spatz auf dem Dach.« Da lächelt selbst der taube Spatz vor dem Fernseher.  (Juli 1993/Tour de France)
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Seit 13 Jahren hat Bernd Schuster keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern. »Das Thema war beendet, bevor ich nach Barcelona ging.« Und über seine 23-jährige Schwester: »Ich nehme an, dass sie blond ist. Was sie macht, weiß ich nicht.« »Sport-Bild« ungerührt: »Dennoch bleibt er ein Familienmensch.«  (Juli 1993)
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»Weltmeister Stich: Er küsste Jessicas heilende Hände.« »Bild« weiß auch warum: Weil Frau Stich Herrn Stich fitgestreichelt hat, und zwar mit Reiki, der tibetanischen Handheilung für Körper und Seele.
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Der russische Leichtathletik-Verband hat drei Sportler gesperrt. Den Athleten wird Alkoholmissbrauch vorgeworfen. Rat für die Zukunft: Reiki ist besser als Saufi!
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Aber Reiki ist nicht nur besser als Saufi, sondern auch als Dopi.  (November 1993)
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Bubi Scholz als Zuschauer eines Frauen-Boxkampfes: »Wenn Frauen schon hauen müssen, dann ihren Hund.« Im Namen seines Berner Sennenhundes Samca und überhaupt aller Hunde legt der Kolumnist schärfsten Protest ein. In diesem Zusammenhang: Harald Juhnke über den alkoholischen Unterschied zwischen ihm selbst und Scholz: »Immerhin erschieße ich meine Frau nicht im Suff durch die Klotür.«  (August 1995)
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Was haben der »Tiger«, Maske und »Rocky« gemeinsam? Alle drei sind Ausländer: Michalczewski kommt aus Polen, Maske aus der DDR, Rocky aus dem Milieu.  (August 1995)
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Ex-Boxweltmeister Eckhard Dagge hat in seinen aktiven Zeiten einen Gag geprägt, der gar kein Gag ist: »Viele Weltmeister sind Alkoholiker geworden, ich bin der erste Alkoholiker, der Weltmeister wurde.« Stimmt – und ist daher auch nicht so furchtbar lustig. (März 1994/Dagge starb 2006 mit 58 einsam und mittellos in einem Hamburger Hospiz)
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Schon lustiger, was Rodlerin Susi Erdmann im ZDF-Sportstudio zu Moderator Günther Jauch sagte: »Du darfst unten liegen, ich mache dann die ganze Arbeit.«  (März 1994)
 (gw)

Geschrieben von gw am 22. Februar 2012. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Ohne weitere Worte (vom 21. Februar)

»Fußball ist weltweit ein Riesenthema, weil David gegen Goliath gewinnen kann. Und warum ist das so? Weil der Sport mit dem Fuß gespielt wird und deshalb unpräzise ist.« (Basels Trainer Heiko Vogel im WamS-Interview)
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»Ich schaue in die Leichtathletik, die Reinform der Trainingslehre. (…) Auch die Tierwelt inspiriert mich. (…) Ich befasse mich gerade mit dem Wolf. Er hat viel mit dem heutigen Fußball zu tun. Obwohl jedes einzelne Tier ein von der Natur gut ausgestatteter Jäger ist, wird die Beute im Rudel erlegt. Erfolg stellt sich also nur ein, wenn die Wölfe untereinander kooperieren.« (Vogel im FAS-Interview)
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Nach den wahrhaft hinreißenden neunzig Minuten des AC Mailand war indes klar: Hätte Berlusconi je auch nur annähernd so diszipliniert und geistvoll regiert wie seine Mannschaft am Dienstag spielte – Italien wäre ein umfassend blühendes Land. (Frankfurter Allgemeine)
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Marco Reus hat eine ähnliche Frisur in die Stadien gebracht, allerdings verfügt das »role model« Reus über eine schnabelhaft gewachsene Nase, Gesicht und Haar gehen bei ihm eine stimmige Verbindung ein, der ganze Mann ähnelt, sobald er aus dem Haarspraynebel auftaucht, einem Kampfhahn. Reus ist ein Star, die Bremer (Anm.: Hartherz, Trybull, Füllkrug) sind eher noch Suchende, die Wirkung ihrer Frisuren unterstreicht diesen Zustand. Sie sehen aus wie Punks aus Bullerbü. (Holger Gertz’ »Stilkritik« in der SZ)
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Sind Sie ein Egoist, der nur an seinen eigenen Erfolg dachte und denkt? – »Ich bin als kleiner dicker Junge immer gehänselt worden. Ich suchte einen Ausweg. Ich habe ihn in dieser solitären Sportart Skispringen gefunden. Das wäre mir in einer Mannschaftssportart nie gelungen.« (Weltmeister und Olympiasieger Hans-Georg Aschenbach im FR-Interview)
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Warum tut sich Thomas Gottschalk so etwas wie »Gottschalk live« an? (…) Es ist, als würde ein Zirkusdirektor nach seiner Pensionierung einen Flohzirkus übernehmen. (…) Sebastian Vettel würde sich lächerlich machen, wenn er an einem Seifenkistenrennen (außer für einen karitativen Zweck) teilnehmen würde. (…) Es tut weh, Thomas Gottschalk dabei zuzuschauen, wie er (…) versucht, Kleinkunst zu produzieren. (Henryk M. Broder in der Welt am Sonntag)
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Waren Ihre olympischen Skeletonambitionen ernst? Oder nur ein Spaß? – »Kein Spaß. Aber ich habe meine zwei Bälle lieber in der Sonne als auf dem Eis. Wenn Mehmet Scholl das jetzt liest . . . « (Ex-Bayernprofi Bixente Lizarazu im Kicker-Interview) (gw)

Geschrieben von gw am 20. Februar 2012. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Montagsthemen (vom 20. Februar)

Aus aktuellem Anlass muss diese Kolumne verzichten auf: Retro-Trend in der Bundesliga: Rehhagel toppt Heynckes / Basels Trainer Heiko Vogel als neuer Kolumnen-Liebling im (gw-Selbst-)Gespräch / Felix Magath schreibt bei uns die Grund-Idee der Video-Hilfe ab, dennoch bzw. daher: Bravo! / Khedira und sein nacktes Model: Er im Smoking, seine Hand auf ihrer Brust, Machismo in Reinkultur: Alice, kachel ihn ab, Mann! / Armstrong: Doping ist nur ein Wort, Sensations-Einstand als Triathlet, Mitfavorit auf den Ironman: So macht man’s, Ulle! / Ewald Lienen, einst radikallinker »Schweinemarkt«-Kritiker der Bundesliga, will jetzt nur noch die Kölner Spieler »wegschießen« und und und … aber jetzt zum Thema, das alle anderen wegschießt: DSDS. Deutschland sucht den Superpräsidenten. »Die Suchmaschine läuft« (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung). Warum bloß? Der ideale Kandidat steht längst bereit. Ich. Warum? Die Antwort gab ich bereits gestern, im Interview der Bild am Sonntag. Es folgen die wichtigsten Auszüge, »mit freundlicher Genehmigung der Beko-Bundesliga« . . . Quatsch, das steht ja nur beim Sport-Informationsdienst unter den Basketball-Ergebnissen, aber auch das gehört zu den Montagsthemen, die dem Bewerbungs-Interview zum Opfer fallen, das nun endlich beginnt:
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Warum wollen Sie Bundespräsident werden? – »Ich bin gesund, fit und habe Lust.«
Ist das alles? – »Die Leute setzen große Hoffnungen in mich, und die möchte ich nicht enttäuschen.«
Wie hat Ihr Umfeld auf diese Sensation reagiert? – »Alle freuen sich.«
Gedankenspiel: Sie werden bereits heute gewählt. Was geschieht? – »Ab Montag bin ich das Gesetz, und alle hören auf mein Kommando.«
Können Sie Ihr Programm präzisieren? – »Ich habe immer das letzte Wort, bin ab jetzt Tag und Nacht für Deutschland da und zwar immer pünktlich. Ich bin ein Vorreiter und erwarte Ordnung und Disziplin.«
Viele Namen sind im Gespräch oder haben sich ins Gespräch gebracht. Ihrer nicht. Hatten Sie kein Angebot? – »Doch. Aber ich bin wohl der Einzige in diesem Geschäft, der den Mund halten kann. Ich kann mir selbst aussuchen, wo ich arbeiten möchte.«
Jetzt also als Bundespräsident. Eine Herzensangelegenheit? – »Das ist übertrieben. Aber wenn Deutschland Hilfe braucht, dann sage ich nicht Nein.«
Haben Sie als mittelhessische Kolumnisten-Legende keine Angst, Ihr gutes Image zu verlieren? – »Was ich alles gewonnen habe, kann mir sowieso keiner mehr wegnehmen.«
Was erwarten Sie von Ihrem Volk? – »Wie schon gesagt, Disziplin ist die wichtigste Regel. Wer sich nicht an die Regeln hält, der soll mir das lieber gleich sagen. Meine Leute müssen alles für den Erfolg tun, müssten eigentlich jeden Tag in die Kirche gehen und beten, dass sie so einen Traumjob haben.«
Zum Schluss, bitte kurz und knapp, Ihre Selbstbeschreibung. – »Ich bin ein demokratischer Diktator.« – Unsere Stimme haben Sie!
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Halt! Stopp!! Skandal!!! Die BamS hat mein Interview rausgeschmissen und Otto Rehhagel die gleichen Fragen gestellt. Der hat, Guttenberg lässt grüßen, meine Antworten übernommen und nur mein Deutschland auf seine Berliner Hertha verengt. Meinen Protest hat die BamS abgeschmettert. Eine weitere Unverschämtheit: Die süffisant-empörte Frage, wie sie es denn mit der Meinungsfreiheit halten, beantworteten sie nicht selbst, sondern mit einem Rehhagel-Zitat: »Jeder kann sagen, was ich will.« – Ich muss denen wohl mal den Marsch blasen. Den: Narrhallamarsch! (gw)

Geschrieben von gw am 19. Februar 2012. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Sport-Stammtisch (vom 18. Februar)

Die Düsseldorfer Prunksitzung gab’s erst am Mittwoch in der ARD. Vorher inszenierte die Frankfurter Eintracht eine Düsseldorfer Stunksitzung in zwei Etappen. Was hat die Eintracht-Bosse von Veh an aufwärts nur geritten, als sie vor dem Spiel aggressiven und nach dem Spiel beleidigten Stunk machten? Das nutzte und nutzt nur dem Gegner, dessen lokaler Held Rösler dank unfreundlicher Frankfurter Unterstützung nun bundesweiten Kultstatus bekommt – als echtester aller Fußball-Kerle und Gegner-Provozierer löst er einen gewissen Maik Franz ab, jenen »Ironmaik«, den die Eintracht vor nicht allzu langer Zeit genauso heftig verteidigte, wie sie Rösler nun angreift.
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Auch das Spiel in Düsseldorf bewies einmal mehr, dass mit dem Potenzial dieser der Fortuna zumindest eine halbe Klasse überlegenen Mannschaft der Aufstieg eigentlich nur mit groben Patzern auf und außerhalb des Platzes zu vermeiden ist. Gleiches galt in der vorigen Saison allerdings auch für den Klassenerhalt.
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Aber wir wollen zuversichtliche hessische Lokalpatrioten bleiben und hoffen, dass der schlingernde Bruchhagen wieder auf Kurs kommt, dass der störempfindliche Trainer unwesentliche Nebengeräusche überhört und sich aufs Wesentliche konzentriert, dass die Spieler mit ihrem Können auftrumpfen, nicht brav und zaghaft, sondern mit breiter und ein bisschen mehr röslerischer Brust (aber wirklich nur ein bisschen), dass dann auch das nervöse Grummeln im Umfeld endet und alle sich freuen können auf eine Erstligasaison, in der Fußball-Deutschland echt hessische Gewächse (Jung! Rode! Kittel!) bestaunen kann.
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Aber von welchen Gewächsen haben die Leverkusener nur genascht? Lassen sich mit seligem Lächeln vorführen und freuen sich wie bekifft, wenn sie Messis Trikot ergattern. Kein Wunder, dass Rudi Völler, der früher vor niemandem auf dem Platz Angst hatte und notfalls kratzte, biss, provozierte und traf, nach dem Spiel vor Ärger fast platzte wie einst bei »Waldi«. Schon mehrmals haben deutsche Klubs vor Barca in demütiger Schockstarre verharrt wie heutzutage kein kleiner Junge mehr vor seinem Star. Wie gut, dass es die Bayern gibt! Die haben ein »n« mehr als Bayer, aber mehr als doppelt so viel M(umm).
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Was kostet »das wohl teuerste Fernsehinterview der Welt« (Handelsblatt)? Stolze 800 Millionen Euro, die den Kirch-Erben zugesprochen werden, weil ein ehemaliger Deutsche-Bank-Chef in einem Interview die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der Kirch-Gruppe angezweifelt hatte, was Kirch angeblich erst in den Ruin getrieben habe. Da atme ich erleichtert auf, dass nicht ich, sondern die Deutsche Bank löhnen muss. Die kann sich’s eher leisten. Ich hab’s mir dagegen eher geleistet, die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der Kirch-Gruppe anzuzweifeln. Als Kirch in den späten Neunziger Jahren Fußball-Rechte für Fantastillionen von Mark kaufte, war ich »gespannt auf die verzweifelten Bemühungen zur Quadratur des Kreises: der Refinanzierung nicht refinanzierbarer Investitionen« (»Anstoß«/18. 2. 97). Der Kreis würde sich sogar schließen, wenn jetzt, wie schon gemunkelt wird, die Kirch-Erben das schöne viele Schmerzensgeld dazu nutzen könnten, um das höchste Gebot für die Senderechte der Fußball-Bundesliga abzugeben.
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Heute alles Fußball oder was? Selbst zum zwanzigsten Jahresjubiläum des Krabbe-Desasters (für Krabbe und ihre Doping-Jäger) fällt mir nur… Christoph Daum ein. Als Stuttgarter Trainer wunderte er sich treuherzig-ehrlich, seine deutschen Meister-Kicker hätten doch ebenfalls Clenbuterol genommen. Daums peinlicher Blackout wurde klammheimlich unter den Teppich gefegt. Der Fußball wollte keinen Skandal und war stark genug, ihn nicht zu bekommen.
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Doch nicht alles nur Fußball: Der Gesuchte unseres laufenden »Wer bin ich?«-Rätsels spielte zwar Football, war aber kein Fußballer. Als er Olympiasieger wurde, traten zwei später sehr bekannte und auch umstrittene Sportführer gegen ihn an und platzierten sich immerhin auf Endkampfplätzen (nach heutigen Maßstäben). Wen suchen wir? Wer es nach der ersten Drei-Punkte-Runde noch nicht wusste, hat bis Mittwoch die Chance, wenigstens zwei Punkte zu sammeln. The Games must go on! (gw)

Geschrieben von gw am 17. Februar 2012. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Anstoß vom 16. Februar (E-Mail für mich)

Immer wieder staunt und freut sich der Schreiber, wie fundiert, informativ und tiefgründig Leser auf die »Anstoß«-Kolumnen im Blatt und den Begleit-Blog im Internet reagieren. Im Blog sind einige bemerkenswerte und zum Teil ausführliche Stellungnahmen in voller Länge nachzulesen, wobei die ganze Bandbreite des Blog-Titels abgedeckt wird: »Sport, Gott & die Welt«. Es lohnt sich, dort mal reinzuklicken und zu lesen, was zum Beispiel Dr. Hans-Ulrich Hauschild (Gießen) über Religion und Humor schreibt (zuletzt ein Montagsthema), welche Gemeinsamkeiten Rüdiger Schulz (Ex-Eintrachtblogger »Kid Klappergass«) entdeckt oder wie Dr. Sylvia Börgens aus Wölfersheim die Herkunft des »Türkens« (ebenfalls ein Montagsthema) erklärt. Sie schlägt auch den Bogen zum Sport: »Wollte Sie auf den Umstand aufmerksam machen, dass beim grausamen 0:1 von Borussia Mönchengladbach gegen Kaiserslautern in der letzten Saison fast die gleiche Mannschaft auf dem Platz stand wie beim 3:0 gegen Schalke am Samstag. Der Unglücksrabe Bailly machte natürlich einen Unterschied.« – In der Tat, außergewöhnlich und eigentlich nur im Fußball möglich.
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Freundlich frotzelnd reagiert Horst Beisheim auf die »Montagsthemen«-Kritik an Hertha-Manager Preetz: »Müsste nicht der, der jetzt die Frage nach Preetz stellt, nicht auch die nach Bruchhagen gestellt haben, denn der hat nach Skibbe auch noch den Daum geholt.« – Aus meiner Antwort: »Stimmt, aber Bruchhagen habe ich daher (im Gegensatz zu unserem Henni) nach seinem Verhalten in Sachen Amanatidis/Skibbe plus Verzweiflungsaktion Daum auch schon in der Kolumne die ›Freundschaft‹ gekündigt.« – Leser Beisheim dazu: »Okay, sehr gut!«
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Mancher Eintracht-kritische Leser wird es kaum glauben, doch bei den Aufräumarbeiten im eigenen Archiv habe ich festgestellt, dass beim vermeintlichen Frankfurt-Fan »gw« im Lauf der Jahre die Kritik an diesem Klub deutlich überwog. Zuletzt war es nach dem Komplex Bruchhagen/Amanatidis/Skibbe/Daum das bizarre Hübner-Interview in der FR, und dass Trainer Veh im Vorfeld die Düsseldorf-Affäre losgetreten hat, nun aber wie ein beleidigtes Mädchen reagiert und ungewollt dazu beiträgt, Röslers Kult-Status bei der Fortuna noch zu erhöhen, wird bedingungslosen Eintracht-Fans auch nicht schmecken.
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Freundlich frotzelnd ist es nicht gerade, was Uwe Hermann über Jan Ullrich und »gw« schreibt: »Herr Ullrich ist genauso weltfremd wie Sie in Ihren Beiträgen über Ihren ›Star‹. Nun gibt es einen Lügner und Betrüger weniger – endlich!« – Da wusste der Leser noch nicht, dass ich auch »Ulle« (wegen der dümmlich augenzwinkernden »Doping für die Haare«-Werbung) die Freundschaft gekündigt hatte. Aber das war leider eine »gw«-Reaktion à la beleidigtes Mädchen. »Warum so streng mit unserem Jan? Ich bleibe trotzdem ein Fan von unserem Jan«, schreibt daher Doris Heyer. – Ich doch auch!
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Ähnlich sieht es Peter Storm (Wettenberg): »Es wird bei ihm wohl eher etwas geistig Einfaches, vielleicht auch Gutgläubigkeit vorliegen. Er wurde schamlos ausgenutzt von all denen, die von ihm Höchstleistung am laufenden Band erwarteten. Auch wir Sportfans ergötzten uns an seinen heroischen Taten. So bleibe ich Fan von Jan Ullrich, der mir sehr, sehr leid tut.« – Mir doch auch!
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Der Schauspieler Christian Lugerth, »ein wunderbarer Typ« (Matthias Altenburg alias Jan Seghers), Freund unserer Kolumne und vielseitig aktiver Theatermann (am 1. März feiert seine Inszenierung von »Nordost« Premiere am Gießener Stadttheater), versteht zwar »die harsche ›Kündigung‹ als Fan. Aber trotzdem, war das nicht wunderbar 1997? Und fast noch wunderbarer 2003? Bis auf dieses blöde Bianchi-Trikot und den ständigen Angsthasenblick von Ulle auf den unerträglichen Texaner? Das damalige Mitfiebern bleibt doch über. Und war einfach schön.«
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Ja, soo schön! Christian Lugerth schreibt im »Sport, Gott & die Welt«-Blog mitreißend und anrührend über seine Jahre mit Jan (unbedingt reinklicken!), ich steuere ein kleines »Ulle«-Erlebnis mit Altenburg und Matthias Beltz am Main bei, und Lugerth schlägt schließlich vor, »doch sowas wie ›Mein schönstes oder schlimmstes Ulle-Erlebnis‹ zu sammeln«. – Prima Idee. Wer macht mit?
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Schlusswort von Andreas Kautz, der einst bei Alpe d’Huez »Ulle« und »gw« auf die Straße schrieb: »Wir sollten dann doch nicht so streng mit Ulle sein. ER hat mich zum Radsport gebracht! ER hat mich an den Kaiserstuhl gebracht! ER hat mich nach Frankreich gebracht. ER hat mich zu gw und dem Anstoß gebracht. ER hat mir gute Freunde am Kaiserstuhl beschert, mit denen wir wunderbare Abende in den Alpen und im Elsass verbracht haben. Danke Ulle!«
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Zu einem ganz anderen (aber auch Montags-)Thema schreibt Tobias Ullrich: »Sie haben die Botschaft der Anti-ACTA-Aktivisten tatsächlich nicht ganz richtig verstanden. Einigen geht es vielleicht wirklich um nur kostenlose Brötchen. Vor allem geht es aber darum, auch in Zukunft selber entscheiden zu dürfen welche Brötchen man nimmt. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie oft ausgerechnet Journalisten das übersehen.«
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Tja. Mag sein. Leider hatte ich es aber bisher nur mit denen zu tun, die kostenlose Brötchen als ihr selbstverständliches Recht ansehen. Wenn die Brötchen von einem selbst gebacken werden, fehlt einem dafür dann doch das Verständnis.
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Stopp. Jetzt endet nicht nur die die Mail-Kolumne, sondern auch die Einsendefrist für die Drei-Punkte-Fragerunde von »Wer bin ich?« – am Samstag geht’s weiter. Bis dann. (gw)

Geschrieben von gw am 15. Februar 2012. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.