Ohne weitere Worte (vom 17. Oktober)

»Irgendwann kommt für viele das böse Erwachen. Man ist unqualifiziert für das zweite Leben.« (Ex-Nationalspieler Knut Reinhardt, heute Grundschullehrer, im Interview der Frankfurter Rundschau)
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Wie viele Spieler der Akademie schaffen es nach oben? – »Ich denke, nicht viel mehr als ein Prozent. Das ist atemberaubend. (…) 80 Prozent derjenigen, die mit 16 einen Vertrag hatten, sind nachher arbeitslos.« (Ex-Nationalspieler Per Mertesacker, künftiger Leiter der Jugendakademie von Arsenal London, im Spiegel-Interview)
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»Ich kenne Ehemalige, die sind inzwischen Sozialfälle. Aber die wollen sich das nicht eingestehen, die sagen auch noch mit Fünfzig: Ich bin Fußballer.« (Reinhardt/FR)
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»Damals war mehr Freundschaft. (…) Beim HSV sehe ich das heute gar nicht mehr. Das ist eine reine Söldnertruppe. Und von denen können nur fünf Fußball spielen.« (Ex-Nationalspieler Jimmy Hartwig im Spiegel-Interview)
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»Es gibt ja auch keinen Dribbler mehr wie Stan Libuda oder Pierre Littbarski. Die müssen geboren werden. Beide profitierten auch von ihren O-Beinen, waren auch deshalb unberechenbar mit ihren Finten. Aber welches Kind hat heutzutage noch O-Beine? Die werden heute begradigt.« (Ex-Nationalspieler Klaus Fischer im Kicker-Interview)
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Leonardo Bonucci (…) zelebriert auf dem Platz ausgiebig seine Identitätskrise. Was bin ich noch mal, und wozu bin ich hier? Der weithin gefürchtete Leo Bonucci, vor dessen grimmigem Lächeln die Stürmer der Welt zitterten, ist zahnlos, harmlos, planlos, seitdem er das schwarz-weiße Juve-Trikot gegen das schwarz-rote von Milan getauscht hat. (Birgit Schönau in der Süddeutschen Zeitung)
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Von Bunte befragt, ob sie inzwischen auch schon Deutsch spreche, enthüllt Ivanovic den ersten Satz, den Schweinsteiger ihr beigebracht habe: »Nein, danke, ich bin glücklich verliebt.« Das, habe ihr Gatte gesagt, sei »der einzige Satz in Deutsch, den du können musst«. (aus »Herzblatt-Geschichten« von Jörg Thomann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Vidal (…) ist gewissermaßen Hauptopfer (…) in Chile nach dem WM-K.o. (…), seit die Ehefrau von Claudio Bravo, Carla Pardo, die Büchse der Pandora öffnete.. »Ich weiß, dass die meisten sich den Arsch geschoren haben, während andere bloß feiern gingen und wegen Trunkenheit nicht mal trainieren konnten«, hatte Pardo (…)  in ihr Smartphone gehämmert. (Javier Caceres in der Süddeutschen Zeitung)
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Bravos Schwiegermama Pilar Lizana (lud) nach. (…) Alle Welt weiß, dass Vidal besoffen zum Training kam«, sagte sie in Canal 13. (Caceres/SZ)

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Sampaoli (Anm.: Ex-Nationaltrainer Chiles) habe auch seine Wahrheit über Vidal ausgebreitet, der in seinen Augen ein Fall für den Arzt sei. »Er mag es zu trinken und kontrolliert sich nicht.« (Caceres/SZ)
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Eitel und selbstgerecht freuen sie sich über ein bisschen billigen Applaus. Die freie, vereinte Stadt, in der sie ihrem traumhaften Beruf nachgehen dürfen, gäbe es nicht ohne die Fahne, die sie mit ihrem lächerlichen Kniefall verhöhnen. (Julian Reichelt auf Bild online über die Solidaritäts-Demonstration der Hertha-Profis)
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»Selbst die Grünen waren ja mal wählbar, als sie jung und idealistisch waren und noch keine Partei der Besserverdienenden, also die FDP des kleinen dummen Mannes und seiner Frau.« (Martin Sonneborn, Satiriker und Chef der Partei »Die Partei«, im Interview des FAZ-Magazins)
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Haben Sie Angst, dass der Ruf leidet? – »Darauf scheiße ich.« (Kölns Trainer Trainer Peter Stöger im Kicker-Interview)
(gw)
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Geschrieben von gw am 16. Oktober 2017. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt, gw-Beiträge Anstoß.

Montagsthemen (vom 16. Oktober)

Jupp hin, Heynckes her, die Liga pendelt sich ein. München zu stark, um nicht Meister zu werden, Dortmund zu unstet und abwehranfällig, um dies zu verhindern, Leipzig, dritte Kraft aus der Retorte, steckt als Homunkulus (= »Menschlein«) noch im embryonalen Stadium, und der Rest der Liga beweist sowohl seine nationale Ausgeglichenheit als auch deren internationale Schwächephase.
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Frankfurt und Augsburg, zum Beispiel, stützen die These einer fußballspeziellen Relativitätstheorie. Ihre Plätze im vorderen Teil der Liga sind in der Relation zu ihrem Potenzial aller Ehren wert, ihre Leistungen in Relation zu internationalem Anspruch aber, nun ja. Dennoch genießen wir Hessen natürlich den Blick auf die Tabelle, so wie Fußball-Deutschland auch das »Topspiel« zwischen BVB und RB als »hochklassig« (FAS und andere) hochlobt, weil »spannend und spektakulär«. Aber, liewe Leut’, das ist doch kein Kriterium für Spitzenklasse! Auch ein Drittligaspiel kann spannend und spektakulär sein. Spitzenklasse ist, wenn man nicht 1:3 gegen Tottenham verliert, sondern 3:1 gewinnt. Oder 3:0 gegen Paris.
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»Fußball wird vorwärts gespielt und rückwärts verstanden.« Prima Satz der famosen Jessica Kastrop bei Sky. Die Beste seit Monica Lierhaus (was macht sie eigentlich?). Kastrop fügt an, dies sei ein alter Spruch. Ach was?! Mir neu. Da bringt ein Satz fast alles auf den Punkt, was ich bisher lang und breit über die »Experten« geschrieben habe, und dieser Satz ist zudem steinalt. Wieder einmal Anlass, die eigene Leistung in Relation zu ihrem gewollten Anspruch zu stellen – und fortan über »Experten« zu schweigen. Alles ist gesagt.
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Auch Wörter wie »famos« und »fortan« sollte vermeiden, wer nicht in eine verstaubte Schublade gesteckt werden möchte. Wer drinsteckt, hat aber den Vorteil, mangels »Followern« keinen Shitstorm zu verursachen, sondern höchstens ein Staubwölkchen, wenn er über Triathlon lästert, den Topsport unserer Zeit. Stauben wir los: In der letzten »Ohne weitere Worte«-Kolumne habe ich mit Bedacht einen Satz des Triathleten Jan Frodeno zitiert, im Hinterkopf den Vorsatz, ihn im wahrscheinlichen Fall der Fälle heute mit weiteren Worten zu wiederholen: »Für mich bedeutet ein zweiter Platz Niederlage, Demütigung, Versagen. Ich fahre nur dahin, um das Rennen zu gewinnen.« – Ein Deutscher gewinnt, aber nicht Frodeno, der über eine Stunde später ins Ziel kommt. Entleibt er sich nun?
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Wem ein zweiter Platz Niederlage, Demütigung und Versagen ist, der klingt verdächtig nach Lance Armstrongs unsäglichem »Verlieren ist wie sterben.« In diesem bösen Satz steckte bei Armstrong auch eine finstere Logik, aber  die wollen wir Frodeno nicht unterstellen.
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Triathlon wurde von ein paar Freaks in einer Kneipe erfunden, also in einer echten Schnapslaune, ist mittlerweile aber eine echt deutsche Sportart (Achtung, es folgt ironische Polemik; auch solche Warnhinweise gehören zur neuen, ironieresistenten Zeit): Keine filigrane Technik nötig, kein begnadetes Talent, kein überdurchschnittliches Bewegungsgeschick, sondern »nur« sportliche Sekundärtugenden wie Fleiß, Disziplin, Trainingsausdauer und vor allem das Überwinden des legendären »Schweinehunds«. Schnell wie Leder, zäh wie ein Windhund … oder so. – Schon staubt’s gewaltig. Liebe Triathleten, nicht böse sein, habt Erbarmen mit Banausen!
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Zu guter Letzt eine frohe Kunde für Studenten: Habt keine Angst vor Bachelor-Prüfungen! Ist halb so schlimm, weiß Marek Rybinski und verrät im FAS-Interview den Ablauf einer Prüfung: »Im Hauptteil, in der ersten halben Stunde« werden Fragen gestellt«. Zum Lebenslauf, denn der ist praktischerweise Prüfungs-Thema, darin sind wir fit. Der zweite Teil ist »dann sehr angenehm und nett«, denn ihr müsst nur Autogramme geben und für ein paar Selfies posieren. Dass die Prüfer das Nationaltrikot anhaben, ist aber »eine Ausnahme, denn normalerweise machen wir so etwas nicht«. Haken an der Sache: Wer von Rybinski geprüft werden will, muss in Warschau antanzen und Robert Lewandowski heißen.  (gw)
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Geschrieben von gw am 15. Oktober 2017. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt, gw-Beiträge Anstoß.

Sport-Stammtisch (vom 14. Oktober)

Letzte Woche: »Mit Tom Petty starb einer der Großen der Rockmusik.« Diese Woche: Mit Jupp Heynckes feiert einer der erfolglosesten deutschen Fußballtrainer sein Comeback. Ja! Man darf nur das kleine Wörtchen »mit« nicht missinterpretieren. Also: Meines Wissens ist vorige Woche kein anderer Rockstar außer Petty gestorben, aber diese Woche feiert zusammen mit Heynckes noch ein ganz anderer Typ sein Comeback. Allerdings nicht in München, sondern im Ederbergland.
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Warum gibt Mario Basler ein Trainer-Gastspiel bei Rot-Weiß Frankfurt? Zwar ein heimeliger Hessenligist, aber beheimatet im Moloch Großstadt, einem Schmelztiegel der Kulturen obendrein. Und Basler schwebte doch schon, als er noch übersichtlicher wohnte, in ständiger Lebensgefahr: »Ich muss doch damit rechnen, dass mich einer wegen Geld umbringt.« Der Mörder lauere schließlich hinter jeder Tür: »Bei unseren Nachbarn, zwei Häuser weiter, wurde gerade versucht einzubrechen.«
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Den Ausschlag gab vermutlich die Sprache. Im Kader von Rot-Weiß finden sich zwar viele fremdländisch klingende Namen von Elvir Smajlovic bis Ibrahim Cigdem, aber keiner, bei dem Französisch als Muttersprache befürchtet werden könnte. Denn einst klagte Basler über zu viele Franzosen in seiner Mannschaft: »Ich lerne nicht extra französisch für die Spieler, wo unsere Sprache nicht mächtig sind.« Sollte bei Rot-Weiß dennoch einer im Kader stehen, wo unsere Sprache nicht mächtig ist, dann lernt Mario dem das!
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Mal ernsthaft: Das Trara, das um Baslers Einstieg in die Fünftklassigkeit gemacht wird, als predige nun der Papst am Brentanobad, ist eine Missachtung der Kompetenz von Trainern in dieser Liga. Auch in der fünften Klasse müssen sie ein Anforderungsprofil erfüllen, wo einem wie Basler nicht unbedingt zuzutrauen ist.
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Jupp Heynckes ist natürlich einer der erfolgreichsten deutschen Trainer aller Zeiten, das muss auch der nachtragendste Eintracht-Fan zugeben. Ich habe sogar eine Gemeinsamkeit mit ihm, die mich in diesen Tagen auf mysteriöse algorhythmische Weise eingeholt hat. Aber von vorn: Dirk Nowitzki postete vor ein paar Tagen bei Twitter ein »Ekel-Foto« (Bild online) des Großzehenschiefstandes (»hallux valgus«) von Dallas-Cotrainer Darrell Armstrong, bei dem der große Zeh seinen Nachbarn (wie nennt man den? Zeigezeh?), schon komplett nach oben weggedrängt hat, was nicht nur eklig, sondern auch wie eine unanständige »Handbewegung« des Fußes aussieht. Und was ploppt seitdem immer wieder auf meinem Bildschirm auf? Werbung für »Halluxwonder«, eine Art Überzieher, der den großen Zeh vom falschen Kurs abbringen soll. Und nun raten Sie mal, was ich mit Heynckes gemeinsam habe …
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Großzehenschiefstand kann davon kommen, dass man zu oft auf High Heels unterwegs war. Eine geheime Leidenschaft, der schon ein weltberühmter US-Filmstar frönte, der gerne inkognito nach Paris flog und dort in Frauenkleidern und auf Stilettos über die Champs Elysées stöckelte. Ich mag ja auch High Heels. Sehr sogar. Aber … ich schwör’s! Auch für Heynckes lege ich unbesehen meinen Fuß ins Feuer.
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Wenn wir schon bei schrägen Geschichten sind, will ich auch die von jenem Harry Pfeil zu Ende erzählen, der 1988 vorgab, der DDR-Nationalspieler Konrad Weise zu sein (siehe »Der doppelte Konrad« vom Donnerstag). Der Hochstapler meldete sich ein paar Monate später wieder. Er habe es nicht böse gemeint, zur Wiedergutmachung wolle er uns brisante Geheimpapiere schenken. Der Kollege, der auf ihn hereingefallen war, lehnte in panischem Schrecken jegliche neuerliche Kontaktaufnahme ab. Ich dagegen war neugierig und traf mich mit Harry Pfeil in einem leicht heruntergekommenen Gießener Bahnhofshotel. Das Geschenk erwies sich als handgeschriebenes Protokoll einer Sitzung des DDR-Fußballklubs Motor Plauen, in der die Forderung der SED-Bezirksleitung diskutiert wurde, »das Punktspiel gegen den FC K. M. Stadt so zu bestreiten, dass das Leistungsziel des Bezirkes K. M. Stadt, Aufstieg seines Leistungszentrums in die Fußballoberliga, nicht infrage gestellt wird.«
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Handschriftliche Aufzeichnungen eines Hochstaplers ? Mit spitzen Fingern weg damit. Zusammen mit einem zweiten Geschenk von Harry Pfeil, autobiographischen Notizen. Auszüge: »Sept. 77: Zürich, Verurteilung wegen Betrugs / Dez. 79: Frankreich, Schießerei, Möbeldiebstahl, 18 Monate Urteil in Abwesenheit / Mai 82: Trainer bei Spvgg. Starnberg, gefeuert wegen Verhältnis mit einem Spieler / Sept. 83: Flucht nach Griechenland / Verhaftung, Geld gestohlen, Absetzen nach Italien / Auto geklaut, Co-Trainer bei Admira Wacker, Scheckbetrüge, Identitätswechsel« und schließlich: »17. 1. 88: Flug Cagliari – Rom – Frankfurt. Notaufnahmelager.« – Und dann kamen wir ins Spiel . . .
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Wo der seltsame Hochstapler heute abgeblieben ist, weiß ich nicht. Der echte Konrad Weise aber lebt noch heute auf dem Boden der ehemaligen DDR, den er als Fußballer und als Trainer (u.a. der jungen Talente Bernd Schneider und Robert Enke) nie verlassen hat. Dass Harry Pfeil uns und andere derart zum Narren halten konnte, lag an einer Verkettung rein deutscher Umstände. Nur damals war es möglich, dass ein Herr X sagt, er sei Herr Y und geflüchtet, und schon bekommt er Aufenthaltsgenehmigung, Geld und einen Pass als Herr Y …
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Blöde Bemerkungen zur Gegenwart lasse ich, mein Grinsen beim Schreiben sieht man nicht. Zu guter Letzt: Robert Lewandowski ist Bachelor. Er hat sein Studium an der Sporthochschule in Warschau mit Bestnote abgeschlossen. Thema seiner Abschlussarbeit: »RL9. Der Weg zum Ruhm«. Also ein Aufsatz von ihm über sich. Hoch wissenschaftlich. Aber nur Bachelor? Letzte Meldung: An der Universität seiner Heimatstadt Funchal auf Madeira wurde Cristiano Ronaldo mit Erfolg zum außerordentlichen Professor habilitiert. Titel seines Werks: »CR7 – Warum ich so ein toller Kerl bin.«  (gw)
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Geschrieben von gw am 13. Oktober 2017. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt, gw-Beiträge Anstoß.

Der doppelte Konrad (WBI-Auflösung vom 12. Oktober)

»Ich bin zwei.« Der wichtigste Tipp stand schon in der Überschrift. Daher: »Der gesuchte Nationalspieler und Olympiasieger der DDR ist Konrad Weise. Meinen Informationen nach ist er nie geflüchtet aus der DDR. Ein Hochstapler, der sich Harry Pfeil nannte, gab sich als DDR-Altinternationaler Konrad Weise aus.« (Ludwig Dickhardt). »So gibt auch ›Ich bin zwei‹ einen Sinn, und auch der Satz ›Aber glauben Sie bitte nicht alles‹«. (Klaus-Dieter Willers)
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Eine völlig irre Geschichte. Rückblende, 1988: Stolz auf die eigene Zeitung, aber auch ein wenig neidisch, kam ich nach ein paar freien Tagen in die Redaktion und gratulierte den Kollegen. Ihnen war ein Coup gelungen, von dem jeder Journalist träumt. Vierspaltig fette Schlagzeile am 21. Januar: »Wieder ein hochkarätiger DDR-Internationaler geflüchtet« . . . und wir hatten die Geschichte exklusiv! Sensationell. Konrad Weise, eine Fußball-Ikone der DDR, war über Spanien nach Mittelhessen geflüchtet, direkt in unsere Arme. Ätsch, Bild-Zeitung! Aber merkwürdig, der zuständige Kollege verkroch sich fast in seinen Schreibtisch, deutete, hilflos achselzuckend, auf eine Agenturmeldung vom Tage: »DDR-Medien dementieren Flucht von Konrad Weise.« Au weia. In den folgenden Tagen ging es drunter und drüber. Wir blieben – wer glaubt schon der DDR – zunächst bei unserer Supermeldung, bis sie sich schließlich endgültig als gigantische »Ente« erwies.
Ich versuchte, das Verwirrspiel zu entwirren. Überschrift: »Eine Verkettung rein deutscher Umstände.« – Und die begann so: Beim deutschen Konsulat in Cagliari auf Sardinien meldet sich ein Mann mit sächsischem Zungenschlag. Er sei Konrad Weise, ehemaliger Fußball-Nationalspieler der DDR, Mitglied des Trainerstabes, und er habe ein Trainingslager auf Gran Canaria zur Flucht genutzt. Auf Grund dieser Behauptung erhält der Mann eine vorläufige Identitätsbescheinigung des Konsulats und ein Darlehen, um vorerst über die Runden und in die Bundesrepublik zu kommen. Ein übliches Vorgehen. Der neue Bundesbürger Konrad Weise kann mit gültigen Papieren und komfortablem Taschengeld in die Bundesrepublik einreisen. Ausstaffiert mit den Cagliari-Dokumenten, findet er sich im zentralen Aufnahmelager in Gießen ein und bekommt die vorläufige Identitätsbescheinigung dieser Behörde. Mittlerweile doppelt nachweisbar identifiziert und legitimiert, stellt Konrad Weise den Antrag auf Ausstellung eines vorläufigen Bundespersonalausweises. Dies geschieht bei der Gemeinde Hüttenberg, in der er vorerst Unterkunft gefunden hat. Die Gemeinde gibt den Bundespersonalausweis aus, ausgestellt mit den Daten, die der Mann mit dem sächsischen Zungenschlag in Cagliari angegeben hatte. Nun meldet sich »Konrad Weise, ehemaliger Fußball-Nationalspieler der DDR und jetzt Mitglied des Trainerstabes«, telefonisch bei unserer Sportredaktion. Die Affäre kommt ins Rollen, und aus Konrad Weise scheint ein ehemaliger DDR-Agent namens Harry Pfeil zu werden.
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So weit, so schlecht, so peinlich. Aber es kam noch ein Nachschlag: Der Hochstapler meldete sich später wieder. Er habe es nicht böse gemeint, zur Wiedergutmachung wolle er uns brisante Geheimpapiere schenken … aber das ist eine andere irre Story, vielleicht erzähle ich sie am Samstag im »Sport-Stammtisch«.

Kein Wunder, dass selbst gestandene WBI-Könner an Harry Pfeil scheiterten, zumal er selbst in den Tiefen des Internets kaum noch zu finden ist. Um so bemerkenswerter, dass diese elf Leser dem doppelten Weise auf die Spur kamen: Thomas Buch (Friedberg), Ludwig Dickhardt (Bad Vilbel), Michael Jungfleisch-Drecoll (Düsseldorf), Dieter Neil (Großen-Buseck), Klaus Philippi (Staufenberg-Treis), Karola Schleiter (Florstadt), Rüdiger Schlick (Reichelsheim), Paul-Gerhard Schmidt (Mücke-Nieder-Ohmen), Jochen Schneider (Butzbach), Manfred Stein (Feldatal), Klaus-Dieter Willers (Hungen) – 1 Punkt: Jost-Eckhard Armbrecht (Großen-Buseck), Dr. Sylvia Börgens (Wölfersheim), Peter Hett (Bad Nauheim), Walther Roeber (Bad Nauheim), Jens Roggenbuck (Staufenberg-Mainzlar), Horst-Günter Schmandt (Pohlheim).
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In der vorläufigen Jahresrangliste 2017 führen Thomas Buch, Ludwig Dickhardt, Michael Jungfleisch-Drecoll, Dieter Neil, Klaus Philippi, Karola Schleiter, Rüdiger Schlick, Paul-Gerhard Schmidt, Jochen Schneider und Klaus-Dieter Willers gemeinsam mit je sechs Punkten. Eine alphabetische Liste mit allen Teilnehmern, die in 2017 bisher mindestens drei Punkte gesammelt haben, ist im Internet (Adresse siehe unten) nachzulesen, (gw)
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Geschrieben von gw am 11. Oktober 2017. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt, gw-Beiträge Anstoß.

Ohne weitere Worte (vom 10. Oktober)

Je nach Neigung kann man die Heimholung des ewigen Jupp nun kreativ oder verzweifelt nennen, eine Kreativität der Verzweiflung ist es auf jeden Fall. (Claudio Catuogno/Christof Kneer in der Süddeutschen Zeitung)
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Nun will man die Uhr zurückdrehen. Alles zurück auf Anfang, um die verlorene Zeit aufzuholen? Geht das mit den Menschen und Methoden von gestern? (Christian Eichler in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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Er ist jetzt 72 (…) und sollte eigentlich klug genug sein, dem Werben zur Rückkehr nach München zu widerstehen. (…) Nun droht ihm, ähnlich wie Otto Rehhagel 2012 (…) mit der Hertha, ein vorübergehendes Schicksal als Witzfigur. (Jan Christian Müller in der Frankfurter Rundschau)
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Wie will Katalonien denn, von der restlichen Halbinsel isoliert, existieren? Soll der FC Barcelona als stolzes Aushängeschild nationaler Identität dann gegen sich selbst Fußball spielen, während Real Madrid in einer anderen Liga spielt? (Dirk Schümer in der Welt)
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Ich war Verteidiger und träumte davon, eines Tages für Benfica Lissabon aufzulaufen. Aber Krankheiten, über die ich nicht reden mag, machten es für mich vor zehn Jahren unmöglich, weiter Sport zu treiben. In meinen Träumen bin ich allerdings immer noch fit und spiele weiter Fußball. Das sind wirklich großartige Träume! (Salvador Sobral, Gewinner des Eurovision Song Contest, in der Zeit-Magazin-Serie »Ich habe einen Traum«, aufgezeichnet von Christoph Dallach; seit einer Woche liegt Sobral auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Lissabon und wartet auf ein Spenderherz)
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»Ich war nie cool, und ich habe nie versucht, cool zu sein. Ich werde niemals cool sein.« (James Blunt, Sänger und Liedschreiber, zitiert im Spiegel)
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Ist eine solche Sportkarriere etwas, das man seinem Sohn empfehlen sollte? – »Absolut nicht.« – Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Zeit in der Sportschule? – »Da möchte ich nicht drüber reden. Keine guten.« (»Rammstein«-Sänger Till Lindemann, als Jugendlicher im Schwimm-Kader der DDR, im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Ich habe es genauso aufgeschrieben, wie es jetzt im Buch steht. (…) Der Lektor hat nur noch etwas gekürzt. Er fand, manches sollte ich besser meinem Frisör erzählen.« (»Rammstein«-Keyboarder Christian »Flake« Lorenz im Interview der Frankfurter Rundschau über »Flake«, sein zweites autobiografisches Buch)
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»Für mich bedeutet ein zweiter Platz Niederlage, Demütigung, Versagen. Ich fahre nur dahin (Anm.: zum Ironman), um das Rennen zu gewinnen. Alles andere blende ich aus.« (Triathlet Jan Frodeno im Interview der Bild am Sonntag)
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Ich habe mir oft gewünscht, dass ich in meiner Kindheit besser Deutsch gelernt hätte. (…) In der Umgebung, in der ich aufgewachsen bin, war es schwierig, Deutsch zu lernen. (…) Deutsch sprachen eigentlich nur meine Lehrer. (…) Ich habe mich oft geschämt, weil ich wusste, mein Deutsch war nicht perfekt. (Mesut Özil in der Zeit-Magazin-Serie »Ich habe einen Traum«, aufgezeichnet von Jörg Böckem)
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Er lernte Playboy Gunter Sachs kennen, drehte einen Film mit Gitte Haenning. Die Frauen faszinierten ihn, und andersherum. »Oft wurde ich in Bars oder Tanzklubs angesprochen, ob ich mal mit auf die Toilette kommen und ihnen meinen Penis zeigen könne.« (Lutz Wöckener in der Welt über Guy Acolatse, den ersten dunkelhäutigen Fußballer im deutschen Profifußball)
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Stark ist das neue Dünn (Schlagzeile in der Frankfurter Rundschau über einen neuen Trend)
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»Haben Sie sich mal gefragt, wie Bäume aufs Klo gehen?« – Äh, nein. – »Einmal im Jahr. (…) Die drücken ihre überflüssigen Stoffe in die Blätter, bevor sie abgeworfen werden. Interessant, oder?« (Peter Wohlleben, Förster und Bestseller-Autor, im SZ-Interview)
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»Wenn man ein glückliches Leben führen will, ist Erfolg oder Bekanntheit der unwichtigste Punkt.« (Flake/FR) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Geschrieben von gw am 9. Oktober 2017. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt, gw-Beiträge Anstoß.

Baumhausbeichte - Novelle