Er war’s: Sonny Liston (“Wer bin ich?”-Auflösung vom 19. Juni)

»Wenn Sie nicht den Hinweis mit dem LP-Cover gegeben hätten, wäre es für mich schwer geworden. So aber war’s leicht. Egal, ob man das Album besitzt oder nicht, als Musik-Fan muss man bei dem Cover-Tipp automatisch auf Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band kommen. Wenn man sich dann die ›Besetzungsliste‹ des Covers anschaut, fallen einige wie Marlene Dietrich oder Stan Laurel schnell weg. Übrig bleibt der diesmal gesuchte Sonny Liston« (Ralf Kranich/Großen-Buseck).

* Stimmt, er war’s. Ich hatte lange überlegt, ob ich Sgt. Pepper mit in die Tipps aufnehmen sollte. Weil: zu verräterisch. Aber es war auch zu verführerisch, sich vorzustellen, wie WBI-Leser zur Platte greifen, das Cover studieren und, vielleicht, noch einmal die Titel anhören, bis zum »A Day in the Life« am Schluss.

* Klaus Pradella (Heuchelheim), HR-Hörern wohlbekannt und ein lieber alter Sportredaktions-Kollege, findet die weiteren Liston-Spuren: »Bei ihm ist unklar, wann er geboren wurde, wohl irgendwann zwischen 1926 und 1933, selbst seine Mutter wusste es nicht, sein Tod ist vermutlich durch eine Überdosis Heroin verursacht worden. Ganz klar ist das aber auch nicht. Er konnte nicht lesen und schreiben, Mark Knopfler hat ihm einen Song gewidmet (Song for …), der frühere Songwriter Phil Ochs hat eine Ballad of … gesungen, Nick Tosches hat eine Biografie über ihn veröffentlicht (Der Teufel und …) und Alfred Hrdlicka hat als Fan moderner Gladiatoren eine Plastik hergestellt, die in Stuttgart auf dem Stauffenberg-Platz steht. Und schließlich stehen auf seinem Grabstein in Las Vegas tatsächlich nur die beiden Worte ›A Man‹.«

* Paul-Gerhard Schmidt (Nieder-Ohmen) löst das letzte Rätsel: »Das berühmte Foto stammt aus dem zweiten Kampf Listons gegen den ›Größten‹. Nach einem Phantomschlag Alis, der kaum erkennbar war, ging Liston zu Boden und wurde ausgezählt. Auf dem Foto steht Ali über ihm und schreit ihn an. Nicht wenige vermuteteten damals, dass Sonny Liston absichtlich verloren hat.«

Spätere Film-Analysen ergaben, dass Ali  blitzschnell einen schweren Treffer landete und Liston schon im Fallen ohnmächtig war. Eine weitere interessante Neben-Information bei der Recherche für das Liston-Rätsel: Der nur 1,85 m große »hässliche Bär« (Ali) hatte eine größere Reichweite als die Zwei-Meter-Klitschkos! Wer mehr über den geheimnisumwitterten Boxer lesen will, dem sei Nick Tosches’ Biografie empfohlen: »Der Teufel und Sonny Liston – Aufstieg und Fall einer Boxlegende« (Heyne Verlag / bei Amazon sind allerdings nur noch gebrauchte Exemplare erhältlich). * Diese 26 Teilnehmer fanden die richtige Lösung:

Jost-Eckhard Armbrecht (Buseck) Dr. Joachim Bille (Reiskirchen) Dr. Sylvia Börgens (Wölfersheim) Wolfgang Egerer (Rodheim) Waltraud Griep (Rosbach) Doris Heyer (Staufenberg-Treis) Andreas Hofmann (Bad Nauheim) Thomas Koch (Wiesbaden) Ralf Kranich (Buseck) Sven Liebig (Bad Vilbel) Dr. Paul Limberg (Linden) Regina Loyo-Stumpp (Wettenberg) Uwe Paulus (Biebertal) Klaus Pradella (Heuchelheim) Walther Roeber (Bad Nauheim) Karola Schleiter (Florstadt) Rüdiger Schlick (Reichelsheim) Horst Günter Schmandt (Pohlheim) Paul-Gerhard Schmidt (Nieder-Ohmen) Jochen Schneider (Butzbach) Prof. Peter Schubert (Friedberg) Manfred Stein (Feldatal) Peter Storm (Wißmar) Frank Weger (Gießen) Martina Wenzel (Wöllstadt) Steffen Wenzel (Pohlheim)

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Glückwunsch und: Respekt! – Eine neue Gesamtwertung (an der sich vorne kaum etwas geändert hat) wird nach der Juli-Runde veröffentlicht. Alle, die diesmal daneben lagen (beliebtester Fehltipp: Johnny Weissmüller), tröstet Sven Liebig, einer der 26 Gewinner: »Die Lösung ist nie einfach, wenn man es nicht weiß.« (gw)

Geschrieben von gw am 18. Juni 2013. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Ohne weitere Worte (vom 18. Juni)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Kann Guardiola mit dem FC Bayern erneut eine Ära prägen, wie es ihm mit Barcelona gelang, oder haben Spötter recht, die behaupten, dass mit Könnern wie Xavi, Iniesta und Messi in der Startelf sogar Peter Neururer die Champions League gewonnen hätte? (Spiegel)
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»Was ich mich die ganze Zeit gefragt habe, was das eigentlich heißen soll, dass Hoeneß für ganz Deutschland so ein Riesenvorbild war. Also für mich war er keins, nur weil er eine Wurstfabrik aufgebaut, einen Flugzeugabsturz überlebt und die Geschicke des FC Bayern aus einem billigen Korbstuhl heraus geleitet hat.« (Benjamin von Stuckrad-Barre, Autor und Medienmann, im SZ-Interview)
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»Mich hat die Tour so geprägt, dass ich mit Geburtstag, Weihnachten oder Silvester gar nicht mehr so viel anfangen kann. Ich hatte durch die Tour einen solchen Glücksschock bekommen, dass es schwer ist, die anderen Sachen noch vernünftig einzuordnen. Ich würde heute noch gerne die Tour fahren, wenn ich fit genug wäre.« (Erik Zabel im FAZ-Interview)
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Wo soll ich anfangen, Amigos? Dass sich 200 spanische Politiker wegen Korruption verantworten müssen? Dass ich nicht fassen kann, dass der größte Dopingskandal der spanischen Geschichte mit einer Bewährungsstrafe enden soll? Dass die Richterin in diesem Prozess die Vernichtung der Blutproben anordnete, um die Persönlichkeitsrechte der Doper zu schützen? (Juan Moreno im Spiegel, »warum ich meinen spanischen Pass zurückgeben möchte«)
Wenn keiner mehr Kugelstoßen der Frauen sehen will, wollen irgendwann auch keine Frauen mehr Kugeln stoßen. (FAZ über die nur fünf Stoßerinnen beim Meeting in Oslo)
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Es geht nicht um Aleppo und zerschossene Häuser. Nicht um Kinder, nicht um Politik. Es geht um Jan Josef Liefers und seinen Zynismus, in ein Kriegsgebiet zu fahren, um dann eine weltbewegende Katastrophe mit kindischen Lösungsvorschlägen zu banalisieren. (Süddeutsche Zeitung zur Bild-Titelstory »Tatort-Star Liefers in der Hölle von Syrien«)
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Aber wenigstens wissen jetzt auch die »Bild«-Leser, dass dort Bürgerkrieg herrscht. Jetzt will Liefers sogar mit Außenminister Westerwelle sprechen, wird Zeit, dass er es auch erfährt. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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Ihre Wiedergeburt planen Sie schon heute, aber offenbar nicht in Tibet. (…) – »Wenn es mir um harte Arbeit ginge, dann würde ich Deutschland wählen. Aber sehr wahrscheinlich wird daraus nichts. Denn der heitere Typ in mir zieht Italien vor.« (Dalai Lama im Zeit-Interview)
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Der neue Papst (…) hat (…) eine »Schwulenlobby« im Vatikan entdeckt. (…) Im Vatikan haben also die Schwulen das Sagen, darauf deuteten die teilweise sehr schrägen Klamotten und der übertriebene Prunk ja immer schon hin. Und ein Laden, in dem seit Jahrtausenden ausschließlich Männer in Frauenkleidern das Sagen haben, dem darf wohl eine gewisse Nähe zu homosexuellen Kreisen unterstellt werden. Musste unser guter deutscher Papst gehen, weil er zu heterosexuell war? (»Zippert zappt« in der Welt) (gw)

Geschrieben von gw am 17. Juni 2013. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Montagsthemen (vom 17. Juni)

Es begab sich zu der Zeit, als »Raider« zu »Twix« und »Prince« zum »Symbol« wurde, dass die Military sich aus Imagegründen in Vielseitigkeitsreiten umtaufte. Mittlerweile heißt das »Symbol« wieder »Prince«, »Raider« taucht wieder auf, nur Buschreiten, egal ob Military oder Vielseitigkeit genannt, bleibt eine manchmal einschläfernde Sportart. Vor allem für Pferde.
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Luhmühlen gibt den Anlass, meinen alten Kalauer aufzuwärmen. Aber die Mili… die Vielseitigkeitsreiter haben Glück im Unglück: Die Distanzreiter üben Solidarität, lenken ab und ziehen die Pfeile der Tier- und Sportschützer auf sich: »Nirgendwo sonst im Reitsport sterben so viele Pferde, wird so unverfroren gedopt und so offensichtlich betrogen« (Süddeutsche Zeitung).
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Hübsch auch, dass der Regent von Dubai, Besitzer von ein paar tausend Arabern (in diesem Fall: Pferde) und Weltmeister im 160-km-Distanzritt, schon wegen Anabolika-Dopings (in diesem Fall: an Pferden) gesperrt wurde und eine seiner beiden Ehefrauen als Präsidentin dem Weltreiterverband vorsteht.
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Die Reiter sorgen sich stets um ihre Akzeptanz beim zimperlichen Publikum außerhalb des inneren rustikalen Horsemen-Zirkels, und sie können so gar nicht verstehen, warum nicht alle Welt ihren Sport einfach nur toll findet. Und dann propagieren sie, schon mit der Mili… der Vielseitigkeit als Handicap am Huf, auch noch das Distanzreiten, bei dem einmal nach 160 Kilometern und mehr als neun Stunden der 16-jährige Sohn eines Scheichs gewann, auf einem Pferd, auf dem er erstmals saß, und nach einem Rennen, bei dem zwei tote Pferde buchstäblich auf der Strecke blieben. Manche von ihnen müsste man barren, bis ihre Reiter-Beine bluten!
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In der FAZ las ich dieser Tage ein großes Interview mit Erik Zabel. Leider kam am Schluss in Form einer Feststellung die übliche Frage: »Ihre Doping-Beichte bezog sich auf das Jahre 1996. Demnach haben Sie die Tour (…) dreizehn Mal ungedopt bestritten.« Zabel, zuvor sehr ausführlich antwortend, sagt nur: »Ja.« Ich sage dazu nur das, was ich schon 1988 am Tag nach dem Ben-Johnson-SuperGAU geschrieben habe: »Unmoralisch ist die Gretchen-Frage der Moralischen an den Sportler, ob er dopt. Unmoralisch, weil die Antwort keinen Informationswert besitzt und den Befragten in eine peinliche Situation bringt. Welcher Lehrer würde in einer Schulklasse von 13-Jährigen die Frage stellen, wer schon einmal onaniert habe? Alle würden nein sagen, niemandem würde geglaubt, selbst den wenigen keuschen Ausnahmen nicht.« – Einschränkung 2013: Das gilt nur für Anabolika und später EPO, so dass die historische Wahrheit von Jan Ullrich verallgemeinert werden kann: Niemand hat einen Konkurrenten betrogen. Damals. Aus rein sportlicher Sicht hat sich alles zum Schlechteren gewandelt, denn heute, da nicht mehr alle, sondern (wie?) viele dopen,  ist der Betrug am Konkurrenten allgegenwärtig.
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Themen- und Szenenwechsel: Taksim-Platz in Istanbul, Keimzelle politisch-gesellschaftlicher Öffnung eines Landes? Vorsicht, siehe Ägypten. Vor zwei Jahren unkte ich nach einer Ägyptenreise, dass »das Volk Mubarak weg haben will, aber noch nicht weiß, was es stattdessen will, aber sicher nicht das, was wir wollen, dass die Ägypter es wollen sollen«. Eindruck einer Istanbulreise vor einigen Monaten: Der Taksim-Platz im Stadtteil Galata ist der In-Platz einer westlich geprägten Stadtszene. Wenn man aber auf der noch angesagteren, quirligen, proppenvollen Straße zwischen Taksim und Galata-Turm in Nebensträßchen abbiegt oder gar durch die komplett gegensätzliche, sehr islamische Szenerie in anderen Stadtteilen wandert, erlebt man schlagartigen Stimmungs- und Szenenwechsel. Alles nicht so einfach. Vor allem für die Türken.
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Auch wir Jungs haben es nicht so einfach. Vor ein paar Tagen erst habe ich in dieser Kolumne über den Gender-Boom geulkt und dessen Maxime, Unterschiede zwischen Mann und Frau seien nicht angeboren, sondern anerzogen. Jetzt kommt mir zwar der unaufgeregt nüchterne Stand der Forschung entgegen, der besagt, dass nicht nur Körperliches, sondern auch Geistiges, also die Intelligenz, »weitgehend angeboren« (SZ) ist. Aber das kommt mir als Mann leider nur scheinbar entgegen, denn es beweist meine alte Befürchtung: Mädchen sind einfach von Natur aus klüger.
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Und stärker. Selbst – nein: vor allem – die Zartesten können uns am ausgestreckten Arm verhungern lassen, ohne mit der Wimper oder einer Muskelfaser zu zucken. (gw)

Geschrieben von gw am 16. Juni 2013. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Sport-Stammtisch (vom 15. Juni)

Muss Messi in den Knast? Quatsch. Zwar soll er in etwa so viele Millionen hinterzogen haben wie Uli Hoeneß, doch wird die Sache wohl im spanischen Sand verlaufen. Außerdem: Wenn nicht alles täuscht, was man von dem braven Fußballer zu wissen glaubt, hat nicht Messi Steuergeld hinterzogen, sondern Messis Steuergeld wurde hinterzogen. Aber der kleine, (un)feine Unterschied ist nicht rechtlich, sondern »nur« moralisch von Bedeutung.
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Auch Hoeneß kommt nicht in den Knast (wetten!?), obwohl er aktiv gehandelt hat. In seinem Fall beschäftigt mich nicht die rechtliche (und mir viel zu komplizierte) Seite der Affäre, weniger auch die moralische der aufrichtig Empörten, sondern viel mehr die pseudomoralische des Weintrinkers, der Wasser predigt. Egal, wie die Affäre endet: Die Rolle als moralische deutsche Instanz, quasi sitzend zur Rechten von Helmut Schmidt, hat Hoeneß für alle Zeiten verzockt (ob der Altkanzler dort zu Recht sitzt, ist eine andere Frage).
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Was Hoeneß ärgern dürfte: Erst durch Messi ist er wieder in den Blickpunkt gerückt, nachdem er sich auf leisen Sohlen zurückgezogen hatte, um die Zeit und andere Säue, die durchs deutsche Dorf getrieben werden, für sich arbeiten zu lassen. Hatte bis Messi auch gut funktioniert – wer hätte gedacht, dass Hoeneß nach dem Champions-League-Finale nicht zurücktreten würde? Ich jedenfalls nicht. Und niemanden hatte es noch aufgeregt.
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Mehr Aufregung schafft jedenfalls das Geeiere, Gestochere, Gestänkere um Robert Lewandowski, wobei vorerst nur klar ist: Einer lügt. Lachen sich die Bayern schon ins Fäustchen? Wollen sie ihn am Ende gar nicht, sondern nur leistungsmindernden BVB-Unfrieden stiften? Falls ja: Das ist gelungen.
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Unfrieden auch bei Eintracht Frankfurt, und der ist so was von überflüssig! Der Reporter Oliver Forster, den Heribert Bruchhagen zum Pressechef machen wollte, zieht sich nach Intervention von Armin Veh »freiwillig« zurück. Den Zoff lastet die mediale Frankfurt-Connection dem Trainer an, klar, sie lässt einen der Ihren nicht verkommen. Veh hatte gedroht, sein Amt hinzuschmeißen, was ihm als Überreaktion übel genommen wird.
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Nicht von mir. Es war die einzig richtige Reaktion. Es geht nicht um Forsters Reportagestil (der ist Geschmacksache, und dass er nicht mein Geschmack ist, spielt keine Rolle). Es geht um ein Frankfurter Hallenturnier vor eineinhalb Jahren, bei dem Forster heftig kritisierte, dass Veh es nicht beehrte und eine Reservemannschaft hinschickte. Was bedeutet: Veh hätte mitten in der kurzen, unabdingbar wichtigen Zwischen-Aufbauphase in der Winterpause seine Stammspieler zum Tralala-Kick in die Halle beordern sollen, mit bekanntem Verletzungsrisiko, zu Lasten des Trainings und letztlich des angestrebten Aufstiegs. So etwas zu verlangen, war ein Rückfall in schwärzeste Zeiten des späten vergangenen Jahrtausends, als ebenfalls eine Frankfurter Medien-Connection ihre Eintracht als Hallenkönigin von Deutschland feierte (und ich gleichzeitig aus dem gleichen Grund den Abstieg voraussagte).
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Veh hätte sich zum Narren gemacht, wenn er diese Personalie akzeptiert hätte. Was hat bloß Bruchhagen geritten, dem Trainer den fußballfachlich für ihn unakzeptablen Pressechef vor die Nase zu setzen? Nicht Forster ist schuld an dem Schlamassel, nicht Veh, sondern, mit Verlaub: Heribert Bruchhagen. Von den vielen dicken Steinen, die er bei mir im Brett hat, nehme ich einen zweiten (nach Skibbe/Amanatidis) heraus. Sorry. Aber es bleiben ja noch genug drin.
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Über Reporter und Medien nach Griechenland: Der Staatsrundfunk, also deren ARD/ZDF, wurde Knall auf Fall geschlossen. Kostengründe. Alles wegen der Krise. Heißt es. Nun stimmt es zwar, dass der Staatsrundfunk dort so grotesk aufgebläht war, dass unsere Öffentlich-Rechtlichen dagegen Effizienzpreise gewinnen müssten. Aber dass ausgerechnet der Regierungssprecher, der das Abschalten verkündete und verteidigte, früher als Minister freigiebig die Posten im Staatsrundfunk verteilt hatte, vorzugsweise an »gut aussehende Beraterinnen« (SZ), lässt doch an die alten Verhältnisse denken. Griechischer Bauernopfersalat.
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Unsere Öffentlich-Rechtlichen stehen ebenfalls unter Beschuss, vor allem auch im Sportbereich, und das oft zu Recht. Abschalten? Absurd. Sie sind unverzichtbar, wenn sie ihren Auftrag ernst nehmen. Aber in heutigen Zeiten, in denen anderswo gesellschaftlich Revolutionäres geschieht, sollten wir wenigstens über  Modifizierungen nachdenken. Wie wäre es denn damit: Öffentlich-Rechtlichen wird Werbung gesetzlich untersagt und kostenlose Kurzberichterstattung von allen öffentlichen (also auch sportlichen) Veranstaltungen ebenso gesetzlich gewährleistet. Gleichzeitig darf die Quote kein Kriterium mehr sein und wird ausschließlich den Privaten überlassen. Unrealistisch? Leider ja. (gw)

Geschrieben von gw am 14. Juni 2013. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Bis ins letzte Fitzelchen obduziert (Nach-Lese vom 15. Juni 2013)

»Ich lese keine Krimis. Zu dieser Lektüre habe ich kein Bedürfnis, keine Lust, keine Zeit. Aber ich habe nichts dagegen, dass andere Leser bei Krimis immer wieder Schutz und Zuflucht, Ablenkung und Vergnügen suchen.« (Marcel Reich-Ranicki)
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Immerhin lässt er uns generös die Lust am Krimi. Aber suche ich als Krimi-Leser nur Schutz, Zuflucht, Ablenkung, Vergnügen? Nein. Genauso wenig wie in »normalen« Romanen dem gestrengen R. R. diese Kriterien genügen, halten sie meinem Anspruch stand, denn: Ein guter Kriminalroman muss vor allem ein »kriminell« guter Roman sein.
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Aber wie finde ich den? Eine beschwerliche Suche, da die von mir bevorzugten guten, alten angelsächsischen Autoren fast alle gelesen und einige von ihnen leider schon gestorben sind, was den Nachschub erschwert.
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Überhaupt, mit zunehmendem Alter nimmt der Lektüre-Fundus generell ab, selbst wenn man nicht dem Beispiel jenes alten, hoch angesehenen englischen Schriftstellers folgt, nur noch Romane zu lesen, deren Autoren nicht deutlich jünger sind als man selbst. Weil: Was sollen ihm diese jungen Schnösel sagen, was er nicht schon wüsste? Wie heißt dieser greisige Grantler? Sein Name fällt mir nicht mehr ein. Vergessen. Noch etwas, das mit zunehmendem Alter abnimmt.
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Aber nicht Alters-Arroganz ist es, die mir die derzeit angesagten Hartstoff-Krimis verleidet. Wie ich sie hasse, diese wahnsinnigen Killer, die massenmordend Berge von zerstückelten Leichen produzieren, die von coolen, taffen Gerichtsmedizinerinnen bis ins letzte Fitzelchen obduziert werden (die Leichen, nicht die lebenden Killer, aber das kommt sicher auch noch), haarklein und genüsslich beschrieben von Marketing-Schreibern, die den Trend-Trieb zur Leichenfledderei bedienen.
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Schon lange nicht mehr lese ich auch die depressiv stimmenden Skandinavier. Der Trübsinn von Mankell und seinen Epigonen treibt selbst alte Frohnaturen in die Hoffnungslosigkeit. Wie habe ich das bloß früher ausgehalten? Alle Krimis von Sjöwall und Wahlöö verschlungen, mit Freude, ohne mich runterziehen zu lassen. Waren diese beiden alten Sozis besser drauf oder ich früher weniger runterziehbar?
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Aber ich gebe nicht auf. Wird Hakan Nesser nicht hoch gelobt und auch literarisch gerühmt? 24 Krimis liegen von ihm vor, keinen habe ich bisher in meiner Skandinavier-Phobie gelesen. Da liegt Nachschub brach! Per Zufall stoße ich dieser Tage auf die Taschenbuchausgabe von »Die Einsamen«. Der Plot, denke ich nach dem Klappentext, klingt nicht depriziös, sondern vielversprechend: »Am Fuße des Steilhangs bei Kymlinge liegt eine Leiche – und zwar genau dort, wo vor 35 Jahren schon einmal ein Mensch zu Tode kam.« Und zwar der ehemalige Freund der ersten Leiche (ja, klar: Als diese noch keine Leiche war. Selbst das muss heutzutage betont werden). Mysteriös. Interessant. Wie löst Nesser den Fall, spannend, unterhaltsam und mit literarischem Anspruch? Auf geht’s. Lesen!
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Aber dann, alter Schwede! 600 Seiten immer tieferer Tristesse. Knackpunkt (wer’s Buch lesen will, jetzt bitte erst nach dem übernächsten * weiterlesen): Die grautriste Reise einer Gruppe von sechs jungen Schweden (drei Pärchen) in den frühen 70ern mit dem Bus durch den tristgrauen Ostblock. Im endzeitartigen Timisoara werden sie von oberfiesen Uniformierten eingesperrt. Nach viel Angst kommt die grausige Ansage: Wir lassen euch laufen, aber zuvor muss uns eine von den Frauen zu Willen sein. Ansonsten werdet ihr alle umgebracht.
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Die Schweden lehnen entsetzt ab, dann schwenken sie peu a peu um, die Jungs zuerst (klar, sie haben nichts zu verlieren, diese Feiglinge), dann losen die drei Mädchen aus, wer von ihnen mitgehen muss, diejenige, die verliert, bricht zusammen, da opfert sich eine andere, die Massenvergewaltigung beginnt … danach kommen alle frei, sie fahren weiter, das Erlebte nicht, nie mehr thematisierend. Die erste Leiche wird das Mädchen, das sich geopfert hatte, die zweite ihr Freund, die anderen stehen unter Verdacht, am Ende ist aber alles anders, noch schlimmer, und der Leser greift nach dem Fläschchen mit dem Suizidverhinderungselixier.
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Die letzten 100 Seiten lese ich – eine echte Dummheit – ausgerechnet abends im Bett. Ein Gedicht wird zitiert: »Es handelt vom Tod, wenn er kommt«, und Nesser lässt rezitieren: »And so it stays just on the edge of vision / A small, unfocused blur / A standing chill / That slows each impulse down to indecision / Most things may never happen, this one will.«
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Ich schlage das Gedicht leider noch vor dem Schlafen nach. »Aubade« von Philipp Larkin. Da kommt nicht nur der Tod (»this one will«), sondern es vor ihm noch schlimmer: »Vor der grenzenlosen Leere ist mir bang, dem Ausgelöschtsein, auf das wir uns zubewegen, in dem wir dann auf immerdar verlorengehen.« – Na dann gute Nacht!
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Most things may never happen, this one will. »Die Einsamen«. Nesser garniert das Ganze auch noch mit depressiven christlichen Glaubensdiskussionen, aber ohne Halleluja.
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Resultat jedenfalls: Eine Nacht mit wenig Schlaf und einigen dunklen Träumen. Was soll ich bloß noch krimilesen, ohne Schaden zu nehmen an meiner zarten Seele?
Ratschläge nimmt dankend entgegen: (gw)

Geschrieben von gw am 14. Juni 2013. Abgelegt unter gw-Beiträge Kultur.