Ohne weitere Worte (vom 20. August)

Im Spätkapitalismus gerinnt alles zur Show. Und so ist aus dem Transfermarkt eine Bühne geworden, auf der die Empfehlung, dass man über Geld besser nicht spricht, nicht gilt. Im Gegenteil, das endlose Reden über Geld und Transfers entspricht heute dem alten Klatsch über die Königshochzeiten in den Schmachtblättern: Wer kriegt wen? (Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung)
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Rummenigge sagt, er wünsche sich von Kovac, dass der FC Bayern einen Offensivfußball zelebriert wie einst unter Pep Guardiola. Wie hoch muss man eine Latte legen, damit ein Kandidat sie auf jeden Fall reißt? (ein Autorenteam im Spiegel)
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Rummenigge hat sich deutlich als Skeptiker positioniert, nicht ganz klar ist bislang, ob er mit der Arbeit von Kovac wirklich unzufrieden ist – oder ob es ihm darum geht, den Trainer zu schwächen, den Präsident Uli Hoeneß nach München geholt hat – und nicht er, Rummenigge. (Benedikt Warmbrunn in der SZ)
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Die Art und Weise, wie Rummenigge sich nicht hinter seinen Trainer stellte, wie er ihm stillschweigend eine öffentliche Danksagung für seinen Anteil am Titelgewinn und am Cup versagte, stellt selbst in diesem Gewerbe, das sich nicht immer um den guten Ton kümmert, eine Ausnahme dar. (Stefan Osterhaus in der Neuen Zürcher Zeitung)
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Die größte Stärke Kovac’ ist sein dickes Fell. (Spiegel)
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Thomas Müller (…) teilt (…) sich mit seinem früheren Kollegen Claudio Pizarro über die Besitzergemeinschaft »Gute Freunde« mehrere Rennpferde in England; darunter »Don Jupp«, benannt nach dem ehemaligen Bayern-Chefcoach Jupp Heynckes, sowie »Mia san Triple«, die bisher erfolgreichste Stute der beiden. (»bwy« in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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In Freiburg gab es mal einen Schafbock, der nach dem damaligen SC-Torhüter getauft wurde: »Schmadtke«. Eines Tages bekam Schmadtke drei Lämmlein. Er war also nicht Bock, sondern ein Schaf. Will sagen: Es ist nicht ganz einfach zu sagen, wer Schmadtke wirklich ist. (Peter Unfried in der taz über den Manager des VfL Wolfsburg)
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Und damit sind wir bei seiner bisherigen Berufslaufbahn als Fußballmanager. Die Rezeption besteht aus zwei Worten: erfolgreich. Aber. (Unfried/taz)
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DAZN (…) hat mit Fritz von Thurn und Taxis (69) einen tollen Co-Kommentator reaktiviert. Eine Legende verlernt’s halt nicht. (…) Komm bald wieder, Fritz! (aus einer TV-Kritik von Bild)
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»Cacau am Ball! Und damit meine ich nicht das heiße Schokoladengetränk.« / »Also wenn sie dies nicht gesehen hätten, werden sie sich ärgern und sich denken: Hätte ich es doch gesehen!« / (Beim Spiel Italien gegen Südkorea:) »Vieri läuft den ganzen kleinen Blutsaugern davon!« (aus »Die besten Sprüche von Fritz von Thurn und Taxis«, gesammelt im Fußball-Magazin 11Freunde)

Wieviel kriegt das Finanzamt? – »Das kann ich erst sagen, wenn ich meine Steuererklärung (…) abgegeben habe. Da ich in Deutschland lebe und mich hier wohlfühle, zahle ich gerne Steuern – auch wenn mir das keiner glaubt.« (Poker-Weltmeister und Zehn-Millionen-Dollar-Gewinner Hossein Ensan im Spiegel-Interview)
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Die Zeiten, in denen man im öffentlichen Raum witzig sein durfte, ironisch oder provokant, neigen sich dem Ende zu. Irgendwer fühlt sich immer beleidigt und sieht rote Linien überschritten. Eine ganze Twitter-Gemeinde (…) wartet nur aufs Stichwort, um im Namen der Political-, Gender- und Minderheiten-Correctness Inquisition zu spielen. (»miha« in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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Sie haben mal gesagt: »Mit zwanzig wollte ich den Männern gefallen, mit dreißig wollte ich besser sein als sie, mit vierzig waren sie mir wurscht.« Wie ist es jetzt mit 75? – »Sie sind mir noch wurschter!« (Renate Schmidt/SPD, ehemalige Familienministerin, im Interview des Zeit-Magazins) (gw)
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Geschrieben von gw am 19. August 2019. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Montagsthemen (vom 19. August)

Schon liegt der BVB zwei Punkte vor den Bayern. Könnten auch neun werden. Was dann? Déjà-vu? Kovac kann’s ja. Hat es bewiesen. Auch als »B-Lösung« (Kovac schmunzelnd über Kovac). Jetzt hat er sogar neben seiner kroatischen Mit-B-Lösung Perisic eine Triple-A-Lösung. Coutinho wird »der bei Weitem beste Fußballer Deutschlands sein« (Bild online). Armes Fußball-Deutschland, wenn der von Klopp (zugegeben: widerwillig) abgegebene und in Barcelona ausgemusterte Coutinho Bester der Bundesliga sein soll. Schaun mer mal. Fest steht nur: Um Kovac muss man sich keine Sorgen machen. Er wird die Bayern überleben, ohne Schaden an seiner Seele zu nehmen.
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Trotz des womöglichen Déjà-vu kann man der Neuen Zürcher Zeitung als neutraler Instanz vorsichtig zustimmen (»erstmals seit acht Jahren geht die Borussia wieder als Favorit in eine Saison«). Ähnliche Lage übrigens wie in England, wo Liverpool zwei Punkte vor Manchester City steht. Ende offen, und nie ist das Ende so offen wie am Anfang.
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Aber nun zur programmierten Enttäuschung des ersten Bundesliga-Spieltags. Zu den ersten drei Spielen der Bundesliga-Saison kamen im Schnitt gerade mal 1800 Zuschauer, obwohl zwei Publikums-Magneten aktiv waren (Freiburg, Frankfurt) und im Vorfeld medial mächtig getrommelt worden ist.
Klar, es geht »nur« um die Frauen-Bundesliga. Mit dem »nur« sind wir bei der Diskriminierung meiner liebsten Zielgruppe gelandet. Wobei – so, wie ich die »gw«-Leserinnen kenne, fühlen sie sich nicht diskriminiert. Nicht vom Fußball. Der lässt sie kalt. Auch nicht von Marvin Friedrich von Union Berlin. Dessen Schwester ist Bundesligaspielerin in Leverkusen, und auf die Frage im taz-Interview, »gegen wen spielt sie am Sonntag?«, muss der Bruder passen: »Kann ich leider nicht beantworten. Eigentlich schaue ich keinen Frauenfußball.«
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Skandal? Wer das glaubt, tappt in die selbst gestellte Falle. »Skandal« kommt vom griechischen »skàndalon«, das Stellholz einer Falle, und in diese tappt, wer gegen Diskriminierung kämpft, indem er den Frauenfußball in Beachtung und Bezahlung dem Männerfußball gleichstellen will. Wer bei allem und jedem »Diskriminierung!« ruft, gleicht denen, die überall Rassisten wittern und dadurch selbst einer werden. Oder: Wer sich immer nur mit Männern vergleicht, macht sich unbewusst selbst zu einem.
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Ich bin einer wie Marvin Friedrich. Beim Fußballgucken. Aber ich sehe in manchen anderen Sportarten und Disziplinen (zum Beispiel in der Leichtathletik) lieber Frauen als Männer. Ohne mich geschlechtlich zu schämen, dass ich mir lieber Bundesliga-Fußball der Männer als den der Frauen anschaue. Reine sportliche (nicht machismische!) Geschmacksache. Was die Stars verdienen, interessiert mich sowieso nur insofern, als ich im Fußball gespannt bin, wann die irrwitzige Blase platzt.
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Noch das: In den Montagsthemen vom 15. Juli schrieb ich, dem »linksliberalen Mainstream« fehle jene Form der Empathie, die sich auch in den Andersdenkenden oder gar nicht Denkenden hineinfühlen könne. Protest von Gerhard Merz, MdL, ein Vordenker der SPD und langjähriger »Anstoß«-Leser: »Wie kommen Sie dazu, Leuten, die es z.B. für nicht von vorneherein human halten, Menschen im Mittelmeer ersaufen zu lassen, fehlende Empathie zu unterstellen?« (kompletter Text in der Online-»Mailbox«). Aus meiner Antwort: »Mich würde interessieren, was Sie auf diesen ebenfalls polemischen Satz entgegnen würden: Wie kommen Sie dazu, Leuten, die es z.B. für nicht von vorneherein als alleinig human halten, Menschen im Mittelmeer retten zu lassen, weil das zum Geschäftsmodell der Schlepper gehört und dadurch noch viel mehr Elend hervorruft, fehlende Empathie zu unterstellen?«
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Gerhard Merz wird »den Anstoß jedenfalls auch weiterhin mit Vergnügen lesen, nicht nur weil ich weiß, dass Sie ein lupenreiner Demokrat sind« (Dankeschön). Er hat Antwort versprochen, sie lässt aber auf sich warten. Womöglich hat die SPD zur Zeit Kniffligeres zu erledigen. Obwohl Merz die Lösung schon parat hat. Auf Facebook postet er Fotos seines Hundes, immer mit der Einleitung: »Das ist Pablo. Pablo möchte SPD-Vorsitzender werden.« Im letzten Post geht es so weiter: »…Er hat noch nie eine Doktorarbeit geschrieben. Er hat auch noch nie abgeschrieben. Er kann gar nicht schreiben.« – Wenn Merz die SPD personifiziert, hat sie immerhin viel mehr Witz als Wähler. (gw)
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Geschrieben von gw am 18. August 2019. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Sport-Stammtisch (vom 17. August)

Folgt ein Experiment. Bakary Jatta hat noch nie für einen Fußballklub gespielt, ist 17, kommt aus Gambia, gilt als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling. Afrika, männlich, jung, Flüchtling, geduldet – da wissen wir doch gleich Bescheid, oder!? Nach der Begrüßungsorgie mit Blumen am Bahnhof und politischen Jubelrufen, die noch im letzten afrikanischen Dorf als »Kommt, wir schaffen das!« freudig vernommen wurden, schwingt das deutsche Gemütspendel jetzt in die andere Richtung. Leidtragende werden Migranten sein, die sich integrieren wollen oder schon integriert sind. Sie leiden unter der Politik, die nun am liebsten alles abschieben möchte, was sich abschieben lässt. Das werden oft genug die Falschen sein. Der Mob der Un-Kultur von Köln und anderswo ist clever genug, um Abschiebung weniger fürchten zu müssen als eine integrationswillige Familie.
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Ende des Experiments. Im gw-Archiv entdeckt, dass ich über Jatta schon einmal geschrieben habe. Im Januar 2016. Las den Text nach (siehe oben), wollte wissen, ob und wie sehr ich mich getäuscht habe. Ergebnis: »Nie für einen Fußballklub gespielt« und »17« bleibt fraglich, zu allem anderen stehe ich. Auch zum Schluss des Textes: Bakary Jatta erinnert an Jay-Jay Okocha, der ebenfalls als 17-Jähriger mutterseelenallein nach Deutschland kam. Ich tausche einen Okocha gegen tausend aggressive Dumpfbacken aller Schattierungen zwischen Schwarz und Weiß. – Fazit: Zwischen allen Stühlen sitzend.
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Zur Ablenkung eine Abschweifung. »Sitzend«, Partizip Präsens, also Mittelwort der Gegenwart. Bin ich, wenn ich sitze, ein Sitzer oder ein Sitzender? Wenn ich studiere ein Student oder ein Studieren … nee, nee, es gibt Wörter, die ich nicht schreiben kann. Wegen Schüttelfrost. Immerhin sitze ich damit wieder fest auf einem Stuhl. Aber nicht als Stuhlender, das wäre missverständlich. Ernsthaft: Dass die »sprachliche Bedeutung auf dem Altar politischer Korrektheit geopfert wird«, erklärt uns Helmut Glück in der FAZ vom 8. August. Sehr empfehlenswerter Artikel über die Grundbedeutung des Partizips und den kleinen, feinen Unterschied zwischen Studenten und Studieren… schüttel, schüttel.
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Zu den Fußballernden. Es gab einmal einen Torwart, dem nachgewiesen wurde, was Jatta erst noch bewiesen werden muss: Er erschlich sich mit einem Trick die Spielberechtigung. So stand er im Tor eines Außenseiters, dem ein regulärer Treffer verweigert wurde. Aus Protest zog er vor einem gegnerischen Stürmer die Mütze, verbeugte sich und lud ihn in still-ironischem Protest zum Torschuss ein. Der Angreifer nahm die Einladung dankend an. Die Mannschaft des Torwarts verlor. Ihm war die Moral existenziell wichtiger als der Sieg. Er blieb sich später treu und wurde in einem anderen Metier weltbekannt. Und noch ein Torwart: Im deutschsprachigen Raum berühmt durch nur eine Partie, bei der alle Spieler bis zu den Knöcheln im Matsch standen. Als gegnerische Stürmer wie wilde Tiere auf unseren Torwart zu stürmten, schlug er in letzter Sekunde geistesgegenwärtig … ja, womit schlug er den Angriff zurück? Vorname reicht. Beim nur moralisch siegenden Torwart genügt der Nachname. – Sie lasen soeben die neue Rate-Runde von »Wer bin ich?« (Einsendeschluss: 21. August).
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Und dann ist da noch die Doping-Opfer-Hilfe (DOH), deren einst befreundet am selben Strang ziehende Mitanführer sich derart in die Wolle gekriegt haben, dass sie sich jetzt, ein älterer Herr und ein noch viel älterer, ein öffentliches Handgemenge geleistet haben. Es geht darum, ob sich auch Täter als Trittbrettfahrer unter die Opfer mischen (ja, sicher), denen jeweils 10 500 Euro Opferhilfe zustehen, und ob es nicht Quatsch sei, Nachkommen gedopter DDR-Sportler »transgenerationale Traumatransmission« zuzubilligen, also Opferstatus-Vererbung (ja, ist Quatsch). Ich schaue dem Hick-Hack amüsiert zu, zumal ich durch Sportfreunde aus alten DDR-Kadern einigermaßen Bescheid weiß. Auch über die Praktiken im Westen. Unsere Sieger-Krähe hackt der anderen beide Augen aus. Olympiasieger Harting (den älteren, nicht so verhaltensauffälligen) nervten die Proteste von DDR-Dopingopfern einst derart, dass er ihnen am liebsten seinen Diskus an den Kopf geworfen hätte. So aggressiv bin ich nicht, ich greife mir nur selbst an den Kopf.
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Und sonst? Meine Jahrgänge feiern Woodstock genauso beseelt, wie sie voriges Jahr »68« gefeiert haben, also in verklärender Erinnerung und geschönter Selbstbeweihräucherung. Jungs und Mädels, glaubt das nur nicht! Wir, jedenfalls die meisten, hatten wahrscheinlich auch nicht mehr Sex, Drugs & Rock’n’Roll als ihr, und die Revolution war nur ein eskapistisches Spielzeug wie heute euer Fortnite.
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Aber eine Frage noch: Wer schützt dieses seltsame Mädchen vor sich und seinen Nutznießern und Vermarktern? Das könnte böse enden. Für sie. Für die Welt endet es später sowieso böse.  (gw)
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Geschrieben von gw am 16. August 2019. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Ohne weitere Worte (vom 13. August)

»Fragen Sie mich, was Sie wollen. Ihre Meinung haben Sie ja sowieso schon.« (Beginn eines Interviews in der Süddeutschen Zeitung mit Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner)
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Guardiola steht schon wieder vor Klopp (Schlagzeile in Bild am Sonntag nach dem ersten Spieltag in England)
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Gäbe es da nicht auch noch eine Option, die ablösefrei mit einem einzigen Anruf auf dem kurzen Dienstweg zu finden und binnen weniger Stunden einsatzbereit an der Säbener Straße zur Stelle wäre? (…) Franck Ribery (…) hält sich fit, lebt in München und ist noch nicht anderweitig verpflichtet. (…) Und der neue Ribery heißt … Ribery? (Christian Eichler in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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So wuchtig, so herb, so urbayerisch, so konzessionslos, so bayrischböse und so grandios ist dieser Auftritt. Die Mattes nimmt sich hier mit einem grandiosen Hang zur ungeschminkten Altershässlichkeit wie ein Vulkan aus im gestriegelten Fanshop des FC Bayern. (aus einer Filmkritik von Bernhard J. Brembeck in der Süddeutschen Zeitung)
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»Früher gab es die Regel: Im Zweifel für den Angreifer – die galt aber immer nur dann, wenn der Stürmer einen Vorteil daraus ziehen konnte. Die Verteidiger haben das niemals gesagt, für die war der Stürmer immer im Abseits.« (Schiedsrichter Deniz Aytekin in der Welt über einen Vorteil des objektiven Videosentscheids)
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Woher hatten Sie das Geld, um hier zu investieren? – »Ich war auch mal Fußballer, oder?« (Unterhachings Präsident Manfred »Manni« Schwabl, ehemaliger Fußball-Nationalspieler, der mehr als 700 000 Euro in den börsennotierten Drittligisten gesteckt hat, im SZ-Interview)
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»Mit fremdem Geld kann man sich immer schön wichtig machen, das macht Spaß, wie in der Politik oft zu sehen. Aber wenn es an den eigenen Geldbeutel geht, dann haben die meisten plötzlich keine Zeit.« (Schwabl)

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»Natürlich gibt es Momente, in denen mich alles nervt und ich gern gegen was treten möchte – aber ha, geht ja nicht.« (die querschnittgelähmte Bahnradfahrerin Kristina Vogel in der chrismon-Serie »Fragen an das Leben«)
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»Was soll ich mich über Sachen ärgern, die ich nicht ändern kann? Je länger ich mich bedauere, desto länger bin ich darin gefangen. (…) – Welchen Traum möchten Sie sich unbedingt erfüllen? – »Wenn ich sterbe, würde ich gern auf ein glückliches Leben zurückschauen. Ich möchte an jedem Tag gelacht haben.« (Vogel)
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Warum machen Sie keinen Sport? – »Was habe ich Ihnen angetan, dass Sie mir so eine Frage stellen? Habe ich Ihre Mutter in der Öffentlichkeit vergewaltigt? Nein, im Ernst, mein einziger Sport ist Surfen im Internet.« (der Philosoph Slavoj Zizek im Interview des SZ-Magazins)
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»Ich hätte auch niemals einen Trainerschein gemacht. (…) Die Jugend in Holzkirchen zu trainieren, das war Höchststrafe für mich. Die haben mich so genervt, die Jungs.« (Schwabl)
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»Ich bin (…) öffentlich obszön und privat extrem bieder. (…) Ich empfinde ein viel tieferes Glück, wenn ich eine schwierige Hegel-Passage durchdrungen habe, als wenn ich dabei zuschaue, wie eine Frau gevögelt wird.« (Zizek)
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»Hegel sagt: Wenn man die Welt vernünftig ansieht, schaut sie vernünftig zurück. (…) Philosophen verzweifeln nicht. Man hat noch nie einen Philosophen verzweifeln sehen, mit Ausnahme Schopenhauers, der kein guter Philosoph war.« (aus einem FAZ-Interview mit Agnes Heller, nach dem Tod der ungarischen Philosophin erschienen)
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Schämen Sie sich für Artikel, die Sie geschrieben haben? – »Schämen nützt nichts, geschrieben ist geschrieben.« (Wagner) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Geschrieben von gw am 12. August 2019. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Montagsthemen (vom 12. August)

Wir haben einen neuen Flüchtlingsskandal. X, ein junger Mann aus Afrika, kommt im Zuge des 2015-Fiaskos zu uns, lebt sich ein, gilt als bestens integriert, verdient viel Geld, das er hier versteuert – ein Flüchtling wie aus dem Bilderbuch. Wenn doch nur alle so wären! Aber dann der Skandal: X heißt nicht X, sondern Y! Heißt es. – Ach, Leute, Namen sind Schall und Rauch. Jenseits von bürokratischen Notwendigkeiten (die man nicht klein reden darf) gibt es die Lebensleistung der letzten drei Jahre, und da rufe ich Bakery Jatta oder Bakary Daffeh zu: Refugee welcome! Was nach dem Fußball kommt, ob er auch dann noch eigen verdientes Geld versteuert, um unser Gemeinwohl zu unterstützen, ist eine andere Frage … und kein spezielles Flüchtlings-, sondern weit verbreitetes Fußballprofi-Problem.
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Also bitte im Fall Bakary/Bakery die Asyl-Schublade nicht öffnen (zumal er gar kein Asyl beantragt hatte). Apropos Schublade: Ich kannte einen Sportler, dessen Kreuzband gerissen war und der mir den typischen Schubladeneffekt zeigte – er konnte den Unterschenkel im 90-Grad-Winkel zum Oberschenkel wie eine Schublade hin und her schieben. Das kalte Grausen. Damit zu Leroy Sané. Alle schwadronieren, was der Kreuzbandriss für Bayern und City, aber nicht, was er für Sané bedeutet. Lange Zwangspause, viele Monate Reha, ungewisse Rückkehr – das wird hart. Alles Gute!
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Anderes Thema. In Leichtathletik-Kreisen wird über die WM-Nominierung diskutiert, zum Beispiel über die Nichtberücksichtigung von Speerwerfer Julian Weber. Mehr noch beschäftigen mich die verlangten Qualifikationsnormen. In den Wurfdisziplinen der Männer erreichen oder übertreffen sie sogar die skandalösen aus der anabolen Ära, während sie bei den Frauen noch im später schuldbewusst deutlich heruntergesetzten Bereich liegen. Auch, weil sich die Weltspitze unterschiedlich entwickelt hat. Die Männer werfen den Diskus wieder über 70 und stoßen die Kugel schon fast im Pulk (leider ohne Storl) fast 23 Meter weit, während die Frauen meilenweit von ihren Weltrekorden (76,80 bzw. 22.63) entfernt bleiben. Woran das liegt, was das für den Frauensport bedeutet, wie weit das feministische Grundüberzeugungen erschüttern müsste … weiß ich nicht.
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Das derzeit am heftigsten diskutierte Problem im Frauensport läuft unter dem Etikett »Semenya«. Dass sich Menschen im Zwischenbereich der beiden Geschlechter hormonell antidopen müssen, um bei den Frauen starten zu dürfen, ist nicht schön, aber auch nicht so schlimm wie früher. Eine damals 19-Jährige (Heide Rosendahl, noch ohne Ecker im Namen) erinnert sich an den ersten Sextest der Sportgeschichte »Wir mussten uns völlig ausziehen und dann durch eine große Turnhalle gehen, nur unseren Reisepass in der Hand, und am Ende saßen vier Leute, zwei Frauen und zwei Männer.« Die ganz genau hinschauten. So genau, dass von einem Tag auf den anderen einige Tamaras, Irinas oder Yolandas aus den Stadien verschwanden, stikum, »freiwillig«, ohne Schlagzeilenbegleitung. Früher war nicht alles besser, sondern vieles schlechter als heute.
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Zum Beispiel die Fußball-Fans. Aus dem neuen Lagebericht der Bundespolizei über Straftaten auf Bahnhöfen geht (neben dem nicht gerade überraschenden überproportionalen Ausländeranteil) auch fast nebenbei hervor, dass es »rund um Fußballspiele immer friedlicher« (Spiegel) zugehe. Wie groß der Anteil der Eintracht-Fans an dieser neuen Friedfertigkeit ist, geht aus der Statistik nicht hervor. Aber es wird in Oslo – Stichwort Tallinn – gemunkelt, dass die Frankfurter Ultras schon auf der Vorschlagsliste für den Friedensnobelpreis stehen. – Aber im Ernst: Das tat gut!
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»Ein bisschen Frieden …« … nee, mir geht ein anderer lästiger Ohrwurm nicht aus dem Kopf. Er summt, seit ich vom Suizid des US-Milliardärs Epstein gehört habe. »Behind closed doors.« Da geschieht viel mehr als in dem Oldie, der bei (nicht nur) Frauen von heute für Schüttelfrost sorgt (»Then she lets her hair hang down / And she makes me glad that I’m a man« – Au weia!). Was behind closed doors geschah, wird nach dem Tod von Epstein wohl nie aufgeklärt werden. Vor allem nicht das, was die Superprominenten dieser Welt damit zu tun haben. Erhängt in der Zelle. Wie praktisch.
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Zum Wetter. Ein Allzeit-Rekord kündigt sich an. Die Anzeichen verdichten sich, dass der Sommer 2019 als der normalste aller Zeiten in die Wetter-Historie eingehen könnte. Denn soo normal – das ist doch nicht mehr normal! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Geschrieben von gw am 11. August 2019. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.