Sport-Stammtisch (vom 9. Februar)

3:2. So hieß nicht nur der Bestseller eines großen Poeten des Fußballs (sein zweiter: »Spiele, die ich nie vergesse«), sondern so steht es auch aktuell im großen Duell FCB – BVB. Die Bayern können noch drei, die Borussen nur noch zwei Titel holen. Vor der Fortsetzungs-Serie um den wertvollsten Titel (auch pekuniär) sorgt sich der BVB um Reus, und Liverpool, auf kleiner Abwärtswelle surfend, sorgt sich vor dem Duell mit den Bayern um alles. International also ein kleiner Bayern-Vorteil, national in der Liga ein großer für die Borussen. Exakt gemessen mit einer »7« auf der Punkte-Skala. Stand heute.
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Falls keiner von beiden irgendeinen der Titel holt, lacht in der Liga ein Dritter. Am Niederrhein. Oder gar ein Vierter? Dann braust es, und es graust zumindest allen, die den Fußball-Poeten des »3:2« kennen. Obwohl der einst in Leipzig ein Tor des Jahrhunderts geschossen hat, im freien Vorwärtsflug mit der Hacke. Wer war’s? Aber das ist keine neue »Wer bin ich?«-Frage, da mit »Fritz Walter« viel zu leicht zu beantworten.
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Weg vom Fußball. Leser-Post. Zunächst zu Halla, der Zeitgenossin unseres Fußball-Poeten (der er nur am Ball war, nicht mit der Feder, die führte für ihn ein anderer). Am vergangenen Samstag erwähnte ich, dass Horst Stern meine schöne Kindheits-Wahrheit von Hallas selbstständigem Ritt zum Olympia-Gold 1956, mit dem fast bewusstlosen H.G. Winkler als Ballast auf dem Buckel, brutal zerstört hat. Aber »die Wahrheit liegt wie immer irgendwo in der Mitte. Und selbst dort ist Hallas Leistung immer noch grandios. Ich glaube jedenfalls immer noch an Halla … und bin glücklich damit«, mailt Albrecht Heinemann aus Laubach »mit besten Grüßen und einem ›ermunternden weiter so‹«.
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Dankeschön. Überhaupt bedanke ich mich für sehr freundliche Leser-Worte. Meistens behalte ich sie für mich. Zwei diesmal nicht, denn sie entsprechen meinen Wunschvorstellungen beim Schreiben. So gehört für Friedhelm Duchs »Lieblingsbeschäftigungen während meiner Frühstückspause das regelmäßige Lesen Ihrer Beiträge«. Online, denn der Leser wohnt in Maintal. Er wirft mir ein Vorurteil vor (es geht um einen Blog-Text über Klimawandel und Schüler-Proteste; Näheres führe hier zu weit; bei Interesse bitte in Blog und Mailbox nachlesen), er bleibt aber »dennoch weiter mit Vergnügen Ihr Leser«. – So soll’s sein! Denn ich errege zwar gerne »Anstoß«, möchte damit aber keinen Leser verprellen.
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Vorurteile. Sie halten sich hartnäckig. Eine Form von ihnen ist aber leicht und erfolgreich zu bekämpfen: die eigenen. Ich arbeite dran.
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Beate Knigge »wollte nur mal sagen, als Wetterauer Zeitung-Leser, leider nicht als Sportkenner, finde ich ihre Kolumnen fantastisch. Sie bringen einem den Sport launig nahe. Gerade die letzte Kolumne wieder, mit dem humoristischen Schlusssatz über die Gleitsicht. Danke.« – Bitteschön! Das erfüllt meine schönsten Hoffnungen: Mit einer Sport-Kolumne die liebste Zielgruppe, die den ihr uninteressanten Sportteil ansonsten mit spitzen Fingern aus dem Blatt heraus zuppelt, für ein paar Momente vom Zuppeln abhalten zu können.
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Leider gelingt es der mir Nahestehendsten der liebsten Zielgruppe oft, mich in schwere Sinnkrisen zu stürzen, wenn sie meine Sportkolumne enttäuscht kritisiert: »Heute ist ja viel zu viel Sport dabei.«
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Ein fast valentineskes Dilemma. Sie ahnen, wohin ich mit diesem Übergang holpere. Zu Andreas Galibier. Nein, das ist ja ein Alpenpass. Wie heißt er? Kavalier? Nee, jetzt hab ich’s: Galabier. Oder? Zur Sicherheit gebe ich den Namen bei Google ein … »Andreas« … schon klickt der Nachname von alleine auf …. »Gabalier«. Der Junge muss also weltberühmt sein. Ich habe zwar schon vage von ihm gehört, aber noch nichts von ihm Gesungenes, offenbar singt er in Sendern und Sendungen, die ich nicht frequentiere. Nun hat Andreas Gabalier den Karl-Valentin-Preis bekommen, und Fans des skurril widersinnigen und widerborstigen Valentin-Humors schäumen vor Wut. Offenbar singt Gabalier in der rechten Ecke oder wird in sie gestellt. Oder die Wahrheit, siehe Halla, liegt irgendwo in der Mitte. Mir egal. Jedenfalls zeugt die Liste früherer Preisträger von echtem Valentin-Humor. Ich meine nicht einmal die üblichen Verdächtigen von Franz Josef Strauß bis Edmund Stoiber, sondern: Selbst Philip Lahm gehört zu den Preisträgern. Skurriler geht’s ja nun wirklich nicht.
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Doch. Aus Protest wollen die Münchner Grünen einen eigenen Valentin-Preis vergeben. Die Grünen! Hintersinniger Humor! Dadaeske Selbstironie! Karl Valentin rotiert im Grab. Nicht aus Wut. Sondern weil er sich schippelig lacht.
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Vielleicht hätte sich Karl Valentin auch über mich gefreut, als Opa im Kurs »Erste Hilfe beim Kind«. Beim Beatmen des Baby-Dummies tief Luft geholt und so fest und lange wie möglich geblasen. Rüffel: »Sie blasen hier doch keinen Frosch auf!« Gelernt und als ernsthafter  Hinweis weitergegeben: Beim Beatmen nur kleine, kurze Atemstöße.
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Man lernt nie aus. Im Herbst stand ich in Stralsund vor der Gorch Fock, die dort vor Anker liegt, zum Besuch freigegeben. Kurz darauf las ich über Bundeswehr-Skandale rund um das berühmte Segelschulschiff und wunderte mich, dass die Gorch Fock schwer lädiert im Trockendock bei Bremerhaven liegt. So schnell geht das? Jetzt erfahre ich: Die Skandal-Gorch-Fock ist nur ein Nachbau aus den 50er Jahren. »Meine« Gorch Fock von Stralsund ist die echte,  1933 gebaute. Seit 1951 fuhr sie unter dem Namen »Towarischtsch« (= Genosse) jahrzehntelang für die UdSSR-Handelsmarine. Jetzt liegt sie adrett herausgeputzt vor Stralsund, der bundesrepublikanische Nachbau zerlegt im Trockendock, auf unabsehbare Zeit, trotz vieler teurer Not- und Schönheitsoperationen. Ihre ältere Schwester hat wenigstens noch Wasser unterm Kiel. Das würde Karl Valentin gefallen. Stimmt’s, Towarischtsch!? (gw)
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Geschrieben von gw am 8. Februar 2019. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Ohne weitere Worte (vom 5. Februar)

3. Da Costa schießt, Bürki ist mit dem Fuß zur Stelle. Erste Riesenchance. Die Eintracht legt hier los wie Pete Doherty im Backstage-Bereich. (…) 16. Kostic vorne und hinten. Der Mann läuft sich die Seele aus dem Leib, als würde ihn der leibhaftige HSV-Vorstand verfolgen – bewaffnet mit einer Rückkaufoption. (Liveticker des Fußball-Magazins 11Freunde)
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Lieber Profifußballer, wenn Sie den Klub wechseln wollen, schneiden Sie sich diesen Zaubersatz aus oder lernen Sie ihn – wenn möglich – sogar auswendig. »Ich kann über meinen Trainer XY nichts Positives sagen und ich werde nichts Negatives über ihn sagen.« (Walter M. Straten auf Bild online)
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27. Dortmund spielt mit der SGE-Abwehr Katz und Maus. Und Martin Hinteregger fallen plötzlich in diesem Moment tausend positive Dinge über Manuel Baum ein. (11Freunde)
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Nach dieser vernichtenden Kritik an seinem Augsburg-Trainer Manuel Baum kassierte (oder provozierte) Martin Hinteregger den Rauswurf! (…) Hinteregger verbesserte sich um zehn (!) Tabellenplätze. (…) Cleveres Kerlchen, der Ösi Hinteregger. (Straten/Bild online)
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65. Rode (…) geht hier auffälliger gegen seine Ex zu Werke als Boris Becker. (11Freunde)
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Ich frage mich, wie Jürgen Klopp sich so ’ne Kloschüssel als Gebiss machen lassen konnte. Es ist noch nicht so schlimm wie bei Raab, aber ich verstehe es trotzdem nicht. (Entertainer Harald Schmidt in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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Den Höhepunkt meiner Sportbegeisterung erlebte ich schon mit neun Jahren, als die Olympischen Spiele von 1980 in Moskau stattfanden. (…) Im Handballfinale spielte die DDR dann auch gegen die UdSSR. (…) Ich guckte immer gerne Handball. (…) Dabei kannte ich niemanden, der freiwillig Handball spielte, Bälle warfen sich auf dem Schulhof nur Mädchen zu. (Jochen Schmidt in der FAS)
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Jetzt sind wir also doch nicht Weltmeister geworden. (…) Das Ganze erinnerte ein wenig an den Zweiten Weltkrieg, der auch hoffnungsvoll angefangen hatte. (Henryk M. Broder/Welt)
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Warum gab es eigentlich Handballspieler? Wer spielte denn so schlecht Fußball, dass er nicht mal ins Tor durfte, sondern gleich die Sportart wechseln musste? (J. Schmidt/FAS)
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Ballspiele finde ich albern. Fußball, Handball, Basketball, Volleyball, das sind doch alles nur Varianten von Völkerball. (Broder/Welt)
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Mit Patrick Wiencek, dessen Eltern aus Polen kommen, und Tim Suton, dessen Vater aus Kroatien stammt, haben nur zwei Spieler einen Migrationshintergrund. Warum ist das so? – »Ich glaube, das hat viel damit zu tun, dass Handball eine europäische Sportart ist. (…) Und Handball kommt eher von den Dörfern, Fußball dagegen ist ein Weltsport.« (Uwe Gensheimer im Zeit-Interview)
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»Wenn die deutsche Nationalmannschaft sich zu ihrer Nation bekennt, wenn sie die deutsche Nationalhymne singt und inzwischen die Halle mitsingt (…), dann finde ich das gut.« (DHB-Präsident Andreas Michelmann im Interview der Frankfurter Allgemeinen)
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2017 sind Sie bei der Weltmeisterschaft sogar zur Mannschaft gestoßen, obwohl Ihr Vater nur wenige Tage vorher verstorben war. – (…) »Ich kam in die Halle, und unser damaliger Trainer hat das Training unterbrochen. Die ganze Mannschaft hat mich in einem Kreis in die Mitte genommen und umarmt. Mir sind die Tränen nur so runtergelaufen. (…) Seit dem Tag verbinde ich ganz viel mit der Mannschaft, besonders wenn die Nationalhymne gespielt wird. Bei dem Wort ›Vaterland‹ denke ich immer an meinen Vater.« (Gensheimer/Zeit)
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»Die große Leistung des Fußballs war es, die Spieler mit Migrationshintergrund zu integrieren. Die Erwartungen an eine Nationalmannschaft sind jedoch noch etwas anderes als reines Multikulti.« (Michelmann/FAZ)
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Wie beschreibe ich den Körperbau der afrikanischen Topstars, ohne in Rassismusverdacht zu geraten? Stichwort: Gesäßmuskulatur. (Harald Schmidt/FAS)
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»Frauen waren materiell unabhängiger. Sich scheiden lassen war kein ökonomisches Problem. (…) Andererseits fehlte eine Debatte über ein neues weibliches Selbstverständnis. Eine Frau sollte ihren Mann stehen, Punkt.« (Marianne Birthler, Ex-Chefin der Stasiunterlagenbehörde, im SZ-Interview)
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Übrigens gucke ich bei Olympischen Spielen eigentlich alles. Unter Macho-Gesichtspunkten vor allem Beachvolleyball und Frauenhochsprung. Da kann man sich ja Gott sei Dank aufs Olympische Komitee verlassen, dass jedes Jahr die Kostüme knapper werden. (H. Schmidt/FAS)
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»Selbst beim Frauenarzt wurde gesagt: der Nächste bitte.« (Birthler/SZ) (gw)
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Geschrieben von gw am 4. Februar 2019. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Montagsthemen (vom 4. Februar)

Als die Bundesliga Winterpause machte, zogen die Fußball-Sachverständigen per Sky gen Engeland und rasteten aus vor Begeisterung über die Spiele in der Premier League. Diese Rasanz! Dieses Tempo! Diese Dramatik! Diese Rasse & Klasse!
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Falls die Engländer mal ausnahmsweise nicht auf ihren eigenen Nabel schauen sollten (in meinen passt nur ein kleines Fusselwollmäuschen, in den englischen alles very Britishe von Brexit bis Premier League), sondern gen Fränkfort, wären sie am Samstag ausgerastet. Diese Rasanz! Dieses Tempo! Diese Dramatik! Diese Rasse & Klasse!
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Und wir in Hessen – und natürlich auch unsere Fußball-Freunde aus dem benachbarten BVB-Land – lehnen uns bzw. sich stolz und vergnügt zurück und genießen die Momentaufnahme einer großen, einer ganz großen Partie, einer tollen Fußball-Party. Wobei die Momentaufnahme sogar einen verheißungsvollen Vorteil hat: Wenn nicht alles täuscht, scheint sich der Moment zu einem Momentum und über dieses zu einem stabilen Phänomen zu entwickeln. Ein Unentschieden, zwei Sieger. Alle Wetter! Prima Klima hier wie dort.
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Genug geschwärmt. Zum Trauerspiel. Ein Patriarch, ein Überschätzter, ein Überforderter. Am Ende der fallenden Befehlskette lauschen Mitarbeiter in kurzen Hosen ihrem neuen Abteilungsleiter, der die üblichen Phrasen drischt. Tenor: Ihr seid nicht fit, daran ist mein Vorgänger schuld, reißt euch zusammen, ich kann schließlich nicht selbst die Tore schießen, ihr kennt ja meine Referenz: Ich konnte Fußball spielen. Ihr nicht. Und der vor mir war eine Pfeife.
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Um wen geht’s? Egal. Jedenfalls nicht um die Ancelottis der Branche. Wenn der zu einem neuen Klub kommt, fällt kein böses Wort über den Vorgänger, wenn er geht, rechnet er nicht ab, schweigt souverän. Ein Herr und Meister seines Fachs. Wenn einer der anderen kommt, wirft er die Plattheiten-Windmaschine an, und wenn er schon bei der ersten Pressekonferenz mit den simpelsten Blech-Worthülsen um sich wirft, tut das den Beworfenen oft nicht mal weh, sie fangen sie als weise Worte auf und leiten sie an ihre lesende, sehende oder hörende Kundschaft weiter, denn viele von ihnen haben eine Schmerzgrenze nahe an der des Ochsen, dem man ins Horn petzt. Den anderen gilt mein kollegiales Mitgefühl. Ihr habt keinen dollen Job.
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Na ja, auch Namensscherze schmerzen empfindliche Freunde des geschriebenen Wortes. Ich bitte um Entschuldigung. Nächstes Thema. Hand. Was ist das? Aktuelle Fußball-Definition: Wenn die Hand zum Ball … der Ball zur Hand … die Körperfläche vergrößert … absichtlich … alles klar? Hilfe! Letzte Rettung bietet nur die alte Bolzplatz-Regel »Hand ist Hand«. Danach setzen wir »Drei Ecken – Elfmeter« auf die Tagesordnung.
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Bolzplatz-Regeln haben etwas zutiefst Darwinistisches. Survival of the fittest (lebt da noch wer bei »96«?). Es beginnt schon … beim Beginn. Harald Schmidt kann das bestätigen. In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung denkt er »an die schlimmsten Demütigungen meiner Kindheit und Jugend«. Dazu gehörte, »dass ich nicht mal als Letzter gewählt wurde; ich wurde gar nicht gewählt«. – Ich schon. Wenn’s nass und matschig war. Dann wollte niemand ins Tor. Und es schlug die Stunde von Toni Turek, dem Fußball-Gott.
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Mehr aus dem »Denk ich an Sport«-FAS-Text von Schmidt morgen in »Ohne weitere Worte«. Mit weiteren Worten, weil Schmidt auch einen hübschen Satz zu Klopp und Raab schreibt, fällt mir eine steil abfallende Humorkette ein. Harald Schmidt verhält sich zu Stefan Raab wie Stefan Raab zu Mario Barth.
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Und sonst? Bild fragt: »Holt Silbereisen Helene zum Traumschiff?« Darf der das? Leichtmatrose heuert als Kapitän auf einem untergehenden Kreuzfahrer an und will seine unschuldige Ex mit in den Abgrund reißen? Oder hier, der FAS-Aufmacher von gestern: »Schnitzel, Pommes. Mayo. Kindergerichte in Deutschland fast immer ungesund.« Da bin ich ja ein vorbildlich gesunder Esser. Ich ziehe Pizza, Pasta und Schokolade vor.
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Mir gefällt natürlich auch sehr die Meldung vom hochrangigen Ökonetz-Manager, einem Vorkämpfer für eine erfolgreiche Energiewende in einer nachhaltigen Welt« und dafür 2017 zum »Energiemanager des Jahres« gekürt, der sich beruflich verändert. In die Atomwirtschaft. Er wird Uranhändler. Nun kämpft er also für saubere Energie. Sauber.
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Die dreisteste Schlagzeile kommt natürlich aus den USA. Boo ist gestorben, der laut Facebook-»Likes« »niedlichste Hund der Welt«. Aber dass und warum Boo gestorben ist (gebrochenes Herz, weil sein bester Hunde-Kumpel vor einem Jahr über die Regenbogen-Brücke gegangen ist), geißele ich nicht als dreiste Lüge der Fake-News-Art, sondern: »Niedlichster Hund der Welt«? Der lebt zum Glück, hoffentlich noch lange, und zwar bei uns. Ich höre das bestätigende Echo der Leser, die ebenfalls mit einem Hund (oder zwei) leben dürfen: … bei uns … bei uns … bei uns.  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Geschrieben von gw am 3. Februar 2019. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Sport-Stammtisch (vom 2. Februar)

Als ich las, was Martin Hinteregger über seinen Trainer in Augsburg sagte, dachte ich nur: Was hat er vor? Wo will er hin? Jetzt wissen wir’s. Man kann es nennen, wie man will, despektierlich oder ehrlich, geradlinig oder hinterfotzig – das liegt im Auge des Betrachters und an der Vereinsbrille, durch die er schaut. Aber wie auch immer, die Konsequenz war klar, einer von beiden musste gehen. Dass das in der Regel nicht der Trainer ist, weiß Hinteregger am besten.
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Eintracht Frankfurt gehört zu den wenigen Klubs, die schon einmal gegen diese Regel verstoßen haben. Als Amanatidis im Februar 2011 auf ähnliche Art gegen Skibbe ätzte, suspendierte ihn der Trainer, doch Boss Bruchhagen funkte dazwischen, begnadigte Amanatidis und enteierte damit Skibbe (dass Amanatidis’ Kritik berechtigt war und es auch die von Hinteregger sein könnte, spielt in der Automatik der Konsequenzen keine Rolle). In Frankfurt kam, was kommen musste. Das Grauen, das Grauen.
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Heute kommt erst einmal Dortmund. Dort haben sie auf höherer Etage (Aubameyang, Dembele) ähnliche Erfahrungen gemacht wie Augsburg. Früher, in der Grauzone zwischen Amateur und Profi, hießen die Berufsfußballer »Vertragsspieler«. Passt heute besser.
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Oder liege ich falsch? Was ist wahr? Wer hat recht? Je älter ich werde, desto unsicherer bin ich. Als kleiner Junge wusste ich immer, was wahr war. Wie wunderbar wahr war doch die Geschichte von Halla, die den vor Schmerzen fast ohnmächtigen Hans Günter Winkler 1956 zum Olympia-Gold trug. Ich wusste absolut sicher, dass die intelligente, einfühlsame und menschlich so tierisch sympathische Stute ganz alleine, sich wissend aufopfernd, Gold für Deutschland geholt hatte.
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Daran musste ich denken, als ich las, dass Horst Stern tot ist. Der Mann mit der eindringlichen Stimme und den Fernsehsendungen (»Sterns Stunde«), die Mediengeschichte geschrieben haben. Sein Bestseller »Sterns Pferde«, fast 50 Jahre alt, steht direkt hinter mir im Bücherregal. Als ich von Sterns Tod erfuhr, las ich noch einmal nach, wie er mir gleich auf der ersten Seite meine schöne Wahrheit zertrümmerte. Denn Stern sah, »dass der Reiter – obwohl vor Schmerzen das Gesicht verzerrend – zu keiner Zeit die Zügelverbindung mit dem Pferdemaul aufgab und dass auch seine Gewichtshilfen nichts an Signalwirkung für das Pferd einbüßten, sondern nur einiges an der sonst bei Winkler gewohnten Eleganz. Dass also die gute Halla von der Besonderheit dieses Rittes, der in der Reitliteratur als tierpsychologisches Wunder gilt, keine Ahnung hat.«
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Das wusste natürlich auch Winkler, seine Kollegen ebenfalls, aber die rührselige Geschichte war eine derart gute Langzeit-PR für das Reiten, dass sie schwiegen, heimlich lächelnd. Fake News. Als Junge hatte ich sie nur zu gerne geglaubt. Jeder glaubt an das, was er glauben will. Ich glaubte an Halla.
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Alt-Handballstar Stefan Kretschmar glaubt, in Deutschland gebe es keine Meinungsfreiheit mehr. Wer dennoch eine kritische Meinung äußere, müsse mit Repressalien rechnen, wenn sie nicht politisch korrekt sei. Stimmt!, bestätigen die einen, Quatsch!, schimpfen die anderen. Im wieder geteilten Deutschland empfiehlt es sich, mal durch eine neutrale Brille zu blicken. Jay Rosen, ein Journalismus-Professor aus New York, der den Sommer hier verbracht hat, um die Medienlandschaft zu beobachten: »In Deutschland begegnete mir natürlich häufig der Begriff Lügenpresse. Spannender fand ich aber den Begriff der Systempresse – die Überzeugung, dass mediale und politische Eliten gemeinsame Sache machen. Und mein Eindruck war, dass dieser Vorwurf nicht ganz aus der Luft gegriffen ist« (Quelle: SZ).
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Meiner auch. Ich brauchte dafür aber nicht nur einen Sommer, sondern fast 50 Jahre Berufserfahrung. Und seitdem »weiß« ich, dass es keine »Lügenpresse« gibt, wohl aber ein Netzwerk von wohlmeinenden Medialpädagogen, die einem schwer erziehbaren kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Prekariat den Weg zu ihrer Wahrheit weisen wollen.
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Ich schweife ab. Zurück zum Sport. Thomas Doll trainiert Hannover 96. Verpflichtet von Manager Horst Heldt. Mit Zustimmung des Patriarchen Martin Kind. So weit, so üblich. Ebenfalls ein Mechanismus: Patriarchen ertragen keine starken Männer unter sich. Diese weniger Starken bevorzugen unter ihrer Ebene wiederum Schwächere. Deren Schwäche schließlich spiegelt sich in der Schwäche ihrer Mitarbeiter wider. Ergebnis: Hannover steigt ab.
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Sie sehen das anders? Doll rettet »96« bravourös? Ich respektiere Ihre Meinung. Bin schließlich tolerant. Na ja, vor allem mir selbst gegenüber. Denn mit der Toleranz ist es wie mit der Empathie. Wer sie »einfordert« (blödes Präfix, wie beim Vorprogrammieren etc.) meint nur selten Toleranz und Empathie für den anderen, sondern fast immer für sich und seinesgleichen.
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Empathie ist auch universitär eine Wissenschaft für sich. Tania Singer, die »bekannteste Empathieforscherin Deutschlands«, verliert ihren Posten als Direktorin des Leipziger Max-Planck-Instituts. Grund: Sie habe ziemlich unempathisch schikaniert und gemobbt, »geschrien, gedroht und auf jeden Widerspruch persönlich beleidigt regiert« (Quelle: Zeit). Also eine moderne Version der »Mann beißt Hund«-Meldung.
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Aber jetzt freuen wir uns auf den Liga-Hit. Zumal Hinteregger spielberechtigt ist. Der ehrliche, geradlinige Junge, aus Augsburg weggeekelt, obwohl er so gerne treu geblieben wäre, ist uns Hessen hochwillkommen.
Ehrlich. Ich sehe alles viel besser, seit ich Gleitsicht trage. Da gleitet man so sanft von einer Sicht der Dinge zur anderen. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Geschrieben von gw am 1. Februar 2019. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Ohne weitere Worte (vom 29. Januar)

Woher kommt das große Interesse an einer Sportart, die normalerweise nur Liebhaber ihrer Zunft zu begeistern vermag? Ist es die simple Sehnsucht nach dem Ausdruck von Nationalstolz, der uns bei der Fußball-WM (…) verwehrt war? (…) Nein, so einfach ist die (…) Aufmerksamkeitsspanne von Zuschauern nicht mehr einzufangen. (…) Es liegt eher im Wesen dieser (…) Mannschaft. (…) So strahlt jeder Akteur eine Bodenständigkeit aus, mit der sich viele Fans anfreunden können. (Cathrin Gilbert in der Zeit)
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Schlandball über alles! Handball-WM in und mit Deutschland – da flippen sie aus, die wahren Kartoffeln. Über einen Sport, von dem eh keiner was versteht, und Fans, die sich selbst fürs Hutbürgern nicht zu schade sind. (Schlagzeile und Anreißer zu einem Handball-Verriss in der taz)
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»Ich habe 15 Jahre Handball gespielt. Wir pflegen die Freundschaften bis heute. Freundschaften und Netzwerke, das ist nicht das Gleiche. Netzwerke werden aus Nützlichkeitserwägungen gebildet. Eine Handballmannschaft, wie ich sie erlebt habe, ist eine Kameradschaft.« (Horst Seehofer im Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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»Wer immer noch an die Ehrlichkeit auf diesem Spielniveau glaubt, der glaubt auch an die Zahnfee.« (Domagoj Duvnjak nach der kroatischen Niederlage gegen das DHB-Team/zitiert in der Frankfurter Allgem. Sonntagszeitung)
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Man (muss) leider feststellen, dass Otto von Bismarcks klassischer Ausspruch – »nie wird so viel gelogen wie nach der Jagd, im Krieg und vor Wahlen« – nicht mehr zeitgemäß ist, weil es zu den Zeiten des Reichskanzlers die Bundesliga noch nicht gegeben hat. (Philipp Selldorf in der Süddeutschen Zeitung über Hannover-96-Boss Martin Kind, der »zu ehrlich für die Lügenliga« sei)
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Als Zahnfee-Gläubige wollen wir an dieser Stelle eine Lanze brechen. (…) Für die Zahnfee-Sicht der Dinge. (…) Katar zum Beispiel. (…) Wir freuen uns schon auf die Fußball-WM 2022, ist doch klar! Schon mal Arbeitssklaven dort gesehen? Na also. Und immer schönes Wetter, nicht so kalt, alles super. (Michael Eder in der FAS-Kolumne »Schluss für heute«)
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Formel 1? Phantastisch. Vietnam, Bahrein, Korruptistan – wo immer gefahren wird: interessante Länder, gut organisiert, lupenrein und menschenfreundlich. (…) Da freut sich die Zahnfee. (Eder/FAS)
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»Basketball ist nicht Bogenschießen«, habe er immer zu erklären versucht. Nicht nur mechanische Treffsicherheit. Auch Uli Hoeneß habe das schließlich verstanden, sagt Pesic, er grinst. »Coach, trainiert ihr eigentlich Freiwürfe?«, habe der Bayern-Boss gefragt. – »Natürlich trainieren wir das.« – »Warum trefft ihr dann nicht?« – »Wir treffen schon, nicht immer, aber oft.« – »Aber da ist man doch allein, da müsste man eigentlich immer treffen.« (Florian Haupt in einem ganzseitigen Artikel in der Welt über Svetislav Pesic, den Ex-Coach der Bayern-Basketballer)
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Am nächsten Tag habe man sich wiedergetroffen. Pesic sagte: »Herr Hoeneß, erinnern Sie sich? Ich war jung und im Roter-Stern-Stadion von Belgrad unter den Zuschauern, als Sie allein einen Elfmeter über die Latte schossen.« (Haupt/Welt)
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Hat sich Ihr (…) Selbstbewusstsein bei den Mia-san-mia-Bayern schon verändert? – »Ein Problem mit meinem Selbstbewusstsein hatte ich noch nie. (..) – Entscheidend ist die Startelf in den großen Spielen. Wo sehen Sie sich da? – »Auf dem Platz (grinst)« (Leon Goretzka im Kicker-Interview)
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Florian Silbereisen (…) wird (…) neuer »Traumschiff«-Kapitän. (…) Oder, ob des maroden Zustands dieses einstigen Flaggschiffs der Fernsehunterhaltung, in anderen Worten: Aus Liebeskummer heuert der Arme auf einem Seelenverkäufer an. Wenigstens geht er nicht zur Fremdenlegion. (»Herzblatt-Geschichten« von Jörg Thomann in der FAS)
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So kann man sich schon mal wundern, wieso das ZDF die Chance verstreichen ließ, diesen Part mit einer Frau, einem Migranten oder wenigstens mit einem Schauspieler zu besetzen. (»DADE« in der SZ)
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»Die größte Gefahr ist, selbstgefällig zu Leuten zu predigen, die sowieso meiner Meinung sind.« (Musiker Heinz Rudolf Kunze im Interview der Frankfurter Rundschau)
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»Ich hoffe, ich werde nie ein eingebildeter Spinner. (…) Mir war immer und bis heute sehr klar, da ist immer jemand, der stärker und schlauer ist als ich. (…) Deswegen kann ich mich selbst nicht so wichtig nehmen.« (Schauspieler Viggo Mortensen im FAS-Interview) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Geschrieben von gw am 28. Januar 2019. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.