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Sport-Stammtisch (vom 21. November)

Löw zieht aus dem leeren Hut, dem Nichts namens Nationsdingsbums, weltweite Schlagzeilen. Wer derart zaubert, könnte auch fliegen. Will er aber nicht. Den richtigen Zeitpunkt des Abflugs hat er sowieso verpasst. Der war »nach einem derartigen Desaster unvermeidlich. Tritt er dennoch nicht zurück, wäre er das, was ihm seine Kritiker vorwerfen: abgehoben und über den Wolken schwebend« («Sport-Stammtisch« im WM-Juli 2018). – Er blieb. Und bleibt. Fliegt nicht, schwebt aber. Abgehoben. Ein fauler Zauber.
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Die Spieler sagten auf dem Platz, was sie von der Veranstaltung halten. Nicht verbal, sondern in Körpersprache. Sit-in im Stehen, provozierend teilnahmslos. Nur Kimmich trat vor Wut gegen das Krankenhausbett. Hoffentlich nicht mit dem operierten Bein.
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Wenn Claudia Roth ein »Eichhörnchen auf Ecstasy« (Harald Schmidt) ist, gibt es bei Überdosis ein wirksames Gegenmittel: Toni Kroos und seine einschläfernden Querpässe. Bei Robert Lembkes »Was bin ich?« (Jüngere, bitte googeln) konnte der Beruf des Gesuchten durch eine verräterische Handbewegung erkannt werden. Bei Kroos wäre das zu leicht für ein Quiz. Seine Fußbewegung, seine typische Körperhaltung beim Pass, verrät nicht nur den Beruf, sondern auch den Mann selbst. Unverwechselbar.
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Während alle Welt das Leben zurückfährt, düsen Fußball-Nationalmannschaften quer durch Europa, um Spiele zu spielen, die niemanden interessieren (es sei denn, sie enden 0:6) und die keinen sportlichen Sinn haben. Fast so verrückt wie Aluhüte. Gibt es etwas Systemirrelevanteres als diesen Wettbewerb. Das Fragezeichen spare ich mir. Welchen Titel trägt der Sieger? Weder Welt- noch Europameister. Straßenmeister? Nee, erst recht nicht. Das war schließlich ein Titel, bei dem es nicht um nichts, sondern um alles ging. Also: Dingsbumsmeister.
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Gegen die Überlastung der Spieler gibt es eine Lösung. Wenn schon Geisterspiele mit Atmosphäre-Lärm per Tonknopf, warum dann nicht gleich mit KFI, Künstlicher Fußball-Intelligenz? Es gibt ja schon einen Roboter namens »Curly«, der echte Curling-Sportler schlägt, und den zwei Meter großen »Cue3« von Toyota, gegen den Dirk Nowitzki beim Freiwurf nicht die Spur einer Chance hätte – »Cue3« trifft 2020-mal hintereinander (Quelle: Spiegel). Fußball-Roboter könnten täglich Nations League spielen. Aber bitte nicht mit Kroos’ Fußbewegung programmieren!
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Roboter tun so, als seien sie echte Menschen, Bitcoins, als seien sie echtes Geld. Mittlerweile boomen sie wieder. Aber Vorsicht! »Onecoin«, eine andere Kryptowährung, gilt als kriminelles Schneeballsystem, in Umlauf gebracht von einer mittlerweile spurlos verschwundenen Frau, der »Kryptoqueen« (Quelle: Zeit). Ihre immer noch treuen Kunden haben ein Handzeichen, an dem sie sich erkennen – ein »O«, gebildet aus Zeigefinger und Daumen. – Oh, dieses »O« kennen wir doch?! Aus dem Straßenverkehr. Denn Stinkefinger und ähnliche Beleidigungen sind strafbar, aber wenn mir einer die Vorfahrt nimmt und ich ihm das »O« zeige, heißt das insgeheim: »Dummes A…loch!« Was die Onecoin-Jünger nicht wissen: Die »Kryptoqueen« zeigt ihnen aus ihrem Schlupfloch das Auto-»O«. Falls das Loch nicht schon längst unter der Erde liegt …
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Echt und unecht. Wieso fällt mir da Christoph Daum ein? Zu seinem positiven Drogentest (die legendäre Haarprobe) sagt er jetzt in der SZ: »Ich stelle sehr hohe Ansprüche an mich und musste lernen, mir selbst zu vergeben.« Warum schüttelt es mich bei diesem Satz? Wissen Sie es? Schüttelt es Sie auch?
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Wieder mal abgeschwiffen. Oder heißt es abgeschwifft? Und wann wird geschleift und wann geschliffen? Auf seiner (immer sehr anregenden) Facebook-Seite zitiert Hessens SPD-Emeritus Gerhard Merz aus einem Zeitungskommentar, es sei »Wasser auf die Mühlen von Populistinnen und Populisten, wenn eine lange Sprachtradition geschliffen wird«. Merz juxt sprachlich geschliffen über das falsche »geschliffen« (statt geschleift). – Ich juxe mit: »Geschleift gehört das Genderbollwerk Populist(innenundPopulist)en« – Eine »Sara« kommentiert genervt (aber mit Lächel-Emoi): »Ach Jungs: Populist*innen!« – Sofort geantwortet: »Bin Gesinnungsmädel, aber Freund (*in wird geschleift) geschliffener Sprache.«
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Spontane Selbstfindung in einem Wort. Ich bin zwar kein Freund der Quote und ein Feind der gendernden Sprachverschandelung, aber auch ein Populistenchauvi? Nein, nun  weiß ich, was ich bin. Liebste Zielgruppe, viele Grüße, Euer Gesinnungsmädel: (gw)
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«
Mail: gw@anstoss-gw.de)