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Sport-Stammtisch (vom 26. September)

Der Fußball »genießt offenbar Narrenfreiheit« (Frank Ulrich Montgomery, Chef des Weltärztebundes) und schreibt dennoch oder deswegen die schönsten Geschichten (siehe Javi Martinez, künftig Ex-Bayernspieler). Ein weites Feld, auf dem Fußball gespielt wird.
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Wenn es für die Nationalelf im Nations Cup um die verschrumpelte Ananas geht, wie von mir und hier gespottet, dann ging es für die Bayern gegen Sevilla um die vergiftete Kokosnuss. Wie die Operation am offenen Corona-Herzen der Gesellschaft endet, wird die nähere Zukunft zeigen. Dass sie sportlich überflüssig und pandemisch kreuzgefährlich war, ist jetzt schon keine Frage. Worum es ebenfalls geht: »Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!« (Margarete alias Gretchen). In diesem Fall drängen und hängen die UEFA und das von ihr vertretene Metier, das Goethe noch nicht kannte, sonst hätte er den Faust … ach, Quatsch … die Faust geballt und in sein geflügeltes Wort den Halbsatz geschoben: »Und am Fußball.« Ach, wir Armen!
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Das Stadion in der Goethe-Stadt hat wieder einen neuen Namen, den ich mir wie schon den vorigen nicht merken werde. Egal was draufsteht, Waldstadion ist drin. Früher haben arrogante Weltbanker (Koppers Peanuts, Ackermanns V-Zeichen) das Waldstadion und seine halbseidenen SGE-Protagonisten auf der Haupttribüne und im Vorstand verächtlich gemieden, jetzt suchen sie Schutz und Renommee bei einem solide geführten Verein mit gutem Ruf. Zeitenwende allüberall.
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Angeblich will die Bank dem Verein helfen, die Digitalisierung voran zu treiben. Beispiel Bratwurst (im Fußball öfter zitiert als Goethe): Um das Gedränge vor den Buden in der Halbzeit zu entzerren und den Umsatz davor und danach zu steigern, könnten die Preise im Sekundentakt geändert werden. In der Halbzeit teuer wie eine Ribery-Gedächtnisgoldwurst, davor und danach echte Schnäppchen-Häppchen. Während das Spiel läuft? Klar, ist doch Nebensache. Mit Fernseh-Service am Budchen. Und wenn dann Breaking News aus den FinCEN Files in Sachen Geldwäsche laufen – digitalisieren wir sie einfach weg.
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Von der brave new world zu einer untergehenden. Ihren Niedergang habe man bei den Hessischen Meisterschaften der Leichtathleten erkennen können, bei denen in manchen Disziplinen Leistungen zum Titelgewinn reichten, mit denen man früher nicht mal auf die Idee gekommen wäre, überhaupt teilzunehmen. Schrieb ich. Dazu merkt Reinhard Schartl (Bad Nauheim) an: »Ihre Bewertung ist zutreffend, jedoch muss auch berücksichtigt werden, dass Hessische Meisterschaften für Spitzenleichtathleten offensichtlich bedeutungslos sind.« Unser Leser führt prominente Namen wie Michael Pohl, Marc Reuther, Rebekka Haase oder Carolin Schäfer an, gibt jedoch zu bedenken: »Den vorne platzierten Athleten und Athletinnen ist aber zu bescheinigen, dass sie jedenfalls im eigenen Leistungsbereich häufig gute, teilweise Bestleistungen erzielten. Das Problem liegt also nicht allein im Niedergang – der allerdings nicht zu bestreiten ist.«
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Das sehe ich genauso, hatte es auch zuvor im Blog geschrieben, aus Platzgründen aber nicht in die Kolumne übernommen, was hiermit nachgeholt sei: »Glückwunsch an alle Teilnehmer, die eine persönliche Bestleistung geschafft haben und damit vielleicht sogar ganz vorne gelandet sind. Persönliche Bestleistung anzustreben, das war für mich immer der tiefere Sinn der sportlichen Betätigung, deshalb wurde ich Leichtathlet und blieb nicht im Handball, der für mich ›nur‹ Spiel war, ein schönes allerdings.« – Na ja, das dürften aktive Handballer heute anders sehen …
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Ist ja nicht ganz so einfach wie in manchem Modesport, in der Leichtathletik an die Spitze zu kommen, dafür muss man jahrelang trainieren, ohne Erfolgsgarantie. Eddie Hall, »stärkster Mann der Welt« (u.a. 500 kg im Kreuzheben), wollte kürzlich nebenbei richtig weit kugelstoßen. »Ich dachte wirklich, ich würde mindestens 20 Meter weit kommen.« Der 170-kg-Koloss kam im ersten Versuch auf neun Meter.
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Zu guter Letzt die Presse-Schau. »Zahl der Corona-Toten steigt stark« (Spiegel-online-Schlagzeile). »Die Zahl der Todesfälle ist aktuell rückläufig“ (aus dem zugehörigen Spiegel-Text). Die soziologische Fachzeitschrift »Soziale Welt« behauptet, es sei wissenschaftlich festgestellt, dass es keine Flüchtlingskrise gegeben hat, sie sei vielmehr »vom Sozialstaat absorbiert« worden. Und überall wird Angela Merkel zitiert, die den Vereinten Nationen zum 75. Geburtstag gratuliert und »nationale Alleingänge scharf kritisiert« – das ist mal echte Selbstkritik! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«
Mail: gw@anstoss-gw.de)