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Sommerrätsel

Es klingelt. Ich öffne die Tür. Ein junger Mann, dahinter eine junge Frau. Aus ihren Abzeichen schließe  ich, dass sie mich als zahlendes Mitglied für  Ihren Verein werben wollen.

In solchen Fällen sage ich immer nur:  „Danke, kein Bedarf, Tschüss“ und schließe schnell die Tür.

Diesmal nicht. Ich bin besonders freundlich, versuche mein Nichtinteresse (ich war schon mal Mitglied, bin ausgetreten, kein besonderer Grund, war bei so vielen Vereinen und Institutionen Mitglied, habe das reduziert usw. usw.) zu erklären, wünsche den beiden aber viel Erfolg, lächele sie freudigst an, verabschiede mich ebenso und schließe sachte die Tür.

Sommerrätsel: Warum verhalte ich mich nicht wie sonst so oft?

Zu leicht?

Klar, weil die beiden offensichtlich Migrationshintergrund hatten und ich fürchtete, mein übliches brummig-grimmiges Verhalten an der Tür könnte als Rassismus ausgelegt werden.

Dann machen wir das Sommerrätsel schwieriger. So schwierig, dass Sie daran zu knabbern haben: Ist mein Verhalten an der Vordertür Rassismus durch die Hintertür? Wäre ich nur frei von Rassismus, wenn ich die beiden abgefertigt hätte, wie zwei Kartoffeldeutsche? Oder ist nicht DAS Rassismus,  sondern mein klammheimlicher Gedanke, es sei ein besonders perfider (und erfolgreicher) Drücker-Trick der Organisation (eines großen, seriösen, verdienstvollen deutschen Hilfe-Vereins), gerade diese beiden jungen Leute auf Werbe-Tour zu schicken? Im Vertrauen auf Menschen, die kaum etwas mehr fürchten, als des Rassismus verdächtigt zu werden, auf Menschen also, wie ich – und Du?