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Notizblog

Sonntag, morgens um sieben ist die Welt noch … nass auf dem Asphalt draußen. Messerscharfer Schluss: In der Nacht muss es geregnet haben.

„Auf dem Asphalt draußen“? Draußen? Na ja, drinnen haben wir keinen.

Muss aufpassen, im Blog den frühmorgendlichen Flow nicht zu sehr fließen zu lassen. Zwischen Kalauer und Dummbrabbeln ist nur ein schmaler Grat.

Gerade wollte ich schreiben, dass noch keine FAS im Kasten liegt, da darf ich soeben die News breaken. Der FAS-Bote ist da. Sein Auto hält. Er steckt die Zeitung in die Box. Ich sehe ihm zu. Jetzt fährt er weg. Ich gehe raus … Moment … auf dem Cover of the Rolling Stone (von wem, wer weiß es noch?), also auf der FAS-Titelseite: „Hass auf die Polizei. Warum Polizisten verachtet und angegriffen werden – nicht nur in Stuttgart“.

Dazu steht schon ein Satz auf dem Themenzettel für die gleich zu schreibende Kolumne. Einer von zwei, die ich aus Interviews in der Welt notiert habe, mit jungen Frauen, Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien, die ihr Abitur bestanden haben, mit Noten jenseits meiner eigenen abituriellen Vorstellungskraft, also Richtung 1 statt Roulett. Was dort Rot und Schwarz sind, also halbehalbe, waren bei mir 3 und 4, mit einer 1 im Sport als Zero. Also ca. 3,3. Wobei zu meiner Zeit Notenschnitte allerdings kein Kriterium fürs Studium waren.

Die beiden Sätze, kurz und klug wie kaum etwas, das ich zu diesen Knack-Themen (man könnte das „n“ auch weglassen) gelesen, gehört oder, ja, natürlich, selbst geschrieben habe: Haben Sie Angst vor der AfD? – „In einem demokratischen Land wie Deutschland nicht.“ (Sedra Al Tarris/Syrien/20/1,3). / Was denken Sie, wenn Sie die Polizei sehen? – „Sicherheit. In Syrien mussten wir Angst haben, wenn wir sie gesehen haben.“ (Hazar Abaza/20/2,5).

Die beiden Abiturientinnen sprachen noch vor drei, vier Jahren kein Wort deutsch. Sensationell. Rassismus ist nicht, wenn man Schmarotzer und Kriminelle als Schmarotzer und Kriminelle bezeichnet, sondern wenn man Menschen wie diese beiden nicht respektiert und würdigt, als Zierde für unser Land.

Übrigens, Auflösung, klar, Dr. Hook & The Medicine Show (aus der Lameng geschrieben und nicht nachgeguckt, hoffentlich richtig).

„Das Karen-Problem“, ein neues Ding, das die Welt nicht braucht: „Der Karen-Begriff hat sich in den USA für  weiße, selbstgerecht-arrogante Frauen etabliert“ (SZ). Aus den USA schwappt vieles rüber und belästigt uns, vorneweg Trump, aber behaltet diesen Quatsch doch bitte bei euch! Nee, falsche Adresse, liegt ja an uns. Also gar nicht erst „injorieren“, wie Adenauer sagte.

Adenauer? Was ist denn das? Aus der Mail eines sehr geschätzten Lesers, der leider ungenannt bleiben will: Viele Menschen denken nicht mehr in geschichtlichen Dimensionen, wissen nur noch wenig über die Vergangenheit (Bismarck? Ist das Mittelalter? fragte mal eine Schülerin, die ein Referat anfertigen sollte im Fach Gesellschaftslehre), stellen sich womöglich vor, dass vor 1945 alles  schwarzweiß war und verstehen Ironie überhaupt nicht.  Tja.

Da fällt mir ein, was meine Frau gestern abend gesagt hat: „Weißt du eigentlich noch, dass du mal gesagt hast, auf deinem Grabstein solle nur ein Wort stehen?“ – „Nee. Was denn?“ – „Tja“

Für ernsthafte letztgültige Fragen verweise ich auf Paul Ulrich Lenz, Pfarrer im Ruhestand aus Schotten. Er hat einen anspruchsvollen Essay über Corona und Moses geschrieben, zu umfangreich selbst für den Blog. Wer Interesse daran hat, bitte melden, ich maile ihm den Text zu.

Und sonst? Twens haben durch Corona viel an Lebenszeit verloren, heißt es. Andererseits: Angeblich werden sie im Gegensatz zu uns im Schnitt an die 100 Jahre alt. Wie zerronnen,  so gewonnen. Viel Zeit, nutzt sie. Nicht nur, um unsere Schulden abzubauen.

Pfarrer Lenz schließt seine Mails seit Corona nicht mit dem üblichen „Bleiben Sie gesund!“, sondern mit: „Seid behütet!“

Sie auch.

Was ich noch zu sagen hätte, dauert keine Zigarette, wie bei unserem deutschen  Dr. Hook (quatschiger Vergleich, aber wer sang’s?), es ist sogar noch kürzer als bei Horst Hrubesch („Ich sage nur ein Wort: vielen Dank!“), dafür ist es wirklich nur ein Wort:

Tja.