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Notizblog

Kalt, klar, sonnig, freundlich. So wie das Wetter soll die Kolumne sein, die mich in der ziemlich schlaflosen Nacht beschäftigt hat. Eine schwierige, heikle Aufgabe, denn ich spüre, dass sie in eine Richtung driften könnte, die außerhalb des momentanen gesellschaftlichen Konsens (Konsens‘? Konsenses?) liegen könnte. Im Blog notiere ich gleich ein paar Brocken, schon Notiertes auf dem Themenzettel und Gedenkensplitter … ah, Freudscher Verschreiber,  lasse ich stehen, denn die Gedankensplitter drehen sich ums Gedenken. Aber zuerst ein Blick in die Meldungen der Nacht und in die FAS.

„Amerika in Aufruhr. Schwarze berichten vom Unrecht. Ein Cop erklärt, was schiefläuft. Rechtsextreme wollen den Rassenkrieg. – Politik, Sport, Feuilleton.“ – Die Themen, das Thema, auch bei mir, aber nicht nur, so hab ich’s vor.

Oben drüber, klein, noch ein Hinweis auf ein FAS-Thema. „Maddie McCann. Gibt es einen Durchbruch im Fall der 2007 verschwundenen Dreijährigen?“ – klingt schon viel vorsichtiger als in den Meldungen in den Tagen zuvor, als der Täter so gut wie überführt schien bzw. dargestellt wurde.

Bild beginnt mit dem „Kinderschänder aus Oma Laube“. Hat aber nichts mit dem Maddie-Fall zu tun. Außerdem: „Heiko Maas im Bams-Interview: Rassismus tötet nicht nur in den USA“. Tja. Klar. Der Satz und überhaupt Maas sind unwidersprechbar, aber dennoch oder gerade deswegen nicht hilfreich für eine offene Diskussion. Nochmal Bild: „Brauchen Tattoos Extra-Sonnenmilch?“ Solche Probleme möchte ich haben Ach, quatsch, hab ich ja. Wegen Basaliom und Co. halte ich Kopf und Körper seit zwei Jahren nicht mehr exzessiv in die Sonne, sondern nur noch vorsichtig und mit Höchstfaktor eingeschmiert.

Noch ein Blick auf die dpa-Meldungen. „Briefbombe an Arabella Kiesbauer vor 25 Jahren. Rassismus wird mich mein Leben lang begleiten.“ „Neue Massenproteste gegen Rassismus in den USA.“ – Und nichts zu Corona? Paradigmenwechsel? Nur die kleine standardmäßige Notiz:  „Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 301 Corona-Infektionen binnen eines Tages gemeldet.“ Scheint im normalen Trend zu liegen, ist für mich als Laie aber nicht einzuordnen, wie alle diese Zahlen.

Zu den „Gedenkensplittern“:

„Ich kann aber die allgemeine Regel, die ich für wichtig und sinnvoll haltee, für den Einzelfall nicht in Frage stellen.“ „Als Jurist schüttelt es einen, wenn man als Straftatbestände gesetzte Regeln hat, die für alle gelten sollen, aber über die man sich dann (…) nach freiem Belieben  hinwegsetzen  dürfen soll.“ (Jan F. Orth, Vorsitzender Richter am Kölner Landgericht und Geschäftsführer  der Forschungsstelle Sportrecht der Universität Köln, im FAZ-Interview)

„Wenn wir solche Dinge zulassen, kommen wir in die Diskussion: Was ist erlaubt, was ist verboten? Das führt zur Frage: Ist die geäußerte Meinung eine gute oder eine schlechte?“ (Orth)

„Der DFB und die Verbände öffnen die Büchse der Pandora,  die werden sie nicht mehr schließen können.“ (Orth)

Die Büchse der Pandora enthielt, wie die griechische Mythologie überliefert, alle der Menschheit bis dahin unbekannten Übel wie Arbeit, Krankheit und Tod. Sie entwichen in die Welt, als Pandora die Büchse öffnete. (Wikipedia)

Was wäre denn so schlimm, wenn die Verkünder ihrer politischen oder sonstigen Botschaft stolz sagen: ‚Ich habe eine Regel verletzt, dafür muss und will ich bestraft werden, das ist es mir wert.‘ Zumal die Bestrafung in Fällen wie dem aktuellen nur eine symbolische sein könnte. Aber das habe ich schon in einem anderen Fall vermisst, der Metzler-Entführung. Das Unterdrucksetzen des Entführers war richtig, aber der Kommissar musste bestraft werden. Diese Zweiheit wurde damals nicht thematisiert, heute ebenfalls nicht.

„Ich glaube, wir leben nicht in einem wirklich freien Raum für die Diskussion dieser Fragen. Es herrscht ein sehr starker Druck zu Konformität, weil niemand den Eindruck erwecken will, er stehe auf der falschen Seite bei den großen moralischen Fragen.“ (Glenn Cartman Loury im NZZ-Interview. Loury, ein Schwarzer, stammt aus Chicago und ist 72 Jahre alt. Er promovierte in Ökonomie am Massachusetts Institute of Technology)

Anthony Ujah von Union Berlin in einem emotionalen Beitrag für die FAZ: »Rassistische Erlebnisse kommen in Deutschland längst nicht so häufig vor wie in manchen anderen Ländern.“

Bei uns gibt es mehr Gewalt gegen als von Polizisten

Unter dem Oberbegriff Rassismus beziehungsweise mit ihm werden manche anderen menschlichen Bosheiten verquickt.

So weit, so schwierig. Dazu noch die Stichworte: Konsum / Hitzerekord / Kaepernick und das Knie / Ali, als er noch Cassius hieß / Anglizismen u. Lesermail / gestrafftes Olympia / Schweiger u. Schweinsteiger / (zu) unaufgeregt spielende Eintracht. – Viel Stoff, da wird manches auf der Strecke bleiben. Hoffentlich danach nicht ich. Bis dann.