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Die liebste Zielgruppe und wie eine „Ente“ Erinnerungen weckt

Am meisten freue ich mich über Zuschriften von Lesern, die schon lange „gw“-Kolumnen lesen, noch nie einen Leserbrief geschrieben haben, zumindest nicht für den „Anstoß“, dann aber „jetzt doch einmal schreiben müssen“ (siehe Christa Ketter in der Mailbox). Wertvolle Tipps gibt’s sogar noch gratis, wie „Kalk zu den Ollies“. Wird gemacht! Und da ich im Netz den Artikel eines Kollegen über unsere Leserin und ihre „Vollcabrio-Ente“ gefunden habe (siehe Google), wurden bei mir Erinnerungen an eigene „Enten“-Zeiten geweckt, als ich mit meinem Kugelstoßer-Freund Ralf Reichenbach  (zusammen ca. 270 kg damals) mit meiner Ente nach München gefahren bin, beide mit ausgefahrenen Ellbogen durch das Klappfenster, und wie wir an jedem Hügel dramatisch an Tempo verloren und kaum noch auf 50 km/h kamen. Darüber hat sich sogar Karl  Eyerkaufer, genannt Eiercharly, zuvor einer der besten deutschen Mittelstreckler, damals Puma-Repräsentant, später Landrat in Südhessen, in der Süddeutschen Zeitung freundschaftlich lustig gemacht. Ach ja, jetzt fällt mir’s ein. Es war ein Länderkampf gegen die USA,  ich stieß 19,88m, was viele Jahre lang Hessen-Rekord war. Tempora mutantur, nos et mutamur in illis, weiß  nicht mein längst vergessenes Großes Latinum (das erinnert sich nur an die ersten beiden Wörter), sondern Wikipedia. Nos mutamur in illis: Was wir zu zweit wogen … in etwa wiege ich das jetzt geteilt durch drei.

Habe gerade ins Archiv geschaut. „Kugelstoß-Freunde auf 20-m-Jagd“ ist der SZ-Artikel überschrieben. Aus dem Text von Gustav Schwenk (damals der führende deutsche LA-Journalist) , basierend auf den Erzählungen von „Eiercharly“: Ralf Reichenbach „strahlte, weil sein Busenfreund Gerhard Steines  sich auf 19,88 m verbesserte. Beim Training in Gießen hatte der Sportjournalist (!) 19,80 m gestoßen. Er erzählte es vorher nur im Freundeskreis  hinter vorgehaltener Hand, weil er befürchtete, man könne ihn für einen Mann halten, der ‚Trainingslatein‘ erzählen würde.“ An anderer Stelle lese ich: „Steines ist damit in der DLV-Bestenliste  viertbester Kugelstoßer aller Zeiten.“ Ach was?! Kommt mir alles so unwirklich vor. Als hätte es mit mir nichts zu tun.

Merkwürdig, auch wegen der folgenden Rechnung, der letzte Absatz im SZ-Artikel. „Hauptgesprächsthema bei einem gemeinsamen Essen mit Al Feuerbach, zu dem ein deutscher Freund eingeladen hatte“ (natürlich Eyerkaufer seine drei Puma-Athleten) „waren die Leistungen im Gewichtheben. ‚Die haben fast nur von Tonnen geredet‘, meinte der Gastgeber der drei Kugelstoßer. Als sich die drei Riesen richtig sattgegessen hatten, da musste er feststellen,  dass er von der Gesamtrechnung  etwa sieben Prozent, die Werfer dagegen 93 Prozent verzehrt hatten.“

Riesen? Feuerbach war schon damals nur eine halbe Portion im Vergleich zu Reichenbach und wiegt heute, nach FB-Bildern zu urteilen, kaum 80 kg. Aber er war der Weltrekordler, Reichenbach eine Klasse schlechter und ich nur ein kleines  Licht.