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Arno Baumgärtel: Bifurkal?

Haben Gabeln nicht eigentlich wenigstens drei Zinken?

Ein relativ bekannter Gießener Sponti hat in den späten 70ern, frühen 80ern eher despektierlich bekundet, da müsse ‚man den Horx fragen‘.
Der war zu der Zeit Autor beim noch nicht zeitvergeistigten Frankfurter „Pflasterstrand“. Ob er schon an „bifurkalen“ Phänomen geforscht hat, weiß ich nicht. Ich wette, Matthias Beltz hatte auch etwas über ihn zu sagen.

Tatsächlich kennt man das ja, Momente, wo der Lauf der Geschichte die eine oder andere Richtung hätte einschlagen können. Meistens stellt sich im Rückblick heraus, dass dem aber nicht so war. Man kannte nur eine Perspektive der Angelegenheit, andere Faktoren hatte man nicht in Betracht, oder sie wurden einem vorenthalten.

Vom faschistischen Staatsrechtler Carl Schmitt stammt der Satz: „Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.“ Mich beschleicht das Gefühl, dass unser Ausnahmezustand nicht das sein wird, was er mal war.

Reporter Ulrich Klose hat gestern in den RTL-Nachrichten aus Leverkusen berichtet. Seiner Ansicht nach ist man deshalb eher zögerlich, die Ausgangssperre zu verkünden, weil es für Politiker und Behördenleiter der letzte Dreh an der Schraube ist. Wenn der nicht fruchtet, gibt es kein Instrument mehr. Zum einen ist die Durchsetzbarkeit durch die Polizei ein Problem, zum anderen die Akzeptanz und der (zivile) Ungehorsam über einen längeren Zeitraum hinweg. Und wenn es schief geht, wie auch immer, wird die Sache allen, die sie befürwortet haben, politisch auf die Füße fallen, wenn die Krise vorbei ist.

Ein Bodensatz von entweder Uneinsichtigen oder Brunsdummen ist immer. Ein allgemeines Ausgangsverbot dürfte m.E. kaum mehr bringen als jetzt. Aber das wirklich letzte Mittel ist das Kriegsrecht, vulgo: Notstandsgesetze. 1968 nach jahrelangem politischem Streit im Bundestag verabschiedet, noch nie angewandt. War ein Auslöser der Studentenwegung. Damit verbunden wäre die Ausgabe von Lebensmittelscheinen. Der Einkauf hätte nach Wohnort und Anfangsbuchstaben des Namens zu erfolgen. Selbst das müsste von der Polizei durchgesetzt werden. Fällt mir schwer mir vorzustellen.

In einem BBC-Onlineartikel von heute mit dem Titel „Coronavirus: What Could the West Learn From Asia?“ („Was kann der Westen von Asien lernen?“) lautet der zweite Merksatz:

„Make Tests extensive and affordable“ – also: „Tests ausweiten und erschwinglich machen.“

Logisch, sonst keine Datenbasis. In Deutschland scheint mir das Gegenteil zu passieren, man stochert im Nebel. Dazu passen Berichte wie vorgestern in der GAZ über eine Frau, die sich zweimal testen lassen musste, nur um kein Ergebnis zu erfahren. Oder eins in der Art: ‚Wenn sie negativ sind, werden sie nicht benachrichtigt.‘ Und ein ähnlicher Fall in Frankfurt. Es war von Chaos und Konzeptlosigkeit der zustänidgen Stellen die Rede. Ein Spiegelbild unseres Gesundheitssystems mithin.

Aber ich merke gerade, das hat mit Sport nur ganz am Rande zu tun…Bleiben Sie gesund! (Arno Baumgärtel/Gießen)