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Montagsthemen (vom 2. Dezember)

So beginnt eine echte Sportkolumne: Als Fußball-Experte hat man’s nicht leicht. Gerade erst lässt Hansi die Bayern steil abheben, während Favre mit dem BVB am Boden liegt und daher, wie alle wissen, ebenfalls bald »fliegt« – und prompt rasseln die neuen Super-Bayern in eine Heim-Pleite, und die verzagten Dortmunder Männlein-Fußballer verteidigen in langer Unterzahl zäh und mannhaft ihren Vorsprung. Ach wie gut, dass jeder weiß, dass ich nicht Fußball-Experte heiß.
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Oder so: Ist Löw im dritten EM-Spiel, nach Frankreich und Portugal, noch Bundestrainer? Klar doch. Schließlich kann sogar der Gruppendritte weiterkommen. Dann nehmt doch auch noch die besten Vierten nach UEFA-Koeffizienten. Und den schlechtesten Vierten nach Fairplay-Wertung. Und alle anderen … na ja, darum halt. Hauptsache, es reibacht.
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Oder ganz ohne Fußball. Im Spiegel-Interview berichtet die ehemalige NOP-Läuferin Mary Cain über ihre Leiden an und im Nike Oregon Project (NOP). Sie sei von NOP-Guru Alberto Salazar »emotional und physisch missbraucht« worden. Sie habe ihn nicht enttäuschen wollen und das Problem nicht bei ihm, sondern bei sich gesucht. – Klingt glaubhaft, da altbekannt. Die Abhängigkeit vieler Spitzensportlerinnen von Trainern oder sonstigen Bezugspersonen war schon vor über 20 Jahren ein Kernthema dieser Kolumne. Zumal es Trainer gab, die unter vier Augen offen zugaben, dass sie mit dem »Trainingsmittel« Hörigkeit arbeiteten. Bis zum Zerfall des Real-Sozialismus galt der Aufbau eines Hörigkeits-Drucksystems sogar insgeheim als Alternative des West-Sports, den sozialismus-immanenten Wettbewerbsvorteil des materiellen Drucks auszugleichen. Wer nicht mit Entzug der Auslandsreise oder sonstiger Privilegien drohen konnte, drohte eben mit Streicheleinheits- und Liebesentzug. Damals wusste ich es, heute ahne ich nur: Die Salazars sind überall.
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Ich bitte um Entschuldigung, aber manchmal vergehen mir Ironie und Flapsigkeit. Wie gestern, als ich auf die Titelseite der FAS blickte und eine groß gedruckte Zahl sah: »8,46«. Der kleine Zusatz »So wenig kostet derzeit ein Kalb.« Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ich esse schon lange keine vierbeinigen kleinen Kinder mehr (Kalb, Lamm, Ferkel). Nur ein kleiner Kompromiss, denn Vegetarismus habe ich nicht geschafft.
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Eine dpa-Meldung passt dazu: Wir seien »ökologische Vandalen«, behauptet der Ökonom Niko Paech. Denn unabdingbar, so Paech, sei nicht nur eine Wirtschaft ohne Wachstum, sondern ein Rückbauprogramm. – Mein Reden! Doch der Fetisch Wachstum zieht sich einen grünen Kittel über und lacht sich schlapp. Wachstum durch Windräder! Damit wir den Freitag sinnvoll nutzen können: Erst Fridays for future, danach Schnäppchen-Jagd beim Black Friday.
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Aber lieber mit einem Schmunzeln in die neue Woche. Die neue Ausgabe des Schlagermagazins »Hossa!« ist da, in der vier Menschen mit Schlager-Erinnerungen zu Wort kommen, die an (ja, zum Teil legendären) »Anstoß«-Serien beteiligt waren, neben Michael Humboldt (mi) und »gw« auch die Schriftsteller Matthias Altenburg und Andreas Maier. Leider fehlt in meinem Beitrag die Schlusspointe. Ironisch meine im Familienkreis bewunderte Schlager-Textsicherheit besingend, schließt der »Hossa«-Text mit dem scheinbar selbstbeweihräuchernden Satz: »Mein Nimbus wuchs ins Legendäre.« Doch das ist der wahre Schluss: »Vorbei. Kein Schwein ruft mich an. Tauchen derartige Fragen auf, werde nicht mehr ich konsultiert, sondern das Smartphone. Mein Feind. Schnell gezückt, kurz gedrückt, prompt gewusst. Es hat den einzigen Sinn meines sinnlosen Wissens auf dem Gewissen.«
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Was ich noch weiß: In diesem Jahr hat der echte »Black Friday« 90. Geburtstag. Mit ihm kam … und als er zehn wurde … ach, lassen wir das. Hauptsache: Weg mit de Plastikdutt! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)