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Arno Baumgärtel: Apokalypse now, pay later

Heute Vormittag die Tagesschau-Schlagzeile: „Bolivien: Lithiumprojekt mit deutscher Firma gestoppt“. Das Lithium wird für Batterien – Autobatterien – gebraucht.

Die Apokalypse ist schon lange eingetreten. Wahrscheinlich haben die „Rebellen gegen das Aussterben“ es bloß nicht mitbekommen, weil sie leider sehr spät geboren wurden und Seminare über Internationalismus und politische Ökonomie nicht mehr en vogue sind. Fragezeichen. Alles weit weg von uns, die wir frische Luft und sauberes Wasser bevorzugen ebenso wie freie Fahrt für freie Bürger. Wohin wird der Plastikmüll exportiert? Auseinandersetzungen über den Abbau von raren Elementen wie Lithium sind nur der Anfang vom Ende des schönen E-Autozeitalters. Hauptsache, die Autoindustrie kann ihr Geschäftsmodell des Individualverkehrs und flankiert von der Politik aufrecht erhalten. Den Ärger mit unmenschlichen Arbeitsbedingungen und den Dreck bei der Herstellung haben ja andere.

Wenn einmal ein gewisser Sättigungsgrad bei der Verbreitung von E-Fahrzeugen erreicht ist, sehe ich zigtausende Pendler wie Urlauber (trotz oder wegen Klimawandel) im dunklen, kalten deutschen Winter auf Autobahnen und Landstraßen liegen geblieben, weil sie a) die Kapazität ihrer Batterien falsch eingeschätzt haben und/oder b) weil die Ladeinfrastruktur mit der Anzahl der Gefährte nicht mithalten kann und stundenlanges Warten an Tankstellen zur Folge hat.

Ganz abgesehen von so handfesten Problemen bin ich nicht so sicher, dass „Nachhaltigkeit“ dasselbe bedeutet wie das Perpetuum mobile zu erfinden. Apocalypse now, pay later! (Arno Baumgärtel/Gießen)