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Montagsthemen (vom 21. Oktober)

Auf dem Smartphone blinkt die Ankündigung einer »Eilmeldung« des »Kicker« auf. »Vor Gladbach-Spiel: Favre suspendiert.« Aha! So weit ist es also schon gekommen! Meldung angeklickt, die zweite Zeile ploppt auf »… Jaden Sancho«. So weit ist es also noch lange nicht.
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Beide punktgleich. Der  Zweikampf Bayern – BVB geht weiter. Aktuelle Folge: Wer gewinnt das Duell … um die Champions-League-Teilnahme? Etwa die Eintracht? Oder alle drei?
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Bewundernswert, mit welcher Geduld und menschlicher Grandezza Niko Kovac seine bajuwarische Zerreißprobe besteht. Bis jetzt. Aber »am Ende des Tages« (Rummenigge-Sprech) werden  Siege und Punkte mehr bewundert.
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Kovac zeigt auch Größe im Eingeständnis eines unsensiblen Fehlers. Müller nur als Notnagel, brauchbarer Bankspieler, man könne ihn bringen … das war daneben. Er bittet um Entschuldigung. Problem: Was menschliche Größe ist, kommt im Profi-Biotop als Schwäche an.
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In der Sache hat er recht. Müller ist schon lange nicht mehr der »Raumdeuter«, der Irrwisch, dessen scheinbar chaotische Laufwege und Aktionen zu verblüffenden Erfolgen führen. Der Zahn der Zeit nagt, die Löw-Demütigung bohrt, die Verunsicherung hemmt … und schon schrumpft der unnachahmlich unkonventionelle zu einem ganz gewöhnlichen Fußballer. Im Kreis der Überqualifizierten ist er dann nur noch das, womit sich Kovac verplappert hat.
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Aber das Bayern-Problem heißt weder Kovac noch Müller. Sondern Klimawandel. Erst ganz  allmählich, mittlerweile deutlich spürbar. Früher gewannen sie an schwachen Tagen mit Dusel, heute verlieren sie Punkte trotz haushoher Überlegenheit. Am schwersten   aber wiegt Süles Ausfall. Ohne Hummels, mit vergrätztem Boateng (auch bei ihm: Zahn der Zeit) – das kann ins Auge gehen, Kovac hin, Müller her.
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Zu Beginn seiner Reporterkarriere ähnelte er Thomas Müller, jedenfalls im Unkonventionellen. Wenn er NBA-Spiele kommentierte, dachte man: So einer könnte auch dem Fußball gut tun. Dort ist er angekommen, aber mittlerweile überdreht Frank  alias »Buschi« alias »Fußball ist so herrlich bekloppt«-Buschmann (so jubelt er öfter, als Rummenigge »am Ende des Tages« sagt). Am Samstag nahm er Augsburg Torwart aufs Korn. Der steht schon länger in der Kritik, aber wie Buschmann ihn   in Halbzeit eins kritisierte, das war überzogen, penetrant und menschlich unangenehm. Auch wenn Koubek in Halbzeit zwei nicht überragend gehalten hätte, wäre ein Buschmann-Wort à la Kovac fällig.
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Auch in diesen Zusammenhang passt, was Paul-Ulrich Lenz, Pfarrer im Ruhestand aus Schotten, in Sachen »Gesinnungsterror und Mainstream« (siehe »Sport-Stammtisch« vom Samstag) zu bedenken gibt: »Doch – man kann alles sagen – auch Unangepasstes, auch Unsensibles. Nur: Man wird dafür einstehen müssen. Vor der Öffentlichkeit. Im Freundeskreis. Vor sich selbst. Manchmal ertappt man sich ja dabei: Es wäre besser gewesen, erst zu denken bevor man redet.« Oder schreibt …
Zum Beispiel über das vermaledeite Salutieren. Man sollte es verbieten, meine ich spontan. Wenn es schon für Trikotschwenken beim Torjubel Gelb gibt, wäre Rot für diesen aggressiven Schwachsinn angemessen. Schon wär’s vorbei damit. Am besten gleich mit allen aufdringlich inszenierten Hampeleien. – Hinterher gedacht: Die aufdringlichste, aggressivste Hampelei im Sport, gegen die das Salutieren fast pazifistisch wirkt, ist längst im Meinungs-Mainstream als wunderbar folkloristisch angekommen – der Kriegstanz der neuseeländischen Rugbyspieler, das »Auf sie mit Gebrülle«, der »Haka« der  Maori, der »auch zur Einschüchterung von Gegnern vor einer kriegerischen Auseinandersetzung diente und  von bewaffneten Männern vorgetragen wurde« (Wikipedia). Verbieten? Ja, ich zöge die rote Karte, selbst wenn ich einsam und allein im Shitstorm stünde. Denn, noch einmal Pfarrer Lenz: »Es sind die Bäume, die einzeln auf der Viehweide stehen, die dem Sturm standhalten – auch dem Shitstorm.«
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Denn wer im Wald steht und ihn vor lauter anderen Bäumen nicht sieht, läuft Gefahr, im Sturm entwurzelt zu werden. Doch das ist ein ganz anderes Thema und hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)