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Dienstag, 8. Oktober, 10.00 Uhr

Es geht um Dieter Nuhr

„Es gibt keine rechte Satire. Rechts gibt es nur Häme.“ Sagt G. M., Politiker und „gw“-Leser auf Facebook, auf Nuhr zielend.

gw:  Ich glaube auch nicht, dass es rechte Satire/Kabarett gibt, die diesen Namen verdient. Da fehlen die nötigen Sensoren. Aber nicht jeder, den Linke einen Rechten nennen, ist ein Rechter. Auch Nuhr ist keiner. Und natürlich gibt es auch linke Satire, die diesen Namen nicht verdient. Leider kann Matthias Beltz nichts mehr dazu sagen.

Darauf G. M.: „Dass es schlechtes linkes Kabarett gibt, wird nicht bestritten. Aber rechtes Kabarett gibt es gar nicht. Höchstens Stammtisch, da werden ja auch Witze gemacht.“

gw: Ja. Und auf der anderen Seite gibt es Truppenbetreuung.

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Ein FB-Freund von G. M. schreibt dann  von einem „etwas rechts verbogenen, aber noch minimal vernünftigen Teil der Bevölkerung“, der  kabarett-pädagogisch  „so gaanz langsam in kleinen verdaulichen Schritten in die Demokratie integriert“ werden könnte, so ein Motiv habe er früher „in meiner wie immer irre-riesigen Toleranz“ Menschen zugebilligt, „die es doch nuhr gut meinen. So wie Nuhr oder Gauck.“

Traurig. Leider finde ich da keinen kleinen gemeinsamen Nenner mehr, auf den ich immer noch hoffe in dieser gesellschaftsspaltenden Situation, in der  die Kabarett-/Satire-Diskussion nur ein idealtypisches Symptom für das gegenseitige Unverständnis ist.

Wie soll man jemandem begegnen, der von seiner Selbstironie überzeugt ist und nicht merkt, dass er das Gegenteil davon personifiziert?

Nochmal: Schade, dass es keinen Matthias Beltz mehr gibt. „Nuhr“ (ach, dieser köstliche Wortwitz!) einer wie er könnte den von ihrem Humor Überzeugten (und von ihrem Bewusstsein, zu den Guten zu gehören und daher recht zu haben) den Spiegel vorhalten. Beltz war, glaube ich nach langjähriger guter Bekanntschaft (so viele sagen, sie seien sein Freund gewesen, da lasse ich es lieber dabei; oder sagen wir: nach langjähriger freundschaftlicher Verbundenheit) sagen zu können, durch und durch sozialistisch denkend und vor allem fühlend. Dennoch setzte er sich interessiert und offen mit rechten Denkern auseinander und sprach lieber (zum Beispiel) mit „Junge Freiheit“ als mit Dogmatikern auf seiner Seite.

Mein vorläufiges Fazit: „Linke“ und „rechte“ „Satire“ haben gemeinsam, von der eigenen Wichtigkeit und damit ihrem Rechthaben überzeugt zu sein. Das ist keine Satire, sondern, siehe oben, Truppenbetreuungs-Programm, um sich gemeinsam auf die Schenkel schlagen zu können.

Matthias Beltz war nicht von seiner Wichtigkeit überzeugt, sondern von seiner Unwichtigkeit als Menschlein in dieser Welt, unwichtiger als jeder Tropfen im Ozean. Überzeugt war er von seiner Skepsis der Welt und sich selbst gegenüber. Dafür liebte ich ihn. Und nur daraus kann, meine, glaube, fühle ich, echte Satire und gutes Kabarett entstehen.

Im übrigen, und da stimme ich dem SZ-Autor zu (siehe „Ohne weitere Worte“ im Link zu den Anstoß-Kolumnen), würde die 50 Jahre alte Monty-Python-Truppe heutzutage von gewaltigen Shitstürmen weggefegt  bzw. überhaupt nicht erst bekannt werden.

Traurig. Ja. Aber man kann immer noch sein eigenes Humor-Bäumchen pflanzen. Und über sich selbst lachen.