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Sport-Stammtisch (vom 31. August)

Hoeneß geht … nicht so ganz, eher nicht mal halb, denn er bleibt präsent wie kein anderer Bayer, ob mit oder ohne Amt, ob mit oder ohne Hainer und Rummenigge; selbst Vorstands-Olli wird daran nichts ändern können. – Tönnies hat die sportamtliche Bestätigung, kein Rassist zu sein, darf sich aber auch gerne die Bescheinigung abholen, die Lufthoheit an den Stammtischen gewonnen zu haben. Allerdings mit der Ortsbestimmung »unter« statt »über«. Und da unten ist die Luft noch viel schlechter als oben. – Van Dijk gewinnt das ewige Duell zwischen Ronaldo und Messi, und in Frankfurt herrscht der ganz normale Wahnsinn, diesmal allerdings nicht begleitet von Ambitionen auf den Friedensnobelpreis, ob unten auf dem Rasen oder oben auf den Tribünen. Vaduzt darüber ist niemand, denn auch fußballerisch sind Franzosen nun mal keine Esten.
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Und Kevin Trapp ist kein Theodor im Fußballtor, hält zwar wie dieser, muss aber  nicht den Querbalken abreißen und mit ihm die gegnerischen Angreifer zurückschlagen. Womit klar ist, wer (»Vorname genügt«) in der aktuellen »Wer bin ich?«-Runde gesucht wurde. Auch der zweite Torwart wäre im Bankstadion nicht denkbar, denn nach einer Fehlentscheidung zog er vor einem gegnerischen Stürmer in stillem Protest die Mütze und lud ihn zum Torschuss ein. Diesem Torwart »war die Moral existenziell wichtiger als der Sieg«, was im Rätseltext ein Hinweis mit zaunlattigem Querbalken war, denn es ging um Albert Camus, den Existentialisten, der 1929 bei einem Jugendturnier diese »Einladungsgeste« zeigte. »Puh, ein weiter Weg vom Jugendfußball vor 90 Jahren in Algerien zur leichten Unterhaltung vergangener Zeiten – sehr herausfordernd«, meint Dieter Neil (Großen-Buseck). Wie er sammelten auch Helmut Bender (Linden), Thomas Buch (Friedberg), Walther Roeber (Bad Nauheim), Karola Schleiter (Florstadt), Paul-Gerhard Schmidt (Mücke), Rüdiger Schlick (Reichelsheim), Reinhard Schmandt (Pohlheim), Wolfram Spengler (Hüttenberg), Manfred Stein (Feldatal) und Ingrid Wittich (Mücke) je zwei Punkte – Fortsetzung folgt.
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Zum »König der Bundesliga-Anekdoten«. So stellt die Welt ihren mir bis dahin unbekannten Interviewpartner Ben Redelings vor. Der leider einen sehr gefährlichen Wunsch äußert: Wenn Profis wie Martin Hinteregger betrunken auf einem Volksfest rumtorkeln, sollte man dies »nicht aufbauschen« (einverstanden), »allerdings wünsche ich mir von dem Spieler auch, dass er am nächsten Tag trainiert« (Einspruch!). Comedian Redelings schwärmt von den Zeiten, als es für Fußball-Profis, die »am Tag zuvor ordentlich gesoffen« haben, »eine Extraschippe Training obendrauf« gab. Aber! Alkohol und/oder ein kleiner, scheinbar harmloser Infekt, dennoch hart trainieren, das kann zu schweren Schädigungen führen – auch mit letalen Folgen.
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Zur Leichtathletik. Ohne Alkohol. Dennoch kein ganz anderes Thema. Vor acht Jahren hörte ich erstmals von Jacko Gill, einem jungen neuseeländischen Kugelstoßer, der als 15-Jähriger unfassbare 24,45 mit der Jugendkugel stieß und ungeheuerliche Trainingsvideos postete, mit wildesten Übungen, wie aufgedreht. Ein Jahrtausendtalent, dachte ich, aber auch: Hoffentlich geht das gut. Ging es nicht. Gill stagnierte, wurde nur noch einer unter »ferner stießen«. Bis ich vor knapp zwei Jahren auf jenen fatalen Satz stieß: »Jacko Gill erleidet Herzattacke.« Myokarditis, Herzmuskelentzündung. Mit 22. Und jetzt: Gill stößt mit 21,13 m persönliche Bestleistung, qualifiziert sich mit 24 Jahren zum dritten Mal für Olympia. Happy-End?
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Ebenfalls nur ein Happy-End mit Fragezeichen: Ariane Friedrich erhält am Sonntag in Berlin die WM-Silbermedaille im Hochsprung. Mit der kleinen Verspätung von zehn Jahren. Eine damals vor ihr platzierte Russin war gedopt. Ähnliche Meldungen häufen sich. Nachgereichte Medaillen können aber nur ein schwacher Trost sein für entgangenes erfüllendes Erleben des sportlichen Erfolgs.
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Dazu eine aktuelle Meldung: Christian Coleman, weltschnellster Sprinter, hat im letzten Jahr drei Mal die Doping-Tests verpasst. Ein Mal zu oft also, denn zwei »missed tests« sind erlaubt (für clevere Doper ein Freibrief). Coleman müsste gesperrt werden, wie vor ihm neun der zehn besten Sprinter aller Zeiten. Ausnahme Usain Bolt … Alles fast zu absurd, um sich ernsthaft damit zu beschäftigen.
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Daher zu guter Letzt nur ein kleiner Sprach-Spaß: Sie lasen eine Kolumne, in deren Narrativ Themen verhandelt wurden, die zwar leicht dystopisch angehaucht, aber frei von Misogynie waren. Welche vier hochstapelnden Modewörter habe ich in diesem Satz untergebracht, wie könnte man sie tiefer stapeln? Auflösung folgt … nicht. Im Zweifelsfall Google fragen.  (gw)
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(www.anstoss-gw.de   gw@anstoss-gw.de)