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Mittwoch, 21. August, 18.50 Uhr

Passt ja. Kurz vor einer Radtour am Main bricht mir gestern die Karre zusammen. Freilauf hinüber, und, wie ich heute in der Werkstatt höre, noch andere wichtige Dinge im Hinterrad. Muss bestellt werden, kommt erst nach dem Start. Jetzt fahre ich mit dem alten, uralten an den Bub verliehenen E-Bike, das nur knapp über 20 Newtonmeter hat. Das von meiner Mitfahrerin: 80.

Aber ich wollte eine andere Kurznotiz schreiben. Auf dem Lektüreberg lese ich immer die sportlich brauchbarsten Seiten zuerst herunter, daher komme ich erst spät zu schönen Artikel und Interviews, nur für mich zu lesen, ohne an eventuelle Anstöße für die Kolumnen zu denken. Daher habe ich erst heute ein großes, ein sehr großes, ein fast ganzseitiges Interview in der großformatigen FAZ gelesen. Mit der Geigerin Anne-Sophie Mutter und dem Filmmusik-Komponisten John Williams. Sehr interessantes, anregendes Interview mit zwei bemerkenswerten Menschen, auch für mich, der zwar manche klassische Musik gerne hört, aber alles andere als ein Kenner ist. In dem riesenlangen Interview geht es fast ausschließlich über die Musik und die Platte (so nenn ich das noch), auf der Mutter Stücke von Williams spielt. Eine Frage zur MeToo-Debatte kommt unvermittelt dazwischen, Mutter sagt nur, dass sie in ihrem Umfeld nie Übergriffe beobachtet habe, sich aber sicher sei, dass es sie gibt. Was sollte sie auch sonst sagen? Die Passage füllt weniger als ein Zehntel des Interviews, aber in der Überschrift steht: „Ich bin mir sicher, dass es Übergriffe gibt.“ War das der Tenor des Interviews, liebe Tante FAZ? Wie bei fast allen heiß diskutierten Themen (Doping  -Hinti! -, Rassismus, Missbrauch) scheinen viele mediale Schaffende von einem gewissen Pawlow konditioniert zu sein. Das schadet der Sache, und wenn es gar zu doof wird, wie bei Hinti oder, subtiler reingemixt, bei der Mutter-Schlagzeile, bagatellisiert das wichtige Thema, dass dann von einer wachsenden Bevölkerungsgruppe höhnisch weggelacht wird.