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Montagsthemen (vom 19. August)

Schon liegt der BVB zwei Punkte vor den Bayern. Könnten auch neun werden. Was dann? Déjà-vu? Kovac kann’s ja. Hat es bewiesen. Auch als »B-Lösung« (Kovac schmunzelnd über Kovac). Jetzt hat er sogar neben seiner kroatischen Mit-B-Lösung Perisic eine Triple-A-Lösung. Coutinho wird »der bei Weitem beste Fußballer Deutschlands sein« (Bild online). Armes Fußball-Deutschland, wenn der von Klopp (zugegeben: widerwillig) abgegebene und in Barcelona ausgemusterte Coutinho Bester der Bundesliga sein soll. Schaun mer mal. Fest steht nur: Um Kovac muss man sich keine Sorgen machen. Er wird die Bayern überleben, ohne Schaden an seiner Seele zu nehmen.
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Trotz des womöglichen Déjà-vu kann man der Neuen Zürcher Zeitung als neutraler Instanz vorsichtig zustimmen (»erstmals seit acht Jahren geht die Borussia wieder als Favorit in eine Saison«). Ähnliche Lage übrigens wie in England, wo Liverpool zwei Punkte vor Manchester City steht. Ende offen, und nie ist das Ende so offen wie am Anfang.
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Aber nun zur programmierten Enttäuschung des ersten Bundesliga-Spieltags. Zu den ersten drei Spielen der Bundesliga-Saison kamen im Schnitt gerade mal 1800 Zuschauer, obwohl zwei Publikums-Magneten aktiv waren (Freiburg, Frankfurt) und im Vorfeld medial mächtig getrommelt worden ist.
Klar, es geht »nur« um die Frauen-Bundesliga. Mit dem »nur« sind wir bei der Diskriminierung meiner liebsten Zielgruppe gelandet. Wobei – so, wie ich die »gw«-Leserinnen kenne, fühlen sie sich nicht diskriminiert. Nicht vom Fußball. Der lässt sie kalt. Auch nicht von Marvin Friedrich von Union Berlin. Dessen Schwester ist Bundesligaspielerin in Leverkusen, und auf die Frage im taz-Interview, »gegen wen spielt sie am Sonntag?«, muss der Bruder passen: »Kann ich leider nicht beantworten. Eigentlich schaue ich keinen Frauenfußball.«
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Skandal? Wer das glaubt, tappt in die selbst gestellte Falle. »Skandal« kommt vom griechischen »skàndalon«, das Stellholz einer Falle, und in diese tappt, wer gegen Diskriminierung kämpft, indem er den Frauenfußball in Beachtung und Bezahlung dem Männerfußball gleichstellen will. Wer bei allem und jedem »Diskriminierung!« ruft, gleicht denen, die überall Rassisten wittern und dadurch selbst einer werden. Oder: Wer sich immer nur mit Männern vergleicht, macht sich unbewusst selbst zu einem.
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Ich bin einer wie Marvin Friedrich. Beim Fußballgucken. Aber ich sehe in manchen anderen Sportarten und Disziplinen (zum Beispiel in der Leichtathletik) lieber Frauen als Männer. Ohne mich geschlechtlich zu schämen, dass ich mir lieber Bundesliga-Fußball der Männer als den der Frauen anschaue. Reine sportliche (nicht machismische!) Geschmacksache. Was die Stars verdienen, interessiert mich sowieso nur insofern, als ich im Fußball gespannt bin, wann die irrwitzige Blase platzt.
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Noch das: In den Montagsthemen vom 15. Juli schrieb ich, dem »linksliberalen Mainstream« fehle jene Form der Empathie, die sich auch in den Andersdenkenden oder gar nicht Denkenden hineinfühlen könne. Protest von Gerhard Merz, MdL, ein Vordenker der SPD und langjähriger »Anstoß«-Leser: »Wie kommen Sie dazu, Leuten, die es z.B. für nicht von vorneherein human halten, Menschen im Mittelmeer ersaufen zu lassen, fehlende Empathie zu unterstellen?« (kompletter Text in der Online-»Mailbox«). Aus meiner Antwort: »Mich würde interessieren, was Sie auf diesen ebenfalls polemischen Satz entgegnen würden: Wie kommen Sie dazu, Leuten, die es z.B. für nicht von vorneherein als alleinig human halten, Menschen im Mittelmeer retten zu lassen, weil das zum Geschäftsmodell der Schlepper gehört und dadurch noch viel mehr Elend hervorruft, fehlende Empathie zu unterstellen?«
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Gerhard Merz wird »den Anstoß jedenfalls auch weiterhin mit Vergnügen lesen, nicht nur weil ich weiß, dass Sie ein lupenreiner Demokrat sind« (Dankeschön). Er hat Antwort versprochen, sie lässt aber auf sich warten. Womöglich hat die SPD zur Zeit Kniffligeres zu erledigen. Obwohl Merz die Lösung schon parat hat. Auf Facebook postet er Fotos seines Hundes, immer mit der Einleitung: »Das ist Pablo. Pablo möchte SPD-Vorsitzender werden.« Im letzten Post geht es so weiter: »…Er hat noch nie eine Doktorarbeit geschrieben. Er hat auch noch nie abgeschrieben. Er kann gar nicht schreiben.« – Wenn Merz die SPD personifiziert, hat sie immerhin viel mehr Witz als Wähler. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)