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Freitag, 16. August, 11.30 Uhr

Im Auto aus Richtung Lollar auf der Marburger Straße unterwegs. Neben mir auf dem Radweg ein junger Vater mit Kind auf dem Rücksitz. Ich kenne den nicht ungefährlichen Radweg. Ampeln, Einfahrten, Unübersichtlichkeiten, man muss aufpassen, um nicht Opfer von – buchstäblich – Fahrlässigkeiten zu werden. Der junge Vater bleibt auf gleicher Höhe mit dem Auto, holt immer wieder auf, denn er brettert bei Rot über jede Kreuzung. Einfahrten ignoriert er sowieso. Am Kennedy-Platz verschwindet er in der Innenstadt. Ich stehe bei Rot an der Ampel und sinniere. Über Arroganz, Selbstgerechtigkeit, moralisches Überlegenheitsgefühl und die allzu wörtlich genommene Devise der Zeit: Vorfahrt für das Rad! Koste es, was es wolle. Das eigene Leben und das des Kindes. – Hinter mir hupt es. Grün! Ist ja gut, ich fahr ja schon.

*

Ich sehe ihn nur aus den Augenwinkeln, schaue nicht richtig hin, aber mir fällt es sofort wieder auf: Warum wirken ältere Männer oft so griesgrämig? Es ist nur ein Moment, vielleicht nur eine Hundertstelsekunde, in der mir der Gedanke durch den Kopf schießt. Denn augenblicklich erkenne ich mich im Spiegel hinter der Schaufensterscheibe.