Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Donnerstag, 15. August, 11.40 Uhr

Erlebt und notiert, als Bruchstück für meinen nächsten „progressiven Alttag“ (beabsichtigtes Thema: Griesgrämigkeit im Alter, Altersmilde, Altersstarrsinn, Gut + Böse):

 

Karstadt. Uhrenabteilung. Lange Schlange. Der alte Herr vor mir ist dran, rückt mit dem Rollator vor, nestelt eine Uhr aus der Tasche. Nuschelt etwas. Sein Gegenüber versteht nicht, bleibt aber engelsgeduldig. Endlich wird klar, dass ein Glied aus der Kette entfernt werden soll. Die Uhr schlackere am Handgelenk. Reparateur (skeptisch): »Ein Glied? Bringt nichts. Da müssen drei weg.« Kunde (störrisch): »Nein, ein Glied.« – Nach einigem Hin und Her gibt der gleichbleibend freundliche Angestellte auf. »Also gut. Bringt zwar nichts, kostet aber sechs Euro.« – Kunde (jetzt ungenuschelt, laut und vernehmlich): »Beim letzten Mal war das aber umsonst!« – »Tja, wahrscheinlich noch Kulanz.« – Der alte Herr schnauft empört, nimmt die Uhr, stampft mit dem Rollator auf. Schneidend scharf: »Guten Tag! Ich werde Sie weiterempfehlen!« Geht ab. – Freundliche, unaufgeregte Reaktion: »Tun Sie das. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag.« – Ich bin dran. Wir reden nicht über die Szene, zwinkern uns nicht zu. Aber wir verstehen uns.