Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Karin Scheunemann: Schaukeln (und mehr)

Auweia, da wird die neueste Sportsau durchs Dorf im Sommerloch getrieben! Nach Bundesjugendspielen, Spinat (Poppey hat doch recht), Völkerball nun Schaukeln. Amerikanische! Ärzte haben herausgefunden, dass heftiges Schaukeln nicht nur Muskelkater, sondern richtige Schmerzen, sogar innere Verletzungen bewirken kann.

Wenn wir Kinder aus der Rosenstraße gerade nicht Treibball, Räuber und Schandi, Brennball spielten, unsere Spurtstärke  gegen den Feldschütz und beim Schellenkloppen stärken konnten (wir robusten Mädchen waren nur beim Straßenhockey außen vor, wir hatten halt keine Schläger wie die Eishockeys Trautmann, Päsler oder Väth), profitierten wir von der „Amisiedlung“ und deren Schule ab der Fraternisierungsphase: Basketball, Baseball und Schaukeln bis zum Umfallen; am besten im Stehen, sogar zu zweit, mindestens aber bis zur Waaagerechten und darüber hinaus. Dann gab es beim Abspringen aus immer größerer Höhe halt was am Knie. Heute sehe ich nur noch Kinder im Sitzen schaukeln und wenn es geht mit leichtem Anstoßen von Mutter, da die Kinder fast nicht mehr lernen, wie man alleine in Schwung kommt.

Was Völkerball angeht, kam gleich der Einwand von meinen Söhnen, daß das Spiel gerade dazu beigetragen hat, sich abzureagieren und Antimobbing war. Auch heute noch haben meine 11-14-jährigen LSC-Kinder, besonders die Mädchen, viel Spaß an heißen Völkerballschlachten zum Trainingsende mit zwei-drei weichen Bällen und kleinerem Feld. Ich habe meine Referendare mit Völkerball geschockt, was bei deren Studienleitern gar nicht gut angekommen wäre; aber „meine“ Erfindung, Völkerball-Verkehrt, versöhnte, da es genau das Gegenteil von Ausgrenzung bewirkte: Das Spiel beginnt mit dem Ende des klassischen: Der König steht im Feld und muss von außen getroffen werden, der Werfer darf dann ins Feld, niemand muss raus, und am Schluss gewinnt das Team, bei dem der letzte und meist schwächste Werfer den Treffer setzt, also ist der-/diejenige der Matchwinner. Auch beim Wählen habe ich oft die Kleinsten oder Schwächsten wählen lassen, die dann die Bosse und Bestimmer waren, oder ich habe abstrakt abgezählt. Ähnliche Abwerfspiel sind Quietschball oder Zombie (damit habe ich bis heute Erfolg bei Betreungsgruppe Klasse 1/2 in der Schule mit „Sport-Spiel-Spaß“).

Was Bundesjugendspiele angeht, gibt es sehr positive Beispiele, indem man dies zum richtigen Schulfest macht, wie es bei uns in Bad Nauheim geschieht (ich versorge dabei Kinder, Lehrer und Eltern mit Getränken und Imbiss); die Klassenstaffeln sind dann der Höhepunkt. Selbstgebastete Medaillen aus bunter Pappe wurden von einer Klassenlehrerin sofort übergeben, unabhängig von Teilnehmer-Sieger-Ehrenurkunde. Übrigens hat unser Enkel im 1. und 2. Schuljahr lediglich eine Teilnehmer-Urkunde „errungen“ mit 7m Ballwurf, zum Entsetzen seines Vaters, Oma und Opa, was Wolfgang veranlasste,dem Kind Nachhilfe im Wurfbereich zu geben; er hat halt andere Qualitäten. Bei den diesjährigen Bundesjugendspielen seiner nicht näher genannten Schule im Kreis Gießen musste ich als Eltern/Großelternteil anwesend sein (Peter: Mutter, du kannst das doch). Ich war entsetzt über die lieblose und z.T. fragwürdige Abwicklung, jenseits von rudimentären Kenntnissen; die Kinder taten mir leid, es gab keinerlei Anleitung, Hilfestellung und viele  falsche Messungen. Es gibt seit Jahrzehnten Broschüren für die Bujusp, die halt mal gelesen und umgesetzt werden sollten, und jede Grundschullehrkraft hatte im Studium Grundkenntnisse an Sport zu absolvieren. Man sollte doch Kinder positiv motivieren können, da kommt leicht Frust gegen diese olle Klamotte auf. (Karin Scheunemann/Bad Nauheim)