Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Sport-Stammtisch (vom 13. Juli)

Die Tour läuft, spannend wie selten, auch aus deutscher Sicht, denn Emanuel Buchmann scheint alle Hoffnungen zu erfüllen (Top Ten!) … doch wir haben ja andere Sorgen. Bussi, Bussi bei der Siegerehrung, im kurzen Röckchen hingestöckelt, notfalls vom verschwitzten Sieger in den Arm genommen (igitt!«) – das tägliche Ritual in Frankreich, es gerät unter rechtsrheinischen Beschuss. Die Berliner Frauengruppe »SHE36« hat eine Petition gestartet, um dieses frauenverachtende Randspektakelchen der Tour zu verbieten. Bravo!? Wer jetzt Beifall klatscht, schwimmt im »linksliberalen Mainstream« mit (dazu später mehr). Wer aber fragt, was uns das angeht und ob wir nicht mal an eigenen echten Problemen arbeiten sollten, statt anderen Länder unsere gerade angesagte Moral vorzuschreiben, der geht unter, denn er wird gnadenlos gedubscht … gluck, gluck, weg isser.
*
Lächerlich. Beides. Die Petition und die Prozedur. Genauso lächerlich wie die boomenden Miss-Soundso-Wahlen, der Model-Wahn, das aus verklemmten US-Striptease-Bars gekommene pseudolaszive Gewese an der Stange und noch viel mehr. Selbst dem  Bikini als gängigem Wettkampfdress von Beachvolleyball bis Leichtathletik haftet Lächerlichkeit an, denn er dient nicht der sportlichen Leistung, sondern … ach, lassen wir das. Sonst gebe ich hier zu viel von mir preis, im Sinne Goethes, denn »durch nichts bezeichnen die Menschen mehr ihren Charakter als durch das, was sie lächerlich finden« (»Maximen und Reflexionen«). Aber verbieten? Nee. Macht doch, was ihr wollt. Noch mal Goethe: »Der Umgang mit Frauen ist das Element guter Sitten.« Und gute Sitten sind ein weites Feld. Begrenzt nur vom Strafrecht.
*
Als Freund und Untertan des anderen Geschlechts wundere ich mich auch über ein scheinbar gegensätzliches Phänomen. Mit stolzer Befriedigung stellt ein Flaggschiff im LM fest: »Mehr Frauen im Männerbetrieb – NBA heuert bereits die neunte Trainerin an« (SZ-Schlagzeile). Was ist daran so bemerkenswert? Ist doch klar: Männer sind von Natur aus die besseren Athleten, Frauen die besseren Trainer (Betreuer, Schiedsrichter, Vorgesetzte).
*
Zurück zur Tour. Andreas Kautz schrieb einst neben »Klaus« (Angermann) und »Jan Ullrich« auch »gw« auf eine der Serpentinen von Alpe d’Huez. Höher hinaus und hinauf kann kein Journalist kommen! Jetzt freute sich unser Leser aus Florstadt über die »Montagsthemen«, in denen ich schrieb: »Man stelle sich bloß vor, wir hätten Jan Ullrich ebenso behandelt wie Belgien den mehrfach gedopten ›Kannibalen‹ Merckx.« Andreas Kautz hat dieser Tage die Werbung von Festina mit Richard Virenque gesehen und juxt daher: »Die Steigerung dazu wäre nur eine Telekom-Werbung mit Ulle auf Eurosport.« Ja! Am besten starten wir eine Petition!
*
Nein, wir starten in die »Wer bin ich«?-Auflösung. Die meisten WBI-Asse kamen gemeinsam ins Ziel. 13 Richtige bei dieser superschweren Etappe. Respekt! Gesucht wurde ein Rad-Weltmeister, »der zweite schwarze Sportler der Sportgeschichte, der Weltmeister wurde« (Wolfram Spengler). »Als 14 jähriger führte er einem Fahrradhändler Kunststücke auf dem Rad vor, der steckte ihn in eine Uniform und ließ so Werbung für sich machen, so kam er zu seinem Beinamen Major« (Paul-Gerhard Schmidt). Er wurde »von andersfarbigen ›Mitsportsportlern‹ gemobbt« (Helmut Bender) und »verlor später sein gesamtes Vermögen« (Wolfgang Egerer). »Der Gesuchte heißt Marshall Walter ›Major‹ Taylor«, meldet Rüdiger Schlick, der Meister aller WBI-Klassen, lapidar wie immer. Die 13-köpfige Etappenspitze: Helmut Bender (Linden), Thomas Buch (Friedberg), Wolfgang Egerer (Rosbach-Rodheim), Dieter Neil* (Großen-Buseck), Walther Roeber* (Bad Nauheim), Rüdiger Schlick* (Reichelsheim), Horst-Günter Schmandt* (Pohlheim), Reinhard Schmandt* (Pohlheim), Paul-Gerhard Schmidt (Mücke-Nieder-Ohmen), Prof. Peter Schubert* (Friedberg), Wolfram Spengler* (Hüttenberg), Manfred Stein* (Feldatal), Ingrid Wittich* (Mücke-Merlau) – Die neun mit * Markierten führen mit je vier Punkten gemeinsam die Jahreswertung an.
*
Zurück zum aktuellen Sport. In die Kinos kommt ein 113 Minuten langer Film über »Das Leben des Brian« … Quatsch, kaum jemand hat so wenig mit Monty Python gemeinsam wie Toni Kroos. Aber den Kinofilm »Kroos« gibt es wirklich. Ich fürchte, das wird ein Flop. Aber ich bin ja auch befangen. Alle, die etwas vom Fußball verstehen, loben Kroos als phänomenalen Weltklassespieler. Stimmt ja auch. Mich stört nur, warum, weiß ich nicht, die merkwürdige, irgendwie beflissen wirkende Haltung beim Pass. Dass ein winziges Detail gefühlsmäßiger Art mich daran hindert, Kroos gebührend zu würdigen, ist, ich weiß es, ein Armutszeugnis.
*
Selbst der Vorschlag von Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler, ein bekannt nachdenklicher Kopf, ein festes Grundeinkommen für Leistungssportler einzuführen, wirkt auf mich eher lächerlich. Was wird später aus einem 80-m-Speerwerfer oder 10,2-Sprinter oder 8,10-m-Weitspringer (allesamt sehr respektable Leistungen), der wegen des Grundeinkommens keinen Beruf erlernt hat? Grundeinkommen bis zum Lebensende? Andererseits: Bald soll es ja das Grundeinkommen für alle geben. Dann ist auch Röhlers Problem gelöst.
*
Ach ja, schnell noch zum Flaggschiff im linksliberalen Mainstream. Im SZ-Magazin schimpft eine Autorin über Alt-Promis wie Alice Schwarzer oder Harald Schmidt, die endlich Ruhe halten und sich nicht, wie Schmidt, »über Political Correctness und den angeblichen ›linksliberalen Mainstream‹ beklagen« sollten. Hübscher Humor der unfreiwilligen Art in einem politisch korrekten Blatt der linksliberal besonders mainstreamigen Art.
*
Ärgern Sie sich über manche »gw«-Ansicht? Oder fühlen Sie sich wahlverwandt? Und kennen Sie den Unterschied von verständig und vernünftig? Aus den »Wahlverwandtschaften« in »Maximen und Reflexionen«: »Der Verständige findet fast alles lächerlich, der Vernünftige fast nichts.« Was sind Sie? Ich bin …  (gw)
*
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)