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Cornelius Lenz: Zu kurz gedacht

Ich möchte Bezug nehmen zu ihrer Behauptung, Völkerball sei – richtig gespielt – „Anti-Mobbing-Programm“. Meines Erachtens ist ihre Darstellung etwas zu kurz gedacht. Richtig, die Besten wurden bis zum Ende gejagt. Aber: zu diesem Zeitpunkt hatten sie ohnehin schon gewonnen und es ging nur noch darum, die Plätze auf und neben dem Podium zu verteilen. Die Schwächsten waren als erste in Visier genommen worden und schon lange (ggf. mit Gelächter – meine Frau hat hierzu erschreckend lebhafte Erinnerungen) raus und hatten die Aufgabe, die rausgeflogenen Bälle von der Wand zu holen. Trauten sie sich zu werfen, wurden Fehlschüsse mit kollektivem Aufstöhnen kommentiert. Eigentlich waren die Bälle nämlich bei den Mittelguten abzuliefern, die dann versuchten die Guten zu treffen, die sich auf der Bühne der gesamten Klasse präsentieren durften. Mobbing oder Zementierung der bestehenden Verhältnisse? Das ist mir egal. Aber Mobbing-Prävention war das auf keinen Fall. Das können die Schnellen, Wendigen und darüber hinaus die, die besonders feste werfen konnten (), allerdings nur mit sehr gutem Reflexionsvermögen einschätzen.

Aber es gibt Hoffnung. Ich habe kürzlich einen Referendar betreut, der auf sehr feinfühlige Art und Weise die Schwächeren in seinem Sportunterricht eingebunden hat und so nachweislich (das hat er evaluiert) deren bewegungsbezogenes Selbstbild gesteigert hat. So – und auf vielfältige andere Art und Weise – kann Sportunterricht neben der individuellen Förderung einen tollen Beitrag zum Aufbruch eingefahrener Klassenhierarchien leisten! (Cornelius Lenz, Förderschullehrer, Dipl. Päd./Wettenberg)