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Sonntag, 23. Juni, 6.30 Uhr

Noch versteckt sich die Sonne hinter der Burg, aber sie spiegelt sich schon im Nachbarhaus. Selbst im frühen Schatten ist es warm. Das kann ja was werden. Bin nicht mehr so hitzefreudig wie früher.

Nach dem Aufwachen juckt der Rücken im Lendenwirbelbereich. Ich kratze. Kleine Erhebung. Ein Pickel? Meine ebenfalls Frühaufsteherin schaut sich das an. Eine Zecke. Holt sie raus. Ich achte zwar jede Kreatur, habe gestern erst ein Spinnentier vorsichtig (mit Glas und dünnem Karton) von der Wand geholt und ausgesetzt … aber Zecken sind Dreckdinger. Ab in den Ausguss.

In diesem Moment brummt es laut vor dem geöffneten Fenster. Ein kleiner Hubschrauber will reinfliegen, scheitert am Insektenschutz. Eine Hornisse. Doppelt so lang wie eine Biene. Jetzt gibt sie auf.

Aus den Meldungen der Nacht: Unfallgefahr durch E-Roller. Ja, was denn sonst. Dieser Hype um die E-Roller gehört zu den Auswüchsen des grünen Raubtier-Kapitalismus. Zu was sollen sie gut sein, wem helfen? Dem Pendler? So ein Quatsch! Sie helfen nur der Industrie, die ein neues Massenprodukt herstellen kann, das niemand braucht. Nur der schicke grüne Single surrt vorbei, in einer Hand den Kaffeebecher. Stößt mit dem späten E-Biker zusammen, der früher nie radgefahren ist und es im Alter nicht mehr lernen wird. Zwei Risiken der Neuzeit.

Neues Risiko meiner Spätzeit: Heuschnupfen. Mit 20 bekommen, 20 Jahre lang darunter gelitten, mit Cortison-Depotspritzen gelindert (damals ging die Medizin noch sehr freizügig damit um), in den 20 Jahren danach abklingende Allergie, ohne Medizin durchgekämpft, allenfalls Augentropfen nach Radtouren im Grünen, in den letzten Jahren kaum noch Beschwerden … und gestern, viel Heu auf frisch gemähten Wiesen, drei Stunden mit dem Rad daran vorbei gefahren, hat es mich voll erwischt. Hätte mir die Augen auskratzen können.

Am Abend auf der Terrasse Texte gesichtet, sinniert – und mir, als Gedächtnisstütze für die Montagsthemen, selbst Mails geschickt, manchmal nur mit Stichwort in der Betreffzeile. Ich öffne sie jetzt. Achtung:

5Meterraum

(Aha. Wegen der Ein-Bein-auf der Linie-Elferregel. Torhüter sollten beim Elfmeter in ihrem Fünf-Meter-Raum machen können, was sie wollen. Gibt dem in der Regel chancenlosen Keeper bessere Chancen und macht den Elfer spannender)

 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur bezeichnung der kürze eines vocales den consonanten hinter

Schon klar. Wegen Vulva-Malen beim Kirchentag. Kopiert aus Grimms Wörterbuch.

ferner hört man wetterauisch
e (ein) Jüdd (Jude), e futt eann (und) e ijel (igel),
ds sein (sind) drei bîse (böse) vijel (vögel).

Oh je. Ebenfalls aus dem Grimm kopiert. Antisemitismus hatte bei uns schon immer eine teutsche Heimstatt.

Wir Kinder vom Asterweg waren unserer Zeit voraus. Ohne je ein Original gesehen zu haben. Futt manisch?

Nee, siehe Grimm. Ich Kind vom Asterweg habe auch Vulven gemalt: Kreis mit Kreide, senkrechter Strich. Mit nur vager Ahnung, was das bedeuten sollte. Irgendwas unten rum bei Mädchen.

Rezzo u.a. Ich bin alt und unbedeutend genug, um mich nicht dafür interessieren zu müssen.

Die armen Politiker wie AKK, die dem Zeitgeist hinterhecheln zu müssen glauben.

Nicht selbstgemailt, sondern auf dem Zettel: Aktivist / Vor meiner Geschlechtsumwandlung (der vom Es zum Er; zum Vulva-Thema) / Rezzo (für ältere nur mit „Schlauch“ verbunden) / Europaspiele, Hinrichtung im maximal möglichen Zirkus, also im Circus maximus / „Aktivist“ (im gw-Archiv nachschauen) / Hamann (dito, wg. häuslicher Gewalt)

Reicht für mehr als eine Kolumne. Packen wir’s an.