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Freitag, 14. Juni, 18.50 Uhr

Versuch über den Klimawandel. Allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Schreiben aus Anlass einer Radtour im Hinterland, vorbei an Windrädern, für die ein dichter Naturwald auf der Endbacher Platte »platt« gemacht wurde.

Der Klimawandel ist eine Tatsache. Schon alleine, weil das Klima im ständigen Wandel ist. Frühere Klimawandel waren eindeutig nicht menschengemacht. Sie haben das Leben auf und die Gestalt der Erde jeweils grundlegend verändert.
Der aktuelle Klimawandel ist menschengemacht. Heißt es. Wer als Laie vorurteilslos liest und zu begreifen versucht, was Warner und Gegner von sich geben, der folgert: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Klimawandel überwiegend menschengemacht ist, grenzt tatsächlich fast schon an Gewissheit.
Da auch der aktuelle Klimawandel die Grundlagen der menschlichen Existenz sowie die Natur insgesamt bedroht und das Menschengemachte daran hohe Wahrscheinlichkeit besitzt, sollte er verlangsamt, gestoppt oder vielleicht sogar verhindert werden.
Was nicht einmal ansatzweise getan wird.
Jugendliche Freitags-Demonstranten werden gelobt und angefeuert oder verhöhnt und verspottet, in beiden Fällen aber: benutzt. Für jeweils eigene Interessen.
Wer den Klimawandel, so weit er menschengemacht ist,  wirklich aufhalten (stoppen, verhindern) will, sollte die engagierten Jugendlichen aufklären (und sie sich aufklären lassen), was es dazu bedarf und was daraus folgert.
Dazu benötigt man nur pragmatische Fantasie. Denn:  Kinder haben tatsächlich Macht. Über sich und ihr Konsumverhalten direkt, und indirekt auch über das der Eltern.
Kern- und Knackpunkt ist die Tatsache, dass das steigen sollende  industrielle Wirtschafts-Wachstum, dieser Fetisch von allen parteipolitischen Farben, das Klima in exorbitant höherem Maß  belastet als alles andere. Dagegen hülfe nur massenhaftes individuelles Gegenhalten. Verzicht auf ständig neue Anschaffungen, von Handy über Auto bis hin zur Kleidung. Abschaffung von Zweit- und Drittautos, von Urlaubs-Flugreisen und vielen anderen lieb gewordenen Gewohnheiten im Überfluss-Land.
Doch in der Praxis wird nur scheinbar energiegewendet, durch  Solaranlagen und Windräder, die einen  grünen Turbo-Kapitalismus befeuern, und im privaten Bereich durch immer neue Vorschriften (Dämmungen etc.), die ebenfalls aufwendig und teuer sind, aber eher  nur ineffektiver Aktionismus (im Vergleich zum gewollten industriellen Wachstum).
Die Windräder auf der Endbacher Platte sind mein Symbol für das, was schiefläuft. Gewollt schiefläuft. Was sie zu ihren vergleichsweise kurzen Lebzeiten (15, 20 Jahre) an verwendbarer Energie erzeugen, kann nie und nimmer ausgleichen oder gar übertreffen, was sie von der Wiege bis zur Bahre an Energie vernichtet haben (durch Material-Gewinnung in Minen, Erzeugung in Fabriken, Transport mit mächtigen Spezial-Lkw, naturvernichtenden Aufbau, gesetzlich vorgeschriebenen Rückbau, zum Beispiel des tief ins Erdreich eingelassenen gigantischen Basis-Betonklotzes, schließlich noch die Verschrottung bzw. Recycling).
Doch wollen wir wirklich und wirksam gegen den Klimawandel ankämpfen? Auch die Freitags-Demonstranten sollten wissen, was die Folge wäre: dramatisch schlechtere Lebensverhältnisse bei uns. Man stelle sich bloß vor, was massenhafter Verzicht auf Autos oder Flugreisen oder auf alltäglichen Über-Konsum für die Beschäftigten in diesen Industrien bedeutet (Fraport, VW, Supermärkte, IT-Gerätehersteller usw.).   Und in unseren  Urlaubsländern, die vorrangig von unserer Reiselust leben, bräche fast alles zusammen.
Außerdem: Wollen wir Entwicklungsländern, die vielleicht noch größere Ressourcenvernichter sind als wir, das Wachstum verbieten, das sie – und nicht wir – nötig haben?
Aber nach dieser allmählichen Verfertigung beim Schreiben stelle ich fest: Auch pragmatische Fantasie findet keinen realistischen Ansatz zur Lösung des existenziellen Problems. Jedenfalls meine nicht.