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Ohne weitere Worte (vom 12. Juni)


Die Zeitung wird in den Tagen der WM anders aussehen. Statt des französischen Gockels wird ein stolzes Huhn die Seiten zieren, in denen es um das Turnier geht. Die Zeit des Frauenfußballs in der taz bricht an. (…) Vergesst die Eggesteins, Neymars und Ronaldos! Schaut auf Morgan, Marozsan oder Henry! (Andreas Rüttenauer in der taz)
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»Für den EM-Sieg 1997 bekamen sie umgerechnet 3000 Euro Prämie, die Männer für den Gewinn der EM 1996 125 000. War das ein Thema? – »Gar nicht.« – (…) Wann änderte sich das? – »Viel später, Richtung WM 2011. (…) Zu der Zeit war ich aber die Organisationschefin der Frauen-Fußball-WM und hatte Einblick, was die Fifa und die Uefa zahlen, was der Markt hergibt. Und da muss man sagen: Was die Männer einnehmen, steht in keinem Verhältnis zum Frauenfußball. Deswegen können wir auch nie sagen: Wir wollen das Gleiche wie die Männer.« (Steffi Jones im Spiegel-Interview)
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Vielleicht wird die Gesellschaft immer spießiger? – »Vielleicht. Ich fand es auch super interessant, dass mir mein Co-Trainer bei der U17 irgendwann erzählte, die Jungs duschen alle mit kurzer Hose oder Unterhose. Da hab ich gesagt: Nee, komm, erzähl mir nix! Sagt er: Doch, das ist fast überall so. Das kenn’ ich gar nicht so, das ist schon verrückt.« (Inka Grings, Bundesliga-Rekordschützin und Männer-Trainerin, im SZ-Interview)

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Nun kann Özil (…) einladen, wen er will, als nicht mehr aktiver Nationalspieler muss er sich vor der deutschen Öffentlichkeit nicht mehr rechtfertigen; wir selbst aber hätten zu unserer Hochzeit einen Erdogan gewiss nicht eingeladen. (…) Vor allem (…) hätten wir Sorgen, dass der hohe Gast, wenn ihm die Feier nicht zusagt, die Hochzeit so oft wiederholen lässt, bis er mit dem Ergebnis zufrieden ist – und wir womöglich mit einer Braut seiner Wahl dastünden. (»Herzblatt-Geschichten« von Jörg Thomann in der FAS)
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Sie erzählt (…) davon, wie das Gefühl sie verfolgte, als Fußballmoderatorin nicht den Erwartungen zu genügen. Täglich. Wie das so häufig bei Menschen ist, die groteske Erwartungen an sich selbst haben, googelte sie die öffentlichen Kritiken, die nicht selten auf das Persönliche zielten, lag nächtelang wach. Und dann schämte sie sich. (Cathrin Gilbert in der Zeit über Sky-Moderatorin Jessica Libbertz, geb. Kastrop, und deren Buch »No Shame«)

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Er ist ein Prototyp des Hochmuts und der primitiven Zurschaustellung von Reichtum. Neymar hat sich vor kurzem einen Helikopter zugelegt, um zum Training zu fliegen. (…) Die Vergewaltigungsvorwürfe, denen sich Neymar (…) ausgesetzt sieht, sind offenbar die Folge einer Luxus-Investition. Das Model, das ihn nun beschuldigt, ein Instagram-Kontakt, hat er aus Brasilien nach Paris einfliegen lassen, das funktioniert in seinen Kreisen offenbar wie eine Amazon-Lieferung. (Michael Eder in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Es gibt ein paar Jobs, nein: Aufgaben, die hätten früher gerne viele Leute übernommen. Chef der Deutschen Bank zum Beispiel. Oder Trainer beim FC Bayern. Oder SPD-Vorsitzende. Heute ist das anders. (…) Beim FC Bayern (…) meiert das Hoeneßrummeniggekartell jeden Trainer ab, der unter dem Lederhosenhorizont durchrutscht. (…) Am schärfsten aber ist es in der SPD. Die Nachfolge von Andrea Nahles haben drei kommissarische Vorsitzende angetreten, von denen niemand selbst Chefin werden will. (…) Aus Traumjobs sind Albtraumjobs geworden. (aus dem „Streiflicht“ der Süddeutschen Zeitung)
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Verstehen Sie was von Pferden? Dann haben Sie der SPD etwas voraus, die schon zu Zeiten von Schröder, Lafontaine und Scharping nicht wusste, dass bei der klassischen Troika-Anspannung der liebe Gott auf dem Kutschbock allein das mittlere Pferd lenkt – die anderen beiden sind bloße Mitläufer. Im Fall der Troika Dreyer, Schwesig, Schäfer-Gümbel vermuten wir allerdings, dass niemand das Mittelpferd sein will. (»Troika – Unwort der Woche« in der Literarischen Welt)
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Haben Sie eine Vorstellung von Gott? – (…) Ein Gott, der darüber lacht, wenn sich zwei über ihn unterhalten, weil es letztlich nur zwei Möglichkeiten gibt. Entweder gibt es keinen Gott, oder er ist nicht mit unserem Verstand erfassbar. Dadurch ist es eigentlich von vornherein paradox, sich Gedanken darüber zu machen.« (Schriftsteller Wolf Haas in der chrismon-Interviewserie »Fragen an das Leben«)
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Unfallflucht: Betrunkener Autofahrer ermittelt. (Schlagzeile in der Krefelder Stadtpost / aus dem »Hohlspiegel« im Spiegel) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)