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Karfreitag, 19. April, 6.25 Uhr

Die letzten Eintracht-Fans dürften jetzt ins Bett gehen. Oder erst die ersten?Ich gönne ihnen den erneuten Höhepunkt der unglaublichen Reise in einem verrückten Flow. Aber das Abseitstor, das die Eintracht ins Spiel brachte, muss auch ich nachher doch noch mal ins Spiel bringen. Wenn möglich mit Humor, nicht spielverderberisch. Hab‘ auch schon so ne Idee …

Aus den Meldungen der Nacht der Bild-Tipp des Tages:

Wie verdienen  auch Sie am Mietwucher? Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass Sie von den horrenden Mieten ja auch profitieren könnten, indem Sie gezielt passende Wertpapiere kaufen?

Prima Tipp: Nicht Mieter sein, sondern Miethai werden. Und wer die Gelegenheit dazu hat, wird auch einer. So sind die Menschen. Die meisten.

Kein ganz anderes Thema: Wie viele der Schüler, die in den letzten Wochen freitags demonstriert haben, sitzen am Karfreitag im Urlaubsflieger? Wie viele ihrer verbalen Sympathisanten und Unterstützer?

Für die Jugendlichen habe ich Verständnis, für die Erwachsenen nicht. Den Jugendlichen will ich aber mein Verständnis nicht zeigen. Wenn sich jugendliches Verhalten nicht seit meiner Jugend völlig verändert hat, sind Verständnis und Zustimmung das Letzte, was die Jungen von uns wollen. Brav gemacht, Kindchen – aber weitermachen wie bisher. Im Urlaubsflieger, im Konsum, im Marken-Wahn, im Up-to-date-Sein bei Klamotten, digitaler Hardware usw., als willige Helfer des – im Zeitgeist grün angemalten – Fetischs Wachstum.

Der heilige Ernst, das arrogante „Wissen“ von Gut und Böse, das nicht zu Ende Gedachte der eigenen so felsenfesten Überzeugungen sind Merkmale des Jungseins, sie gehören dazu. So war ich auch einmal. Aber älter werden, Lebenserfahrung bekommen, realistischer und relativer werden, das muss doch wenigstens den Sinn haben, zu erkennen, was man falsch gemacht hat, wie man in die Irre geleitet wurde, was aus den frühen Überzeugungen würde, wenn man sie zu Ende denkt. Wer das nicht tut, wer sich wonnig in die Arme der Jugendlichen stürzt, der trauert nur seiner eigenen Jugend nach, in der das Leben schwer genug war, aber es wenigstens leicht fiel, theoretisch alles zum Besten zu wenden.

Auch kein ganz anderes Thema: Anfrage von Prof. Gerhard Treutlein, Träger des Bundesverdienstkreuzes, unermüdlicher Kämpfer gegen das Doping und ehemaliger Vereinskamerad im USC Heidelberg: Ob ich in einem geplanten Buch einen kleinen Beitrag schreiben könnte, über eigene Erfahrungen mit dem Thema Doping. Das Buch soll, wenn ich es richtig verstehe, eine Art Doping-Prophylaxe für Jugendliche werden. Na klar, mache ich – aber auf meine Art. So ungefähr: In einer Gesellschaft, in der Selbstoptimierung mit allen Mitteln angestrebt wird und die Doping-Mentalität ausgelebt wird, in einer Doping-Gesellschaft also ist Anti-Doping-Kampf nur die Fassade, hinter der dem, was verpönt ist, gefrönt wird.

Und nun zum praktischen Teil des Karfreitagvormittags. Wegweiser durch den geplanten Sport-Stammtisch in Stichworten: Abseitstor (doppelt korrekt, da keine Absicht und Körperfläche nicht vergrößert …) – Guardiola (10 cm, 1 Meter / in der Europa League könnte er endlich mal einen Titel gewinnen) – das 1:0, die Hand Gottes, Holz‘ Schwalbe, Capas gefaktes Bürgerkriegs-Foto – dazu vielleicht Konzentrat des soeben geschriebenen Urlaubsflieger-Blogteils – dann irgendwie weiter und zum Schluss kommen mit Framing/Euphemismus/Linke/Umfragen/Habeck und die praktische Umsetzung von „Pfeif doch Abseits“ zum hessischen „Scheiß doch auf Abseits. Oder so. Bis dann.