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Ohne weitere Worte (vom 16. April)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Wann erkennen Sie, dass ein Spieler es mal zum Profi schaffen wird? – »Ich gehe nie hin und sage: ›Der wird garantiert einer.‹ Nicht mal bei Mesut Özil. (…) Die Talentfriedhöfe sind voll mit Spielern, da sagst du: ›Boah, Supertalent.‹ Wen die Götter zerstören wollen, den erklären sie zum Supertalent.« (Norbert Elger, langjähriger erfolgreicher Jugendtrainer bei Schalke 04, im Interview der Süddeutschen Zeitung)
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Seit geraumer Zeit sieht man Verteidiger merkwürdig verkrampft im Strafraum herumlaufen. Wenn sie mit einem Schuss des Gegners rechnen, schnellen ihre Arme ruckartig nach hinten. (…) Es geht darum, nur ja nicht den Ball zu berühren. (…) Das ist (…) genau so von den Regelhütern des Fußballs gewollt. Sie haben das Handspiel im Strafraum zu einem Seminar  für Fortgeschrittene gemacht. (…) Das Regelwerk zum Themenkomplex Handspiel ist zu einer Farce verkommen – und der Schiedsrichter zum Handlanger einer bizarren Regelauslegung. (Markus Völker in der taz)
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Vor Prophezeiungen sollte man sich hüten, auch Bob Beamons vermeintlich ewiger Weitsprungrekord ist eines Tages übertroffen worden, doch was Funkels Marke angeht (Anm.: bislang 1269 Bundesliga-Einsätze), ist sogar der Rekordhalter selbst, der Angeberei völlig unverdächtig, zur definitiven Prognose bereit: »Ich wage mal zu behaupten: Das erreicht keiner mehr.« (Philipp Selldorf in der SZ)
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Zugleich stürzte der Unfall (Anm: von Joachim Deckarm in Tatabanya) die Sportart in eine schwere Imagekrise. Zwar hatte dem Unfall kein Foul zugrundegelegen. Dennoch sahen sich die Kritiker bestätigt, die in den Zeiten der entstehenden Friedensbewegung den Handball als zu brutal, zu gefährlich und damit pädagogisch als nicht wertvoll betrachteten. (Erik Eggers in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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Bild wusste es wieder einmal besser: Joachim Deckarm sei von seinem Gegenspieler »brutal zu Boden gestoßen« worden. (…) »Unfall oder Symptom?« (dpa) – unter diesem Motto versuchen nun mehr oder weniger kluge Köpfe, diesen Unfall, der selbst im »körperlosen« Basketball hätte geschehen können, mit der zunehmenden Härte im Hallenhandball in Verbindung zu bringen. (»gw«-Kommentar am 3. April 1979)
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»Yogiyo«, sagt Gerhard Schröder. »Das heißt: Herr Ober, hierher bitte«, übersetzt seine Frau. (…) Schröder nimmt einen Schluck (…), dann will er die Sache mit dem koreanischen Satz genauer erklären: »Wissen Sie, wie ich mir den Satz merken kann?« Er macht eine Pause. (…) »Na, kommen Sie (…), ist doch klar: Yogiyo. Jogi Löw.« (Marc Hujer im Spiegel)
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Fußball hab ich schon als Kind furchtbar gern gespielt. (…) Weil keiner im Dorf mit links schießen konnte, habe ich stundenlang auf unser Stadeltor geschossen, bis ich es fast so gut konnte wie mit rechts. In der Bundestagsmannschaft habe ich als Linksaußen aushelfen müssen. (…) Von den Sozis konnte keiner mit links schießen. (Theo Waigel, Ex-CSU-Chef, in der SZ-Serie«Fotoalbum«)
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Gerhard Schröder spielt seit einem Jahr Golf. Er hat (…) es bis zur Platzreife geschafft, was erst mal nur bedeutet, dass er sich auf einem Golfplatz bewegen kann, ohne darauf größere Schäden zu hinterlassen. (Hujer/Spiegel)
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E-Scooter sind bekanntlich das lange vermisste Bindeglied zwischen E-Bike und Thermomix, denn sie werden alles durcheinander wirbeln. (»Zippert zappt« in der Welt)
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Satiriker – ein schwieriger Beruf? – »(…) Beschimpfungen, Hass und Gewaltfantasien gehören inzwischen dazu. Die Morddrohung ist der neue Leserbrief.« (Christian Ehring von »Extra 3« im HörZu-Interview)
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Dort wo früher die Menschheit an Pranger, Kreuz und Schandpfahl gestellt wurde, wird sie heute an die Facebook Wall gepinnt. Und was in strengen Familien das rund um die Uhr geforderte Gebet war, ist heute die Anbetung jedes noch so dämlichen Tweets, so als sei, was ungefiltert aus einem Hirn kommt, eine Teilausschüttung des Heiligen Geistes. (aus dem SZ-»Streiflicht«)
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Poletto: Hast du damit gerechnet, dass du das jemals schaffen würdest, in dieser Champions League den Weg ins Finale zu schaffen? – Alex (ein Salzwiesenlamm parierend): Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. – (…) Poletto: Hat er sich verdient. Wirklich hier durchgängig großes Kino gezeigt und gekocht. Jetzt im Finale angekommen. Unser kleines Salzwiesenlamm. (»Teledialog« in der FAS aus dem Finale der »Küchenschlacht« des ZDF) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)