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Sonntag, 17. März, 6.35 Uhr

Der Saisonauftakt naht, für den ersten Wettkampf muss ich melden, aber wo und wie? Quälend lange wälze ich das Problem hin und her, bevor ich und der erlösende Gedanke aus den Nebeln der Nacht aufsteigen: Junge, du bist 71 und nicht 17, du meldest nicht mehr, dir reichen ein paar Liegestütz im Keller und das freie Radfahren in der Natur und mit E-Motor.

Wenn ich Alterswettkämpfer sehe, zwiespältelts in mir. Einerseits Respekt, andererseits: Ich möchte nicht mit 80 die 100 Meter in 25 Sekunden wanken oder die Drei-Kilo-Kugel 12 Meter weit stoßen oder 1,11 m hochspringen, in kurzen Sprinterhöschen, maximalem Ehrgeiz und Seniorenmeistertiteln aufs Trikot genäht. Zum Glück ist mein Traum vom Meldetermin nur ein Traum und nicht das Leben.

Das ist kein Hochmut (siehe: Respekt), sondern Gleichmut. Alles zu seiner Zeit. Nicht nur im Sport. Auch in den anderen Bereichen des Lebens, die früher zu den wichtigen gehörten.

Momentan fährt Vettel. Beim letzten Blick auf den Liveticker war er Dritter mit acht Sekunden Rückstand. Ich hatte ihn und Ferrari schon seit ein paar Tagen auf dem Themenzettel. Weil ich die Vorausberichte und Prognosen als Deja-vu empfand. Letzte Saison war es ähnlich. Und dann machte es pffft, die Luft war raus und Mercedes ungefährdet vorn. Ich hätte also den großen Besserwisser gespielt. Wie beim BVB. Da stand auf dem Zettel, dass in Berlin die Vorentscheidung fallen werde. Für die Bayern. Und dann hielt Reus den Fuß hin, genialer als der geniale Fußhinhalter Alex Meier. Bei dem und St. Pauli scheint die Luft auch raus zu sein. So viel zu meinen Fähigkeiten als oberschlauer Sportkenner. Womöglich startet sogar Vettel  noch durch. Ich würde es ihm gönnen. Nicht wegen der Formel 1, die interessiert mich nicht. Wegen Vettel, weil er ein prima Junge zu sein scheint, Hesse und Eintracht-Fan obendrein. Wo fährt er den jetzt? Mal schnell auf den Liveticker auf dem Smartphone neben mir schauen … schon 17 Sekunden zurück. In dieser Zeit laufe ich 100 Meter. Schätze ich. Testen werde ich es nicht. Denke nicht im Traum daran.

Aufmacher in der FAS: „Gleicher Lohn? Frauen verdienen weniger als Männer.“ Immer wieder dieses statistisch manipulierende Thema. Frauen verdienen nicht weniger als Männer, Lehrerinnen nicht, Redakteurinnen nicht usw. Oder gibt es etwa unterschiedliche Tarife? Es geht nur um die Erfolgschancen (und den Erfolgswillen) in den gleich gut oder schlecht bezahlten Jobs. Ich habe es, als ich noch mitverantwortlich war, immer als Manko angesehen, dass wir keine Sportredakteurinnen hatten. Aus fachlichen und atmosphärischen Gründen. Wenn ein Mann und eine Frau sich für den selben Job beworben hätten, ich hätte der Frau einen Bonus gegeben, einen deutlichen. Nur hat sich nie eine Frau beworben. Das ist das Problem, in Sportredaktionen wie anderswo. Nicht der Lohn, sondern die Rahmenbedingungen und die immer noch im Schnitt unterschiedlichen Lebenspläne, -hoffnungen und -voraussetzungen.

Auf dem Montagsthemen-Zettel: Klopp-HSV-Bayer-Bundeskanzler / Trautmann-Iverson-WBI / Klosterhalfen-Reh / Luitz / Michael Jackson / Hand / Börsenbild / Engelchen.

Ach ja, Engelchen oder die Jungfrau von Bamberg. Vor 50 Jahren verknallt in Gila von Weitershausen. Als Engelchen zeigte sie kurz den nackten Rücken. Wie aufregend! Heute gucken Elfjährige Pornos auf dem Tablet. Gila von Weitershausen wird in dieser Woche 75. Für mich Fake-News.

Jetzt kommt mein Engelchen. KKKK. Und noch ein K.