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Sonntag, 10. März, 7.00 Uhr

Verschlafen rausgewankt zum Briefkasten, die FAS geholt und erst zurück im Haus gemerkt, dass es in Strömen regnet. Klatschnass.

Titelthema: „Was hilft gegen Mobbing?“ Seit wann gibt es dieses Wort? Zehn Jahre? Oder mehr? Oder weniger? Die Sache selbst ist zeitlos. Die leider ganz normale menschliche Bosheit, die schon im Kindergarten beginnt und vermeintlich Schwächere oder Andersartige trifft. Kennen wir ja auch aus der Fauna. Hackordnung. Immer von oben nach unten treten. Wobei oben und unten sich verschieben können, die Bosheit aber auch. Dann mobben die zuvor Gemobbten.

Aktuelle Titelthemen anderswo: „Reise zum eigenen Ich“ (Zeit) / „Was uns stark macht – Schicksalsschläge, Niederlagen, Alltagsstress – von der Kunst, wieder aufzustehen“ (Spiegel) / „Liebe in Zeiten von Whatsapp“ (Süddeutsche am Samstag). Wir kreisen um uns selbst. Auf der Flucht vor dem Wahnsinn, der um uns herum kreist. Meine Schlagzeile also: Eskapismus ins Ego.

Verliebt in die Melancholie. Für das nächsten Samstag erscheinende Gießener Seniorenjournal habe ich den Text geschrieben und der Chefin (von mir und dem Journal) abgegeben. Überschrift fiel mir nicht ein, habe ich offen gelassen. Welche fällt ihr ein? „Gründelnde Melancholie“.  Erst will ich protestieren, dann schwant mir: Sie hat recht. Das durchzieht den ganzen Text.  Dieser neue progressive Alttag (demnächst auch im Link rechts) kann ja was werden …

Meldung der Nacht: Nadja Tiller, die Schauspielerin und Walter-Giller-Frau, die ich seit Kindertagen aus der Ferne unbekannterweise kenne, wollte eigentlich Friseurin werden. So ändern sich die Zeiten. Heute will jede Friseurin Schauspielerin werden. Oder zumindest Model. Falls alle Stricke reißen: Spielerfrau.

Sorry, liebe Friseurinnen, nur ein Scherz. Meine Tante, Gott hab sie selig, war Friseurin. Eine kluge, rechtschaffene Frau. Sie war in Nazi-Deutschland eine Außenseiterin, denn sie verachtete Hitler von Anfang an. Mehr noch als aus politischen Gründen (für die sie sich, wie ich glaube, nicht richtig interessierte) aus dem Ekelgefühl heraus, dass Hitler ein furchtbarer „Räudo“ war. Ein Begriff, den es nur in der männlichen Form gab. Noch ohne Gender-Wahn, alleine aus dem feinen weiblichen Gefühl heraus für unsympathische, schmierige, auftrumpfende, großspurige, kleingeistige  primitive Männer, bei denen man, ja auch Mann, sich angeekelt schüttelt. Der zeitlose Typ. Trump ist gewiss kein Hitler, aber ganz sicher ein …

… darf man das schreiben? Noch mal zur Tante: Was sie ganz gewiss nie werden wollte, nienienie, war Schauspielerin, Model oder gar Spielerfrau.