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Sonntag, 3. März, 6.25 Uhr

Meldung der Nacht: Ein Faultier ist in Afrika in ein Wasserloch gefallen und ertrunken. Zum Rausklettern war es nicht zu faul, sondern zu groß und zu schwer. Vier Meter und einige Tonnen. Nun liegt es im Wasserloch, das längst trocken ist. Seit 27 000 Jahren. Heutige Erkenntnis aus den Überresten: Das (ausgestorbene) Eremotherium laurillardi war gut an seine Umgebung und das Klima angepasst. Ob man das auch von uns in 27 000 Jahren sagen wird? Ich fürchte, dann gibt es unsere Spezies schon länger nicht mehr als das Riesenfaultier. Nicht wegen des Klimawandels. Anderes wird schneller zuschlagen.

Ich komme mit dem Lesen und Informieren nicht mehr mit. Neu auf dem schon hohen Stapel an herausgerissenen Zeitungsseiten: Broder über die Biodeutschen (Welt) / „Ich bin ein entheimateter Mensch“ (über Kunert in der  Literarischen Welt) / Rentensystem in Holland (FAZ; ein bisschen was weiß ich davon schon durch meinen holländischen Freund Hans: kein Generationenvertrag, sondern eher eine Art Sparvertrag als Hauptsäule, so dass man kriegt, was man eingezahlt hat;  außerdem gibt es eine Grundrente) / Episoden von Hans Traxler im Literarischen Leben der FAZ / ebenfalls aus der FAZ: Urheberrecht –  Barenboim – Rees-Mogg und Johnson. SZ-Magazin, Zeit-Magazin und chrismon noch nicht mal durchgesehen, auch FAS, Samstags-SZ und sogar Zeit noch jungfräulich. Ich hab doch mehr Zeit als die meisten Menschen, warum schaffe ich es nicht? Und wie bleiben andere, die noch voll im Arbeitsprozess stehen oder noch so jung sind, dass sie Wichtigeres in Kopf und Lenden haben, einigermaßen informiert?

Noch einmal zum alten Riesenfaultier. Zwar gut und richtig, sich um den Klimawandel zu kümmern. Aber warum Hysterie schüren, wenn viel früher zu befürchtendes Unheil zuzuschlagen droht, für das man Hysterie gar nicht erst schüren müsste? Weil künstlich geschürte Hysterie über ein in ferner Zukunft drohendes Unheil angenehmer zu ertragen ist als die akuten großen Sorgen, über denen man echt hysterisch werden könnte? Alleine die Vorstellung, in welchen Händen das gegenwärtige Heil oder Unheil der Welt liegt …

Wenn schon apokalyptisch in den frühen Morgen, dann richtig. Beim Blättern im ungelesenen Stapel sticht mir das Gursky-Foto der Chicagoer Börse ins Auge (im Kunstmarkt-Ressort der Zeit vom 7. Februar). Ein ameisenhaftes Menschengewimmel „zeigt das entscheidende Schlachtfeld unserer Zeit“ (Zeit). Hunderte von Menschen alleine hier in Chicago, hoch bezahlt, rastlos tätig – aber womit? Keiner produziert etwas (nicht einmal Kolumnen wie ich …), keiner heilt, keiner repariert, lehrt oder pflegt, aber jeder von ihnen verdient mehr Geld als 99,5 Prozent der Weltbevölkerung. Sie säen nicht, sie ernten nur.

So. Das Greisenhaupt genug geschüttelt. Jetzt zum wirklich Wichtigen, zur Eintracht, dem Unterschied zum BVB (das Itsch-Syndrom), zum Schalker Pendel, der E-Sport-Dose, dem einzigartigen Fußhinhalter, dem Killerinstinkt des Kopfhinhalters und dem dritten Frankfurter Genie, Gernhardts Weinreinbringer. Demnächst in diesem Blog, als „Montagsthemen“ abgelegt im Link rechts „gw-Beiträge Anstoß“. Zuvor aber das Allerwichtigste: Kaffee, Kuchen, Knicks und Kuss.