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Ohne weitere Worte (vom 15. Januar)

Warum immer noch so viele Leute ins Stadion gehen, wird jedem klar, der Fußballspiele vor dem Fernseher betrachtet. Die Leute gehen ins Stadion, weil das der einzige Ort ist, an dem man professionellen Fußball sehen kann, ohne dass ein Kommentator vor sich hin brabbelt, analysiert, erklärt, Statistiken aufsagt, ein Ort, an dem man Fußball sehen kann, ohne dass uniformierte Experten auf Stühlen sitzen und brabbeln, analysieren, erklären und Statistiken aufsagen. (…) Der einzige Ort, an dem man vor all dem Gequatsche sicher ist. (Michael Eder in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Da sind teilweise Leute am Werk (Anm.: in der Führungsebene von Fußball-Profiklubs), die zwar gut Fußball spielen konnten, die es mit den Zahlen oder geschäftlichen Erfahrungen außerhalb der Fußballbranche aber eher nicht so haben. Fragen Sie sich doch mal selber: Sie können bestimmt gut schreiben, aber können Sie auch einen Verlag führen?« – Das würde ich bezweifeln … – »Sehen Sie. Im Fußball traut sich das aber beinahe jeder zu.« (Börsenanalyst Alexander Langhorst im Welt-Interview)
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Lange hat Ancelotti über die (…)  »einzige bittere Erfahrung« seiner Karriere geschwiegen. (…) »Bei Bayern haben mich vor einem Jahr nur fünf Spieler unterstützt«, sagte Ancelotti im Herbst. »Der Verein hatte damals nicht den Willen, die Strukturen zu ändern und den Generationenwechsel voranzutreiben.« (Julian Graeber im Magazin 11Freunde)
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Oliver Bierhoff lässt sich beim WM-Gastgeber 2022 alles zeigen und erklären. Und ist begeistert. (…) »Es wird eine andere WM sein.« Eine etwas andere Weltmeisterschaft hatte Katar ja 2015 schon im Handball ausgerichtet, und das »Söldner-Team« wurde damals Vizeweltmeister. Wenn eine ähnlich zusammengestellte Kickertruppe 2022 das Finale der Fußball-WM erreichen würde … Doch, das wäre schon eine »andere WM«. (Martin Krauß in der taz)
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»Ich sehe mich zum Teil in ihm widergespiegelt. Kobayashi heißt kleiner Wald, da gibt es Verbindungen.« (Sven Hannawald im FAS-Interview über eine Gemeinsamkeit mit dem Vierschanzentournee-Sieger)
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»Manchmal bin ich mit dem Sebastian unterwegs …« – Sebastian Kurz, der österreichische Bundeskanzler. Ist der gut beinander? – »Ja, der Sebastian ist gut beinander. Der Kurz ist ein Beißer, das sage ich Ihnen, der hat eine Superkondition und eine ganz große Begeisterung für den Berg. (…) Nicht alle mögen den Sebastian Kurz, aber ich kann nur Positives über ihn sagen.« (Extrembergsteiger Peter Habeler im Interview der Süddeutschen Zeitung)
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Was können Sie denn, was er nicht kann? – »Fußball spielen. Soweit ich weiß. Bisher haben wir nur Basketball im Büro gespielt.« (Grünen-Parteichefin Annalena Baerbock im Spiegel-Interview über ihren Mit-Chef Robert Habeck)
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Am Ende gleicht er einem Stabhochspringer, der einen extra langen Anlauf genommen hat und dann am Absprungpunkt abdreht – und zugibt, dass er für einen Absprung zu wenig von der Sportart versteht. (Wolfgang Höbel im Spiegel über den Kulturmanager Chris Dercon)
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Man könnte aus sprachästhetischen Gründen ja mal ein paar Jahrzehnte auf die männliche Form verzichten. Die Männer wären dann mitgemeint. – »Man kann natürlich auch Verbrecherinnen sagen oder Mörderinnen. Und für die Durchsetzung der neuen Sprachregelungen an Brennpunktschulen wünsche ich gutes Gelingen.« (…) Erschreckt es Sie, dass Ihr Leitbild dem der AfD ähnlich ist? – »Wenn die AfD sagt, dass die Erde eine Kugel ist, muss ich dann sagen, sie ist eine Scheibe? (Prof. Udo Di Fabio, Ex-Richter am Bundesverfassungsgericht, im Spiegel-Interview)
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Mädchen mögen Jungs, die Gedichte schreiben. Stimmt das? – »Grundsätzlich helfen Gedichte bei Mädchen, ja. Bodybuilding war damals sowieso noch nicht so wichtig.« (der Schriftsteller Wolf Haas im SZ-Interview)
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Fragt man junge Menschen, was sie mal werden wollen, dann hört man als häufigsten Berufswunsch »ein 20-Jähriger aus Mittelhessen«. Jeder, der die Enter-Taste verletzungsfrei drücken kann, möchte gerne so einflussreich werden wie der legendäre 20-Jährige aus Mittelhessen. (»Zippert zappt in der Welt)
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»Normale Kinder saufen sich ins Koma, aber der kleine Herr muss ja die Regierung hacken.« (Mutter über den Sohn, der vor dem Bildschirm sitzt / Sprechblase in einem Cartoon der taz)
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Am Ende stellt man die Telefonnummer von Martin Schulz ins Netz, und ganz Homberg ist stolz auf einen. Mehr lässt sich kaum erreichen, man kann höchstens noch zum unzufriedenen 21-Jährigen aus Mittelhessen aufsteigen. (»Zippert zappt«/Welt) (gw)
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(www.anstoss-gw.de  Mail: gw@anstoss-gw.de)