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Sonntag, 13. Januar, 6.25 Uhr

Seltsam ist es, hier im Mittelhessenland zu  wandern, und wenn es nur drei Kilometer sind, hoch oben auf der Kuppe über Königsberg, beim Feld-und-Waldi-Gehen durch die Schwaden zu stapfen, Match an den Schuhen, klitschenass, einen Hügel weiter den grasgrünen Hang zu wissen mit dem einsamen, unbeschäftigten Skilift, und draußen im Land, drunten im Süden, soll Schnee-Chaos herrschen. Soll? Es herrscht, und wie! Klingt für den wandelnden Wanderer im Lahn-Dill-Land aber fast wie Fake-News.

Dort unten, in Obertauern, sind sie eingeschneit, lese ich, und schon wandern die Gedanken dorthin und eine Million Jahre vor unsere Zeit zurück, in die 60er, zum Skikurs der Uni Gießen in Obertauern, als wir ebenfalls eingeschneit waren, was aber niemanden interessiert hat, denn wir wollten ja nicht weg von dort. Damals war’s, als ich scheinbar echte, irrwitzige Fake News las, von dem Ami, der rückwärts über die Latte sprang, fast 2,20 m hoch, welch ein Blödsinn, ihr glaubt aber auch alles … und ein paar Monate später wurde er Olympiasieger und mit seinem Flop unsterblich.

Langsam bin ich alt genug, um aus eigener Erfahrung zwischen Wetter und Klima unterscheiden zu können. Selbstempirische Erkenntnis: Der Klimawandel, es gibt ihn. Menschengemacht? Keine Ahnung. Aber vielleicht zu anthropozentrisch gedacht. Die Erde muss nur einmal rülpsen, so krakataumäßig, die Sonne  nur einmal ihre Protuberanzen zu großzügig  abzufeuern, und schon versinkt unter den Myriaden der Muff von tausend menschlichen Feinstaubjahren.

Meldungen der Nacht. Deutsche Möbelhersteller fürchten ungeregelten  Brexit. Also wieder einmal: Auch Deutsche unter den Opfern. Vielleicht sogar vor allem Deutsche. – Kontrast-Katastrophenmeldung aus dem Wetter-Klima-Bereich, auf den Kopf gestellt, nämlich down under: In Australien wird eine Deutsche vermisst. Rettungskräfte haben die Hoffnung aufgegeben, sie lebend zu finden. Die 62-Jährige war alleine zu einer Wanderung in den Outbacks aufgebrochen, wo derzeit 45 Grad im Schatten herrschten, wenn es denn dort Schatten gäbe (in diesem Satz müsste man eigentlich drei, vier Ausrufezeichen in Klammern einstreuen).

 

„Wir brauchen 5G an jedem Milchtank“, fordert der Bauernpräsident. Schnelles Internet in jeden Kuhstall.

Jäger fordern Jagd auf Nilgänse. Ach ja, die hatte ich längst vergessen. Die Nilgans war ja für mich eine Parabel (oder eine Metapher? Synonym? Gleichnis? Was weiß denn ich) für ein gewisses gesellschaftliches Hauptproblem, aber in diesem Sommer waren die in den Sommern zuvor gesichteten Masseneinwanderer in meinen mittelhessischen Radlergefilden kaum noch zu sehen, auch in den Lahnauen nicht, wo sie sich in fast schon beängstigenden Massen festgesetzt hatten. Jetzt sind sie weg. Oder hat sich das Problem nur verlagert? Siehe Schnee?

Und dann auch noch das. Bild online: Helene und Florian – Tränen-Wiedersehen auf der Bühne. Nachbarin, euer Kotz-Tütchen!