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Sonntag, 6. Januar, 6.35 Uhr

 

Auf der Suche nach einem alten Blog-Eintrag über die „Lügenpresse“ (weil vielleicht für die gleich zu schreibenden „Montagsthemen“ passend) auf einen anderen gestoßen, geschrieben vor ziemlich genau drei Jahren:

 

10. Januar 2016
Nach der seltsamen Begrüßungsorgie schlägt das Pendel jetzt in die andere Richtung aus. So viele wie möglich so schnell wie möglich abschieben! Ungerechtigkeit Unschuldigen gegenüber, nachdem man zuvor unkontrolliert viele hereingelassen, ja hereingebeten hat, wobei von vornherein klar war, dass sich eine Un-Kultur von kleinkrimineller Unterschicht, Bandenunwesen und Terroristen die Einladung nicht zweimal sagen lassen würde. Leidtragende sind Migranten, die schon lange hier sind, sich zu integrieren versuchen oder es bereits sind, und die jetzt unter dem Wahnsinn leiden, den die Politik angerichtet hat.

Erst auch die Un-Kultur einladen, dann überrascht sein, dass sie ist, wie sie ist, und nun am liebsten alles abschieben, was sich abschieben lässt. Das werden oft genug die Falschen sein bzw. die Richtigen, die unser Land brauchen könnte.

Der Mob der Un-Kultur ist clever und flexibel genug, um Abschiebung weniger fürchten zu müssen als zum Beispiel eine integrationswillige Familie mit Schulkindern.

Am schlimmsten wird es für Kinder, die hier zur Schule gehen, gut integriert sind, das Land lieben und deutscher sind als mancher deutsche Hartzvierer, jetzt aber mehr denn je von Abschiebung bedroht sind.

Die Sache ist von Grund auf schiefgelaufen.

Wir schaffen das nicht.

 

Besser weiß ich es auch heute noch nicht.

Das Textfragment über die Lügenpresse habe ich dann auch noch gefunden:

Es gibt keine »Lügenpresse«, sie steckt auch nicht mit der Politik unter einer Decke. Nur: In all den Jahren hat sich eine privilegierte Gemeinschaft der Gleichgesinnten formiert, die das Recht der Bevormundung auf ihrer Seite wähnt. Nun mucken die Bevormundeten auf, mal dumpf, mal gescheit, mal empört, mal ängstlich, mal alles zusammen.

Daran erinnert habe ich mich beim Lesen eines SZ-Interviews vom Freitag mit Jay Rosen, einem Journalismus-Professor aus New York, der den Sommer in Deutschland verbracht hat, um hier die Medienlandschaft zu beobachten. Frage: Was fiel Ihnen auf? Antwort: „In Deutschland begegnete mir natürlich häufig der Begriff Lügenpresse. (…) Spannender fand ich aber den Begriff der Systempresse (…) – die Überzeugung, dass mediale und politische Eliten  ein- und dasselbe sind und gemeinsame Sache machen. Und mein Eindruck war, dass dieser Vorwurf  nicht ganz aus der Luft gegriffen ist.“

Meiner auch. Ich brauchte dafür aber nicht einen Sommer, sondern fast 50 Jahre Berufserfahrung in Deutschland. Und was Rosen nicht wissen kann: Das gilt nicht nur für den Hauptstadt-Journalismus, sondern auch für den regionalen. Was keine Anklage ist, nur die unbeteiligte Beobachtung der Erdlinge vom Weltall aus. Meist ist es auch keine bewusste Kungelei, sondern, wie in der Flüchtlings-Causa, vermeintlich vom Wohle des Landes motiviert.

Von hinter dem Mond beobachtet? Nee, da wohnt ja keiner, wissen wir jetzt.

Na ja, wohl kaum als Textbausteinchen für die „Montagsthemen“ verwendbar. Zu komplex. Oder?

Auch dieses Gelesene (online bei SZ oder Zeit, weiß nicht mehr, wo) wird es wohl nicht in die Kolumne schaffen: Eine Journalistin beklagt sich, dass sie immer auf ihren großen, offenbar sehr großen Busen reduziert wird. Kann ich, obwohl Mann, gut verstehen. Aber die Dame geht ins Extrem. Sinngemäß: Eine großbusige Frau habe das Recht, auch mit einem Dekollete bis zum Nabel von interessierten männlichen Blicken auf ihren Busen verschont zu bleiben.

Tja. Was soll man (mann und frau)  dazu sagen? Am besten gar nix.

Da fällt mir ein, dass gestern ein Mann (71) Opfer von weiblichem Sexismus wurde. „Was hast du noch für einen schönen Popo!“, sagte ihm eine Frau ins Gesicht und klopfte auf die entsprechende Stelle. Empörend! Nicht wegen Wort und Tat, sondern wegen des altersdiskriminierenden „noch“ im sexistischen Satz.

Zusatz des Alien vom Mars: Das ist weder sexistisch noch altersdiskriminierend, sondern der realitätsverzerrende Blick einer liebevollen Frau nach 35 Jahren, in denen der Zahn der Zeit auch am Popo genagt hat.

Was man so alles am frühen Morgen im noch duselnden Kopf dahin schreibt … Zusammengerissen! Was liegt an? Aufmacher in der FAS: „Politiker fordern mehr Schutz.“ Ach ja, der Datendiebstahl. Ich weiß, wie alarmiert man sein müsste. Lässt mich trotzdem kalt. Hübsche kleine Überschrift: „Lindners Fall und Habecks Aufstieg.“ Klingt ein bisschen nach John Irving („Gottes Werk und Teufels Beitrag“). Am schönsten aber diese Überschrift zum Wetter:  „Es ist Winter. Es schneit.“

So, jetzt aber Gedanken sammeln und auf Stichworte für die Kolumne konzentrieren. Hand/Tricksen, Ronaldo/Statue, Gewichtsklassen/Skispringen, Gebäck/meins ist weg und natürlich: Ribery und das goldene Steak. Mit dem vierfachen Asterisk beim F****, den „…icke“ im Blog nicht brauche, und mit dem wunderhübschen Fluch „Ihr seid nicht mehr als die Kieselsteine in meinen Socken!“

Aber jetzt kommt erst mal die Sonne in meinem Herzen. KKKK.

 

 

Baumhausbeichte - Novelle