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Montagsthemen (vom 7. Januar)

Warum mochten die Franzosen ihren Landsmann Ribery noch nie? Weil sie ihn besser kennen als wir? Und damit gleich zum Thema des Wochenendes. Ribery und das Goldene Steak. Rechtschaffene Entrüstung überzieht das ganze deutsche Land wie der Schnee das halbe im Süden. Nur die »Montagsthemen« bleiben »aper« (Kreuzworträtsler kennen das Wort für »schneefrei«).
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Kleine Abschweifung. Hübsche Überschrift in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zum Wetter: »Es ist Winter. Es schneit«.
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Ribery also. Zur rechtschaffenen Entrüstung ist die Sache selbst mir zu albern. Daher kann ich ihr nur mit eigener Albernheit beikommen. Nehmen wir nur mal den Tweet, mit dem Ribery die Kritik am blattgoldpanierten 1200-Euro-Steak kontert. Den »Neidern und Hassern, die durch ein löchriges Kondom entstanden sind«, entgegnet er: »F**** eure Mütter und Omas!« Das ist vorbildlich korrekt formuliert, mit einem mehrfachen Asterisk, dem Fachwort für »Inklusion von nicht-binären Geschlechtsidentitäten im Rahmen des Sprachgendering« (Wikipedia). Merksatz nicht nur für Berliner: Zum F**** brauche »…icke« den Asterisk.
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Ernsthafter bitte? Bitte: Wer sich entrüstet über Geblöke im Netz, rüstet die twitternden Prolls nur auf. Früher war nicht alles besser, aber zumindest haben wir die Pioniere der asozialen Medien, die Penner am Kiosk, »gar nicht erst injoriert«, so dass sie blieben, was sie waren: grölende Besuffkis am Wasserhäuschen.
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Ich staune nur über den wunderhübschen Fluch, mit dem Ribery endet. »Ihr seid nicht mehr als die Kieselsteine in meinen Socken!« Hadschi-Halef-Omar-reif. Fast schon poetisch. Auf Riberys (im doppelten Wortsinn:) »Mist« ist das sicher nicht gewachsen.
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Gemeinsamkeit von Ribery und Chelsea: Beiden wurde ein grotesk überteuertes goldenes Steak aufgetischt. Für Chelsea aber nicht serviert von einem türkischen Instagram-Promiwirt mit zweifelhaftem Ruhm, sondern vom cleversten, aber bekannt seriosen Verkäufer seines Fachs. Frappierender Unterschied: Ribery zahlt nach dem Verzehr, Chelsea schon vorher – und dann kommt das gute Stück wieder zurück in die Küche. Gegessen werden darf erst später, egal, wie’s dann noch schmeckt.
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Von Christian Pulisic zu Cristiano Ronaldo. Beide trennen nicht nur zwei Buchstaben im Vornamen. Zumindest gibt es von Pulisic noch keine überlebensgroße Statue wie die von Ronaldo am Hafen seiner Heimatstadt Funchal auf Madeira. Wobei Ronaldos sekundäres Organ (primäres: ganz unten; nachrangiges: ganz oben) plastisch-drastisch und buchstäblich hervorragend das Wort »Gemächt« versinnbildlicht, das in der Phantasie des Künstlers und/oder Ronaldos einen Gutteil der 3,40 Meter und 800 Kilo für sich beansprucht.
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»Da laufen jetzt die Kreuzfahrttouristen vorbei und lassen sich mit der Bronzestatue knipsen«, beobachtete schon vor Jahren eine Leserin, die auf Madeira urlaubte. Aber anscheinend knipsten sie nicht nur, vor allem weibliche Ronaldo-Verehrerinnen nicht. Im Lauf der Jahre hat die Statue eine ganz besondere Patina angesetzt. Denn der Griff in den Schritt und an die Beule gilt als »fruchtbar«. Folge, in den unübertrefflichen Worten der Bild-Zeitung: »Das Ding wurde mittlerweile so oft poliert, dass es golden leuchtet.« – Ungefähr wie das Steak von Ribery.
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Ähnlich rasten sie nur bei den Chippendales aus, den muskulösen Strippern, bei denen alle weiblichen Hemmungen fallen. Die Sex-Truppe feiert jetzt ihren 40. Geburtstag. Das aber nur, weil nicht dieselben Jungs seit 40 Jahren dabei sind, sondern die gleichen immer als Frischfleisch nachgeliefert werden. Den enthusiasmierten Zuschauerinnen ist dabei völlig egal, warum die Jungs so aussehen wie sie aussehen. Es gibt ein Zauberwort, das aus wenig Training viel Muskel macht. Sportlern werden dafür Medaillen vom Hals gerissen, Strippern die Hemden vom Leib.
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Schließlich doch noch ein sehr ernsthaftes Wort. Bei der Fußball-Asienmeisterschaft steht heute die Partie Iran gegen Jemen auf dem Programm. Nächste Woche spielt Saudi-Arabien gegen Katar. Syrien ist auch dabei, mit dem deutschen Coach Bernd Stange, früher Stasi-IM. Es gibt ja das alte Wort von der Politik (wahlweise Wirtschaft o.ä.) als Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Im Sport ist das sogar noch archaischer der Fall. Im Fußball, bei der Asienmeisterschaft, bei diesen explosiven Paarungen bleibt es hoffentlich bei den gleichen Mitteln, und der Fußball aktiviert nicht dieselben.
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Das Allerletzte, gefunden im »Hohlspiegel« des Spiegel, gelesen auf einer Anzeigetafel in Stuttgart: »Lassen Sie Ihr Gebäck nicht unbeaufsichtigt!« Das hätte ich früher wissen müssen. Mein geliebtes Spritzgebäck ist schon weg! Zwar wurde familiär angeblich fleißig gebacken, aber schon gestern war die letzte Dose leer. Dabei ist das Leben ohne Spritzgebäck zwar möglich, aber sinnlos. Noch elf Monate ohne. Da muss ich ein zweites Mal mit Loriot klagen: Früher war mehr Gebäck. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)