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Sonntag, 16. September, 6.35 Uhr

Beim Gang zum Briefkasten liegt schon ein bisschen von der subtropischen Luft in derselben, die ein letztes Zucken des Sommers zurückbringen soll. Morgen oder übermorgen über 30 Grad – fast schon pervers. Gerade erst begann der Sommer, der ein großer war, sich als schöne Vergangenheit im Gedächtnis einzunisten, da kommt er schon wieder, mitten im September. Da gehört er nicht hin! Hin gehört (gehören): Tau, Nebel, Regen, klamme Kühle, und im besten Fall ein goldener Oktober, mit einigen wenigen Sonnentagen, in denen man nachmittags ein Stündchen im Freien sitzen kann.

Der Gang zum Briefkasten galt natürlich der FAS. Sie kommt per Auto. Hab ich nicht schon mal einen Mercedes gesehen? Vor fast 30 Jahren habe ich für meinen Verleger die Zukunft der Zeitung beschrieben und abschließend gewettet, dass es, wenn ich einmal in Rente ginge, keine Zeitung mehr gebe, die morgens im Briefkasten landet. Ich dachte zwar auch an eine Zeitung, die sich der Leser zu Hause ausdrucken kann, also an eine Art E-Paper, aber vor allem war ich sicher, dass im Zuge des ständig steigenden Lebensstandards niemand mehr zu finden sein werde, der für ein Zubrot jeden Morgen in aller Herrgottsfrühe aufstünde und zwei, drei Stunden durch die Gassen marschiere, zuverlässig und pünktlich. Dass der Zeitungsbote mit dem Mercedes kommen könnte, lag außerhalb meiner Fantasie.

Was ich heute morgen im Blog schreibe, und gestern geschrieben habe (Klausner/Kruso), liegt außerhalb der Montagsthematik. Auch was ich, wahrscheinlich morgen, als Rügen-Zusatz , über Prora und das Dokumentationszentrum nachtragen will, taugt nicht als Bruchstück für eine Sportkolumne. Dass gestern erstmals weniger als 1000 Zuschauer zum 1. FC Gießen kamen, will ich auch nicht thematisieren, aus zeitungstechnischem Grund, denn die „Anstoß“-Kolumnen erscheinen nicht nur in der Gießener, sondern auch in der Wetterauer Ausgabe (und der Alsfelder), und da will ich nicht allzu sehr „Gießenern“, um die Wetterauer Leser, die ähnliches sportliches Herzblut für ihren Eishockey-Klub haben und von ihrem Kolumnisten mehr Bad Nauheimer Eishockey erwarten könnten, nicht vor den Kopf zu stoßen – zumal sie insgesamt die treuesten und kommunikativsten Leser meiner Kolumnen sind.

Da fällt mir die kurze Mail jenes Lesers ein (siehe Mailbox), der schon seit Jahrzehnten bzw. schon vor Jahrzehnten immer wieder mal kurze, lapidare, konstruktive, kritische und ätzend sarkastische Anmerkungen geschickt hat, seit langer Zeit nichts von sich hören ließ, plötzlich aber wieder da ist (siehe „richtige Fragen“). So etwas freut mich immer sehr. Die größte Freude ist es, wenn einer bzw. eine ihre Mail ungefähr so beginnt: „Seit xy-zig Jahren lese ich Ihre Kolumnen, habe noch nie einen Leserbrief geschrieben, aber jetzt “ … usw. Selbst wenn dann Kritik kommt (was dann aber selten bis nie der Fall ist, ehrlich!), freut’s mich ein Loch in den Schreiber-Bauch.

Aber jetzt, Montagsthemen, was steht auf dem Zettel? Oh, nicht viel. Beziehungsweise wenig, was mir momentan verwertbar scheint. Serena (Frauending) / Hoeneß („geisteskrankes“ Foul) / Goetze (kein Instinktfußballer mehr) / Favre (wird in seiner Schratigkeit irgendwann Probleme bereiten) / Beatles, Yesterday, tits, Denver / Torjubel (Sommer-Edition mit „Floss“ & Co.) / Reality-Shows (Empathie) / Sportradar (2 Milliarden!). Och, so aufgeschrieben klingt es doch recht brauchbar. Schaun mer ma. Aussortiert aber habe ich ein sehr interessantes Interview. Hat mich auf die Idee für die nächste WBI-Folge gebracht, in der es um vier Punkte gehen wird. Auf Teilnehmer-Wunsch aber erst Anfang Oktober. Welches Interview? Nee, wird nicht verraten.

Ende der Frühmorgenssitzung. KKKK.

P.S.: Bevor ich es vergesse, zum Thema Briefkasten/Zeitungsbote; es gibt keine echten Briefträger mehr. Keinen, der mit der schwarzen Tasche um den Bauch zu Fuß sein Revier beliefert. Alle kommen mit gelbem Auto, in der Stadt sieht man radfahrende Postboten, aber echte Briefträger gibt es nicht mehr. Solche wie Herrn Sparbier. Aber der war ja auch nur ein Fake (für Kuli oder Frankenfeld? Vergessen).

Baumhausbeichte - Novelle