Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Montag, 10. September, 10.15 Uhr

„Lieber Gerd Steines, lange ist’s her, dass wir uns mal gesehen haben… Da ich Sie in meiner Kolumne des Wetzlarer SPD-Blattes zitiere, will ich Sie wenigstens auch davon in Kenntnis setzen. Ich füge die Zeitung, die am Wochenende an alle Haushalte verteilt wird, an. Auf Seite 7 finden Sie den Text.“

Neben den beiden soeben in die Mailbox gestellten Mails (von Ralf Protzel und Rüdiger Schlick) fiel mir in dem wegen Kurzurlaubs aufgestauten Posteingang vor allem diese Mail auf. Neugierig klickte ich den Anhang an und fand in der Kolumne des einst hochrangigen SPD-Politikers diese Passage:

 

Schüler der Goetheschule war

damals auch der spätere deutsche

Kugelstoßmeister und Journalist

Gerhard Steines. In einem

Gespräch mit dem viel zu jung gestorbenen

Kabarettisten Matthias

Beltz erzählte er einmal, wie er,

der „aufrechte, unerschütterliche“

Pazifist mit seinem TV Wetzlar zu

einem Wettkampf mit einer Wetzlarer

Bundeswehreinheit eingeladen

wurde. Als er als Siegerpreis

ein vom Kommandeur gewidmetes

Buch nicht etwa von Ernst Jünger,

sondern (auch das noch!)

seines Lieblingsschriftstellers

Erich Maria Remarque überreicht

bekam, so Steines, „fühlte

ich alarmierende Risse im

Panzer meiner Selbstgerechtigkeit.“

Und er vermittelte Matthias

Beltz: „Wir in Wetzlar jedenfalls

fühlten uns fast alle als ´Linke`,

nicht aus theoretisch abgesicherter

Überzeugung, sondern

weil mal als Jugendlicher

eben links zu sein hatte. Aber es

stimmt, das war eher eine kulturelle

als eine politische Revolte.“

Die Ausstellung „Paris, Frankfurt

am Main und die 1968er

Generation“ ist im Museum

Giersch der Goethe-Universität

(Frankfurt, Schaumainkai 83)

noch bis zum 14.Oktober 2018

zu sehen. Das lesenswerte Gespräch

von Gerhard Steines und

Mattias Beltz mit starkem Bezug

zu Gießen und Wetzlar ist zu

finden im Online Blog von Gerhard

Steines

 

Und wer ist dieser Politiker? Alt gewordene gw-Leser dürften es wissen, denn er tauchte früher ab und zu in meinen Kolumnen auf, auch in einer (jedenfalls für mich) legendären WM-Stammtischrunde (mit u.a. Ex-Landtagspräsident Möller, Zeit-Magazin-Chef Christoph Amend, Nowitzki-Mentor Holger Geschwindner, Matthias „Jan Seghers“ Altenburg). Er kandidierte als SPD-Bewerber um den Landesvater-Job, scheiterte, spielte später hinter den Kulissen eine, manche sagen: die, Hauptrolle in der Ypsilanti-Causa … Gerhard Bökel also, den ich vor mindestens hundert Jahren  als jugendlichen Hammerwerfer kennengelernt habe.

In der SPD-Zeitung taucht eine Seite später auch Gerhard Merz auf, „Anstoß“-Leser der ersten Stunden. So viel SPD um mich herum? Aber keine Angst, trotz freundlicher Aufforderung (gelle, G. M.?!) , in die Partei einzutreten, trotz meiner grundsätzlichen Sympathie für bedrohte Arten und sonstige schrumpfende Minderheiten – mich kriegt ihr nicht!

Was macht Bökel heute? „Seit ein paar Jahren sind Archive und Bibliotheken meine bevorzugten Arbeitsplätze, vorwiegend in Frankreich – kleinere und größere Publikationen zu der deutschen Besatzungszeit sind die Ergebnisse. Recherchieren, schreiben…einfach erfüllend, aber wem sag´ich das!“

Stimmt!

Baumhausbeichte - Novelle