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Sonntag, 2. September, 6.40 Uhr

Der Jedermann-Zehnkampf in Bad Nauheim findet nicht an diesem, sondern am nächsten Wochenende statt, korrigiert sich Karin Scheunemann (ich habe es auch in ihrer Mail/siehe Mailbox, entsprechend geändert). Ich komme auch deswegen darauf zurück, weil ich mir am Freitag nach dem Schreiben des Sport-Stammtischs eine Passage über Christian Schenk weggekürzt hatte, aus Platzgründen, denn in der Rohfassung war die Kolumne viel zu lang. Heute früh habe ich zunächst vergeblich nach der Kürzung gesucht, denn sie sollte zur Stoffsammlung für die Montagsthemen gehören. Nach langer Suche bin ich fündig geworden, unter „manueller Sicherung“, wobei ich gemerkt habe, dass das System nichts vergisst, man muss nur richtig suchen. Also hier, für den Stein(es)bruch:

Auch bei Christian Schenk brach etwas aus, was er zuvor kontrolliert hatte. Aber sein Doping-«Geständnis« ist ein kontrollierter Ausbruch zum Zwecke der Auflagensteigerung seiner Autobiografie. Empörte Kritiker werfen dem Zehnkampf-Olympiasieger vor, er habe sich zu spät offenbart. Hat er aber gar nicht! In einer überaus mutigen, ehrlichen und der Sache des Sports dienenden Aktion hatten die besten deutschen Zehnkämpfer früherer Jahre 1990 – in Bad Nauheim! – dazu aufgerufen, einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen und ab sofort mit aller Kraft den sauberen Sport zu fordern und zu fördern. Eine großartige Idee, die mir aber aus anderem Grund den Atem stocken ließ: In dem Bekenntnis, das von Weltrekordlern und Olympiasiegern verfasst worden war (neben u.a. Guido Kratschmer und Siggi Wentz auch Christian Schenk) bezeichnete man sich selbst als »Hochdoper« der 80er Jahre! Damals großes Schweigen im Blätterwald. Eine Chance zur aufrichtigen Aufarbeitung wurde verpasst. Aber werfe bitte heute niemand Schenk vor, sich zu spät offenbart zu haben!

Ganz oder komprimiert nachher in der Kolumne zu lesen. Wie auch ganz sicher die Mail von Rüdiger Trebing (ebenfalls siehe Mailbox). Fred Feuerstein … gab’s da nicht auch einen Barnie Geröllheimer? Schon kalauert in mir die Steigerung von imposant (im Hintern Steine, im Arsch Geröll). Kein Geröll, keine Steine, nur ein paar Steinchen für die Montagsthemen, die aus dem selben Grund früh fertig sein müssen, aus dem ich nicht nach Bad Nauheim zum Jedermann-Zehnkampf radeln kann, folgen jetzt, schon gestern abend notiert (wg. früh fertig sein müssen):

„Bayern feiert 2. Tor-Triple“ (Bild online). Auf so eine bescheuerte „Serie“ muss man erst einmal kommen.

Boris Becker als Mitkommentator beim Kerber-Match: Ganz in seinem Metier. Wie sang Dorthe einst? Wärst du Dussel doch im Dorf geblieben. Auch so ne Verballhornung. Kommt zur Trebing-Mail

Angelique Kerber war Erste der Weltrangliste, ist Wimbledon-Siegerin – alles, was noch kommt, ist Zugabe. Mit solchen Niederlagen kann sie entspannt umgehen. Selbstzweifel sollte sie erst gar nicht mehr aufkommen lassen. Sportliche, meine ich. Mit grundsätzlichen hat jeder manchmal bis oft zu kämpfen. Wer nicht, ist auch nicht zu beneiden, sondern ein ganz armer Wicht.

Das steht nicht auf dem Zettel von gestern, sondern flowt im Fließ, ne, ich Dussel aus Dorf, fließt doppelt gemoppelt im Flow aus mir heraus. Wie die damit überhaupt nicht zusammenhängende Zwischenmeldung des Hirns, dass nicht mal ein Prozent der Wahlberechtigten an der Zeitumstellung mitgedreht haben, aus basisdemokratischen Gründen wäre sie also ungültig. Ich bin sowieso für die Beibehaltung. Dass es im Sommer länger hell bleibt und im Winter früher dunkel wird, passt mir ins Gemüt.

Guardiola sortiert Sane aus, wegen mangelnder Einstellung. Aus dem gleichen Grund (vermute ich) hatte ihn  auch Löw aussortiert. Fast gleichzeitig mit Guradiolas Aussortierung sortiert ihn Löw wieder ein, als Fanal, als Fanälchen des „Umbruchs“.

Große Spiegel-Geschichte: Junge deutsche Springreiter veranstalten Saufgelage und führen Strichlisten, mit wem und wie vielen Mädchen sie … ach was? Nur junge Springreiter?

Außerdem: die Jubel-Welle in den Fußballstadien mit Sommerhits wie „Floß“, eine Welle, die unbemerkt an mir vorbei geschwappt ist. Vor vielen, vielen Jahren habe ich mal einen Anstoß geschrieben, als dieser noch nicht täglich kam, sondern Ausnahme war, über diese Wellen im Sport und anderswo, die aber vergleichsweise ewig rollten. Die heutigen sind schon vergessen, bevor man, nein: ich sie überhaupt bemerken kann. (Muss mal ins gw-Archiv schauen, vielleicht ergibt sich ein Rückgriff).

Auch über Gesinnungs- und Verantwortungsethik wollte ich eine kurze Sentenz (ebenfalls ein Pleonasmus? Kurz und Sentenz?) schreiben, aber sie muss sitzen, deswegen müsste ich gründlich nachdenken, um es prägnant auszudrücken, daher lasse ich’s wahrscheinlich. Grundidee: Ein Mensch, der nicht gesinnungsethisch fühlt, ist ein Unmensch. Ein Staat, der nicht verantwortungsethisch handelt, versagt in einem wichtigen Bereich seiner Daseinsberechtigung. Das Glück der größtmöglichen Zahl (und gleichzeitig das kleinstmögliche Unglück der anderen). Oder so. Oder trifft es das schon? Denkpause, KKKK, FAS und Samstag-SZ, dann Montagsthemen, dann drei Kolumnen Pause. Bis dann!