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Sonntag, 8. Juli, 6.00 Uhr

Meldung der Nacht am frühen Morgen:

5.51 Uhr (Eil )
Rettungsaktion für Fußballteam in Höhle in Thailand gestartet
Chiang Rai (dpa) – Die Rettungsaktion für die zwölf in einer Höhle in Thailand eingeschlossenen Jungen und ihren Fußballtrainer hat begonnen.

Da kommt mir alles, was ich sonntags zum Aufwärmen vor der Kolumne schreibe, noch platter vor als in selbstkritischsten Momenten. Zum Beispiel, dass ich gelesen habe, Leica produziere in Wetzlar, meiner halben Heimatstadt, jetzt auch Leica-Uhren. Mechanische, hinten mit einer massiven Glasabdeckung, so dass man das arbeitende Uhrwerk sehen kann. Das könnte mir gefallen, denke ich, ich bin zwar kein Uhrenfan und trage meine, ein Geschenk, schon seit vielen Jahren, denke aber, für solch eine neue Uhr würde ich sogar um die 200 Euro ausgeben. Preise werden in dem Artikel nicht angegeben, also googele ich. Und damit ist die Sache für mich erledigt. „Die Uhr ist ab 10 000 Euro zu haben.“

Kürzlich habe ich von dem Unfall bei der Radtour von uns alten Knackern geschrieben, der doppelten Oberschenkelfraktur. Wie es dem Armen denn jetzt gehe, werde ich gefragt. Viel schlechter als erwartet. Riesiger Blutverlust, das Blut hatte sich in den Oberschenkel ergossen, der aufgepumpter aussah als der jenes Bahnradfahrers, Name fällt mir nicht ein, der wegen einer angeborenen Anomalität grotesk aufgeblähte Oberschenkel hat (Googeln Sie mal „Bahnradfahrer“ und „Oberschenkel“, da stoßen Sie bestimmt auf den Namen und Fotos), er ist immer noch sehr geschwächt, war lange im Krankenhaus und muss demnächst wieder für drei Wochen hin und ist im Moment schon froh, dass er wenigstens eine Viertelstunde am Tag aufstehen und leichte Büroarbeiten erledigen darf.

Zwei schöne Mails in der Box, die von Prof. Schubert, kurz und knackig, will ich auch in die Montagsthemen übernehmen, zumal das Thema zu meinem sprachlichen Hobby gehört. Dazu passt dann auch der merkwürdige Satz aus der „Welt“, den ich notiert habe: „Die acht Nationen, die das Viertelfinale erreicht haben, belegen in der Packing-Statistik die ersten neun Plätze.“ Klingt für mich wie der sehr alte „Frühschoppen“-Scherz „mit fünf Journalisten aus sechs Ländern“. Oder stehe ich auf dem Schlauch und kapiere das nicht? Falls ja, bitte ich schlauere Frühleser um Aufklärung, bevor ich nachher ans Kolumnenschreiben gehe.

Aufpassen muss ich auch beim Schreiben. Mittlerweile habe ich mit meinem brutalen Zwei-Finger-System nicht nur das „e“ zerschossen, sondern auch die Leertaste gesplittert und das „n“ zerstört, das nur noch auf brutalstmöglichen Druck reagiert, so dass ich nach jedem Satz nach fehlenden „n“ suchen und sie mit viel Druck reinhaue muss.

Siehste, reinhaue, zwar korrekt hessisch, aber nicht gewollt. Also: „reinhaue“. Nein! och mal: „reinhauen“. Endlich!

Och? Kein Scherz. och mal: „Noch mal“. Das glaubt mir kei Mensch.

Für die Montagsthemen vorgemerkt: Belgiens „Multikulti-Truppe“ (wird immer je nach Erfolg eingeordnet, siehe Frankreich in Zidane-Zeiten, danach und jetzt) und ähnlich die je nachdem interpretierte Coolness oder Arroganz bei „getschippten“ Elfmetern.

Ansonsten och nicht viel (och!) auf dem Zettel. Aber es ist ja noch früh am Tag. Sogar och zu früh für KKKK. Und, liebe „Packing“-Leser: Bitte rechtzeitig melden!

 

 

 

Baumhausbeichte - Novelle