Archiv für Juni 2018

Mittwoch, 27.Juni

Ich sach jetzt ma …nichts.

Das Glück des Rentners: Er muss nicht. Nicht kommentieren, nicht glossieren, nicht leitartikeln, keine Layouts für die WM-Aus-Seite machen, keinen Spielbericht redigieren, keine Bilder auswählen, keine Stimmen zum Spiel sammeln. Auch keinen Blog schreiben. Frei!

Und er kann sich erst wieder melden, wenn die erste Aufregung abgeklungen ist.

 

Veröffentlicht von gw am 27. Juni 2018 .
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Sonntag, 24. Juni, 7.05 Uhr

Es hat lange gedauert, bis die zehn Kilometer in die Redaktion freigeschaufelt waren. Während der Firmenlaptop unermüdlich schaufelte, sichtete ich auf dem eigenen Tablet die Stimmungs-Lage der Nation. Die ist nach einem grotten- und einem ziemlich schlechten  Spiel ungewöhnlich gut.

War Kroos‘ Kunstschuss ein Erweckungserlebnis? Hab mal schnell den Begriff gegoogelt, denn Pfarrer Lenz (siehe Mailbox) hat sicher recht, wenn er schreibt, dass neben Pfarrern die Journalisten am „abgesättigsten“mit christlichen Begriffen umgehen. An der Erweckungsbewegung bin ich hängen geblieben. Irritiert mich etwas.

Jedenfalls lass ich das mit dem Erweckungserlebnis. Vielleicht „Initialzündung“? Das Wort taucht mehrmals in den ersten Online-Kommentaren auf. Auch das gegoogelt: Erfunden wurde die I. von Alfred Nobel, Erfinder des Dynamits und des Preises seines Namens. Führt mich zum Preis-Komitee, dem Skandal, dem Aussetzen des Preises und zu Bertha von Suttner, deren „Memoiren“ ich vor nicht allzu langer Zeit gelesen habe. War sie nicht auch Sekretärin von Nobel? Aber langsam muss ich die Gedanken ordnen, denn schwierige Montagsthemen warten. Wie der Name schon sagen soll, soll (bei zwei gleichen Wörtern hintereinander protestiert das Rechtschreibprogramm; ich ignoriere es) diese Kolumne Randständiges  und/oder das Wichtigste vom Rand her  thematisieren. Toni Kroos hat schon recht: Manche hätten uns gerne ausscheiden sehen; vor allem manche Journalisten, denn das vorzeitige Ausscheiden ist leichter zu kommentieren als die Hängepartie.

Stichworte auf meinem Zettel von gestern Abend: Mieses Karma mit einem Kunstschuss zertrümmert / Zwischendurch drohte die Höchststrafe:  Ausscheiden und dennoch weiter mitspielen müssen (gegen Südkorea) / Hoffentlich lese ich nirgendwo, wie Kroosartig das Tor war; schon passiert (Bild online; viele folgten) / Geheimnis des Tores: das Antippen, um den Winkel zu verbessern / Solche Tore aus dieser Distaz und diesem Winkel waren Spezialitäten des junge Reus; fast zehn Jahre ist es her. Und so weiter. Muss noch ausgären.

Noch ein Wort zu Pfarrer Lenz: Das Mitleid, das Erbarmen mit den Schwächsten, davon habe ich schon oft im Blog geschrieben, über die Allerschwächsten, die ohne Mitleid und Erbarmen weckende Kameras auf dem Weg durch Afrika oder Asien elendiglich verrecken, weil sie dem Ruf der Pfarrerstochter gefolgt sind. Schwierig, schwierig, schwierig. Das ganze Dilemma steckt auch in den westlichen Rettern, den unfreiwilligen Geschäftspartnern der Schlepper. Was sollten sie aber tun? Die Menschen, die es bis ans Ufer des Mittelmeers geschafft haben, verrecken  lassen, um viele andere vom Weg ins Verderben abzuhalten? Zum Glück schreibe ich nur eine Sportkolumne.

Veröffentlicht von gw am 24. Juni 2018 .
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Donnerstag, 21. Juni, 17.50 Uhr

Gestern lange Radtour. Vom Berg über den Ebsdorfer Grund nach Rauischholzhausen, Amöneburg, Kirchhain, Cölbe, Marburg, Gießen und zurück auf den Berg. 109 km. Die ersten 50 davon aus falschem Altersehrgeiz ohne Stromeinsatz. Als ich eine ca. 12-Prozent-Steigung mit letzter Kraft schaffte und geschafft war, siegte die Vernunft, und ich schaltete das Pedelec auf Eco. Zum Schluss sogar auf Turbo. Dennoch schlaachskabudd. Wer es nicht kennt: Mit dem schweren Pedelec „ohne“ den Berg hinauf fahren ist so, wie auf einem Mofa hochstrampeln, dem der Motor abgesoffen ist.

Aber ich wollte ja heute etwas anderes im Blog zur Sprache bringen. Weil das Thema den Sport-Stammtisch, den ich morgen schreibe, sprengen würde und außerdem nichts mit Sport zu tun hat. Ich kam aber beim Radfahren darauf, auch Anne Chaplet ist eine Radfreundin, auf dem Zettel für den Sport-Stammtisch steht sie wg. „Ronaldo/Figo/Kartenabreißer“, unter ihrem Echtnamen Cora Stephan ist sie eine renommierte Journalistin … und schon ist der Bogen zum Thema geschlagen.

Vor einigen Tagen schrieb ich hier im Blog, nach bemerkenswerten Leserbeiträgen (siehe „Mailbox“):

Meine Idealvorstellung: Menschen, die auf dieser Ebene konstruktiv diskutieren, einigen sich am Ende trotz aller bleibenden Streitpunkte auf einen humanen Grundkonsens denkender und fühlender Menschen. Naiv? Wahrscheinlich. Aber Grundbedingung für den Erhalt der extrem bedrohten Gesellschaft und ihrer Verfasstheit, immerhin der besten, die Deutschland bisher zu bieten hatte.

Ja, naiv. Den „humanen Grundkonsens denkender und fühlender Menschen“ gibt es nicht. Ich spüre es immer wieder, wenn Menschen, die ich schätze, sich gegenseitig die Vernunft bzw. die Menschlichkeit absprechen. Und auch, wenn nachdenkliche Christen, die sowieso viel zu zweifeln haben, an sich, der Welt und ihrem Glauben, gerade bei diesem Thema nicht zweifeln wollen, sondern die christliche Kernbotschaft leben und verteidigen, auch wenn das, konsequent zu Ende gedacht, in der Welt zu mehr Elend, Verzweiflung und Tod führt als „unmenschliche“ Verantwortungsethik. Auch das habe ich kürzlich im Blog angesprochen, mit meiner Empathie für Menschen, die nach den Verlockungen, die Kanzlerin und Begrüßungsorgien ins kleinste afrikanische Dorf ausgestrahlt hatten, sich gen Deutschland aufgemacht hatten, haben und noch immer auf dem Sprung sind, und von denen die meisten unbekannt, unerfasst von Kameras, elendig auf diesem Weg zu Grunde gehen, ausgeraubt, vergewaltigt, versklavt oder umgebracht werden oder „nur“ hoffnungslos als lebende Leichen im Nirgendwo stranden, lange bevor sie als Schreckens- und Erbarmungsbilder, als tote Kinder am Strand oder zusammengepferchte Verzweifelte  auf maroden Schlepperkähnen auf unseren Bildschirmen auftauchen könnten.

Und dann gibt es noch die anderen, die schon gekommen sind, die Starken, die mit den Ellbogen, die Unbarmherzigen, die dem Lockruf gefolgt sind, nicht weil sie verfolgte Kriegsflüchtlinge wären, nicht weil sie in ihren Heimatländern unmenschliche Lebensbedingungen hätten, sondern weil sie die vergleichsweise natürlich viel bessere Infrastruktur für sich nutzen und, ja, auch ausnutzen wollen und können, und das auch auf diverse gemeinschaftsschädigende Weise, zumal auch unser Strafrecht viel humaner ist als das in ihren Herkunftsländern.

Gewiss, darüber kann man gut diskutieren. Ich bin immer gerne bereit, eigene Fehleinschätzungen und Irrtümer zu korrigieren, in diesem Fall sehne ich eigenes Irrtumseinsehen sogar herbei, denn es macht keine Freude, als herz- und gewissenlos abgestempelt zu werden. Aber es wird ja erst gar nicht diskutiert.

Damit zu Cora Stephan. Auf Facebook macht sie öffentlich, dass dort ein Text von ihr blockiert wurde, den eine FB-Nutzerin geteilt hatte:

Maria, Mia, und jetzt Susanna: von Männern ermordet, die seit 2015 nach Deutschland gekommen sind. Einzelfälle, gewiss. Nicht alle, die der großzügigen Einladung der Bundesregierung gefolgt sind, sind Terroristen, Sozialschmarotzer, Betrüger, Drogendealer, Kleinkriminelle, Mörder und Totschläger. Doch man konnte schon 2015 wissen: Wenn alle Türen offen stehen, wenn vollmundig allen, die das Wort „Asyl“ aussprechen können oder sich rechtzeitig einen syrischen Pass besorgt haben, Eintritt in ein attraktives System der Fürsorge gewährt wird, lockt man auch solche Trittbrettfahrer an.

Ein bisschen polemischer formuliert als meine Versuche zur Sache, aber inhaltlich ähnlich. Wie ich meine: Es sind nur Versuche, darauf hinzuweisen, dass eins und eins zwei ist. Und nicht fünf oder null. Aber mittlerweile scheinen alle Ergebnisse von 1+1 erlaubt zu sein, außer 1+1 =2.

Nicht nur auf Facebook wird auf diese Weise zensiert, überall wird zur Schere gegriffen, selten aber zur Schere im eigenen Kopf. Schade und schlimm. Hoffnung nicht in Sicht.

 

Veröffentlicht von gw am 21. Juni 2018 .
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Sonntag, 17. Juni, 14.05 Uhr

Der Rohtext ist geschrieben, online stelle ich ihn aber lieber nicht. Das wäre ein zu intimer, nein, ein zu verräterischer Blick in meine Arbeitsweise. Es sind zwei Puzzles, aus denen ich nachher, mit weiteren Puzzleteilen, ein ganz neues fertiges Puzzlebild basteln werde, bei dem eines der beiden x-teiligen Puzzles aussortiert wird . Habe ich lange nicht mehr gemacht, wollte ich auch eigentlich nie mehr tun, weil zu hektisch und im Ergebnis oft unbefriedigend. Selbst schuld.

Veröffentlicht von gw am 17. Juni 2018 .
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Sonntag, 17. Juni, 6.45 Uhr

Beim Schreiben des Datums fällt mir auf, dass heute ein Feiertag nicht ist, nicht wäre, sondern war. 17. Juni 1953. Wann wurde er abgeschafft? Keine Ahnung.

„Keine Ahnung“: Häufigst gehörtes Füllwort in Gesprächen mit jüngeren Menschen. Also nicht nur jüngeren als ich, sondern wirklich jungen. Bei manchen fast so häufig zu hören wie bei Boris Becker das „ääm“. Ach ja, B.B.: Alle haben gefeixt oder geschimpft, je nach Laune,  als er Berater oder so etwas ähnliches bei einem afrikanischen Despoten wurde. Aber nun scheint es keine Unbedarftheit zu sein, sondern letzter Rettungsversuch. Diplomatenstatus versus Insolvenz. Erfolgsaussichten wie bei einem Rückstand im dritten Satz von 0:2, 0:5.

Keine Meldungen der Nacht bei dpa. Seit gestern 15 Uhr überhaupt keine Meldungen mehr. Irgendwas hängt. Als ich früher keinen Sonntagsmorgenblog schrieb, sondern um die gleiche Zeit schon an den Sportseiten werkelte, hätte ich Puls gehabt, einen Mitarbeiter der Technik geweckt und den Notfall ausgerufen. Heute werden die ersten Redakteure frühestens zur Mittagszeit kommen, gelassen reagieren, vielleicht gar nicht, weil sich die Sache von selbst behoben haben könnte. Früher war mehr Alarmismus. Von mir.

Dann  schaue ich halt mal bei Bild online vorbei. Dort die Meldungen der Nacht: „Erdogan-Fotos wären keine Entschuldigung“ – nee, das nicht. Aber eine Erklärung, denn latente Stimmungsirritationen kann man nicht rational wegerklären, sie wirken, eben latent, und zwar negativ (wie beim gezielt gesteckten Kovac-Weggang in Frankfurt). Im Fall der Fälle könnten wir in Hessen ganz Deutschland trösten: Nach dem Durchhänger gibt es ein Happy-End! Eintracht!

Nächste Meldung: „Und jetzt auch noch der AudiA8“. Es dieselt immer weiter. Ich bin zwar von Autos unbeleckt wie kaum ein anderer, weiß nicht, was ein A8 ist und könnte als Zeuge einer Fahrerflucht das Auto nur als klein oder groß, rot oder blau identifizieren, habe aber das latente (mit dem Wort hab ich’s heute früh) Gefühl, dass … nein, ich lasse es lieber. Wer keine Ahnung hat, sollte seine Verschwörungstheorie „USA gegen die deutsche Autoindustrie“ lieber für sich behalten. Bis es ausgedieselt hat und die Benziner an die Reihe kommen …

Schlagzeile in der FAS: „Trennungsgedanken in der Union“. Gab es schon oft (meist „latent“, ja!), aber seit Strauß/Kreuth noch nie so deutlich artikuliert wie jetzt. Gehört alles zum Kollateralschaden des großen Sündenfalls. Die größte Katastrophe aber bleibt latent, also ständig vorhanden, aber unsichtbar, in den Weiten Afrikas und Asien, wo Hunderttausende, lange bevor sie Europas Grenzen hätten erreichen und für unsere Kameras sichtbar werden können, jämmerlich zugrunde gehen, weil sie unseren freudigen Begrüßungstaumel als Einladung interpretiert hatten. Ja, „unseren“, denn viele wollen ja heute vergessen, dass es nicht eine Frau alleine war, sondern halb Deutschland. Ich weiß, es ist penetrant besserwisserisch, darauf herumzureiten, daher belasse ich es bei dem Hinweis, im Blog von 2015 zu stöbern.

Fußball. WM. Löw lässt sich von allen Spielern siezen und bekommt, wenn er die Bundeskanzlerin besucht, immer sein Lieblingsgericht, Cordon bleu. Jeden Tag isst er eine Tafel Schokolade. Heißt es in den heiß laufenden „Nachrichten“, bevor es endlich losgeht. Aber es geht ja noch gar nicht los. Wenn die WM beginnt, beginnt sie noch lange nicht. Selbst das 3:3-Spektakel wird in drei Wochen nur eine Randnotiz sein, ebenfalls das Mexiko-Spiel heute.

Dennoch werde ich die Montagsthemen heute in Etappen schreiben. Zunächst einen längeren, gut kürzbaren Text, den ich nach dem Schlusspfiff überarbeite. Nach dem Schlusspfiff ein paar Sätze, vielleicht auch ein paar mehr, oder nur einen, je nachdem, in und um den Basistext redigiert. Die Kolumne wird also erst am Abend online stehen …oder (Sie merken, liebe Leser, das Schreiben des Blogs ist wie eine „allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Schreiben“ – welches literarische Zitat verballhorne ich hier? Ich weiß es im Moment nicht) … oder ich stelle nachher den Basistext in den Blog? Auf dem Zettel stehen Algorithmen, O-Beine und Breitners WM-Top 10. Und Garrincha. Der mit dem X- und O-Bein. Eine Legende. Aber nicht so legendär, als dass ihn das Rechtschreibprogramm noch kennen würde. Es unterkringelt den Namen Garrincha rot als Schreibfehler. „Unterkringelt“ übrigens nicht. Und das muss für heute früh genügen.

 

Veröffentlicht von gw am 17. Juni 2018 .
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