Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Ohne weitere Worte (vom 29. Mai)

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hatte mitgeboten, war aber nicht zum Zuge gekommen. (…) Was ist daran schlimm? Vor allem eines: dass der Mainzer Sender, der sich aus Gebührengeldern finanziert, überhaupt wieder ein Angebot abgegeben hat, das vermutlich deutlich im dreistelligen Millionenbereich lag. (Wirtschafts-Leitartikel »Kein Gebührengeld für Fußball!« von Ralph Bollmann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
*
Wie füllen Sie persönlich ab nächster Saison die Champions-League-Lücke? – »Ich will endlich lernen, besser Gitarre zu spielen.« (Moderator Jochen Breyer, dessen ZDF am Samstag zum letzten Mail übertrug, im taz-Interview)
*
Warum sollten die Gebührenzahler ein Geschäft subventionieren, das kommerziell so prächtig gedeiht? (…) Es verlangt schließlich auch keiner, neue Kinofilme müssten frei im Fernsehen zu empfangen sein. (Bollmann/FAS)
*
»Der Jürgen löst überall die gleichen Gefühle aus, in Mainz, in Dortmund und jetzt in Liverpool«, sagt er kurz vor dem Finale der Champions League. Hans-Joachim Watzke weiß, dass diese Gefühle nie wieder zu ihm zurückkommen. Jürgen Klopp hat sie mitgenommen. (Michael Horeni in der Frankfurter Allgem. Zeitung)
*
Im August 1934 ordnete Adolf Hitler an, dass ihn künftig alle deutschen Soldaten (und bald auch alle anderen) mit »Mein Führer« anzureden hatten. (…) Nach 1945 kam wegen dieser Nazi-Vorgeschichte keiner mehr auf die Idee, Höhergestellte mit »Mein Präsident«, »Mein Kanzler« oder »mein Bundestrainer« anzureden. Außer Ilkay Gündogan. (Welt)
*
»Bestimmte Dinge, nehmen wir den Fußball, begreife ich nach wie vor nicht.« – Zum Beispiel? – »Sprechen wir von der Trainingsplanung und dass man Spieler belohnt mit freien Tagen. Das geht nicht, wenn man Belastungen hat, (…)wenn man gewissenhaft Verletzungen vermeiden will.« (Ex-Sechs-Meter-Stabhochspringer Tim Lobinger im FAZ-Interview)
*
Der Polizist schob den Strafzettel fast ehrfürchtig unter die Scheibenwischer des Ferraris. (»Laufende Ermittlungen« von Andreas Bernard im Zeit-Magazin)
*
»Er machte den Landis!«, war der erstaunte Ausruf von George Bennett, als ihm seine Teambetreuer steckten, dass Froome tatsächlich ins Rosa Trikot gefahren war. (…) Froome wurde (…) natürlich auch gefragt, wie er sich (…) vorbereitet hatte. (…) »Es ging auch um die Ernährung. Was füllt man ein, wie verteilt man es.« Was eingefüllt wurde, sagte er nicht. (Tom Mustroph in der FAS)
*
Jemand fuhr alleine auf seinem Tandem. (Bernard/Zeit-Magazin)
***
(Auf  www.anstoss-gw.de wurde ein Thema im Blog angesprochen und in der Mailbox diskutiert. Zufällig kam es kurz danach in unterschiedlichen Printmedien ebenfalls zur Sprache; wir zitieren beispielhafte Sätze:)
*
Wenn ich mir die Zahlen anschaue, dann halte ich es nicht für unmöglich, dass mein kleiner Sohn eines Tages in Deutschland zu einer Minderheit gehört. (Harald Martenstein in seiner Kolumne im Zeit-Magazin)
*
»Eine gerechte Gesellschaft setzt nicht materielle Gleichheit voraus, wohl aber die Möglichkeit, sich gleichberechtigt zu begegnen. (…) Aber selbst im Sport sondern sich die Wohlhabenden inzwischen in der VIP-Lounge, in den USA Skybox genannt, vom Fußvolk der Fans ab. Die ›Skyboxification‹ (…) pflanzt sich durch die Gesellschaft fort, von der Schule bis zur Rente.« (US-Philosoph Michael J. Sandel im Spiegel-Interview)
*
Viele muslimische Zuwanderer (…) halten wenig von Toleranz. So naiv, dass ich an die Allmacht der Sozialpädagogik glaube, bin ich nicht. Sie werden ihre Stärke nutzen, wie Mehrheiten das fast immer tun. (Martenstein/Zeit)
*
»Das Erstarken des Rechtspopulismus ist ein Symptom des Scheiterns fortschrittlicher Politik.« (Sandel/Spiegel)
*
»Ich glaube, dass der Kapitalismus unsere Lebensmüdigkeit nur zudeckt. (…) Konsumwahn, Kauflust und das ständige Denken an unsere eigene Sicherheit machen uns wenig Lust auf das Leben. (…) Diese Oberflächlichkeit führt zu Lebensüberdruss. Aber sie führt nicht dazu, dass die innere Leere unserer Gesellschaft reflektiert wird.« (Schauspieler Edgar Selge im HörZu-Interview)
*
Immer mehr meiner Freunde laufen zu den Konservativen über, mehr aus Verzweiflung als aus Überzeugung. (Martenstein/Zeit) (gw)
*
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle