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Thomas König: Hessisches Bekenntnis

Ich bin bekennender Hesse seit meiner Geburt. Vor nun fast 63 Jahren machte ich meinen ersten Atemzug in Sachsenhausen und saugte somit „Stöffche“-schwangere Luft quasi mit der Muttermilch ein. Für mich ist der Nabel der Welt unbedingt in Hessen, genauer gesagt in der schönen Wetterau, wo ich seit meinem fünften Lebensjahr wohnen und leben darf (den Fehltritt meiner Eltern mich ausgerechnet in Frankfurt in die Welt zu setzen, habe ich ihnen inzwischen verziehen!). Sport ist eine meiner großen Leidenschaften, allerdings mehr als Couch Potato denn als aktiver Sporttreibender. Nun ja , nicht ganz! Ich engagiere mich stark für meinen Herzensclub, dessen Spiele ich seit nun 50 Jahren regelmäßig besuche, habe vor 12 Jahren zusammen mit zwei anderen Fans eine 400 Seiten starke Chronik über diesen Verein herausgegeben (Erlös in Höhe von ca. 25.000€ floss ausschließlich dem Verein zu)  und bin heute aktiver Redakteur unsere Stadionzeitung sowie Betreiber einer Webseite, die sich vor allem um diesen Sportclub dreht. So gesehen bin ich eine Art „Kollege“ von ihnen.

Als regelmäßiger Leser ihrer Anstoß-Kolumne in der Wetterauer Zeitung gehöre ich – wenn sie so wollen – zu ihren „Fans“. Vor allem schätze ich ihre Wortspielereien und den dabei an den Tag gelegten Wortwitz. Wir könnten also so etwas wie Brüder im Geiste sein, wenn da nicht immer wieder ihre starken Sympathien zu einem hessischen Fußballverein durchschlagen würden, der mir aber auch so ganz und gar am Allerwertesten vorbei geht. Aber das will ich ihnen nicht ankreiden, jeder hat das Recht auf eine freie Meinung und die muss natürlich nicht immer kompatibel zu der meinigen sein. Das gibt dem Leben ja erst die richtige Würze.

Am heutigen Samstag aber haben sie ein Vorschlag gemacht den ich unbedingt unterstützen möchte: Die Fusion zwischen der Eintracht und den Bayern zu einer SGB Eintracht. Eine solche Fusion hätte ungemeine Vorteile. Hamburg könnte weiter in der Liga verbleiben und weil die aus der Zweiten dann raus wären, dürfte Thorsten Lieberknecht auch weiterhin in Braunschweig seinem blau-gelben Enthusiasmus in der 2. BuLi freien Lauf lassen und hätte nicht seinen Stuhl geräumt. (Ich bin da recht altmodisch und finde solche langjährigen Liaisons immer noch toll!) Aber abgesehen von diesen Nutznießern, wäre auch ich und meine Gemütsstimmung stark betroffen, da gerade die SGE und der FCB auf meiner ganz persönlichen Liste der absoluten Bundesliga-Unsympathen mit weitem Abstand vorne stehen. Ihr Vorschlag würde meine „Top-2 Kotzbrocken“ auf einen einzigen reduzieren, sozusagen eine Halbierung meiner Schmerzen, wenn wieder einmal Spieltagergebnisse nicht nach meinem Wunsch ausfallen. Ein sehr erhebender Gedanke…

Aber sei‘s drum… ich befürchte ihr Vorschlag wird nur sehr wenige Befürworter finden und sie selbst räumen ja ein, dass die Idee nur aus den Nachwehen ihres Pokal-Deliriums erwachsen sind. Trotz meiner Abneigung gegen die beiden Vereine, habe ich dennoch das Spiel im Fernsehen verfolgt. Zu meiner überaus großen Verwunderung hat irgendetwas in mir sogar dem Endstand zugestimmt; aber nur, weil die Bembeltreter einfach mehr für den Sieg gekämpft haben – ganz bestimmt nicht weil ich es ihnen mehr gegönnt hätte.

Bevor ich schließe und mich weiterhin auf spitzfindige Wortspiele in ihrer Kolumne freue, noch ein Rätsel (weil ich weiß, dass sie so etwas mögen und ja auch selbst immer für mich UNLÖSBARE Personenrätsel stellen). Gesucht ist mein Herzensclub, der am westlichen Rand der Wetterau im Jahre 1946 nur deshalb gegründet wurde, weil ein „Ritter“ für seine Jungs einen „coolen Sportplatz“ bauen ließ. Dort tobten sich ab diesem Jahr zunächst Ostpreußen in roten Armee-Trikots aus und fegten wie die Teufel alle deutschen Traditionsclubs jenseits des Weißwurstäquators vom Platz, 1949 gewannen sie sogar die Deutsche Vize-Meisterschaft. 1968 im zarte Alter von 13 Jahren wurde ich ihr leidenschaftlicher Anhänger, musste 1982 das leidvolle Aus miterleben. Die dabei gemachte traurige Erfahrung, dass der kleine Nachbar aus eben jener Stadt, die mein Geburtsort darstellt, auf unsere Kosten von diesem Exitus so stark profitierte, dass sie sogar Jahre später Deutscher Meister in dieser Sportart wurden, war der Start meiner Aversionen gegen diesen damals noch unter dem Eintracht-Adler auftretenden Club. Am 21. April 2013 fand aber ein kleines, SEHR emotionales Finale gegen einen anderen Hessischen Gegner statt, was der Nachfolgeclub des untergegangenen Vereins  wieder zurück in die 2. Liga führte. Dort sind WIR noch heute und behaupten von uns „Hessens wahre Liebe“ zu sein.

Ich denke das sollte mehr als ausreichen, um in ihren kleinen grauen Zellen heftiges Klicken auszulösen – auch wenn sie, wie sie schon mal geschrieben haben, gerade in dieser Sportart nur ein Randwissen und -interesse aufweisen.

Liebe und sportliche Grüße

aus Hessens größter Traditionsstadt in Bezug auf diese Sportart

Thomas König

PS: Sollten sie das Rästel dennoch nicht lösen können, die Lösung finden sie auf meiner Webseite http://tecksspielwiese.bplaced.net/

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