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Dirk Loburg: Gratulation, Migration und Sabotage

Ich möchte Ihnen zum Pokalsieg der Eintracht gratulieren. Vermutlich freuen Sie sich mehr, als Sie es in den Kolumnen zugeben würden. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Sie in den letzten Jahren ab und zu gerne ein wenig in Ihrem „Fan-Stolz“ verletzt hätte. Anlass gab es sicherlich genug. Aber selbstverständlich habe ich davon abgesehen, da ja offensichtlich war, wie sehr bereits der Verein die eigenen Fans strapaziert hat. Und selbst als Bayern-Sympathisant muss man zugeben, dass es sich die Eintracht-Fans wirklich durch ihre Leidenschaft und tollen Choreographien verdient haben. Zu hoffen bleibt, dass es sich in diesem Fall nicht um einen Pyrrhus-Sieg handelt (Europa als die große Gefahr einer im Fußball ja bekanntlich nicht darzustellenden Doppelbelastung).

 

Beim Schreiben dieser E-Mail merke ich übrigens mal wieder, dass es gar nicht so leicht ist, öffentlich Stellung zu kontrovers diskutierten Themen zu nehmen. Was mich auch direkt zu einem Thema bringt, das mit Sport eigentlich nichts zu tun hat. Ich fühle mich aber so, als müsste ich Ihnen den Rücken stärken, wenn Sie die deutsche Migrationspolitik durchaus differenziert betrachten, Eindrücke aus Ihrem Bekanntenkreis widergeben und dabei auch die „Moralkeule aus Schotten“ in Kauf nehmen. Die Gefahr in Deutschland ist meines Erachtens wie so oft, dass die „political correctness“ den gesunden Menschenverstand (und geltendes Recht) gnadenlos erschlägt.

 

Ihre Einschätzung zum „Videobeweis“ teile ich übrigens vollumfänglich. Diese sollte nur eine Hilfe für den Schiri sein, die dieser in Anspruch nehmen kann, aber nicht muss. In der jetzigen Form geht die Tendenz eher in Richtung Sabotage eines gut gemeinten Gedankens. Aber was erwartet man von einer Sportart, bei der man es noch nicht einmal geschafft hat, eine effektive Spielzeit einzuführen? Real Madrid dankt es den Verantwortlichen recht häufig mit Toren in der Nach-Nachspielzeit. (Dirk Loburg/Gießen)

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