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Montag, 21. Mai, 7.00 Uhr

Erst sechs richtige Lösungen, nur wenige falsche (Raten war ja auch sinnlos), und heute ist Einsendeschluss: „Wer bin ich?“ war diesmal eine besonders harte Nuss. Soll ja auch so sein, um die Spitzengruppe zu sprengen, wie bei einem Tour-de-France-Anstieg. Mal sehen, was bzw. wer da noch alles nachkommt. Besonderheit in diesem Jahr: Bei jeder Etappe wird ein Punkt mehr zu gewinnen sein, in der dritten Runde also drei, so dass „Abgehängte“ gleich wieder aufschließen können.

Abgehängt fühlen sich auch manche, nein viele meiner Generation (ich nicht, ich war noch nie an den Zug der Zeit angehängt, sondern habe ihn schon immer nur beobachtet, als Ameisenzugforscher an der Bahnsteigkante.) Es brodelt in der Gesellschaft, viel mehr, als öffentlich bekannt wird. Ich sehe es vor allem auf Facebook und höre es auch, wenn ich mal in der Gruppe mit dem Rad unterwegs bin. Menschen meines Alters, meiner mehr oder weniger diffusen linkssozialromantischen Jugend, mit ähnlichem Lebensweg, beruflich erfolgreich bzw. gewesen, materiell abgesichert, oft Akademiker, oft ehemals erfolgreiche Sportler, alles andere als Dumpfbacken – aber wenn ich höre, was sie, wie jetzt ALLE bei einer Gruppen-Tagesfahrt, zur Lage der Nation, der Gesellschaft, der etablierten Politik, Europa, den Flüchtlinge usw. sagen, was aus ihnen herausbricht, dann wundere ich mich über das letzte Wahlergebnis. Noch grollen sie nur unter sich, noch ist die AfD für sie mehrheitlich keine Lösung, aber sie sind auf dem Weg dorthin und manche innerlich schon angekommen. Hauptthema auf der Rad-Tour: Weidel und ihre „ganz großartige“ Rede. Ich habe sie weder gehört noch nachgelesen. Ich hoffe zu meinen Gunsten, ich wäre entsetzt. Ich fürchte zu meinen Ungunsten, ich könnte vielem zustimmen.

Statt warmgeschrieben für die Kolumne habe ich mich kaltgeschrieben. Frühstückspause, dann frisch ans Werk. Dürfte leichtfallen, denn der Blogtext von gestern wird die Grundlage sein. Selbstausbeutung im Stein(es)bruch.

Baumhausbeichte - Novelle